Stadthalle geschlossen: Mehrere Kilometer nasse Stromkabel und 60 verzogene Türen

Veröffentlicht: August 2, 2013 von fluthelfer in Brandenburg

Die Stadthalle wurde vom Juni-Hochwasser doch mehr beschädigt als angenommen. Noch bis zum Herbst dauern die Reparaturarbeiten, bis dahin bleibt die Halle geschlossen.

Das Hochwasser ist weg, die Elbe führt sogar wieder Niedrigwasser, auch der modrige Geruch ist aus dem Stadtpark fast überall verschwunden – nur die Schäden, die die Fluten angerichtet haben, kommen zum Teil erst langsam ans Tageslicht. Wie in der Stadthalle.

Als die braune Brühe vor einem Monat abgeflossen war, dachte man bei der MVGM noch, die Schäden seien nicht ganz so hoch wie befürchtet. Sind sie dann aber doch. Die Halle ist nicht betriebsbereit, alle Veranstaltungen mussten verlegt, einige sogar abgesagt werden, wie etwa das große Tanz-Turnier am 19. Oktober. Und das Schiller-Konzert am 22. September findet im AMO statt. Hartmuth Schreiber, Geschäftsführer der städtischen MVGM, die die Stadthalle betreibt, erläuterte im Volksstimme-Gespräch, wo genau die Probleme in der Stadthalle liegen.

Die „gute Nachricht“ sei, so Hartmuth Schreiber, dass das Grundmauerwerk der denkmalgeschützten Backstein-Halle nicht beschädigt sei. „Eine Sorge weniger.“ Die Stadthalle ist auf Holzpfählen gegründet und die seien in Ordnung. „So weit entsprechende Untersuchungen möglich sind“, schränkt Schreiber ein. Auch könne Wasser den Stämmen nicht schaden, denn die stünden immer im Wasser und müssten auch immer feucht bleiben.

Dann aber die Probleme.

Das Mauerwerk: Im Erdgeschoss, in dem das Hochwasser stand, sei Feuchtigkeit rund 80 Zentimeter hoch in die Wände eingezogen. „Das hat dazu geführt, dass in vielen Bereichen Putz oder Paneele erneuert werden müssen“, sagte Hartmuth Schreiber. Dabei sei es wichtig, die Wände auch wieder vollständig trocken zu bekommen. Darum sind zahlreiche Luftentfeuchter rund um die Uhr im Einsatz. Und es müsse überall nach versteckten Feuchtigkeitsstellen gesucht werden. „Wenn man diese nicht findet, kann sich dort Schimmel oder Pilz bilden.“ Die Folge: Gelangen größere Mengen Schimmel- oder Pilzsporen in die Raumluft, dürfe die Halle nicht betrieben werden.

Die Fußböden: An vielen Stellen seien die Fußböden im Erdgeschoss noch feucht, durch das Wasser beschädigt und müssen ausgewechselt werden. Auch hier gelte: Erst trockenlegen, dann neue Böden einbauen.

Die Türen: Viele von den insgesamt 60 hätten sich durch die Feuchtigkeit verzogen. „Wir haben in der Stadthalle kein Türmaß, das zweimal vorkommt, jede Tür ist fast ein Unikat“, sagte Hartmuth Schreiber. Auch da wisse man noch nicht, welche wieder gangbar gemacht werden könnten und welche ausgewechselt werden müssen.

Die Technik: Große Teile der Hallen-Elektrik befinde sich im Erdgeschoss. „Wir haben dort beispielsweise mehrere Kilometer Elektrokabel, dazu Schaltkästen und Verteiler, die nass geworden sind“, sagt der MVGM-Geschäftsführer. Jedes einzelne Kabel müsste auf Feuchtigkeit kontrolliert werden.

Licht im Albinmüller-Turm, aber kein Besucherverkehr

Erst wenn alles einwandfrei sei, könne die Elektrik wieder unter Spannung gesetzt werden. Das gelte auch für die Brandschutzanlage und für die Notbeleuchtung.

Aus diesem Grunde sei der Albinmüller-Turm ebenfalls geschlossen. Die Elektrik des Turms hänge am Netz der Stadthalle. „Auch dort können wir die Brandmeldeanlage und den Fahrstuhl noch nicht wieder anschalten“, so Schreiber. Die Turmbeleuchtung funktioniere allerdings, es sei nur kein Publikumsverkehr möglich.

Bei der MVGM hofft man, dass die Stadthalle Ende Oktober/Anfang November wieder ihren Betrieb aufnehmen kann. Um die Schäden zu ermitteln, hat die MVGM übrigens Unterstützung von der Messegesellschaft aus Leipzig bekommen. „Die haben Fachleute, die uns beraten haben“, sagt Hartmuth Schreiber.

Und die Kosten der Instandsetzung? „Die werden mit Sicherheit im einstelligen Millionenbereich liegen“, schätzt Schreiber. Genaues wisse man aber erst in den kommenden Tagen, dann werde eine Kostenaufstellung vorgenommen. „Glücklicherweise haben wir für die Halle eine Gebäudeversicherung abgeschlossen, die jetzt greift. Darum konnten wir auch sofort mit den Reparaturmaßnahmen anfangen“, erklärt der Geschäftsführer dazu.

Und stellt klar: Die gegenwärtigen Reparaturmaßnahmen, auch wenn sie ein, zwei oder mehr Millionen Euro kosten würden, seien keine grundsätzliche Modernisierung der Halle. Die würde rund 40 Millionen Euro kosten.

„Was wir jetzt machen, ist reine Wiederherstellung des Zustandes vor dem Hochwasser.“

Quelle: volksstimme.de

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