Rückschlag für Primigenius

Veröffentlicht: Juli 23, 2013 von fluthelfer in Sachsen-Anhalt

Die Saale-Fluten fügen dem Nabu-Projekt im Wulfener Bruch schweren Schaden zu. Der Tierbestand soll nach und nach wiederaufgebaut werden.

Diese Bilder werden noch lange im Gedächtnis der Augenzeugen bleiben: Erschöpfte Heckrinder werden von Mitarbeitern des Technischen Hilfswerkes (THW) und freiwilligen Helfern mit Booten von einer überfluteten Wiese zwischen Wulfen und Diebzig zur ebenfalls unter Wasser stehenden Straße bugsiert und auf einem Traktoranhänger ins Trockene gebracht. Von den Fluten überrascht, hatten die Tiere tagelang bis zum Hals im Wasser gestanden, gehungert und gefroren. Für etliche kam die Rettungsaktion zu spät. Fünf Pferde und 13 Heckrinder sind tot.

Insgesamt 57 Heckrinder und 15 Pferde grasten vor dem Hochwasser auf den Flächen der Primigenius gGmbH im Wulfener Bruch. Heute sind es nur noch fünf Pferde und elf Rinder. Die anderen am Leben gebliebenen Tiere wurden verkauft bzw. in ähnliche Areale in Oranienbaum und Schwedt geschafft. Im Wulfener Bruch gibt es gegenwärtig kaum grüne Weideflächen, Schlamm und faulendes Gras, wohin das Auge blickt.

Wiesen könnten kontaminiert sein

Unter diesen Bedingungen ist es für die Primigenius gGmbH nicht leicht, die Entwicklung des Nabu-Vorzeige-Projektes im Wulfener Bruch in den nächsten Zeit vorauszusagen. „Wir müssen erst einmal sehen, wie sich die Situation mit dem Futter entwickelt“, sagt Geschäftsführer Andreas Wenk. „Wir wissen noch nicht, ob die überfluteten Wiesen kontaminiert sind.“

Keinen Zweifel gibt es daran, dass das Projekt im vollen Umfang weiter laufen wird. Wenk zufolge soll der Tierbestand nach und nach wiederaufgebaut werden. Dies sei die Aufgabe der nächsten zwei Jahre. Die Tierverluste machen Wenk sehr zu schaffen, zumal ihm in Diebzig und Wulfen vorgeworfen wird, zu spät auf Warnungen reagiert zu haben. Es ist gar zu Anfeindungen ihm gegenüber gekommen.

Der Geschäftsführer gibt zu, die Gefahr unterschätzt zu haben. „Wie manche anderen auch“, sagt er. Schließlich habe niemand mit einem Dammbruch bei Groß Rosenburg und mit Saale-Fluten gerechnet. Doch am Tag danach habe man angefangen, die Tiere wegzubringen. Es sei übrigens nicht einfach, scheue Rinder oder Pferde einzufangen. Das koste viel Zeit.

Helfer haben die Verluste eingegrenzt

Fest steht, dass die Verluste ohne den Einsatz freiwilliger Helfer hätten noch höher sein können. Gleich zu Beginn der Überschwemmung im Wulfener Bruch wurden zum Beispiel zwei Rinderherden mit Hilfe hilfsbereiter Anwohner ins Trockene getrieben. Das sind jene Tiere, die heute an der alten Zuckefabrik bei Wulfen „stationiert“ sind und eine Basis für den Wiederaufbau der Bestände bilden.

Eine der Lehren, die Wenk aus den Hochwasser-Erfahrungen zog, betrifft das Verhalten der halbwilden Tiere. „Wir werden sie künftig jeden Tag mit Futter in der Hand locken, damit sie nicht mehr so scheu sind und sich leichter fangen lassen“, sagt er.

Quelle: mz-web.de

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