Nach Hochwasser Hunderte Kunstwerke verloren: Erzwungene Rückschau in Gera

Veröffentlicht: August 13, 2013 von fluthelfer in Hochwasserfolgen, Thüringen

Barbara Toch und Wolfgang Schwarzentrub mussten schweren Herzens Hunderte ihrer Kunstwerke vernichten, die das Hochwasser zerstört hatte. In ihrer Galerie „uferlos“ vereinen sie nun Atelier, Werkstatt und Ausstellungsraum.

Ironie des Schicksals: „Der kleine Unfall“ heißt das Bild, das Barbara Toch 1991 malte. Darauf zu sehen ist ein Aquarium. Seit Juni dieses Jahres ist die Hälfte des Bildes mit einer dünnen Schicht feinen Schlammes überzogen – denn das Hochwasser hatte im Atelier der Geraer Künstlerin und ihres Mannes Wolfgang Schwarzen­trub ganze Arbeit geleistet.

Im sonst so schönen Untermhaus gelegen, hatte das Elsterwasser genau den Bereich 60 Zentimeter überflutet, in dem das Paar fast das komplette Werk seiner Künstlerlaufbahn lagerte: Ölbilder, Arbeiten auf Hartfaser, Buchbinderleinen, Papier und Pappmaché-Objekte. Das Wasser war durch die Grafikschränke einfach hindurch gelaufen. Hunderte Stücke waren auf diese Weise Opfer der Fluten geworden, waren wellig oder eingelaufen, nun ohne Farbe, also für Ausstellungen nicht mehr zu gebrauchen. „Vieles haben wir einfach weggeschmissen. Es wäre zu riskant gewesen, das schimmelige Papier wieder übereinander zu stapeln“, sagte Wolfgang Schwarzentrub. Er spricht von einer Art „Zeitraffer“, in dem sie sich während der Aufräumarbeiten befunden hätten, denn jedes Bild, das sie jemals gemalt hatten, musste auf Schäden geprüft werden.

„Dinge, die man 20 Jahre lang nicht in der Hand hatte, kamen so wieder ans Licht. Es war quasi eine erzwungene Rückschau im Schnelldurchgang.“

Auch Barbara Toch spricht von einer Zäsur: „So ein Erlebnis zwingt einen, einen anderen Blick auf die eigene Arbeit zu werfen. Es geht einem sehr nahe, aber es entspringt auch Neues daraus.“

Die beiden Künstler halten es für ein großes Glück, ein zweites Arbeitsatelier in der Greizer Straße zu haben. Hierhin hatten sie mit vielen Helfern und Unterstützung des städtischen Fachdienstes für Kultur einige ihrer künstlerischen Arbeiten retten und zum Trocknen ausbreiten können. Erst im Nachhinein fiel ihnen auf, dass sie die Galerie „uferlos“ genannt hatten – und wo kein Ufer ist, kommt auch so schnell kein Wasser. Wenigstens hier ist das empfindliche Gut sicher. Auch die jüngsten Arbeiten standen in der Greizer Straße und blieben so vom Hochwasser verschont.

Nun haben Toch und Schwarzentrub vor allem ihre großformatigen Werke in der Galerie „uferlos“ archiviert. Weil sie sich nicht unterkriegen lassen wollen, sind sie etwas enger zusammengerückt. „Jeder hat noch seinen separaten Atelierbereich, aber in jeder freien Ecke lagern unsere Bilder und im vorderen Raum finden weiterhin kleine Ausstellungen statt“, sagt Barbara Toch und freut sich schon auf je eine Schau im August und September und den 3. Herbstsalon im Oktober. Die Künstlerin beteiligt sich außerdem an der Ausstellung „Warten auf Gott“ im Kunstverein und arbeitet ohne Unterlass an neuen Bildern, die zur Ausstellungseröffnung am 12. September fertig sein müssen. Daneben fordert auch ein Lyrikprojekt mit Blättern zu Gedichten von Charlotte Grasnick ihre volle Aufmerksamkeit.

Zum Herbstsalon wollen Toch und Schwarzentrub das Hochwasser noch einmal thematisieren, ohne jedoch auf die Tränendrüse zu drücken. Die Rückschau sei zwar unfreiwillig gewesen, aber nun müsse man nach vorn schauen und sich lieber neuen Arbeiten zuwenden, als den alten nachzutrauern. Das Atelier in Untermhaus haben sie trotzdem aufgegeben.

Quelle: otz.de

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