Beschädigter Zufluchtsort für Waisen aus Gera: Bück-Brüder wurden durch Hochwasser hart getroffenen

Veröffentlicht: Juli 29, 2013 von fluthelfer in Thüringen
Das Hochwasser hat den vom Schicksal hart getroffenen Bück-Brüdern aus Untermhaus zusätzlich zugesetzt.

Die drei Brüder Holger, Hugo und Harry Bück müssen ihr Leben selbst in die Hand nehmen. Beide Eltern sind 2006 verstorben. Im Juni haben sie ihren großen Bruder Hermann beerdigt.

Dieser Schicksalsschlag und obendrein das Hochwasser, das Anfang Juni auch die Schafwiesen-Siedlung im Geraer Stadtteil Untermhaus mehrere Tage unter Wasser setzte, haben den Dreien in den vergangenen Wochen viel abverlangt. „Wir wollen das nicht dramatisieren“, sagt der 24-jährige Hugo, der in Erfurt seit 2011 Forstwirtschaft studiert. Trotzdem sind sie Fast-Nachbarin Steffi Nauber dankbar, dass sie auf die aktuell sehr schwierige Lebenssituation der drei jungen Männer gegenüber unserer Zeitung aufmerksam machte. Allein hätten sie nicht um Unterstützung aus der Gemeinschaftsaktion von Ostthüringer Zeitung und Diakonie Mitteldeutschland „Thüringen hilft!“ nachgefragt.

„Das ist mir fast unangenehm und macht mich verlegen“, gesteht Harry, der gestern 29 geworden ist. Er ist gelernter Maler und Lackierer, hat zwischenzeitlich zum technischen Zeichner umgeschult und in den letzten Monaten in einer Pizzeria gearbeitet. Weil auch der Jüngste, der 22-jährige Holger, noch in der Ausbildung ist und demnächst das zweite Semester Animationsregie in Potsdam studieren will, fehlt Geld.

Es wird dringend gebraucht, um die kleine Doppelhaushälfte von den Wasserschäden zu befreien und darüber hinaus schon lange aufgeschobene Sanierungsarbeiten durchführen zu können. Stephan Schroer, der Experte von der Diakonie Katastrophenhilfe, hat unterdessen einen Gutachter gebeten, die Schäden am Haus einzuschätzen. 5000 Euro groß ist der Schaden am Hausrat, sagt Kirchenkreissozialarbeiterin Martina Czaja von der DO Diakonie Ostthüringen gGmbH aus Untermhaus. Dazu gehören auch solche für immer verlorene Habseligkeiten wie Fotoalben, Handzeichnungen, Gedichte und Handzeichnungen des Vaters.

Kostenvoranschläge für die Haussanierung liegen jetzt bei 8300 Euro. Da sind jene für Trockenbauer und Dämmung für das 1936 erbaute Haus noch gar nicht aufgelistet.

Als nächster Schritt sei ein Treffen mit Gutachter und Versicherungsvertreter geplant, um zu erfahren, welche Kosten die Versicherung übernehmen kann. Doch damit nicht genug. Ob die viereinhalbtausend Euro Bestattungskosten wirklich in 100-Euro-Schritten abgestottert werden können, ist offen. „Wir haben keine Schulden“, sagt Hugo stolz. Auf das Hauskonto für alle Nebenkosten zahlt jeder 70 Euro im Monat ein. Übrig bleibt da nichts. Für Reparaturen hat Harry deshalb Anfang des Jahres ein extra Konto angelegt. 190 Euro sind dort jetzt zusammen.

Repariert werden müssen das Dach, im Bad macht sich Schimmel hinter den Fliesen breit, die Wasserleitung braucht Ersatz, weil der nötige Druck nicht mehr ausreicht, und an einer Heizung fehlt es. Mit Öfen bekommen die Drei das Haus im Winter nicht mehr warm. „Wir sind abgehärtet“, sagt Hugo

Ein Verkauf der Immobilie komme für die Drei nicht in Frage. Das wäre ein zusätzlicher Verlust. „Wir arbeiten woanders, aber wir leben hier“, sagt Harry, der seinen Geraer Bekanntenkreis schätzt. Freunde, die auch nach dem Hochwasser tagelang mit angepackt haben und in der Trauer Beistand gaben. „Ihnen gehört ein ganz großer Dank“, sagt Holger. „Das hier ist ein Zufluchtsort für uns, auch wenn was mit dem Studium schief geht“, meint Hugo und spricht von Sicherheit.

Harry wird nachdenklich und schaut zu Hermanns Zimmer, der zuletzt bei VW in Braunschweig gearbeitet hat. Am Mittwoch wäre er 30 Jahre alt geworden. „Wir waren an seinem Grab“, sagt Hugo und Harry erzählt davon, dass er gern das Kinderbuch vollenden möchte, von dem Hermann immer schon sprach. Dass das noch Zeit braucht, verschweigt er nicht. Zu groß sei der Schmerz.

Einen Lichtblick gibt es mit der nach dem Hochwasser neu ergrünten Wiese im Garten am Haus. Die hat Hugo angelegt. „Das ist cool, er kommt immer mit den besten Ideen“, meint sein älterer Bruder.

Der Keller ist fast leer und trocknet. Nur eine Sitzgarnitur für den Garten, die ein Spender aus dem Sauerland bei einer spontanen Tour nach Gera vorbei brachte, hat dort ihren Platz. Drei der 180 fabrikneuen Entfeuchter, die die Diakonie Katastrophenhilfe den Geraern zur kostenlosen Ausleihe übergab, hat Martina Czaja vorgestern nach Untermhaus gebracht, um die Trocknung des Kellers zu beschleunigen. Holger, Hugo und Harry wollen gern hier bleiben. Ohne Hilfe geht das nicht.

Quelle: otz.de

 

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