Sedimente nach dem Hochwasser

Veröffentlicht: Juli 12, 2013 von fluthelfer in Bayern

Der Inn bei Neuhaus fließt ruhig dahin. Von den Hochwasserschäden ist kaum noch etwas zu erkennen, zumindest nicht für den Laien. Doch der Schein trügt: Denn die Maisfelder gleichen eher versandeten Mondlandschaften.

Von: Doris Fenske

Sedimente | Bild: BR

Bei Neuhaus ist etwas passiert, mit dem Franz Gerauer und andere betroffene Landwirte nicht ernsthaft gerechnet hätten: Die Maispflanzen, die hier noch bis Anfang Juni gewachsen sind, wurden von den Hinterlassenschaften der Flut derart tief begraben, dass mancher Maisacker nun einer Mondlandschaft gleicht.

Ein halber Meter Sand

„Wir kennen des Problem schon, aber im Normalfall haben wir so drei, vier, fünf Zentimeter. Das ist nicht schädlich und da haben wir kein Problem, aber so in Stärken von einem halben Meter und mehr, das ist natürlich ungewöhnlich“

Landwirt Franz G., Neuhaus am Inn, Lkr. Passau

Zerstörte Erde

Das Fatale an der Situation: Nicht nur die komplette Ernte ist vernichtet, sondern auch der Ackerboden. Denn der Humus ist unter dem Sand regelrecht eingesperrt. Eine Luftzufuhr ist nicht mehr gegeben, und darunter leidet die Fruchtbarkeit des Bodens.

Liegt es am Wasserkraftwerk?

Wie aber ist es möglich, dass das Inn-Hochwasser solch dicke Schichten hinterlässt? In Ufernähe sind es sogar meterhohe Sandberge. Kann ein einzelner Fluss tatsächlich so viel Material mit sich führen, selbst dann, wenn er von Haus aus viel Sand mit sich führt? Oder spielt das Wasserkraftwerk bei Neuhaus-Schärding ebenfalls eine Rolle? Denn dort, wo der Inn aufgestaut ist, lagert sich viel Material ab. Und die Flut hat Sand und Schlamm, die möglicherweise jahrzehntelang im Staubecken angereichert waren, mitgerissen.

Der Sand muss weg

Metertiefe Sandberge am Flussufer

2.000 Hektar Ackerfläche im Landkreis haben nun Wüstencharakter. Einzelne Flächen sind metertief unter Sand begraben. Die Sedimente mit einem Bagger abzuschieben, wäre extrem teuer und nur mit enormem Aufwand zu realisieren. Wie und ob die Flächen saniert werden können, ist daher noch völlig unklar. Bei Franz Gerauer ist die Auflage mittlerweile hart wie Stein. Nur eines scheint klar: Dass dieser Zustand behoben werden muss – für Agraringenieur Robert Schnellhammer eine ganz besondere Herausforderung:

„Da wissen wir auch nicht recht, wie sich das hier entwickelt, und deswegen wollen wir das nicht so lassen, denn unter Luftabschluss wird des Ganze silieren, das wird blau, wird stinken, und ist dann natürlich kein Pflanzenstandort mehr.“

Agraringenieur Robert S., Amt für Landwirtschaft, Passau

Erst die Fräse …

Die Landwirte improvisieren: Sie bearbeiten den Boden mit einer gewaltigen Fräse, die tiefer in den Boden eindringen kann als ein Pflug, obwohl es einen ganzen Arbeitstag dauert, bis die Fräse einen Hektar bearbeitet hat. Doch die Fräse bleibt im schmierigen Boden stecken. Auch wenn die Schollen trocken aussehen, im Boden steckt noch immer viel Feuchtigkeit.

… dann der Grubber

Damit der Boden besser abtrocknen kann, muss die Schlammauflage belüftet, also gelockert werden. Dafür kommt jetzt ein Grubber zum Einsatz. Ein paar Tage später wird die Fräse dann ein zweites Mal getestet. Diesmal versinken die Räder nicht in den Schlamm-Auflagen. Die Maschine kommt zwar langsam voran, aber es ist möglich, die grauen Schollen einzuarbeiten, zumindest auf den Flächen, die nicht zu stark mit Sedimenten des Inns bedeckt sind.

Die Mühe scheint sich auszuzahlen.

Die Messer der Fräse graben sich 60 Zentimeter tief ein und bringen den verlorenen Humus wieder nach oben. Franz Gerauer ist mit dem Ergebnis zufrieden. Zumindest einen Teil seiner Flächen kann er so bearbeiten lassen. Einziger Nachteil: Die Leistung kostet pro Hektar etwa 3.500 Euro.

Landwirtschaft und Hochwasser

Wer in Flussnähe Ackerbau betreibt,  lebt mit dem Hochwasser. Ungefähr alle zehn Jahre werden bei Neuhaus Äcker überspült, ein Risiko, das die Landwirte in Kauf nehmen. Erst die Flut 2013 hat deutlich gemacht, dass es nicht immer einfach ist, zum Alltag zurückzukehren: Statt ertragreicher Nutzpflanzen gehen hier sofort Weiden auf und erinnern die Landwirte daran, dass sie dort wirtschaften, wo von Natur aus Auwald stehen würde.

Quelle: br.de

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