Nach dem Hochwasser: Der Zahnarzt bohrt jetzt im Container

Veröffentlicht: August 7, 2013 von fluthelfer in Bayern, Hochwasserfolgen

Das verheerende Juni-Hochwasser hat auch Zahnarzt Andreas Ponn mit voller Wucht getroffen. Der Berchtesgadener hatte erst im Februar 2012 eine Praxis im nahen Freilassing übernommen und an die 300 000 Euro investiert. Die Wassermassen der Salzach zerstörten das Labor im Keller, auch die Behandlungsräume im Erdgeschoss standen unter Wasser. Alle medizinischen Geräte, darunter die drei Behandlungsstühle, wurden am 2. Juni vernichtet. „An dem Tag stand ich vor dem Nichts“, erinnert sich Ponn. Jetzt bohrt der Zahnarzt in einem umgebauten Bürocontainer, bis September sollen die Sanierungsarbeiten in der Praxis abgeschlossen sein.

Harald Aichhorn ist der Vorgänger von Andreas Ponn, ihm gehört das 1948 errichtete Haus. „Wegen der starken Regenfälle bin ich an diesem Sonntag um 6.30 Uhr von Saaldorf zum Heideweg gefahren. Dass das Grundwasser zu diesem Zeitpunkt schon in den Keller eingedrungen war, überraschte mich nicht“, so Aichhorn. „Doch als ich die Pumpe im Keller einschalten wollte, sah ich plötzlich über die Wiese kommend eine große Welle. Wie ein Tsunami überschwemmte diese meterhohe Welle binnen kurzer Zeit alles.“

Aichhorn, sein Sohn sowie Ponn und dessen Vater versuchten noch, Laborgeräte aus dem Keller zu retten. „Erst standen wir knietief im Wasser, dann drückte das Wasser durch die Sogwirkung plötzlich die Tür zu und das Wasser im Keller stieg bedrohlich an“, erinnert sich Aichhorn. „Mein Sohn hat dann gesagt „jetzt nichts wie raus, sonst gibt’s Tote” – er hat recht gehabt.“

Am Tag danach war das Ausmaß der Schäden klar, an Behandlungen nicht zu denken, die Gerätschaften nicht mehr zu gebrauchen. Die Schadenshöhe liegt im sechsstelligen Euro-Bereich. „Ich dachte, ich hätte mich gegen alles versichert“, sagt Andreas Ponn. Doch der Versicherungsvertreter zog seine anfängliche Zusage zurück. „Da ist mir erst einmal schlecht geworden.“ Nach einigem Hin und Her übernimmt die Versicherung wenigstens einen Teil des Schadens. „Rund 40 000 Euro bleiben aber wohl bei mir hängen“, schätzt Ponn.

Die Ungewissheit war groß. „Man steht einfach vor dem Nichts“, so der Zahnarzt. Kollegen aus Freilassing boten ihm zwar Hilfe an. Ponn hätte stundenweise Behandlungsstühle in anderen Praxen nutzen können. „Aber das war logistisch kaum machbar, weil meine Mitarbeiter und ich ja auch sämtliche Krankenakten und Computer hätten mitnehmen müssen.“ Über Umwege erfuhr er dann von der Praxis im Container – die rettende Idee.

Ponn mietete für sechs Monate zwei Container, in einem sind zwei Behandlungsstühle und Geräte verstaut, die möglicherweise repariert werden können. Im zweiten circa zehn Quadratmeter kleinen Container behandelt er seine Patienten: Zwei Stühle als Wartezimmer, ein kleiner Schreibtisch für die Assistentin, der eigentliche Behandlungsraum durch zwei Aufstellwände getrennt. Statt bis zu 35 Patienten kann Ponn derzeit maximal 15 Patienten am Tag behandeln. „Die Patienten reagieren zum Glück verständnisvoll. Einer hat uns in den ersten Tagen eine Brotzeit spendiert mit den Worten „weil’s euch so arg erwischt hat”.

Quelle: schwaebische.de

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