Geduld ist jetzt das Wichtigste für Hochwasseropfer aus Treben

Veröffentlicht: August 2, 2013 von fluthelfer in Hilfe, Thüringen

Reinhard Schimmelpfennig aus Treben im Altenburger Land erhält 1500 Euro von der Flutopferhilfe „Thüringen hilft“.

Treben. „Sind da nicht ganz andere dran, die es mehr getroffen hat“, ist die erste Reaktion von Reinhard Schimmelpfennig aus Treben, als ihm Christoph Schmidt von der Diakonie Mitteldeutschland 1500 Euro aus der Aktion „Thüringen hilft“ übergibt. Und wie zur Bestätigung seiner Zweifel berichtet der Trebener von einer Bekannten, bei der das Wasser bis zwei Meter hoch ins Haus geschossen sei. In der Wohnung von Schimmelpfennig habe die stinkende Brühe des zum reißenden Fluss gewordenen Gerstenbachs dagegen 97 Zentimeter hoch gestanden. Doch in Zentimetern ist Hilfsbedürftigkeit nicht messbar und kaum ein Fall gleicht dem anderen. Allein in Treben beklagen Privatleute fast drei Millionen Euro Schaden. 86 Betroffene des 1254-Seelen-Dorfes stehen auf der Schadensliste. Im ganzen Altenburger Land sind es über 18 Millionen Euro Flutfolgen in privaten Haushalten.

Bemerkt habe er die Gefahr erst, als er in der Nacht von Sonntag, 2. Juni, auf Montag aufstand und mit den Beinen im Wasser landete, sagt er. Mit dem Zollstock hat Schimmelpfennig die Höhe gemessen und Fotos gemacht, damit er das Unglaubliche später beweisen kann.

Der Mann brauche jetzt ein ordentliches Bett, in dem er schlafen kann und er braucht Hausrat, sagt Christoph Schmidt von der Diakonie. Seit seinem Herzinfarkt könne der Trebener nur noch schlecht Treppen steigen, bekomme schwer Luft. Und so war der 63-Jährige erst gut eine Woche vor der Flut von der ersten Etage ins Erdgeschoss seines Hauses gezogen. Ein Umzug für mehr Wohlbefinden. Doch davon ist nichts mehr zu sehen. Die Tapeten sind abgenommen, der Holzfußboden raus. Die Wände präsentieren eine alles umlaufende Staunässe. Die Möbel sind hin. „Alles Schrott“, sagt Schimmelpfennig und sitzt vor einem Plastikkasten mit zusammengekramtem Geschirr. 35 000 Euro Gebäudeschaden seien aufgenommen, etwa 10 000 Euro würde eine Neueinrichtung der Wohnung kosten. „Das ist ganz schön viel“, ist er fast selbst erschrocken. Aber es fehlt vom Kühlschrank, Stuhl und Tisch bis zur Waschmaschine alles für ein normales Leben. Der Steinfußboden müsse 20 Zentimeter heraus, die Fliesen im Bad werden abgehackt. Derweil läuft ein Trockengerät rund um die Uhr, das er von der Diakonie ausgeliehen hat und das Wasser aus den Wänden zieht. Auch die Heizung müsse neu gemacht werden, sagt Schimmelpfennig. Dafür soll das Geld verwendet werden, das die Versicherung zahlt – nach ärgerlichen Aus-einandersetzungen, schiebt er nach.

Der Trebener sieht sich in seiner Wohnung um, die jetzt eher einem nass gewordenen Rohbau gleicht. So gesehen, sind 1500 Euro aus der Flutopferhilfe nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Aber Schimmelpfennig ist dankbar für jede Unterstützung.

Wenngleich er nun erst einmal Geduld haben muss. Er muss warten bis die Wände trocknen – und abwarten, ob die Aufbauhilfe des Landes zu einem Wiederaufbau reicht.

Quelle: otz.de

 

 

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