Seit 8 Wochen brummen Entfeuchter: Spende für Hochwasser-geschädigte Familie aus Gößnitz

Veröffentlicht: Juli 30, 2013 von fluthelfer in Thüringen

Familie Haubold aus Gößnitz im Altenburger Land erhält nach der Flut Unterstützung durch „Thüringen hilft“.

.Auf den ersten Blick sieht es in der Küche aus wie in jeder anderen Küche auch. Nur der Geschirrspüler fehlt, und die Fußleisten sind abgenommen. Wer genau hinschaut, erkennt am Putz noch einen verblassenden bräunlichen Rand. Aber ganz unverkennbar ist dieser modrige Geruch. „Das muss wohl alles raus“, sagt Daniela Haubold und zeigt, wie sich die Rückwände von den Küchenmöbeln lösen, und wie dahinter der Putz von der Wand bröckelt.

Noch warten auf Geld von Versicherung

Daniela Haubold wohnt mit ihrem Mann Michael und den beiden erwachsenen Söhnen Sebastian (18) und Nico (22) seit acht Wochen auf einer Baustelle. Aber nicht mal als solche ist das kleine, eigentlich sehr charmante Haus am Rande der Gößnitzer Innenstadt zu bezeichnen. Weil die Familie noch auf das Geld der Versicherung wartet, ist nach dem großem Aufräumen bisher wenig geschehen.

In Küche, Bad, Flur und Keller ist noch der Fliesenfußboden verlegt, in allen Räumen ist der Putz noch nicht abgeschlagen. Michael Haubold deutet auf eine Stelle an der Wand. Weiß und flockig blüht hier Salpeter aus. „Ein Folgeschaden, weil die Wände noch so feucht sind“, meint Michael Haubold.

In den Zimmern, die einst die Jungs bewohnten, und im Gewölbekeller brummen seit dem 4. Juni tagein, tagaus die Entfeuchtungsgeräte. Im Keller muss der große Bottich, der wohl um die 80 Liter fasst, bis zu zwei Mal am Tag geleert werden.

Seit 17 Jahren wohnt das Paar in Gößnitz, seit 13 Jahren im Eigenheim. Sie haben es selbst saniert und finanziert. Erst im letzten Jahr hatten sie die Fassade gestrichen und einen Balkon angebaut. „Wir waren gerade fertig“, sagt Daniela Haubold. Obwohl die Pleiße nur knapp 200 Meter entfernt vorbeifließt, hatten sich die Haubolds immer sicher gefühlt.

Sie hatten sich auf Erzählungen von alten Gößnitzern verlassen, auch solchen, die das Hochwasser 1954 miterlebten: Demnach war das Wasser immer vom Stadtinneren gekommen und nur ein paar Meter die ansteigende Lessing­straße hineingelaufen. Auch beim letzten großen Hochwasser 2002 blieben die Haubolds verschont.

Nun kam es alles anders. Bis zu jenem Sonntagnachmittag im Juni hatte sich die Familie noch sicher in den eigenen vier Wänden gefühlt. Mit den Nachbarn gab es noch eine Lagebesprechung. „Dann stieg das Wasser in Sekundenhöhe“, erinnert sich Daniela Haubold. Eine Viertelstunde wurde der Familie Zeit gelassen, das Nötigste zusammenzupacken, den Strom auszuschalten und den Hauptgashahn zu schließen.

 

Untergekommen in Naundorf bei Freunden

Im nahen Naundorf kam die Familie bei Freunden unter. „Dietmar Dengler hat uns aufgenommen“, sagt Daniela Haubold heute noch voller Dankbarkeit. Die Denglers waren es auch, die beim Aus- und Aufräumen mithalfen. Ebenso wie ein Dutzend andere Freunde und Bekannte. „Das war wirklich überwältigend.“ Innerhalb von drei Stunden sei die untere, rund 90 Quadratmeter große Etage ausgeräumt gewesen. Doch allein drei volle Tage brauchte es, um den Keller leerzupumpen. Auf 70″000 Euro beläuft sich der Schaden.

Im ersten Schreck, der ersten großen Unsicherheit wollte Daniela Haubold, die in Ponitz einen Kosmetiksalon betreibt, sogar den lange geplanten Umzug ihres Geschäfts stornieren. Nun zieht sie es durch, „weil es eben meine Existenz ist“.

Doch bis wieder Normalität einkehrt bei den Haubolds, wird es noch Monate dauern. Das Paar rechnet damit, dass sich die Bauarbeiten noch sechs bis neun Monate hinziehen. Das ganze Familienleben spielt sich jetzt in zwei Zimmern der oberen Etage ab. Nicht einfach, wenn man bedenkt, dass Michael Haubold Lkw-Fahrer ist, der 22-jährige Nico als Disponent auch Schichtarbeit kennt und der 18-jährige Sebastian zuletzt noch vor den Abschlussprüfungen seiner Lagerlogistik-Ausbildung stand. Der Familie fehlt zu Hause die Privatsphäre. Auch deshalb wird Nico jetzt in seine erste eigene Wohnung ziehen, nach Meerane. Sebastian wird bei ihm bleiben, bis sein Zimmer im Elternhaus wieder bewohnbar ist.

Damit zumindest der Alltag bewältigt werden kann, erhielten die Haubolds Unterstützung durch „Thüringen hilft“ – die gemeinsam Aktion der OTZ und der Diakonie Mitteldeutschland. 1250 Euro erhielt die Familie und schaffte davon Gefrierer und Waschmaschine neu an.

Daniela Haubold: „Bekannte haben uns auf die Aktion aufmerksam gemacht. Ich wusste gar nicht, wohin ich mich wenden soll. Danke dafür“.

Quelle: thueringer-allgemeine.de

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