Geschichten aus dem Altenburger Land: Die Karl-Ebhardt-Sportstätte in Gößnitz

Veröffentlicht: August 4, 2013 von fluthelfer in Thüringen

Familie Meyer betrieb 36 Jahre die Gaststätte am Sportplatz und musste oft gegen das Pleißehochwasser kämpfen. Aufgegeben haben die Gößnitzer nie.

Gößnitz. „Sport frei!“ und „hoffentlich regnet es nicht so sehr“, sind wohl die häufigsten Wünsche und Sprüche, die auf der Karl-Ebhardt-Sportstätte in Gößnitz gedacht und gesagt worden sind. Der Kampf gegen das Hochwasser der unmittelbar nebenan fließenden Pleiße begleitet die Sportstätte seit ihrer Entstehung 1932.

 

Alle Höhen und Tiefen hat Johanna Meyer, ehemalige Betreiberin der Gaststätte, auf dem Sportgelände miterlebt. „Als ich mit meinem Mann Ernst 1949 die obere Etage des Vereinsheims bezog, war im Erdgeschoss noch der Kindergarten untergebracht. So war bei uns immer was los und ich hatte viel zu tun. Die Fußballer und Kinder hielten mich ganz schön auf Trapp. Ich hatte immer sehr viel Schlamm und Dreck wegzuwischen“, sagt die heute 93-Jährige. „Wir konnten mietfrei dort wohnen, denn mein Mann hielt als Platzwart den Rasen und die Sportanlage in Ordnung und ich kümmerte mich um den Haushalt und das Vereinsheim“, erinnert sich die Mutter von sieben Kindern. Klingt harmonisch, doch es lief nicht immer alles reibungslos. Die Natur verlangte von Familie Meyer und dem Verein vieles ab. „Das Hochwasser war für uns ein ständiger Begleiter und meine Familie und ich haben in den 36 Jahren, die wir dort gelebt haben, immer gegen die Pleiße kämpfen müssen, um unsere Existenz zu sichern.“

 

Erstmals traf es die Sportstätte im Jahr 1941. Die Pleiße unterspülte die Grundmauern des Sportlerheims und riss einen Teil davon mit in ihre Fluten. Die Frau des damaligen Platzwartes kam dabei ums Leben.

 

Unzählige Male lief auch danach das Wasser in den Keller. Besonders schlimm war es am 9. Juli 1954. Es regnete wolkenbruchartig und alles wurde überschwemmt. „Im Keller schwammen die Türen unter der Decke und ich musste hochschwanger aus meinem Zuhause flüchten. Ich hatte Glück und wurde von einem Arzt schnell ins Krankenhaus nach Altenburg gefahren“, erzählt die Rentnerin und berichtet von schönen Anekdoten, wie dem Schafeinsatz zur Pflege des Rasens. Ernst Meyer musste dann die Hinterlassenschaften der Tiere entfernen, damit die Fußballer nicht dauernd ausrutschten.

 

Die gewissenhafte Pflege der Sportstätte machte diese zu einer der schönsten Sportanlagen des Kreises Schmölln. 1958 bekam Johanna Meyer die Gewerbeerlaubnis für eine Gaststätte im Vereinsheim bekam. Gebrauchtes Geschirr aus alten Gaststätten und alte Möbel wurden besorgt. Im Laufe der Jahre wurde die Gaststätte zu einem beliebten Treffpunkt für Jung und Alt, Vereinsmitglieder und Ausflügler.

 

Einen nächsten Tiefpunkt durch Hochwasser mussten Familie Meyer und der Verein 1961 hinnehmen. Zwar war der Damm der Pleiße durch Naturstein befestigt worden, doch die Regenmengen waren so stark, dass es die Sportstätte wieder hart traf. Andere Vereine halfen, Freunde und Bekannte waren da, so konnte die Sportstätte schnell wieder aufgebaut werden. 1968 erhielt die Sportanlage den Namen Karl-Ebhardt-Sportstätte. Da hatte sich Familie Meyer mit ihren Kindern schon gut eingelebt und verwaltete das Areal mit viel Liebe. „Als 1978 nun unsere Kegelbahn fertiggestellt wurde, hatte ich ganz schön zu tun. Die Pflege der Bahn und die Organisation von Wettkämpfen verlangten viel ab. Aber ich habe es immer mit großem Spaß und Freude gemacht und meinen Mann seinen Rasen pflegen lassen“, scherzt Johanna Meyer. Wegen seiner großen Bemühungen für Sportstätte und den Verein wurde Ernst Meyer, der auch als Schiedsrichter tätig war, vom Verein 1985 als Ehrenmitglied aufgenommen.

 

Dies war auch der Zeitpunkt für Familie Meyer, in den Ruhestand zu gehen und ihr in 36 Jahren aufgebautes Lebenswerk in andere fürsorgliche Hände zu geben. „Wenn ich nun sehe, wie wieder andere mit dem Hochwasser auf der Sportstätte zu kämpfen haben, denke ich oft an unsere Probleme zurück und bin stolz, wie wir es geschafft haben. Jedoch schmerzt es, wenn ich mir anschauen muss, wie alles auf einmal vom Wasser verschlungen und meine Heimat in eine Seenlandschaft verwandelt wird. Mir tut es im Herzen weh“, meint die ehemalige Wirtin nachdenklich.

 

In der Tat blieb die Sportstätte nicht verschont. Das Jahrhunderthochwasser vom 12. August 2002 und die Flutkatastrophe vom 2. Juni dieses Jahres hinterließen einen Platz der Verwüstung und fordern wieder teure Wiederaufbaumaßnahmen. Doch die Gößnitzer geben nicht auf, schon gar nicht ihre Karl-Ebhardt-Sportstätte.

Quelle: otz.de

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