Vereinsgelände wird nach Hochwasser weiter genutzt

Veröffentlicht: Juli 18, 2013 von fluthelfer in Sachsen-Anhalt

Die Schützengilde in Dessau beräumt nach dem Hochwasser ihr Vereinsheim im Vorderen Tiergarten. Schon mehrfach war der Verein vom Mulde-Hochwasser betroffen.

„Schließt zu. Hier machen wir nicht weiter.“ Das war die erste Reaktion, nachdem die Fluten der Mulde das Vereinsgelände der Schützengilde im Vorderen Tiergarten überspült hatten, erinnert sich Klaus Hiltrop an das Jahr 2002. Doch dann sammelten die Schützen ihre Kräfte und brachten ihr Gelände wieder auf Vordermann, in dem guten Glauben, dass es zu ihren Lebzeiten nicht wieder so schlimm werden würde. Doch die Natur hat den Verein eines Besseren belehrt.

Anfang Juni trat die Mulde noch stärker über die Ufer als vor elf Jahren. „90 Zentimeter stand das Wasser im Gebäude und bis zu 1,40 Meter in den tiefer gelegenen Schießständen“, skizziert Hiltrop die Situation. Es war ein Rekordpegel, seit die Schützengilde 1990 das Vereinsgelände hinter der Mulde bezogen hat. Auch diesmal bot sich ein Bild der Zerstörung. Und wieder gab es Überlegungen, aufzugeben. Doch die sind abgehakt.

„Wir wollen, dass die Anlage wieder schön wird“

„Wir wollen, dass die Anlage wieder schön wird“, gibt sich Hiltrop mit den anderen rund 90 Mitgliedern kämpferisch. Im Wissen, dass sie leben müssen mit den Launen der benachbarten Mulde, die in Zukunft wahrscheinlich in immer kürzeren Abständen heftiger werden. „Es gab ja nicht nur diese beiden extremen Hochwasser. Das Thema ist bei uns immer präsent“, sagt Ulf Koch, der 1. stellvertretende Vereinsvorsitzende. Eine Standortdiskussion wollen sie nicht führen, weil es mit allen schutz- und versicherungsrechtlichen Bestimmungen schwer würde, in der Stadt einen angemessenen Alternativ-Standort zu finden.

Also bleiben sie – und fangen quasi wieder bei Null an. Denn das Hochwasser hat dem Verein einen Schaden von fast 50 000 Euro beschert. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Ulrich Petzold, Landesinnenminister Holger Stahlknecht, Oberbürgermeister Klemens Koschig und Sportamtschef Ralph Hirsch haben ihre Unterstützung zugesagt. Und die Schützengilde hat Fördermittelanträge bei der Stadt, beim Landes- und Stadtsportbund und dem Landesschützenverband gestellt. Derzeit bestreitet der Verein seine Ausgaben zur Behebung der Hochwasserschäden aus Spenden, Sponsor-Einnahmen und der eigenen finanziellen Substanz.

Eines erweist sich beim Neuanfang als besonders hilfreich. „Viele unserer Mitglieder sind Spezialisten auf Gebieten, die wir hier dringend gebrauchen können“, erzählt Hiltrop. So haben sie die vom Hochwasser betroffenen Sportwaffen auseinander genommen, gereinigt und wieder einsatzfähig gemacht. „Nur 15 Prozent unseres Waffenbestandes mussten wir unter Aufsicht des Ordnungsamtes vernichten“, bilanziert Koch. Die Dämmplatten an den Schießständen haben die Vereinsmitglieder auch selbst abmontiert und getrocknet. Holz, wenn möglich, behandelt. Doch vor allem Mobiliar und Fußböden sind durch die Überschwemmung unbrauchbar geworden. „Siebeneinhalb Container Sperrmüll haben wir in den letzten vier Wochen gefüllt“, sagt Hiltrop.

Mobiliar und Fußböden sind durch das Hochwasser unbrauchbar geworden

Das Gelände und das Vereinsheim gleichen derzeit einer großen Baustelle. „Ans Schießen denkt hier derzeit niemand. Unser Sport ist auch noch die nächsten sechs bis acht Wochen das Aufräumen“, sagt Hiltrop. Jeder der 90 Mitglieder bringt sich nach Zeit und Kräften ein. Auch von anderen kommt Unterstützung. Bautrockner vom DRK und der Stadt laufen in vielen Räumen. Die Bahn AG hat dem Verein Mobiliar überlassen. Ein Baumarkt hat 30 Prozent Nachlass auf den Einkauf gewährt.

In den nächsten Wochen will der Verein die Böden aller Räume und die Wände 90 Zentimeter hoch fliesen. „Nach dem nächsten Hochwasser brauchen wir dann nur noch mit dem Hochdruckeiniger durchgehen“, hofft Koch. Zudem hofft er auf eine Lösung, um Mobiliar und Elektrogeräte künftig schneller hochzustellen. An den Sport will sich die Gilde spätestens im September auf dem eigenen Gelände mit einem Wettkampf um den Hochwasserpokal 2013 rantasten.

Quelle: mz-web.de

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s