Unser Schutz vor Hochwasser

Veröffentlicht: August 4, 2013 von fluthelfer in Zentrale der Deutschen Fluthilfe

Was wurde eigentlich am Niederrhein seit dem letzten Extremhochwasser von 1995 gemacht? Der Deichverband Kleve-Xanten hat die Hälfte seiner Ziele bislang erreicht – eine Bestandsaufnahme

Die Hochwasserbilder aus Ostdeutschland sind vom Fernseher verschwunden. Tagelang konnte man fassungslos zusehen, wie die Elbe ganze Landstriche verwüstete und der Fluss sich jenen Raum einnahm, den

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Die Hochwasserbilder aus Ostdeutschland sind vom Fernseher verschwunden. Tagelang konnte man fassungslos zusehen, wie die Elbe ganze Landstriche verwüstete und der Fluss sich jenen Raum einnahm, den er beanspruchte.

„Der Deichbau wird nicht billiger“

Seit 2003 hat sich am Niederrhein eine ganze Menge in Sachen Hochwasserschutz getan. Bernhard Schlüß erklärt, dass man in den vergangenen zehn Jahren 18 Kilometer Deich saniert habe und noch weitere 20 Kilometer saniert werden müssen. Das Ziel sei es, bis 2025 die Deiche auf einen sehr hohen technischen Stand zu bringen. Sie müssen so gut beschaffen sein, dass sie einem Hochwasser standhalten, das theoretisch nur alle 500 Jahre auftritt. Aber was heißt das schon? Ein Jahrhunderthochwasser kann auch schon in fünf Monaten folgen.

Auch wenn die Genehmigungen für Deichneubauten bei der Bezirksregierung in Düsseldorf zum Teil schneller vonstatten gehen könnten, Bernhard Schlüß ist mit dem bisherigen Tempo der Umsetzung sehr zufrieden. Denn: es geht auch nicht wesentlich zügiger: „Deichbauarbeiten dürfen nur zwischen dem 1. April und dem 31. Oktober erfolgen, also in der hochwasserfreien Zeit“, erklärt Schlüß.

Heißt also: ein halbes Jahr lang passiert nichts. Und selbst in den Sommermonaten dürfen die Deiche aus Sicherheitsgründen nur auf einem Abschnitt von 500 Meter geöffnet werden: „Innerhalb von zwei Tagen müssen wir ein Loch wieder verfüllen können“, erklärt Schlüß.

Das Tempo der bisherigen Sanierung sollte man beibehalten. Denn: „Das Bauen wird auch nicht billiger.“ Mittlerweile kostet ein Kilometer Deich vier Millionen Euro, vor zehn Jahren war das noch erheblich weniger. Da kam man mit 2,8 Millionen Euro für einen Kilometer Deich hin. Die wichtigsten Kostentreiber sind die Betriebskosten, Naturschutzauflagen und vor allem: der Grunderwerb.

Aktuell liegen zwei Anträge für Deichsanierungen in Düsseldorf vor: Der Abschnitt Grieth bis Hof Knollenkamp ist 1,4 Kilometer lang und auch für den Oraniendeich von der Brücke bis Griethausen liegt die Planung vor. Der Deich unterhalb der B220 ist 50 Jahre alt: „Der Baukörper ist nicht schlecht“, sagt Schlüß, nur er entspricht nicht mehr den Hochwasserschutzvorgaben, die das Land NRW sich im Jahr 2006 im Hochwasserschutzkonzept selbst gesteckt hat.

Der Oraniendeich soll verlegt werden

Nächster Baubeginn ist ab 2014 der Deichabschnitt Xanten-Beek und ein Jahr später der Abschnitt Grieth-Knollenkamp. Der vier Kilometer lange Oraniendeich wird noch auf sich warten lassen. Denn an dieser Stelle möchte der Verband den Deich auch gerne um 130 Meter zurück verlegen, um dem Rhein mehr Raum zu geben. „Eine Auswirkung auf die Wasserstände wird dies aber nicht haben“, sagt Schlüß. „Diese Deichrückverlegungen gleichen nur Raumverluste an anderer Stelle aus.“

Einen Polder in Wissel?

Um ein Spitzenhochwasser wirklich effektiv senken zu können, benötigt man große Rückhalteräume. In Rees-Lohrwardt wird zurzeit ein so genannter „Taschenpolder“ gebaut: Eine eingedeichte Zone, die bei einem extremen Hochwasser Wasser aufnehmen kann. „Dies wird sich auch über die deutsch-niederländische Grenze auswirken“, sagt Schlüß.

Auf seinem Verbandsgebiet sieht er nur wenige Möglichkeiten, ein Hochwasser länger zu halten: „Wenn wir dem Fluss mehr Fläche geben wollen, dann müssen wir auch Immobilien aufkaufen und Menschen umsiedeln“, verdeutlicht Schlüß und blickt dabei auf Obermörmter-Kirche, wo die Wohnbebauung sehr dicht am Rhein liegt. Deiche zurückverlegen ist ein langwieriger Prozess: „Unsere Kulturlandschaft ist über Jahrhunderte gewachsen, die verändert man nicht so schnell.“ Da wo es machbar sei, werden die Deiche auch zurückverlegt.

Eine Möglichkeit für einen Taschenpolder auf der linken Rheinseite sieht Schlüß in Wissel. Hier werde zurzeit Kies ausgebaggert: „Hier könnte man, ohne der Landwirtschaft weh zu tun, einen Polder anlegen.“ Im Vergleich zum Dauerstreitthema Bylerward wäre das eine gute Lösung. Eine Studie werde hierzu bereits vom Land NRW erarbeitet: „Wenn man denn einen Rückhalteraum benötigt, dann ist Wissel auf jeden Fall sinnvoller.“

Eine Alternative, um Spitzenhochwässer zu senken, wäre auch, dass Rheinvorland zu vertiefen. „Allerdings gehen dann etliche Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche verloren.“ Der Rhein bekäme aber deutlich mehr Abflussfläche. „Die Grunderwerbsverhandlungen für die Deichsanierung zeigen, dass Landwirte Planungen offen gegenüber stehen, wenn man ihnen denn eine vernünftige Lösung anbietet.“

 Quelle: derwesten.de

 

 

 

 

 

Was wurde eigentlich am Niederrhein seit dem letzten Extremhochwasser von 1995 gemacht? Der Deichverband Kleve-Xanten hat die Hälfte seiner Ziele bislang erreicht – eine Bestandsaufnahme

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