Bauern der Saale-Region beim Hochwasser mit erheblichem Verlusten

Veröffentlicht: August 6, 2013 von fluthelfer in Hochwasserfolgen

Die bisher ermittelte Schadenssumme beläuft sich auf rund 600 000 Euro. Noch bis 31. August ist Zeit, beim Landwirtschaftsamt in Rudolstadt Anträge auf Fluthilfe zu stellen.

Golmsdorf/Schöps. Von 30 Hektar mit Winter­gerste, 79 Hektar mit Winter­­weizen und 86 mit Mais angebauten Hektar werden die Landwirte der Agrargenossenschaft Schöps in ­diesem Jahr nichts ernten. Die Felder, auf denen sie im letzten Herbst bzw. Frühjahr das ­Getreide und die Futterpflanzen abgebaut hatten, liegen allesamt zwischen Großpürschütz und Maua in der Saaleaue. Beim Hochwasser Anfang Juni waren die Felder überschwemmt. 227 der 1600 Hektar Fläche des Unternehmens waren über­flutet, auf einem Teil der Äcker haben die Landwirte Total­ausfälle der Ernte zu beklagen.

 

Nach ersten Schätzungen eines Gutachters belaufen sich die Flutschäden des Unternehmens auf rund 175 000 Euro. „Wir hatten die Schäden doch etwas höher eingeschätzt, aber, das Urteil des Gutachters gilt“, sagte Graf auf Nachfrage dieser Zeitung. „Wir dachten zwar, dass wir Fachleute genug sind, aber es wird nun mal eine externe Einschätzung verlangt.“ Die Richtlinie des Landes Thüringen, nach der land- und forstwirtschaftliche Unternehmen einen finanziellen Ausgleich für Überschwemmungsschäden erhalten, schreibt die Einbeziehung eines Gutachters bei einer Schadenssumme von mehr als 100 000 Euro vor.

 

Ein solcher Sachkundler wird deshalb auch in der Gleistal ­Agrar eG über die Felder gehen und die Hochwasserschäden ­begutachten. Agrar-Chef Ralf Wickler spricht von Verlusten in Millionen-Höhe. Sein Unternehmen gehört zu den am schwersten betroffenen Landwirtschaftsbetrieben in Thüringen. 350 Hektar standen unter Wasser, auf 240 Hektar seien Erntetotalschäden zu beklagen. Vier der fünf Tochterfirmen, die zur Agrar eG gehören, hätten je 2000 Euro Soforthilfe erhalten, doch das sei angesichts der wirklichen Schäden nur der berüchtigte Tropfen auf den heißen Stein. Und: die Soforthilfe wird mit anderen Hilfen verrechnet.

 

Was Wickler zusätzlichen ­Ärger bereitet: „Ich erinnere mich noch an die Fernsehbilder in den Fluttagen und die Versicherung der Politiker, dass man den Bauern ihre Ernteausfälle 100-prozentig ersetzen müsse“, sagt er. „Doch in der nun verabschiedeten Thüringer Richtlinie steht eindeutig, die Höhe der Zuwendung beträgt bis zu 50 Prozent des Gesamtschadens“. Es sei also längst nicht einmal sicher, ob überhaupt wenigstens die Hälfte der Ausfälle ausgeglichen werden könnte.

 

Wickler kritisiert zudem die komplizierten Antragsverfahren und „fast täglich neue Regularien“. Dazu gehöre auch, dass mögliche Erträge auf den Äckern, die nach dem Hochwasser aufwendig trockengelegt und neu bestellt wurden, von den Ausgleichszahlungen abgezogen würden. „Wir haben für die Wiederbestellung extrem hohen Aufwand treiben müssen, gleichzeitig konnten die Kollegen nicht auf den anderen Schlägen eingesetzt werden, etwa zum Jauchefahren oder zur Feldvorbereitung, weil sie in Wat­hosen und mit Spaten drei ­Wochen Gräben gezogen haben auf den nassen Feldern.“

 

Jürgen Hebert vom Landwirtschaftsamt in Rudolstadt, das die Fluthilfe-Förderanträge der Landwirte auch aus dem Saale-Holzland-Kreis entgegen nimmt, bestätigt, dass es Ertragsrichtwerte für die verschiedenen Zweitkulturen gibt, die auf die Flutverluste angerechnet werden. Dafür könnten jedoch auch die Gutachterkosten von den Unternehmen als Belastung mit aufgerechnet werden.

 

Nach seinen Angaben wurden bisher 20 Anträge auf Schadensausgleich von Agrarunternehmen im Rudolstädter Amt ein­gereicht, 13 davon sind bereits geprüft und an die Thüringer Aufbaubank, die die Hilfen auszahlt, weiter gereicht worden. Der Großteil der in Schwierigkeiten gekommenen Unternehmen sei im Saale-Holzland-Kreis ansässig. „Die bisher ermittelte Schadenssumme beläuft sich auf rund 600 000 Euro. Doch dabei wird es nicht bleiben, denn die Anträge einiger großer Unternehmen fehlen noch“, sagte Hebert. Dazu gehören die Agrargenossenschaft Catharinau in Uhlstädt-Kirchhasel genauso wie die Gleistaler Agrar eG oder ein großer Privatbetrieb in Etzelbach.

 

Noch bis 31. August ist Zeit, die Anträge auf Fluthilfe zu stellen.

Quelle: otz.de

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s