Renaturierung als Hochwasserschutz

Veröffentlicht: Juli 17, 2013 von fluthelfer in Zentrale der Deutschen Fluthilfe

Nach dem Auslaufen des Tagebaus Hambach wird der Grundwasserspiegel wieder. Vor Hochwasser müssen sich die Erftanlieger dennoch nicht fürchten. Bereits jetzt gibt es Rückhaltebecken für die Zeit nach dem Tagebau.  Von Dennis Vlaminck

Ein Hochwasser wie zuletzt an Main, Donau und Elbe brauchen die Bewohner an einem Flüsschen wie der Erft wohl nicht zu fürchten. Oder doch? „Hätten wir hier solche Niederschläge gehabt wie in den betroffenen Gebieten im Osten, dann hätten wir auch ganz schön alt ausgesehen.“ Wulf Lindner, im September scheidender Vorstand des Erftverbands, redet beim Jahrespressetreff in der Bergheimer Verbandszentrale offen. „Die Erft würde gewiss nicht so über die Ufer treten wie die großen Flüsse. Aber die Kanalisation wäre überlastet, viele Keller würden volllaufen.“

Damit sich die Erftanlieger selbst vor Jahrhundert- oder gar Jahrtausendhochwassern nicht fürchten müssen, setzt der Erftverband einiges in Bewegung. Zuletzt wurde das Hochwasserrückhaltebecken Garsdorf zwischen Bedburg und Bergheim eingerichtet. „Wir brauchen es jetzt eigentlich noch nicht“, sagt Lindner. Gedacht sei es für die Zeit nach dem Braunkohlenabbau, wenn RWE Power kein Grundwasser mehr abpumpe und kein Sümpfungswasser mehr bei Kenten in die Erft gegeben werde. „Dann steigt der Grundwasserspiegel wieder. Der Kerpener Bruch etwa wird dann nicht mehr so viel Wasser aufnehmen können.“

Ebenfalls dem Hochwasserschutz und der Zeit nach dem Tagebau Hambach geschuldet sei die Renaturierung der Erft. „Sie muss wieder ein kleines Flüsschen werden“, sagt Lindner. Und wenn sie sich wieder wie in alten Zeiten durch die Landschaft schlängelt, gebe man dem Fluss auch wieder mehr Raum.

Von Kenten an erftabwärts will der Erftverband in den nächsten Jahrzehnten überall mit Renaturierungsmaßnahmen tätig werden. Die derzeit wohl prominenteste Baustelle befindet sich in Höhe des Vogelwäldchens bei Kenten, wo aus rund 900 Metern Erftflutkanal in diesem Jahr 1300 Meter entfesselte Erft werden. In Schlangenlinien wird sich die Erft dann durch Wald und Flur winden. Da die Erft ihren Lauf dann auch selbst beeinflussen kann und auch ihr Bett verlassen darf, wird es keine Spazierwege direkt neben dem Fluss geben. „Wir sehen den Menschen aber auch als Bestandteil der Natur, daher soll er die renaturierte Erft auch genießen dürfen“, sagt Linder. Immer wieder würden daher Wege dort, so nah es geht, an die Erft herangeführt.

Mit der Arbeit seines Verbands ist Lindner, dem Anfang Oktober sein bisheriger Stellvertreter Norbert Engelhardt als Vorstand nachfolgen wird, hoch zufrieden. „Es war ein solides Jahr“, sagt Lindner. Dank Sonnenenergie und Windkraft wolle man zukünftig immer mehr Strom für die eigenen Anlagen selbst erzeugen und zugleich den Strombedarf durch Sanierungen senken. „Das Ziel ist, autark zu werden“, sagt Lindner.

Kosten will der Erftverband durch Umsetzung seines „Masterplans Abwasser 2025“ sparen. In den nächsten Jahren sollen demnach bis zu 19 der 40 Kläranlagen des Erftverbands stillgelegt werden. Im Rhein-Erft-Kreis ist allerdings keine Kläranlage betroffen. „Je kleiner eine Anlage ist, desto teurer ist sie in der Unterhaltung“, erläutert Lindner. Die anderen Kläranlagen würden aufgerüstet oder seien schon jetzt in der Lage, Kapazitäten aufzunehmen.

Engelhardt wiederum warb um Auszubildende. Die Arbeit beim Erftverband sei spannend und abwechslungsreich. Elf Ausbildungsberufe würden angeboten, derzeit gebe es 20 Azubis.

www.ausbildung.erftverband.de

www.erftverband.de

Quelle: ksta.de

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