WSA glaubt: Auch bei Hochwasser bleibt die Saar in ihrem Bett

Veröffentlicht: Juli 29, 2013 von fluthelfer in Zentrale der Deutschen Fluthilfe

Die Bilder der Hochwasserkatastrophe an Donau und Elbe haben Erinnerungen wachgerufen: Im Dezember 1993 strömten die Saar und ihre Nebenflüsse den Anwohnern in die Häuser. Was hat sich seither in der Region getan beim Hochwasserschutz? An der Saar sehr viel: Der Ausbau hält den Fluss selbst beim 200-Jahre-Hochwasser in seinem Bett, nützt auch noch dort, wo er unterblieben ist

„An der Saar gibt es durch den Ausbau kaum noch Hochwasser“, sagt Jens Götzinger, Experte für Hochwasserschutz im Umweltministerium: Der Flussquerschnitt, der Schifffahrt zuliebe vergrößert, könne ungleich mehr Wasser wegschaffen als zuvor. Wie viel mehr? Und wie geht das? Peter Meyer, Gewässerkundler im Wasser- und Schifffahrtsamt Saarbrücken (WSA), kann dazu mit Zahlen und Fakten dienen, ohne dass er nachschlagen müsste; „ich mache das ja seit bald 40 Jahren“, sagt er trocken.

Entscheidend: Die Ausbauer haben den Fluss tiefer gelegt. Unterhalb der Staustufe Burbach lag der Wasserspiegel früher bei 181 Metern über NN (Normal-Null), heute sind es 179,30 Meter. Denn man habe die Sohle tiefer gebaggert, sagt Meyer, nach unten habe die Saar 70 Zentimeter mehr Platz als zuvor. Zudem sei ein Fließ-Hindernis abgerissen, das Wehrdener Wehr; die nächste Staustufe kommt erst in Lisdorf.

Breiter geworden ist die Saar auch: An der Oberfläche misst sie in unserer Region 39 Meter, auf der Sohle 25 Meter. Und weil Geröll, Ablagerungen, Steine aus dem Flussbett geräumt wurden, ist die Sohle ebener als früher, „glatter“ nennt Meyer das. So habe das Wasser wenig Widerstand, könne schnell fließen – im Hochwasser-Falle: abfließen. Und wegen des vergrößerten Querschnitts fließe eben viel mehr Wasser als zuvor viel schneller ab, ohne dass der Fluss über die Ufer trete: „Die Saar bleibt heute selbst bei einem 200-Jahre-Hochwasser noch in ihrem Bett“, sagt Meyer.

200-Jahre-Hochwasser, was bedeutet das? Einen Pegelstand bei St. Arnual, der 50 bis 80 Zentimeter höher ist als bei einem 100-jährigen, antwortet Meyer. Zum Vergleich: Die Hochwasserkatastrophen von 1947, 1970 und 1993, die die Saar-Anwohner von Saarbrücken über Völklingen bis nach Merzig schwer getroffen haben, waren alle 50-Jahres-Ereignisse.

Den neuen, starken Schutz vor Saar-Hochwasser gibt es natürlich nur, wo der Fluss ausgebaut ist. Etwa von der Gersweiler Brücke an. Doch auch für den oberhalb liegenden Teil Saarbrückens bringe der Ausbau Verbesserungen. „Stadtautobahn unter Wasser, das lassen wir nicht zu“, sagt Meyer lachend.

Wenn aus Frankreich die Welle komme, mit 100 Kubikmetern Wasser pro Sekunde am Pegel St. Arnual, öffne das Wasser- und Schifffahrtsamt ab einem Pegelstand von 230 Zentimetern sukzessiv die Klappen des Burbacher Wehrs (und natürlich auch der Wehre weiter saarabwärts) – das Wasser fließt ab, die Straße bleibt trocken. Sie wird erst zum sprichwörtlichen „Nebenfluss der Saar mit 13 Buchstaben“, wenn die Wehrklappen ganz unten sind. Das geschehe, wenn der Pegel 390 Zentimeter erreicht hat, erklärt Meyer; vor dem Ausbau lag diese Grenze bei 360 Zentimetern.

Ist aber der „Rückhalteraum“ Autobahn geflutet („wir sind heilfroh, dass wir den haben“) und die Welle steigt weiter, sind die Wasser-Fachleute am Ende ihres Lateins. „Dann können wir nichts mehr tun“, dann überspüle die Saar die flussnahen Teile Saarbrückens. Stege und Boote auf dem Johanner Markt oder am Staden: Denkbar, dass solche Bilder wiederkehren, meint Meyer. Allerdings erst, wenn das Wasser noch höher steige als 1993: „Die 20, 30 Zentimeter mehr Luft, die wir jetzt haben, können für manche Betroffenen entscheidend sein.“

Verbesserung, ja – doch das ist für Jens Götzinger nicht gut genug: „Das Thema Hochwasserschutz wurde nie richtig mitgedacht“ bei Saarbrückens Stadtplanung, kritisiert er. „Man könnte mehr machen.“ Aber er räumt auch ein: „Das ist eine Frage des Geldes.“

Quelle: saarbruecker-zeitung.de

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