Das Drama sacken lassen

Veröffentlicht: Juli 15, 2013 von fluthelfer in Zentrale der Deutschen Fluthilfe
Von KARINA BLÜTHGEN

 

Die Stadt Kemberg richtet auf dem Sportplatz in Dabrun ein Fest als Dank für die Hochwasser-Helfer aus. Diese tauschen sich über das Erlebte aus.

„Loben? Alle muss man loben“, sagt Frank Wessel. „Man kann nicht einen Sack Sand nehmen und sagen: Ich hab den Damm gerettet.“ Egal, ob am Deich, am Sandplatz beim Säcke füllen oder Stullen schmieren in den Gerätehäusern, der Dabruner Wehrleiter Wessel schließt in seinen Dank alle ein, die in irgend einer Form dabei waren. Vier Wochen nach dem Elbe-Hochwasser bleibt den Helfern nur eines: Das Ganze sacken lassen. Dafür hatte die Stadt Kemberg ein Fest organisiert.

Feuerwehrleute, Anwohner in den Orten entlang der Elbe, Krisenstab-Mitarbeiter und Bürgermeister kamen am Sonnabend auf dem Dabruner Sportplatz zusammen. Im Gespräch reflektierten sie die Tage im Juni, die Nerven gekostet haben. Aufgeben? „So einen Gedanken hat es nie gegeben. Nicht mal als Hintergedanken“, meinte Thomas Kebernik, der vor elf Jahren selbst am Deich stand. Der Kemberger aus der Stadtwehrleitung fungierte tagelang im Gerätehaus Dabrun als Bindeglied zwischen Einsatzort und Krisenstab. „Egal was wir brauchten, Sand, Schotter oder Sonnencreme, es hat funktioniert“, dankte er allen. „Und wenn es die Küchenfrauen waren, die für uns gekocht haben.“

Eines hat ihnen dieses Mal mehr abverlangt. Durch die sozialen Netzwerke kamen teilweise zu viele Helfer. „Die wollten alle etwas tun und waren sogar beleidigt, wenn wir nicht sofort eine Aufgabe hatten“, so der Dabruner Wehrleiter. Bei allem Optimismus – am Sonntagnachmittag war ihnen allen mulmig. Da ging zweimal die Sirene. Viele Leute seien sofort da gewesen, wollten wissen, was los war. „Das war der Moment, wo man dachte, jetzt ist die Grobe Sau gekommen“, erinnerte sich Wessel an die Schwierigkeiten an dem Wartenburger Abschnitt. Doch letztlich war es ein Fehlalarm.

Da war Roy Kallin nicht im Einsatz, der Dabruner Feuerwehrmann übernahm eine ganze Woche die Nachtschichten im Gerätehaus. „Ich war freigestellt, mein Chef ist sehr kulant“, betonte er. Dammläufer versorgen und bei Problemen Alarm schlagen, das war seine Aufgabe. „Im Großen und Ganzen ist es ruhig geblieben“, zeigte er sich heilfroh darüber. 14 Tage nach dem Hochwasser, „da habe ich dann nicht richtig schlafen können“, machte er deutlich, was das Wasser ausgelöst hat. Für Ortsbürgermeisterin Cornelia Bachmann (parteilos) war die viele Hilfe überwältigend, etwa die Lkw von Edeka Minden mit 2 500 Sandsäcken, die nachts ankamen und die man umgehend nach Wartenburg weiter schickte. Sie hatte im Vorfeld des Festes vor allem bei den Älteren geworben, zum Sportplatz zu kommen. Geholfen haben auch sie, so wie die über 80-jährige Anneliese Fritz und ihre Schwester, die fast pausenlos Kaffee gekocht hatte.

Quelle: mz-web.de

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