Siegrenaturierung – Am Ufer drohen Verletzungen

Veröffentlicht: Juli 11, 2013 von fluthelfer in Hochwasserschutz

Seit Jahren überwuchert das Drüsige Springkraut an der Sieg Uferbereiche. Durch die geplante Renaturierung könnte die Pflanze noch bessere Bedingungen zur Ausbreitung finden, sagt der Leiter des Amts für Natur- und Landschaftsschutz.

 

Bemerkenswert klare Worte waren jetzt auf einer Bürgerversammlung der CDU zum Thema Siegrenaturierung zu hören: Allerdings kamen die nicht von einem Vertreter der Bezirksregierung, die verantwortlich für das Projekt ist, sondern von Bernd Zimmermann, Leiter des Amts für Natur- und Landschaftsschutz beim Rhein-Sieg-Kreis. „Unterhalb der Wasserlinie sieht es etwas karg aus“, beschrieb er den Zustand der Sieg, und wurde noch deutlicher: Die hohe Fließgeschwindigkeit führe dazu, das sich kaum Pflanzen ansiedeln könnten. An machen Stellen sehe das Flussbett aus wie eine „glatt gehobelte Steinplatte.“ Wie berichtet, sollen in den kommenden Jahren Flussbefestigungssteine ausgebaggert werden, damit sich die Sieg ein bereiteres und natürlicheres Bett suchen kann: Das fordert zudem eine Wasserrahmenrichtlinie der EU.

Glatt gehobelte Steinplatte

Zimmermann machte vor 60 Teilnehmern im Sportheim Müllekoven auf eine Konsequenz aufmerksam, die das Projekt an Land schlimmstenfalls konterkarieren könnte: Er erläuterte, dass das Drüsige Springkraut, das seit Jahren riesige Uferbereiche überwuchert und andere Pflanzen verdrängt, durch das entfesselte Flussbett noch bessere Bedingungen zur Ausbreitung finden würde. „Wenn Du dann neue Pflanzen sehen willst, musst Du tauchen gehen“, scherzte eine Zuhörerin.

Zimmermann zufolge gilt das auch für die Verbreitung des Riesenbärenklau, vor dem seine Behörde immer wieder warnt, damit sich niemand an den übermannshohen Pflanzen verletzt: Ihr Pflanzensaft stört die Pigmentierung der menschlichen Haut, so dass schwere Verletzungen entstehen können, wenn ein benetztes Körperteil der Sonne ausgesetzt wird. „Überschwemmungsgebiete sind für Riesenbärenklau besonders gut geeignet.“ Rund 60 000 Knollen hätten die Kolonnen im Auftrag des Kreis bereits ausgegraben. Zimmermann fordert, dass sich die Bezirksregierung künftig der Pflege annimmt. In Gesprächen habe sich gezeigt, dass auch Landwirte mit dem entsprechenden schweren Gerät mit der Bekämpfung beauftragt werden könnten.

Weitgehende Einigkeit herrscht darüber, dass das Projekt Renaturierung in den vergangenen zwei Jahren nicht optimal lief, was vor allem an der Informationspolitik der Bezirkregierung liegt: Zahlreiche Bürger fühlen sich verunsichert, da ihre Fragen nicht beantwortet wurden. Das gilt auch für 25 Punkte, die der Stadtverordnete Christian Siegberg (CDU) nach Köln geschickt hatte, woraufhin er aber nur zehn allgemein gefasste Antworten bekam. Thomas Sebesta vom Verein „Pferdefreunde Siegauen“ vermisst Informationen, was überhaupt nötig sei, um die Rahmenrichtlinie zu erfüllen. Die Bezirksregierung spricht von einem bis zu 200 bis 300 Meter breiten Korridor entlang der Ufer, in dem sich die Sieg entwickeln soll. Die Troisdorfer FDP aber zitiert ein Gutachten, in dem von lediglich 75 Metern die Rede ist.

Auch SPD-Fraktionschef Uwe Göllner, der zu der Veranstaltung der Konkurrenz gekommen war, wartet auf Antworten: Er wollte wissen, wer den Unrat entsorgt, der künftig in der Flusslandschaft angespült wird.

Sorge um Investitionen in die Auen

Er sorgt sich um Investitionen der letzten Jahrzehnte. So habe die Biologische Station in Eitorf maßgeblich dazu beigetragen, dass sich in den Auen viele Tiere und Pflanzen, darunter auch Arten der Roten Liste, angesiedelt hätten. „Das Verhalten der Bezirksregierung ist nicht produktiv. Ich wünsche mir mehr Fleisch am Knochen, bevor wir im Stadtrat zusagen.“

Bürgermeister Klaus-Werner Jablonski (CDU) betonte, dass er das Vorhaben positiv sehe, da es in Troisdorf sicherlich etwas für den Naturschutz bringen werde. Sollte die Stadt aber mit der Planung nicht einverstanden sein, werde man nötige Flächen in städtischem Besitz einfach nicht verkaufen – und nötigenfalls auch gegen das Projekt klagen. Auch Jablonski hob aber hervor, dass man sich noch in einem frühen Stadium befinde und auf konkrete Planungen warte. Zimmermann riet den Anwesenden eindringlich, Anträge zu ihren Anliegen früh genug bei der Bezirksregierung einzureichen.

Quelle: ksta.de

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