Warum Hochwasser und Hitze jetzt häufiger kommen

Veröffentlicht: August 1, 2013 von fluthelfer in Zentrale der Deutschen Fluthilfe

Eine einzige Hitzewelle ist noch kein Indiz für die Erderwärmung – doch sie passt ins Bild, sagt Klimaforscher Friedrich-Wilhelm Gerstengarbe. „Der gesamte Globus erlebt Extreme.“ Von Sabine Ränsch

Deutschland hat zwei Hitzewellen innerhalb weniger Wochen hinter sich – und die nächste steht bevor. Für sich genommen sei eine einzelne Hitzewelle noch kein Indiz für die Erderwärmung, aber das Wettergeschehen hierzulande passe ins Bild, sagte Professor Friedrich-Wilhelm Gerstengarbe vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK). Wie auf der ganzen Welt steige die Wahrscheinlichkeit für Extreme.

Frage: Sind die Hitzewellen Indiz für die globale Erderwärmung?

Gerstengarbe: Eine einzelne Hitzewelle ist überhaupt kein Zeichen für eine Klimaänderung. Die gab es früher schon, und die wird es auch in Zukunft geben. Hitzewellen sind Teil des Geschehens, aber sie sind nur ein ganz kleines Puzzlesteinchen. Wetter ist immer Teil des Klimageschehens. Man muss aber vorsichtig sein, aus einem Extremereignis Schlüsse zu ziehen. Wir sprechen von globaler Erwärmung. Aber wenn das Klima instabiler wird, werden die Extreme zunehmen, das ist lange bekannt. Das heißt aber auch, Sie müssen über den Tellerrand schauen, und wenn man von globaler Erwärmung spricht, muss man sich die Sache global ansehen.

Frage: Was bedeutet das?

Gerstengarbe: Das bedeutet, dass man sich global nicht nur Hitzewellen ansehen muss, sondern auch andere Extreme wie Dürren, Hochwasser, Stürme und so weiter. Es wird dann schon recht deutlich, dass sich innerhalb der letzten 30 Jahre die Zahl der Extreme global fast verdoppelt hat. Das ist dann zusammen mit dem Temperaturanstieg ein sehr starkes Indiz dafür, dass wir mitten im Klimawandel sind. Der gesamte Globus erlebt Extreme, Hitzewellen haben beispielsweise dieses Jahr auch Indien und die USA getroffen.

Frage: Wie betroffen ist Deutschland?

Gerstengarbe: Wir sind auf einem Planeten, der sich erwärmt, und kriegen natürlich auch etwas davon ab, das ist völlig klar. In den letzten 60 Jahren ist die Jahresmitteltemperatur in Deutschland um mehr als ein Grad angestiegen, in manchen Regionen sogar um zwei Grad. Das ist schon ganz schön viel.

Frage: Deutschland hat einen kalten Winter erlebt – spricht das nicht gegen Klimawandel?

Gerstengarbe: So kalt war der Winter nicht. Er war kalt, aber nicht über eine längere Zeit – da hat es auch während der Periode der Erwärmung schon deutlich kältere Winter gegeben. Wir sind bloß verwöhnt durch die warmen Winter vor einigen Jahren. Und es gibt auch Regionen im Rahmen der globalen Erwärmung, die sich zeitweise abkühlen. Es geht eben nicht überall gleichmäßig mit der Temperatur nach oben. Aber wir hatten voriges Jahr in der Arktis den stärksten Eisrückgang, der bisher beobachtet wurde. Deutschland allein reicht überhaupt nicht aus, um eine globale Aussage zu machen.

Frage: Werden sich starke Hochwasser in Zukunft häufen?

Gerstengarbe: Für das Hochwasser war eine sogenannte 5b-Wetterlage verantwortlich. Das hatten wir 1997 mit dem Oderhochwasser, das hatten wir 2002 mit dem Elbehochwasser und jetzt wieder. Das ist eine Wetterlage, die Anfang bis Mitte des vorigen Jahrhunderts relativ selten war. Die hat einfach zugenommen. Die Wahrscheinlichkeit steigt, dass solche Extreme auftreten, weil die Wetterlage häufiger auftritt. Wie viele kommen und wie oft das in nächster Zeit passiert, lässt sich nicht vorhersagen.

Quelle: welt.de

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