Bürgerveranstaltung zum Hochwasser: Der genervte Fachmann

Veröffentlicht: Juli 18, 2013 von fluthelfer in Bayern

Bergkirchen/Günding – Es war eine Bürgerversammlung der besonderen Art: Als brisantes Thema stand das Juni-Hochwasser zur Diskussion, von dem Gröbenried durch den Gröbenbach betroffen war und in besonderem Maße Neu-Günding durch die Maisach. Die Zuhörer bekamen viel Information geliefert. Aber auch einen genervten Fachmann.

Das Thema zog. Wegen des großen Interesses fand die Veranstaltung im voll besetzten Zelt beim SV Günding statt, dessen Gelände und Räume gleichfalls überschwemmt worden waren. Bürgermeister Simon Landmann zog zunächst Bilanz und dankte den Einsatzkräften aus der Gemeinde, dem Landkreis und München für den unermüdlichen Einsatz.

Solche Hochwassermengen mit Abflüssen von 46 Kubikmeter/Sekunde habe es zuvor nie gegeben (1940 waren es 44 Kubikmeter/Sekunde gewesen). Der Staat, die Gemeinde und die Bürger seien nun gefragt, um Vorkehrungen zu treffen.

Als erste wertvolle Informationsquelle könne Bürgern die Hochwasserschutzfibel dienen, die als Sammelbestellung über die Gemeinde zu beziehen sei, ansonsten per Internet. Von staatlicher Seite sei die bessere Einstufung (bisher Stufe 4) als Überschwemmungsgebiet entscheidend. Die St.-Vitus-Straße samt Bulachgraben werde durch die Gemeinde neu vermessen. Geplant sei, das Niveau der Straße anzuheben und eine Mulde zu bauen. Dabei müsse man aber im Auge zu behalten, dass „anderswo kein Schaden entsteht“. Als Soforthilfe seien bereits 600 000 Euro an Betroffene in der Gemeinde ausgezahlt worden.

Dr. Richard Müller vom Wasserwirtschaftsamt München sollte über die möglichen Vorgehensweisen zum Hochwasserschutz informieren. Müller blieb in seinen Erklärungen jedoch sehr vage. Die Aussage, „wir müssen uns überlegen, was zu verändern ist“, reichte den betroffenen Gündingern nicht aus. Sie wollten konkrete Lösungsvorschläge hören und keine Erläuterungen über bisherige Basisstudien und detaillierte Verfahren der Berechnung. Das Prozedere könne dauern, so Müller, es sei abhängig vom Planungsfeststellungsverfahren, von Einwänden und Klagen durch mehrere Instanzen. Nach erneuten Nachfrage fügte er genervt hinzu: „Das geht nicht so schnell – schnell geht es nur in Diktaturen.“

Ob das Kraftwerk an der Amper zum Hochwasser beigetragen habe, wollten Zuhörer vom Vertreter des Wasserwirtschaftsamtes wissen. Die Frage beantwortete Müller zunächst lapidar mit: „keine Ahnung!“ Auf weiteres Insistieren, räumte er ein, dass das Kraftwerk „ein neuralgischer Punkt ist“. Genau das wollten die Bürger hören, die sich nicht zufrieden gaben mit Müllers Ausführungen. Etwa, dass das 1913 erbaute Wasserkraftwerk ältere Rechte habe, das Wasser zu stauen, um Strom zu erzeugen, lange bevor es die Bebauung mit Häusern gegeben habe. Er räumte ein, dass sich mit der im Jahr 2000 eingebauten größeren Turbine der größere Durchfluss negativ auswirke.

Die Anlieger fragten nach den Ursachen. Eine Hausbesitzerin wurde konkret: „Wieso haben wir nach 25 Jahren plötzlich 1,25 Meter Wasser im Keller?“ Früher sei das Wasser flussabwärts links der Maisach aufgefangen worden, heute fließe es ins Wohngebiet. Als Gründe vermutete ein anderer Anlieger den Schlamm unter der Maisachbrücke – er sprach von ein er „Fehlkonstruktion“ Fußgängersteg -, den überlasteten Bulachgraben und die zu kleine Schleuse. Es gebe einfache Möglichkeiten, diese Mängel zu beheben.

Bürgermeister Landmann versprach, alle Vorschläge aufzunehmen und nach der Entscheidung der Fachleute Maßnahmen in Angriff zu nehmen. Versicherungstechnisch ist Günding in die Kategorie „zehnjähriges Hochwasser“ eingestuft.

Bis auf die Eigentümer von zwei Gebäuden in der Gemeinde Bergkirchen, so die Auskunft eines Vertreters der Bayerischen Versicherungskammer, können sich alle Bürger durch eine Elementarversicherung schützen. Grundwasserschäden werden hierbei allerdings nicht versichert. (ink)

Quelle: merkur-online.de

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