Ehemaliger Wünschendorfer spendet 100.000 Euro für Wiederaufbau nach Hochwasser

Veröffentlicht: Juli 21, 2013 von fluthelfer in Thüringen

Dieter Schropp ging 1957 in den Westen. Seiner Heimat Wünschendorf bleibt er aber seit Jahrzehnten verbunden. Jetzt spendet er für den Wiederaufbau nach dem Hochwasser.

Dieter Schropp macht kein großes Gewese. „Ich hab mir gedacht: Was solls?!“, erzählt der 81-Jährige am Telefon. 100.000 Euro hat er der Gemeinde Wünschendorf gespendet. Der gebürtige Wünschendorf, der 1957 die DDR verließ und heute in der Lüneburger Heide lebt, will seiner Heimat beim Wiederaufbau nach der Flut helfen. Ob der freudigen Botschaft ging auf der jüngsten Gemeinderatssitzung erst ein Raunen durch den Saal, dann applaudierten die mehr als 100 Wünschendorfer.

Dieter Schropp ist in der Gemeinde kein Unbekannter. Seit Jahren überweist er Geld, für die Feuerwehr oder den Jugendclub. Aufhebens darum hat er nie gemacht, Posieren mit Spendenschecks kam nicht in Frage. Auch jetzt ist es nicht er selbst, der in die Öffentlichkeit geht.

Die Geschichte, seine Geschichte erzählt er aber gern. „Die Verbindung zu Wünschendorf ist nie abgerissen“, sagt er. Obwohl Schropp vielleicht Gründe dafür gehabt hätte.

Der 1932 Geborene will Tierarzt werden, darf aber in der jungen DDR nicht studieren. Also lernt er Konsumkaufmann. „Und als ich fertig war, hieß es. Bergbau, Wismut, Aue“. Da habe er nein gesagt und stattdessen in der Fleischerei geholfen, die die Familie in Wünschendorf führte. Als es für Vater und Mutter in der Plan- und volkseigenen Wirtschaft der DDR zu viel und der Vater aus dem Betrieb liquidiert wurde, wie Schropp heute sagt, sei für ihn Schluss gewesen. Er war Mitte 20, als Kaufmann und Fleischer gut ausgebildet. Er sagt, er wollte dort leben, wo er sich die Schlafzimmermöbel kaufen kann, die er will und nicht die, die vorrätig sind.

1957 packt er seine Koffer und fährt mit dem Motorrad unter einem Vorwand ins Rheinland. Wie hat er sich dabei gefühlt? „Eine Scheidung ist eine Lachnummer dagegen“, sagt Schropp noch heute. Es seien harte Jahre gewesen, und in so manch einsamen Stunde habe er seine Entscheidung bereut. Doch der Mann, der mit 50 Mark in der Tasche und allein auf sich gestellt „rübermachte“, findet als Fleischer schnell eine Anstellung. Er macht seinen Meister, besucht die Veterinärschule, wird Fachberater für die Fleischindustrie und kehrt ab Ende der 1960er-Jahre zumindest zeitweise nach Gera und Wünschendorf zurück. Messe-Reisen nach Leipzig machen es möglich. Weil in der Messestadt die Hotels und Restaurants hoffnungslos überlaufen sind, sucht und findet Schropp Ausweich in Gera und pendelt nach Leipzig mit dem Bus. So hat er Gelegenheit, an den Abenden noch nach Wünschendorf zu fahren. „Ich habe meine Heimat nie vergessen“, sagt Dieter Schropp.

Auch nicht, was Hochwasser anrichten kann. 1954 – bei der letzten großen Elsterflut – lebt Schropp noch im Dorf. Das Elternhaus steht in Veitsberg am Zusammenfluss von Weida und Weißer Elster. Dem 1,80 Meter großen jungen Mann stand das Wasser damals bis zum Bauchnabel, die Flut verwüstete die Fleischerei. Ein Freund habe ihm vor einigen Jahren gesagt, so etwas komme nicht wieder, es gebe ja die Talsperren. „Es kam wirklich so nicht wieder. Es kam schlimmer“, hat der ehemalige Wünschendorfer nun anhand von Fotos und Zeitungsberichten festgestellt, die ihm alte Freunde regelmäßig schicken.

Für was seine großzügige Spende eingesetzt wird, dazu will Schropp der Gemeinde keine Vorschriften machen. Wenn ihm sein Vater als kleiner Jung fünf Mark zusteckte mit der Aufforderung, damit sorgsam umzugehen, das Geld vielleicht in die Spardose zu werfen, da gab er die Münze lieber wieder zurück. „Die Gemeinde wird es gut anlegen“, weiß Schropp.

Bürgermeister Jens Auer (parteilos) will das Geld für die Beseitigung der Schäden an kommunalem Eigentum verwenden, kündigte er zur Gemeinderatssitzung an. Stärker als bisher vermutet, haben Weida und Weiße Elster an Turnhalle und Straßen gewütet. Der Schaden und die Einsatzkosten summieren sich auf 637.000 Euro.

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