Kurzarbeit nach der Flut

Veröffentlicht: Juli 10, 2013 von fluthelfer in Halle
Von Rochus Görgen
Die Flut stoppt die Produktion, doch die Löhne sind weiter fällig. In diesen Fällen kann Kurzarbeit helfen. Viele Firmen nehmen das Angebot an.

Das Hochwasser in Sachsen-Anhalt hat viele Firmen hart getroffen. Knapp 600 Unternehmen mit zusammen 5750 Mitarbeitern hätten bislang hochwasserbedingte Kurzarbeit angemeldet, sagte der Chef der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit, Kay Senius, der Nachrichtenagentur dpa in Halle. „Wir gehen davon aus, dass die Zahlen in der nächsten und der übernächsten Woche noch weiter hoch gehen.“ Nach Ansicht der Arbeitgeberseite verhindert die Kurzarbeit Entlassungen. „Das ist ein sehr gutes Instrument. Es hilft vor allem Firmen, die unter Liquiditätsdruck stehen“, sagte der Sprecher der IHK Halle-Dessau, Stefan Möslein.

Unter den betroffenen Unternehmen sind laut Bundesagentur sowohl Firmen, die wegen der Flut nicht mehr produzieren können, als auch solche, die wegen des Hochwassers Absatzausfälle haben oder keine Vorprodukte mehr von Zulieferern erhalten. „Viele Firmen bekommen die Auswirkungen erst jetzt mit“, sagte Senius.

Für das Hochwasser gibt es Sonderregelungen, die eine besonders unbürokratische Hilfe gewährleisten sollen. Der Bund übernimmt etwa die Kosten des Arbeitgebers für die Sozialversicherungsbeiträge. Die Firmen können zudem auch dann Kurzarbeit anmelden, wenn Mitarbeiter für Aufräumarbeiten nach der Flut eingesetzt werden. Die Dauer der Kurzarbeit kann bis zu drei Monate betragen. „Das Kurzarbeitergeld ist schon eine große Hilfe“, sagte Senius. Die Arbeitnehmer erhalten das Kurzarbeitergeld von der Bundesagentur. Es liegt zwischen 60 und 67 Prozent des Netto-Einkommens.

Im Vergleich zur Flut von 2002 seien deutlich mehr Firmen betroffen. Das gehe durch alle Branchen, sagte Senius. In Halle habe es bereits sehr früh viele Anrufe aus der Gastronomie gegeben. Arbeitgeber stünden ohne Kurzarbeiterregelung oftmals vor dem Problem, dass sie nicht nur mit hohen Sachschäden zurechtkommen, sondern auch den Lohn weiterhin bezahlen müssten.

Vor allem kleinere Firmen mit bis zu neun Beschäftigten hätten Kurzarbeit angemeldet. Rund 200 Anzeigen mit 2000 Beschäftigten kamen aus dem Raum Dessau-Roßlau-Wittenberg, rund 100 Anzeigen mit 1170 Beschäftigten aus Magdeburg und 108 Anzeigen mit 960 Arbeitnehmern aus dem Raum Stendal.

Senius rechnet damit, dass das Hochwasser zunächst vor allem für Handel, Gastgewerbe und Landwirtschaft negative Folgen hat. In der zweiten Jahreshälfte werde es aber durch den Wiederaufbau zusätzliche Arbeitskraftnachfrage geben. Das reiche vom privaten Konsum wie etwa dem Ersatz von zerstörten Waschmaschinen bis hin zu Investitionen am Bau. „Das wirkt wie ein Mini-Konjunkturprogramm“, sagte Senius.

Bund und Länder hatten ein Hilfspaket über acht Milliarden Euro vereinbart. Die Jobcenter in den betroffenen Regionen bereiten sich laut Senius bereits auf eine stärkere Nachfrage vor. Vor allem im Bau und im Gartenbau würden mehr Helfer benötigt. Angesichts der zuletzt nur leichten Verbesserungen auf dem Arbeitsmarkt könne man diesen zusätzlichen Impuls auch gut gebrauchen.

Die IHK Dessau-Roßlau dämpfte aber zu hohe Erwartungen. Die zusätzliche Nachfrage sei eher wie ein saisonaler Schub, der sich nicht besonders auf den Arbeitsmarkt auswirken werde, sagte Sprecher Möslein. Von den Unternehmen habe er aber nur Lob für die Regelung zur Hochwasser-Kurzarbeit gehört. „Die Erfahrung ist, dass es ziemlich einfach und schnell vonstattenging.“

Quelle: mz-web.de

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