Extremes Hochwasser hat mehrere Gründe

Veröffentlicht: Juli 15, 2013 von fluthelfer in Zentrale der Deutschen Fluthilfe

Bürgerversammlung in Veringenstadt offenbart großen Informationsbedarf

Von Heinz Thumm

Seit 1647 hat es kein solches Hochwasser an der Lauchert in Veringenstadt gegeben wie zum Monatswechsel Mai/Juni dieses Jahres. „Viele Bürger sind sehr betroffen von dem, was hier passiert ist, betonte Bürgermeister Armin Christ bei der Bürgerversammlung zum Hochwasser in der Turn- und Festhalle.

Über 260 Bürger aus Veringenstadt und seinen Teilorten sind zur Bürgerversammlung gekommen. Darunter waren sogar einige Einwohner von Jungnau mit ihrem Ortsvorsteher Anton Fetscher. Sie alle wollten sich gemeinsam an der Aufarbeitung des Extrem-Hochwassers beteiligen, wollten Fakten hören, Informationen erhalten, Fragen stellen und etwas über geplante Maßnahmen hören.

Armin Christ lobte: „Eine Vielzahl von Hilfskräften aus allen Bereichen hat enorm viel geleistet und bis zum Rande der Erschöpfung gearbeitet. Dafür danken wir allen Helfern ganz herzlich.“ Er freute sich auch über den Zusammenhalt und die Hilfsbereitschaft unter den Bürgern, die ein intaktes Gemeinwesen zeigten.

In einer ersten Runde informierten Experten zum Sachstand. Der Gesamtkommandant der Feuerwehr Veringenstadt gab einen Überblick der Situation. Kreisbrandmeister Michael Hack sprach aus, was viele Bürger erst jetzt richtig einordnen können: „Hochwassergebiete können geschützt werden, an der Lauchert war es sehr schwierig. Alle Hilfsorganisationen haben das Mögliche getan!“

Mit Spannung wurden die Ausführungen vom Sachgebietsleiter für Oberirdische Gewässer im Fachbereich Umwelt beim Landratsamt Sigmaringen, Wilhelm Claus, erwartet. Er begann mit einer Nachbetrachtung über die vorausgegangenen Starkregenereignisse in den Oberläufen der Lauchert und ihren Nebenflüssen.

Die Lauchert fließt bei Veringen sehr träge

Ein Problem verursachen die Eigenheiten der Lauchert unterhalb von Veringenstadt. Die Lauchert fließt dort sehr träge mit einem Gefälle von zwei Metern auf 2,5 Kilometern Länge. Zwischen Hermentingen und Veringenstadt beträgt das Gefälle zwei bis drei Meter je Kilometer. Er verwies auch auf die Stör- und Engstellen durch Totholz und Bewuchs und lobte die Tauchergruppe, die unter hohen persönlichen Risiken alles ausgeräumt habe.

Claus forderte ein besseres Hochwassermanagement mit Vorsorge zum Wasserrückhalt auf der Fläche, Überprüfung der technischen Einrichtungen sowie Hochwasservorsorge für Bau-, Verhaltens- und Risikovorsorge. Für ganz dringend hält er eine bessere Vorbeugung und Alarmierung. In die aktuell entstehenden Hochwasser-Gefahrenkarten müssten die Hochwasserwerte aus 2013 sofort eingearbeitet werden.

Fragen hatte eine Interessengemeinschaft Hochwasser aus acht Familien aus Veringenstadt gesammelt. Harald Branz trug die Fragen an die Experten vor. Anschließend äußerten sich eine Vielzahl von Bürgern. Unter anderem war zu erfahren: Massive Regenfälle trafen auf bereits hohe Grundwasserstände und damit flossen bisher nicht vorstellbare Wassermengen in die Lauchert. Dort trafen sie auf verschiedene Missstände wie zum Beispiel starke Bachverkrautung, Bäume und Gebüsch, Verlandungen, einzelne Störungen an Zuleitungssammlern und auf Engstellen durch Brücken, besonders entlang der Bahnlinie.

Und weiterer Handlungsbedarf wird gesehen bei der Auswertung aller Erhebungen. Bachbegehungen sollten organisiert werden und die Wasserläufe verbreitert und vertieft werden. Ferner gelte es, Gewässerrandflächen zu kaufen oder zu tauschen. Auch die Anbringung einer Pegellatte an jeder Brücke wäre sinnvoll. Die Verbesserung der Vernetzung mit anderen Landkreisen und die Dokumentation aller geplanten Maßnahmen im Amtsblatt und auf der Homepage der Stadt Veringenstadt, schlug Branz ebenfalls vor.

Darüber hinaus wurden viele Einzelpunkte vorgetragen. Angesprochen wurde die Versicherungsproblematik, die Bisam- und Biberentwicklung, ein Hochwasserdamm im Fehlatal sowie eine Überprüfung der Regelungen im Kraftwerk Veringendorf und anderes. Auch wurde ein sensibler Umgang mit älteren Menschen bei der Evakuierung angemahnt.

Zum Schluss war Bürgermeister Armin Christ sehr zufrieden. Er wusste zwar: „Es gibt noch viel zu tun!“ Er erkannte aber auch, dass bei dieser Bürgerversammlung „viele Punkte aus fachlichem Hintergrund erklärt werden konnten.“

Quelle: schwaebische.de

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