Hochwasser-Opfer wollen weg

Veröffentlicht: Juli 19, 2013 von fluthelfer in Sachsen

 

Viele von denen, die schon 2002 das sogenannte erste Jahrhundert-Hochwasser erwischt hatte, mussten in diesem Juni wieder mit ansehen, wie ihre Häuser nach dem Wiederaufbau in den Fluten versanken. Und viele haben die Nase voll, wollen nur noch weg.

 

von Hanno Griess

Es geht um 50 Häuser in Nünchritz bei Riesa. Zum wiederholten Male wurden sie vom Hochwasser erwischt. Den meisten reicht es jetzt. 90 Prozent der Anwohner würden gerne absiedeln, wie es heißt. Die Anwohner sagen, sie fühlten sich nicht mehr sicher. Deshalb fordere man eine Lösung wie im Fall der Siedlung Röderau Süd.

Umsiedlung auf Kosten des Steuerzahlers

Röderau-Süd ist das Stichwort. Die ehemalige Siedlung in direkter Nachbarschaft, die nie hätte gebaut werden dürfen, wurde nach 2002 komplett umgesiedelt. Auf Kosten des Steuerzahlers. Auf die Forderung, so etwas zu wiederholen, hatte der Chef der sächsischen Staatskanzlei, Johannes Beermann, in der vergangenen Woche eine kurze, aber klare Ansage parat: „Nein.“

Kritik von der Opposition

An diesem kategorischen Nein gibt es Kritik, beispielsweise von Martin Dulig, Chef der oppositionellen Sozialdemokraten. Er hatte bereits im Landtag die Idee eines Umsiedlungsfonds ins Spiel gebracht: „Ich halte das Thema Umsiedelung nach wie vor für eine Option, die man bei dem Thema Hochwasserschutz und Konsequenzen aus der Flut auf der politischen Tagesordnung besprechen und auch organisieren muss – als eine Option. Ich höre nur nicht sehr viel Positives aus der Staatskanzlei. Die Leute wollen aber jetzt wissen, lohnt es sich, an der selben Stelle wieder aufzubauen. Oder lohnt es sich nicht.“

Ob es sich aber lohnt, müsse jeder selbst entscheiden, sagt dagegen Staatsminister Johannes Beermann, die Regelung laute: „Bei denjenigen, die von dem Standort, wo sie gebaut und gewohnt haben, weg möchten, weil sie sagen, wir halten es einfach nicht mehr aus, wir sind zum dritten Mal jetzt unter Wasser geraten und wir möchten gern woanders ein neues Haus bauen, sind wir uns mit dem Bund und den anderen Ländern einig, dass auch dort grundsätzlich nur so viel Geld gegeben wird, wie derjenige bekommen hätte, wenn er an Ort und Stelle wieder aufgebaut hätte.“

Die Proteste der Anwohner in Nünchritz, aber auch beispielsweise in Grimma, im Muldental haben also bisher nichts genützt. Das einzige Zugeständnis der sächsischen Landesregierung: ein Lenkungsausschuss soll laut Beermann zumindest prüfen: „Mal darüber nachzudenken, denn es sind ja doch erhebliche Summen, wenn sie ein neues Haus bauen, ob da nicht ein entsprechendes Kreditprogramm oder Kreditvergünstigungsprogramm des Landes als Kompensation noch hilfreich wäre, um dort einzugreifen. Das werden wir jetzt in Ruhe prüfen und (…) bis zum 25. Juli noch nachsteuern.“

Ein neues Haus an anderer Stelle, wie damals in Röderau-Süd, bekommen Umsiedlungswillige also auf keinen Fall, und von einem Umsiedlungsfonds, wie ihn die SPD vorschlägt, ist auch weiterhin keine Rede.

Quelle: mdr.de

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