Wertvolle Bibel nach Hochwasser im Tiefkühlfach in Erfurt zwischengelagert

Veröffentlicht: August 8, 2013 von fluthelfer in Hochwasserfolgen, Thüringen

20.000 Bücher hatte Andreas Funke-Reuter zusammengetragen, nur wenige konnte er nach der Regenflut noch retten. Über 400 Jahre hat die Bibel von Andreas Funke-Reuter überstanden, Feuersbrünste wie Dutzende Kriege. Die Regenflut vom Juni aber könnte ihr Ende bedeuten.

Als der Boden nach tagelangen Niederschlägen nichts mehr aufnehmen konnte, floss das Wasser über die Erde wie über Beton, staute sich in Gräben und Senken zu einer riesigen Welle auf, die sich am 20. Juni durch Bad Berka und Tiefengruben, Tonndorf und Isseroda, Nohra und auch Linderbach wälzte.

Dort ergossen sich die Wassermassen in den Peter- und den Linderbach und überschwemmten binnen weniger Minuten die Gartenanlage, die Kreuzung der vielbefahrenen B7 und die angrenzenden Häuser.

Als eines der ersten traf es das Haus, in dem Andreas Funke-Reuter mit seiner Lebensgefährtin wohnt. Durch die Kellerfenster sahen sie das Wasser kommen. Weil das Untergeschoss als Wohnung ausgebaut war, hatte der Theologe dort seine Bibliothek eingerichtet. Etwa 20.000 Bücher standen in den Regalen.

Seit der Lehrzeit trug der langjährige Pfarrer sein Geld in Buchhandlungen und Antiquariate, erstand Romane und Krimis, wissenschaftliche Werke, Partituren und theologische Schriften. Zum Familienbesitz gehörte auch eine gut erhaltene, seltene Bibel aus dem Jahr 1609. Die liegt nun zwischen Fisch und Gemüse in der Tiefkühltruhe, um die verheerende Schimmelbildung zu verhindern.

Denn am Abend des 20. Juni schwamm die Heilige Schrift wie alle anderen Bücher in der schlammigen Brühe. Mit Handtüchern und Wischlappen stellten sich Andreas Funke-Reuter und seine Lebensgefährtin dem Wasser entgegen, mussten sich aber der ungestümen Kraft schnell geschlagen geben: „Innerhalb weniger Minuten stand das Wasser fast zwei Meter hoch im Raum, warf die schweren Regale um und spülte die Bücher durcheinander“, erinnert sich der 52-Jährige.

1500 Euro Haushaltshilfe von „Thüringen hilft!“

Nur etwa 2000 Bände konnten sie retten, sie liegen verklebt und verklumpt in der Garage. Schlamm und Schimmel ziehen sich auch über die umfangreiche Briefmarken-Sammlung, durch Fotoalben und persönliche Dokumente.

Nach einer jahrelang unentdeckten schweren Krankheit, die zur frühen Erwerbsunfähigkeit führte, weiteren schlimmen Schicksalsschlägen, dem Verlust geliebter Menschen und der Flut hat sich auch der Theologe schon die Frage gestellt, „warum immer ich?“ Eine Antwort hat er bis heute nicht erhalten.

Aber Hilfe: 1500 Euro Haushaltsbeihilfe aus dem Spendentopf der Leser und fünf Trockner, die brummend den Keller trockenlegen sollen, damit nicht noch der Boden aufgerissen werden muss.

„Ein kleiner Anfang, aber eine großes Zeichen der Ermutigung und Anteilnahme“, bedankt sich Andreas Funke-Reuter bei unseren Lesern.

Quelle: thueringer-allgemeine.de

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