Ein Hügel für Biber in Not

Veröffentlicht: Juli 31, 2013 von fluthelfer in Landkreis Lüchow-Dannenberg

 

Mit einer ungewöhnlichen Maßnahme sollen künftig Biberschäden an Deichanlagen verhindert werden

Die Biber waren fleißig am Elbdeich zwischen Restorf und Brünkendorf. Eine tiefe und verzweigte Höhle haben sie in die Hochwasserschutzeinrichtung gegraben und für den bequemen Schlaf auch bereits stellenweise mit trockenem Gras und Laub ausgepolstert.

Es ist eine Notburg, die sie dort angelegt haben. Während des Hochwassers, als ihr eigentliches Heim meterhoch unter Wasser stand. Jetzt ist das Wasser verschwunden, die Biber sind wieder da, wo sie hingehören, nämlich in den Weichholzauen, und der Schaden, den sie angerichtet haben, ist beseitigt. Geblieben ist jedoch die Frage: Wie könne solche Angriffe auf die Integrität der Hochwasserschutzeinrichtungen künftig verhindert werden? Mit einem Nothügel, heißt die Antwort aus dem Lüchower Kreishaus: eine Hochwasser-Zufluchtstätte für Biber.

Der Hügel wäre ziemlich groß und läge zwischen Fluss und Deich. Er wäre so hoch, dass er bei Hochwasser nicht überspült würde, und mit einem Minimum zehn mal zehn Meter großen Plateau. Und aufgebaut wäre er wie ein Deich, damit er bei Hochwasser nicht einfach weggespült würde. »Das sind richtige Klötze, und sowas will man eigentlich nicht im Überflutungsgebiet haben, weil es den Abfluss des Wassers verhindert», sagt Ernst-August Schulz. »Aber in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern hat man damit schon Erfahrungen. Gute Erfahrungen», sagt der Fachdienstleiter Wasserwirtschaft und damit oberster Deichschützer im Kreishaus. In den beiden Nachbarbundesländern gebe es diese Hügel schon, und sie würden von den Bibern bei Hochwasser auch angenommen. »Zum Glück, denn die Höhlen, die die Biber in die Deiche graben, sind sehr gefährlich, weil sie die Stabilität der Deiche beeinträchtigen», erläutert Schulz. Wenn solch ein Bau, eine sogenannte Notburg, eine bestimmte Tiefe erreicht und die Lehmschicht im Deich durchstößt, läuft dieser mit Wasser voll, wird weich und kann brechen. »Und das fast ohne Vorwarnung, denn während des Hochwassers sieht man die Löcher ja nicht», betont Schulz.

Der oder die Nothügel sollen in enger Absprache mit der Biosphärenreservatsverwaltung in Hitzacker entstehen. »Wir sind für die wasserrechtliche Genehmigung zuständig, die Biosphäre muss aber dem Bau zustimmen», erläutert Ernst-August Schulz. Und dazu sei man grundsätzlich auch bereit, heißt es aus der Verwaltung des Schutzgebietes in Hitzacker. »Aus fachlicher Sicht macht solch ein Hügel Sinn», sagt Sprecher Tobias Keienburg. Auch wenn man von sich aus solch eine Maßnahme nicht angestoßen hätte. Denn die Population des Bibers in der Elbtalaue sei stabil, Hochwasser gefährde den Bestand nicht, auch wenn dabei immer wieder Jungtiere zu Tode kämen. »Aber für die Deichsicherheit wäre ein solcher Nothügel gut und wichtig, und darum wären wir auch bereit, mit dem Kreis darüber zu sprechen.»

Dieses Gespräch will Ernst-August Schulz nun gemeinsam mit dem Gartower Deichverband mit der Biosphärenreservatsverwaltung suchen. Um gemeinsam das Projekt Hochwasser-Zuflucht für den Biber in Angriff zu nehmen. Zum Schutz der Deiche, aber auch zum Schutz der Biber. Denn wenn die Tiere durch den Bau weiterer Notburgen in den Elbe- oder auch in den Seegedeichen zu einer akuten Gefahr für die Deichsicherheit und damit für die Bewohner der geschützten Gebiete werden würden, müss-ten wohl oder übel andere Maßnahmen ergriffen werden. Und das könnte auch der Abschuss von Tieren sein. Doch das will niemand. Nicht im Kreishaus, und erst recht nicht in der Verwaltung des Biosphärenreservates Niedersächsische Elbtalaue.

Bild: Bei Hochwasser werden Biber aus ihren Burgen vertrieben und suchen sich neue Unterkünfte. Die graben sie dann oftmals in die Deiche – und das ist gefährlich, denn so weichen die Hochwasserschutz- anlagen durch und können schnell brechen.

Quelle: ejz.de

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