Echte Freunde

Veröffentlicht: August 4, 2013 von fluthelfer in Dessau

Ludwigshafener übergeben im Rathaus Spenden an Betroffene. Bereits vor elf Jahren kamen finanzielle Hilfen aus der Partnerstadt. Das Benefizkonzert fand schnell großen Zuspruch.

Weihnachten ist für Katharina Fiedler ein magischer Termin. „Da möchte ich wieder ein Zuhause haben und in Ruhe mit meinen Kindern eine Kerze anzünden“, wünscht sich die Akenerin. Ihr Haus ist in der Juni-Flut untergegangen. Bis zur Decke war der Keller mit Wasser gefüllt. Wochenlang. Nachdem das Flusswasser am 4. Juli ausgepumpt war, lief Grundwasser nach. Fast genauso viel. Katharina Fiedler ist mit ihren Nerven am Ende. Sie wohnt in einer Notunterkunft, kämpft verzweifelt um ein Stück Normalität in ihrem Leben und dem ihrer Kinder. „Mein Sohn hat am Mittwoch eine Lehre angefangen, er braucht doch seine ganze Kraft dafür“, ist sie mehr als verzweifelt.

Ein kleines Zeichen der Hoffnung gab es Freitagnachmittag im Rathaus für sie und zwei weitere betroffene Familien. Ludwigshafens Bürgermeister Wolfgang van Vlieth und Vertreter der Guggenmusikgruppe „Die Huddelschnuddler“ sind nach Dessau gekommen, um Hochwasseropfern eine Spende zu übergeben. Auf ihren Wunsch hin sollten Mitarbeiter der Dessau-Roßlauer Stadtverwaltung bedacht werden.

„Die Partnerschaft lebt“

Ein Benefizkonzert haben die „Huddelschnuddler“ am 5. Juli in ihrer Heimatstadt durchgeführt. „Wir haben dies vor elf Jahren auch schon gemacht“, erzählt Jockel Mendel, der Chef der Truppe, „damals waren wir noch eine junge Gruppe und noch gar nicht so bekannt.“ Die Idee, mit solch einem Konzert den Bürgern der Partnerstadt Hilfe zu leisten, fand schnell und großen Zuspruch. Nicht nur bei Bürgermeister Wolfgang van der Vlieth. „Diese Initiative und deren Ergebnis ist für mich der schönste Beweis, dass die Partnerschaft lebt und die Solidarität in den Herzen der Bürger lebt“, sagte er Freitagnachmittag im Dessauer Rathaus. „Ich bin stolz auf meine Bürger.“

Zurecht. Stolze 9 000 Euro sind der Erlös des Benefizkonzertes. „Wir haben viele Gruppen und Unterstützer gewonnen, so dass es ein rundum gelungene Veranstaltung war“, berichtete Jens Huthoff, Musiker der „Golden Memory“. „Das Leid, das den Leuten hier widerfahren ist, ist für uns gar nicht begreifbar“, gibt er zu. „Aber wir sehen uns als Freunde, und denen helfen wir, wenn es nötig ist.“

Hilfe ist dringend nötig. Auch bei Elke und Roger Duczek aus Diebzig. Er ist Feuerwehrmann bei der Dessau-Roßlauer Berufsfeuerwehr und war hier im Katastropheneinsatz, während sein Zuhause absoff. „Ich konnte doch dort nichts machen, also wollte ich wenigstens in Dessau helfen“, erzählt er. Das Eigenheim der Duczeks, ein Fertigteilhaus, ist unbewohnbar. Schimmel hat sich gebildet. „Wir stehen vor dem Nichts, wissen noch nicht mal, ob wir das Haus sanieren können“, so Elke Duczek. Auf rund 100 000 Euro schätzen sie den Schaden. „Wir werden wohl auf mehr als der Hälfte sitzenbleiben“, fürchten beide, „denn die Versicherung zahlt nicht alles.“

Die Erinnerung an die Tage, als das Wasser kam, wühlt Elke Duczek noch immer auf. „Wir haben die Tiere schreien hören, wir haben gewusst, wir gehen unter, wir wussten nur nicht, wie tief.“ Am Ende war Diebzig, ein kleines Dorf im Landkreis Köthen, von drei Seiten vom Wasser umzingelt.

„Diese Mühe hat sich gelohnt“

Sichtlich betroffen lauschen dieGäste aus Ludwigshafen den Schilderungen und schauen sich die mitgebrachten Fotos an. Auch Silke Knopf und ihre Familie hat es arg erwischt. Sie wohnt in Lödderitz im Salzlandkreis. Das Wasser strömte ins Erdgeschoss ihres Hauses. Inzwischen sei der Fußboden raus und der Putz abgeklopft. Bewohnbar ist das Haus also noch lange nicht. „Wir hoffen auf Weihnachten“, sagt Silke Knopf. Auch der gesamte Hausrat sei hin. Den Gesamtschaden schätzt die Familie auf „weit mehr als 50 000 Euro“. Geld von der Versicherung gibt es nur für den Hausrat. Das Gebäude war nicht versichert. Die staatlichen Fluthilfeprogramme greifen noch nicht und müssen erst beantragt werden. Und ob sie da Geld bekommen, wüssten sie ja auch gar nicht, schildert das Paar seine Sitution. Jeder Euro zählt also.

Die 3 000 Euro, die jeder Familie am Freitag überreicht wurden, sind also bei allen Dreien an der richtigen Adresse. „Ich freue mich riesig und weiß gar nicht, was ich sagen soll“, bringt Katharina Fiedler ihr Gefühl zum Ausdruck und kann die Tränen nicht mehr zurückhalten. Auch die Ludwigshafener schlucken schwer. „Wir wissen jetzt, diese Mühe hat sich gelohnt“, nimmt nicht nur Jens Huthoff bewegende Eindrücke mit nach Hause.

Quelle: mz-web.de

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