Eine Familie genießt die Auszeit nach dem Hochwasser

Veröffentlicht: August 1, 2013 von fluthelfer in Sachsen-Anhalt

An Urlaub war für Familie Brink aus Calbe in Sachsen-Anhalt eigentlich gar nicht zu denken. Der Keller ihres Hauses an der Saale wurde bei der Hochwasserkatastrophe im Juni überflutet. Freunde der Familie Brink sammelten Geld, um ihr eine Auszeit zu ermöglichen. Den Urlaub genießen die vier nun in der Gemeinde Kirchlinteln. Die Brinks sind beeindruckt von so viel Anteilnahme.

Petra Lindhorst-Köster blättert in Gedanken versunken in einer Broschüre. Heino Brink sitzt daneben, erklärt die Bilder, erzählt, wie es in seinem Haus ausgesehen hat und zeigt Lindhorst-Köster, Geschäftsführerin des Vereins Tourismus Kirchlinteln, Fotos. In der Nacht vom 5. auf den 6. Juni, erzählen Heino Brink und seine Frau Birgit, sei das Wasser der Saale erst in ihren Garten, dann in den Keller gelaufen.

Innerhalb von 30 Minuten, erinnert sich das Paar, hätte das Wasser den Garten überflutet. „Das kam rasend schnell“, sagt Birgit Brink. Nur die Schornsteinspitze des gemauerten Grills ragte aus dem Wasser, das ist auf den Bildern deutlich zu sehen. Mannshoch, schätzt Heino Brink, habe das Wasser im Keller gestanden – nachdem es vorbei an Barrieren ins Haus geschossen kam und den Keller dann fast bis unter die Decke füllte.

14 Jahre hat die Familie in dem Haus in Sachsen-Anhalt gelebt. Grundwasser stand immer mal wieder im Keller, das sei aber nicht vergleichbar mit dem jüngsten Hochwasser gewesen, sagt Birgit Brink.

Geschenk für Besucher

Inzwischen erholt sich die vierköpfige Familie bei einem Mini-Urlaub in der Gemeinde Kirchlinteln. Die Nachrichten aus den Überschwemmungsgebieten hätten sie mitgenommen, erzählt Lindhorst-Köster. Zusammen mit Vermieterin Christine Kundun habe sie überlegt, wie man den Menschen helfen könnte. Als dann Kundun erzählte, dass sich just aus diesem Gebiet eine Familie für Ferien auf dem Bauernhof angemeldet hätte, wurde beschlossen, dass die Touristinformation die Familie wenigstens mit einer Geste aufmuntern wolle.

Gestern überreichte Lindhorst-Köster dann einen Präsentkorb sowie einen Essensgutschein für das Restaurant Heidkrug in Holtum (Geest). „Uns war klar, dass wir etwas tun müssen“, sagen die beiden Frauen. Birgit Brink ist überwältigt von so viel Anteilnahme. Gefasst erzählt das Paar noch einmal, wie der Keller volllief, der Stromanschluss abgestellt werden musste, die gesamte Straße unter Wasser stand. Die Töchter Sara und Alexa brachten sie zu den Großeltern. „Die wohnen auf einem Berg“, erzählt die 45-Jährige. In ihrem Freundes- und Bekanntenkreis seien sie die einzigen, die das Wasser so erwischt habe. Umso mehr freuen sie sich, wie sehr Freunde und Familie helfen.

Ihnen haben sie auch den Kurzurlaub in Kirchlinteln zu verdanken. „Wir wollten mal wieder Zeit als Familie, weg von der Baustelle“, sagt die 45-Jährige. Die Töchter wollten gern in den Heidepark. Durch die Nähe dazu seien sie auf die Gemeinde gekommen und freuen sich, dass sie so herzlich bei Familie Kundun aufgenommen wurden. Trotzdem kommen bei Heino Brink auch Frust und Enttäuschung auf. Die Politiker hätten wenig Fingerspitzengefühl gezeigt und die Betroffenen erst spät informiert, sagt er. Lobend erwähnt er seine Versicherung, die die Familie unterstütze. „Uns geht’s ja noch gut, weiter flussabwärts ist das Wasser durch die Wohnstube gerauscht“, erzählt er.

Inzwischen wohnt die Familie wieder in ihrem Haus. Statiker prüfen derzeit, welche Konsequenzen das Absenken der Bodenplatte hat. Klar ist, dass die Brinks umbauen müssen. Stromversorgung, Therme, Wohnzimmer müssen verlegt und renoviert werden. Weil sie daheim kein warmes Wasser haben, war die erste Aktion im Feriendomizil ein heißes Bad, erzählt Birgit Brink lachend. Bis morgen noch werden die Töchter sich mit den Tieren beschäftigen, natürlich in Soltau Karussell fahren, in Seen baden und Heidelbeeren pflücken. Tipps hat Vermieterin Kundun parat. Vor drei Jahren habe sie den Hof in Deelsen gekauft. Die Gegend kannte sie vorher schon gut. „Zwölf Jahre haben wir hier Urlaub gemacht, weil es landschaftlich so schön ist.“ Dieses Wissen gibt sie jetzt an die Gäste weiter.

Die wollen vor allem Luft holen. Zurück in Calbe müssen sie sich wieder um die Renovierung kümmern. Und hoffen sehr, dass die Heizung bis Herbst wieder funktioniert.

Quelle: weser-kurier.de

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