Hochwasser ist in Kassel eine ständige Gefahr

Veröffentlicht: Juli 17, 2013 von fluthelfer in Zentrale der Deutschen Fluthilfe

Das schlimmste Hochwasser, das Kassel jemals traf, ereignete sich am 5. Januar 1643. An einem historischen Torbogen an der Mühlengasse kann man die Markierung noch lesen. Die ist fast zwei Meter höher als der Pegel nach der Zerstörung der Edertalsperre 1943.

Vor 370 Jahren wurde das gesamte Gebiet der heutigen Unterneustadt überspült. Die Fluten stauten sich vor der alten Fuldabrücke mit ihren vier relativ engen Bögen. Acht Häuser wurden damals zerstört, Informationen über Verletzte oder Tote gibt es nicht.

Die älteste bekannte hohe Flut liegt noch 300 Jahre weiter zurück. Am 22. Juli 1342 setzte die Fulda die noch junge Unterneustadt unter Wasser. Sogar der Hochaltar der Maria-Magdalena-Kirche auf dem relativ hoch gelegenen Holzmarkt soll damals überflutet worden sein.

„Kleinigkeiten summieren sich“

Wie hoch das Wasser in früheren Jahren stand, macht eine Karte deutlich, die das Regierungspräsidium zusammen mit der Kasseler Universität entwickelt hat. Dort sind die Überflutungen aus den Jahren 1643, 1841 und das ebenfalls sehr gravierende Hochwasser aus dem Jahr 1946 – die Edertalsperre konnte noch nicht wieder voll genutzt werden – dokumentiert.

Anlass dafür ist eine Vorgabe der Europäischen Union zum Risikomanagement. Ziel ist es, die Schäden durch Hochwasser so gering wie möglich zu halten. Dafür muss man wissen, was im Extremfall zu erwarten ist.

Wichtige Flutmulde

Auch wenn Kassel bei der jüngsten Flutkatastrophe glimpflich davongekommen ist, kann das beim nächsten Mal schon ganz anders sein. „Kleinigkeiten summieren sich“, sagt Albert Kreil, der für den Hochwasserschutz beim Regierungspräsidium zuständig ist. Er setzt sich dafür ein, dass zum Beispiel beim anstehenden Umbau des Großen Kreisels (Platz der Deutschen Einheit) auf optimale Abflussmöglichkeiten für das Wasser geachtet wird.

Zuletzt stand der Platz im Jahr 1995 komplett unter Wasser. Auch die Vorgaben für den Abbau der Zäune am Fuldauferweg und des Geländers der neuen Ahnebrücke in der Flutmulde seien keine Schikane, sondern wichtige Bausteine des Hochwasserschutzes. Jedes Hindernis, in dem sich Treibgut verfangen könne, wirke als Barriere.

Etwa zwei Tage Vorwarnzeit hat Kassel, wenn sich im Oberlauf der Fulda eine Flutwelle zum Beispiel nach starken Regenfällen aufbaut. Die Berufsfeuerwehr werde dann sofort informiert. In den vergangenen Jahren habe man an vielen Stellen verhindert, dass Überschwemmungsgebiete weiter bebaut werden, sagt Kreil.

Wer in Kassel zum Beispiel in Fuldanähe am Bleichenweg wohnt, hat in der Regel vorgesorgt. Abgeschottete Kellerräume und mit Diesel betriebene Wasserpumpen haben dort viele.

Von Thomas Siemon

Quelle: hna.de

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