Nach dem Hochwasser: Bilder der Flut in Hainbücht noch immer in den Köpfen

Veröffentlicht: Juli 15, 2013 von fluthelfer in Zentrale der Deutschen Fluthilfe
„Am Abend war ich gegen 23 Uhr nochmal beim Mühlbach und dachte, diese Nacht passiert bei dem wenigen Wasser garantiert nichts. Nur wenige Stunden später dachte ich: Das wars. Wir saufen ab.“

Auch Wochen nach der verheerenden Flut gehen Müller Manfred Wollnitzke aus Hainbücht und seiner Lebensgefährtin Ramona Ullrich die Bilder von damals nicht aus dem Kopf. Sie sehen die Wassermassen der Roda, die unzähligen Helfer, die teilweise bis zum Bauch im Wasser versuchen, das Hab und Gut der Mühle zu retten und den Wassermassen irgendwie Einhalt zu gebieten. Sie sehen den Schlamm, die Verwüstungen, die langsam sichtbar wurden, als sich das Wasser wieder in die Roda zurückzog. „Ganz ehrlich: Wenn wir die ganzen Helfer nicht gehabt hätten, wenn wir diese unglaubliche Unterstützung nicht erfahren hätten, wer weiß, ob wir nach der zweiten Überflutung binnen weniger Jahre den Entschluss gefasst hätten, weiterzumachen“, sagt Wollnitzke. Dass sich seit gestern das Mühlrad mehr schlecht als recht wieder dreht, dass Kundschaft nach Produkten aus der Hainbüchter Mühle verlangte – all dies, sagt der Müller, wäre ohne die Unterstützung von Freunden, Bekannten, Verwandten, von Betrieben aus der Region, vom Bistum Meißen und zahllosen anderen Helfern nicht möglich gewesen. Inzwischen weiß das Müllerpaar auch, welch immensen Schaden das Hochwasser an der Mühle, dem Betrieb und am Wohngebäude anrichtete: Auf über 100.000 Euro kommt der Hainbüchter Müller inzwischen. Dabei erfuhr das insgesamt 14 Mann starke Unternehmen eine Hilfe, die ihresgleichen sucht: Im Gasthof „Zu Hainbücht“ wurde Essen kostenlos zubereitet, das Agrarunternehmen „Wöllmisse“ und andere Firmen stellten Lagerraum sowie Technik zur Verfügung, die katholische Kirche richtete für die Mühle ein eigenes Spendenkonto ein. „Dass Bischof Dr. Heiner Koch sich persönlich bei uns ein Bild von den Hochwasserschäden machte, hat mich tief gerührt“, sagt Wollnitzke. Das alles sei ja nichts Selbstverständliches. Ramona Ullrich weiß auch die Unterstützung der Mitarbeiter nicht hoch genug zu würdigen. „Unsere Arbeiter haben Tag und Nacht hinter uns gestanden. Die haben gesagt: Wenn ihr anruft, sind wir da!“ Das habe eine Gemeinschaft zusammengeschweißt.

Wollnitzke ist froh, dass auch die Politik die Hainbüchter Mühle nicht im Stich gelassen hat. „Durch Landrat Andreas Heller , Landtagsabgeordneten Wolfgang Fiedler und Stadtrodas Bürgermeister Klaus Hempel wurde auf dem schnellsten Wege und unbürokratisch die Beräumung und Instandsetzung der Ufer der Roda sowie der Einrichtungen zwischen dem Wehr und der Brücke in Auftrag gegeben.“

Seit vergangenem Freitag schon sind Mitarbeiter des Stadtrodaer Unternehmens Titzmann beim Aufräumen. „Das Wasser hat tonnenweise Sand, Geröll, Wurzeln, Astwerk sowie jede Menge Haushalt angespült“, zeigt der Müller auf ein noch unberäumtes Gelände. „Wir müssen so rasch wie möglich die Durchgängigkeit der Roda wieder herstellen.“ Dabei weiß Wollnitzke, dass dies nur der Anfang sein darf. Bei einer Inspektion flussaufwärts standen dem Müller die Haare zu Berge. „Da liegen mindestens zehn Bäume in der Roda. Ganz zu schweigen von dem Müll. Reifen, Überreste eines Betonmischers und anderer Zivilisationsdreck liegen in der Roda. „Wenn hier nichts passiert und das nächste Wasser kommt, dann waren die Mühen im Mühlenbereich umsonst“, ist sich Wollnitzke sicher. Er und seine Lebensgefährtin plädieren deshalb dafür, nach grundsätzlichen Lösungen zu suchen. „Die Roda muss auch oberhalb der Mühle und anderswo beräumt werden, ein Schutzwehr müsste errichtet werden, damit es nicht wieder dazu kommt, dass Bäume an der Brücke quer liegen und die Roda weiter anstauen.“ Zudem müsse man sich ernsthaft Gedanken machen, wie zusätzliches Überschwemmungsgebiet freigehalten werden kann. „Die Wiese hinter dem Roda-Markt ist so ein Gebiet“, meint der Müller, der inzwischen einen Antrag auf Vorsorgemaßnahmen stellte. Aus eigener Kraft bekommt das der Müller aber nicht mehr hin. „Den Notgroschen habe ich nach dem Hochwasser von 2007 bereits ausgegeben“, zeigt der auf die Spundwände. Auch den Mühlgraben habe er damals selbst gesäubert. Eine Überraschung brachte die Sanierung der Roda inzwischen. Ein Arbeiter fand im Flussbett eine alte Trinkflasche der Amerikaner aus dem 2. Weltkrieg.

Quelle: otz.de

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