Tourismus in Dessau – Hochwasser sorgte für Einbußen

Veröffentlicht: August 15, 2013 von fluthelfer in Dessau

Nach dem verheerenden Hochwasser im Juni bekommt der Fahrradtourismus in der Region langsam wieder Schwung. Ausgebremst wird die Freude darüber aber von vielen Holperpisten, die durch das Hochwasser entstanden sind und nun wieder repariert werden müssen.

Die Fahrradsaison 2013 hakt Walter Schaller, Mobilitätsberater und Fahrradverleiher bei der DVV, jetzt schon ab, egal wie lange das Sommerwetter noch anhält. „Nur noch rund die Hälfte der Fahrrad-Ausleihen im Vergleich zum Vorjahr werden es wohl sein“, schätzt Schaller. Vom Wetter her war 2012 durchwachsen. Trotzdem zeigten sich die Radtouristen erstaunlich robust und liehen sich regelmäßig Drahtesel an der Mobilitätszentrale am Hauptbahnhof aus. Anders in diesem Jahr: „Ein extrem spätes Frühjahr, Regen, Hochwasser, Mücken“, zieht Schaller Bilanz. Vor allem die zwei Wochen im Juni, als der Katastrophenfall in der Stadt wegen des Hochwassers ausgerufen wurde, haben für einen ordentlichen Einbruch gesorgt. Über sechs Wochen ist das jetzt her, das Wasser längst verschwunden und vom Land Kampagnen geschaltet, um den Tourismus, auch den auf zwei Rädern unter anderem im Dessau-Wörlitzer Gartenreich wieder anzukurbeln.

Holländer entsetzt

Doch genau darin liegt für den Fahrradverleiher die Krux. Gut gemeint ist noch längst nicht gut gemacht. „Wir haben Hochglanzbroschüren und Plakat-Aktionen. Die Vermarktung funktioniert. Unser Problem ist aber, dass Anspruch und Wirklichkeit auseinander klaffen.“ Denn Radwege in der Umgebung gleichen Holperpisten. „Jeden Tag länger mit den Reparaturen an den Routen zu warten ist fahrlässig“, ist Schaller überzeugt und erzählt von einer Gruppe niederländischer Radtouristen, die über den Europaradweg R1, von Berlin nach Amsterdam, auch durch das Gartenreich fuhren. Entsetzt erzählten sie, dass sie nie wieder durchs Gartenreich mit ihren Rädern touren…

Da Radtourismus viel von Mundpropaganda lebt, schwant Schaller nichts Gutes. Geld für die schnellstmögliche Ausbesserung der Flutschäden sieht er langfristig viel sinnvoller angelegt als in kurzfristigen Kampagnen. Auch wenn nach seinen Beobachtungen Radtouristen diesen Sommer sehr viel weniger im Stadtbild vorkommen, liegt insgesamt der Tourismus nicht total am Boden. „Die Bildungsreisenden sind ja da.“ Schaller meint die europäischen Touristen und Gäste aus Fernost, die z.B. die Bauhausstätten, auch per Zweirad, erkunden. „Als Radreiseveranstalter ging vier bis sechs Wochen gar nichts. Jetzt kommen langsam wieder Anfragen. Trotzdem ist es an der Elbe ein verlorenes Jahr“, bilanziert Ralf-Peter Weber, Betreiber von Flusskultur Radreisen.

Als Hotelier spürte er mit bis zu 30 Prozent Stornierungen seit dem Hochwasser auch eine große Verunsicherung vor allem bei Radtouristen. Jetzt pendele sich aber alles langsam wieder ein, ist der Chef des Hotels „An den 7 Säulen“ zuversichtlich. Manche Touristen haben ihre Vorhaben gleich ganz auf das nächste Jahr verschoben. Andere kommen trotzdem. „Radfahrer sind meist sehr gut informiert“, beobachtet Weber. Viele Beratungen haben er und sein Team zu Umleitungen und Alternativrouten durchgeführt. Trotzdem mahnt auch er eine schnelle Beseitigung der Flutschäden auf den Radrouten an. „Der Tenor, macht einen großen Bogen um Sachsen-Anhalt, sollte sich möglichst nicht verbreiten“, erklärt er. Denn Radtourismus hat sich in der Stadt zum wichtigen Wirtschaftsfaktor entwickelt.

Auch Übernachtungen rückläufig

Bis zu einem Drittel Buchungsrückgänge im Vergleich zu den Vorjahren erwartet Lars Dähne, Betreiber des Elbufercamps, einem Anbieter von Kanu- und Radtouren. Die Kanutouren laufen. „Bei Radtouren warten viele lieber bis zum nächsten Jahr ab“, beobachtet auch Dähne. Das spürt er auch als Chef der City-Pension in der Ackerstraße. „Radtouristen sind ein wichtiger Teil unseres Gästemixes. Deshalb werden erstmals die Übernachtungszahlen im Vergleich zu den Vorjahren rückläufig sein“, vermutet der junge Unternehmer. Auch andere sind skeptisch. An der Route zur Gartenreichtour gelegen, beseitigen Handwerker letzte Flutschäden an der Bauernstube Stillinge. Am Freitag ist die Wiedereröffnung geplant. „Wir sind zuversichtlich, weil wir viele Zielgruppen haben“, sagt Inhaberin Marion Giewat. „Müssten wir nur vom Radtourismus leben, dann sähe es derzeit düster aus“, ist die Gastwirtin überzeugt.

Quelle: mz-web.de

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