Imker aus Gera-Untermhaus verliert zehn Bienenvölker und zentnerweise Honig durch Hochwasser

Veröffentlicht: Juli 21, 2013 von fluthelfer in Thüringen

Der Imker Rolf-Dieter Gebhardt verlor während des Hochwassers zehn von 15 Bienenvölkern und seine gesamte Imkerwerkstatt. Um eine Ablaufklappe im Keller zu öffnen, begab er sich fast in Lebensgefahr.

Schon das gesamte Frühjahr gab den Imkern der Region um Gera Anlass zur Klage. Es war den Bienen lange zu kalt, um zum Honigsammeln auszufliegen.

Das Bienenjahr hatte sich um einen Monat nach hinten verschoben. Und nun traf einige auch noch die Flut.

Auch Imker Rolf-Dieter Gebhardt aus Gera-Untermhaus hat durch das Hochwasser der Weißen Elster 10 seiner 15 Bienenvölker verloren.

Da das Wasser bis zu 1,20m hoch in seinem Garten gestanden hatte, waren die unteren drei Reihen seines Bienenstockes nicht zu retten gewesen. „Die Tiere sind einfach in ihren Stöcken ersoffen“, klagt der Imker, der noch zwei andere Imker kennt, die ebensolche Verluste zu verzeichnen haben.

Ebenso schmerzt ihn die Überschwemmung seiner gesamten Imkerwerkstatt, die er im Keller seines Wohnhauses seit vielen Jahren betrieb. Hier wurden der Honig geschleudert, die Imkerwerkzeuge und viele historische Exponate der Imkerei aufbewahrt.

„Auch das viele Anschauungsmaterial, das ich zu Bienenlehrstunden für Kinder und Jugendliche über die Jahre angeschafft habe, ist unwiederbringbar verloren“, beklagt der 70-Jährige.

Dass auch mehrere Zentner eingelagerter Honig und etwa 1600 für die Honigernte vorbereitete Gläser im Container gelandet sind, schmerzt ihn zusätzlich. „Wir konnten nur den diesjährigen Honig retten, den wir unter provisorischen Umständen geschleudert haben“.

Neben der Sorge um seine Bienenwirtschaft mussten der Imker und seine Frau Edith die Überschwemmung des kompletten Kellers im Wohnhaus verkraften. Bis unter die Kellerdecke habe das Wasser gestanden. Von der viel zu späten Warnung der Polizei, das eigene Hab und Gut vor der Flut in Sicherheit zu bringen, spricht er und berichtet von abenteuerlichen Aktionen: Im voll Wasser gelaufenen Keller habe er durch mehrere Tauchgänge versucht, die Ablaufklappe am Kellerboden zu öffnen – in der Nacht um drei Uhr bei absoluter Dunkelheit, schließlich war die Stromversorgung unterbrochen

Als ausgebildeter Rettungsschwimmer sei ihm das auch gelungen, doch das kalte Elsterwasser habe ihm noch Stunden später zu schaffen gemacht. „Das Wasser war so kalt, dass ich noch drei Stunden lang gezittert habe“, berichtet er von dem gefährlichen Unterfangen.

Als das Wasser ablief, war klar, dass man fast nichts retten kann. Weder Tiefkühltruhen, Waschmaschine und Trockner noch die Elektronikwerkstatt und die Imkerküche. Glücklicherweise hatten sich gleich in den ersten Tagen nach der Flut Familienmitglieder, Freunde und Bekannte daran gemacht, die Kellerräume und den Garten zu entrümpeln.

Das Lehrerehepaar Lüdke aus Kaimberg packte ebenso mit an, wie der Dachdecker Richter der Familie die Arbeits- und Duschräume auf seinem Firmengelände zur Verfügung stellte. Freunde brachten ein Notstromaggregat und versorgten alle Helfer mit Kaffee.

Ein Blick ins Haus zeigt, dass man hier alles komplett neu aufbauen muss. Eine Handwerksfirma pickert derzeit Boden und Wände ab, um das Gemäuer trocken zu legen.

An Honigschleudern ist hier erst einmal lange nicht zu denken. Zwar ist das Haus auf Elementarschäden versichert, doch von den geschätzten 7000 Euro Schaden allein an der Imkerei werde er wohl nur einen Bruchteil ersetzt bekommen, meint Rolf-Dieter Gebhardt.

Tausende Euro müsste er aufwenden, um Imkerwirtschaft und Bienenerziehung für Kinder wieder aufnehmen zu können.

Überglücklich ist er, dass er durch einen befreundeten Imker aus Aga wieder zu neuen Bienenvölkern gekommen ist. Die Vermehrung dieser Tiere war schon erfolgreich, so dass es in insgesamt zehn Bienenstöcken wieder geschäftig summt.

„Kommende Woche ist die Lindenblüte vorbei und dann gehen die Bienen schon in den Winter“, sagt er. Noch nie habe man Mitte Juli Lindenblüte gehabt, das Jahr sei wahrlich verrückt. Auch wenn ihm noch sein Imkerwerkzeug fehlt, hofft er doch auf eine recht gute Honigernte. „Ich bin trotz allem zuversichtlich und froh, denn ich habe wieder Bienen.“

Nun könne man nur hoffen, dass sich im kommenden Jahr alles wieder normalisiert, sagt er.

Die von der Diakonie zugesagten 1000 Euro aus einer Spende des Schulfördervereins vom Geraer Goethe-Gymnasi-um/Rutheneum kann er bestens gebrauchen.

Quelle: otz.de

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