Hochwasserschutz Rosenheim – Tegernsee als Rückhaltebecken?

Veröffentlicht: August 8, 2013 von fluthelfer in Bayern, Hochwasserschutz

Das Hochwasser Anfang Juni hat offenbar viele Energien freigesetzt in der Bayerischen Staatsregierung. Sie treibt nun den Hochwasserschutz massiv voran. Doch manche Orte wollen ihn gar nicht – so zum Beispiel am Tegernsee.

Der Tegernsee sei kein Stausee, sagt das Aktionsbündnis „Rettet den Tegernsee“, das innerhalb kürzester Zeit viele Unterstützer gefunden hat. Das Bündnis befürchtet, dass künftig alle Gemeinden im Tal bei Hochwasser großflächig überschwemmt werden, sollte das Wasserwirtschaftsamt Rosenheim seine Pläne durchsetzen.

„Es sind schon einige Schwergewichte, die wirtschaftlich große Betriebe darstellen: mehrere Hoteliers, Kliniken, auch das Bräustüberl als größter Gastronomiebetrieb. Es sind auch sehr viele Einzelpersonen dabei, die schon sehr viele Schäden haben.“

Andreas Scherzer, Sprecher des Aktionsbündnisses

Fehlende Auen, steigender Grundwasserpegel

Die Schäden werden noch mehr werden, sollte der Tegernsee tatsächlich einmal Rückhaltebecken werden, prophezeit das Aktionsbündnis. Seeanlieger befürchten ein wiederholtes „Absaufen“, denn nicht nur der Seespiegel, sondern auch das Grundwasser würden steigen.

Ein großes Problem sind die begradigten Ufer der Zuflüsse Rottach und Weißach. Deren Auen als natürliche Rückhaltebecken bei Hochwasser sind mittlerweile verschwunden.

„Monsterwehr“ in Gmund

Das Vertrauen in die Pläne des Wasserwirtschaftsamtes Rosenheim ist also nicht groß. Das geplante neue Wehr in Gmund werde ein „Monsterwehr“ heißt es. Schließlich sollen die Mauern sogar ein Hochwasser zurück halten können, dessen Pegel 1,20 Meter über den jetzt prognostizierten Werten liegt:

„Heißt ganz konkret, da unten wird das Wasser 1,20 Meter höher? Welche Auswirkungen hat das auf den gesamten See?“

Anlieger Christoph Ebensberger

Nur ein Kommunikationsproblem?

Das Wasserwirtschaftsamt ist überrascht vom Tegernseer Gegenwind. Vor zwei Wochen sollte eine Informationsveranstaltung in Gmund aufklären und für Zustimmung sorgen. Der Schuss ist aber nach hinten losgegangen, seitdem formiert sich der Widerstand. Der Leiter des Wasserwirtschaftsamtes Paul Geisenhofer betont man sei ganz am Anfang der Planung.

„Es ist denkbar, dass es ein Kommunikationsproblem ist, speziell Fragen der Steuerung eines Projektes sind natürlich viel schwerer zu erklären, als wenn man nur irgendwo Deiche und Schutzanlagen baut. Wir setzen weiterhin darauf zu informieren. Wir gehen auf die Gegner zu. Ich hoffe, dass es jetzt bald zu Gesprächen kommt und dass wir dann unsere Pläne auf den Tisch legen und nähere Einzelheiten besprechen können.“

Paul Geisenhofer, Leiter des Wasserwirtschaftsamtes Rosenheim

Schutz für Rosenheim

Die Gegner lassen unterdessen zwei Gutachten erstellen. Ein Ingenieurbüro in Gründwald wurde damit beauftragt, ein Gesamtkonzept für das Tegernseer Tal zu erarbeiten.

Fakt ist: Schutzmaßnahmen am Tegernsee bedeuten auch Schutz für das untere Mangfalltal, für die Region Rosenheim. Auch wenn der Tegernsee hier nur eine kleine Teilmenge liefert, sagt Paul Geisenhofer:

„Das Grundprinzip ist, jeder Tropfen zählt. Und deswegen wollen wir die Rückhaltemöglichkeiten im Tegernsee durchaus nutzen.“

Paul Geisenhofer, Leiter des Wasserwirtschaftsamtes Rosenheim

Quelle: br.de

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