Reha-Klinik schickt Transporter mit Flut-Spenden nach Gera

Veröffentlicht: August 14, 2013 von fluthelfer in Hilfe, Thüringen

Bad Langensalza. In den vergangenen Wochen sammelten die Mitarbeiter Fahrräder, Möbel und Kleidung, um Betroffene der Flut zu unterstützen.

Der Morgen begann gestern für einige Mitarbeiter der Reha-Klinik an der Salza auf eine eher ungewöhnliche Weise: Denn es galt, Fahrräder, Stühle, Tische und Kartons voll Kleidung und Geschirr aus dem Verwaltungskeller zu tragen und in einen Transporter zu stapeln. Rund zwei Wochen hatten die Mitarbeiter in dem Keller alles gesammelt, was sie im eigenen Haushalt nicht mehr benötigten. Die Spende erhalten Flutopfer in Gera. Verteilt wird sie von der Caritas, die am Donnerstag vier Spendenhallen in Gera öffnet.

„Ich habe heute extra noch einmal mein ganzes Geschirr durchgesehen und Salatschüsseln aussortiert“, sagte Chefarzt Enrico Kahl im Gespräch mit unserer Zeitung. 2002 sei sein eigenes Haus in der Nähe des sächsischen Freibergs vom Hochwasser überschwemmt worden.

„Danach mangelt es an allem“, sagte Kahl. In einer Spendenhalle habe er sich nach der Flut eine Schaufel mitgenommen, um Schlamm zu beseitigen. „Das Wasser hatte mein gesamtes Werkzeug aus der Garage weggespült.“

Hochwasser von 2002 noch in Erinnerung

Ein dreiviertel Jahr habe es 2002 gedauert, bis Kahls Familie alles, was die Flut zerstörte, renoviert und ersetzt hatte. „Vielen ist die Katastrophe vielleicht schon nicht mehr im Bewusstsein. Für die Betroffenen aber ist die Sache noch längst nicht abgeschlossen“, sagte Kahl.

Deshalb sollen in den nächsten Wochen auch bis zu drei Psychologen der Reha-Klinik für einen Tag in Gera vor Ort sein. Bei der Caritas sollen sie eine offene Sprechstunde anbieten.

„Die Gespräche sind als Erstberatung gedacht“, erklärte Verwaltungsleiterin Silke Kliem. Die Mitarbeiter der Klinik könnten aber dann an entsprechende Stellen weitervermitteln.

Direkt nach dem Unglück schaffe es kaum einer, sich mit der Situation auseinanderzusetzen und sie zu verarbeiten, sagte Kahl. „Da muss erst einmal wieder das Haus bewohnbar gemacht werden, das familiäre Umfeld stabil sein.“ Erst kürzlich habe die Klinik in Bad Langensalza einen Patienten entlassen, der zu Hause wegen des Hochwassers noch weder Strom noch Wasser hatte. „Wir mussten ihm einen späteren Termin bei uns geben“, schilderte gestern Verwaltungsleiterin Kliem.

Zwei Menschen, die besonders schwer vom Hochwasser getroffen wurden, möchte die Klinik für 14 Tage einladen. „Wer dafür in Frage kommt, muss die Caritas in Gera entscheiden“, sagte Kliem. Die Idee zu helfen, sei kurz nach der Flut im kleinen Führungskreis entstanden.

Zwei Drittel der 150 Mitarbeiter beteiligten sich. Die Kurgäste habe man nicht in die Aktion miteinbezogen, sagte Kliem. „Die kommen meist nicht aus der unmittelbaren Umgebung.“

Dass sich das Klinikpersonal in der Stadt Gera engagiert, sei mehr oder weniger Zufall gewesen, sagte Kliem. Das Team habe entschieden, sich innerhalb Thüringens zu engagieren. „Den Ansprechpartner bei der Geraer Caritas haben wir dann vom Ministerium in Erfurt erhalten.“

Einen Transporter stellte das Autohaus Glinicke in Bad Langensalza. In Hauptgesellschafter Patrick Aldorf sei schnell ein Fahrer gefunden worden, der die Fracht nach Gera bringt.

„Für mich war es 2002 unglaublich ermutigend, zu merken, dass sich andere Menschen engagieren und mit uns zusammenstehen“, betonte Chefarzt Kahl – selbst wenn es nur um eine Schaufel gegangen sei.

Quelle: otz.de

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