„Ich glaube, wir würden Breitenhagen verlassen“

Veröffentlicht: Juli 10, 2013 von fluthelfer in Sachsen

Die Städtische Wohnungsbau GmbH Schönebeck (SWB) sammelte bei einem Mieterfest für die Flutopfer. Anfang der Woche wurde zwei Breitenhagener Familien ganz unbürokratisch mit 8000 Euro geholfen, deren Gebäude nicht versichert sind. Doch die Nerven in der Dorfgemeinschaft liegen blank.

„Sagen Sie doch mal Ihrem Mann, dass er mit aufs Foto kommen soll“, bat Sigrid Meyer, Geschäftsführerin der SWB, die neben ihr stehende Siegrid Exner. „Das geht gerade nicht“, wies die 60-jährige Breitenhagenerin gerührt in Richtung ihres Ehemannes, der ein paar Schritte zur Seite gegangen war. Der 63-Jährige freute sich so über das Geld der SWB, dass ihm Tränen in den Augen standen. Die Exners gehören zu jenen Breitenhagenern, die nicht versichert vor dem Ruin stehen. In ihrem Drei-Generationenhaus leben fünf Personen. Dazu zählt Sohn Sven, der nach der Flut von Breitenhagen weg ziehen wird. Der 45-Jährige ist schwer krank, muss regelmäßig zur Dialyse nach Schönebeck. Er wird sich in der Nähe des Schönebecker Klinikums eine Wohnung suchen, wobei ihm die SWB behilflich sein wird. „Ich habe zu ihm gesagt, dass das richtig ist“, räumt seine Mutter ein. „Wir wissen ja nicht, was uns die Zukunft hier in Breitenhagen bringen wird.“

Weitere Empfänger der SWB-Spende ist die vierköpfige Familie Beyte. Ihr Haus in der Schifferstraße war eines der ersten, dass beim Bruch des Ringdeiches am 10. Juni absoff. Mittlerweile ist es fast vollkommen entkernt. Ein Baubegriff, den man in diesen Tagen oft hört. Kameraden der freiwilligen Feuerwehren Nienburg und Gübs halfen dabei. In den Reihen der Feuerwehr Ranies war beispielsweise ein Bauingenieur, der wichtige Sanierungstipps gab.

Mittlerweile ist das gut hundert Jahre alte Haus, von dem man einen schönen und unverbauten Blick auf die Felder und Deiche hat, eine Mega-Baustelle. Die einstige Funktion der Räume ist nur zu erahnen, die Böden sind raus, kurioserweise erinnert eine tickende Uhr daran, dass hier mal ein Wohnzimmer war.

Manuela und Kai Beyte schätzen die Aufbaukosten auf 30000 Euro. „Das wird nie und nimmer reichen“, meint Sigrid Meyer ernüchternd. Die Fachfrau der Wohnungsgesellschaft schätzt auf den ersten Blick die Sanierung mindestens doppelt so hoch ein. Deshalb ist es ein Lichtblick, wenn freiwillige Helfer, wie ein Elektriker aus Sachsendorf, die Familie unterstützen. Die SWB will auf ihrer Facebookseite weitere Handwerker organisieren.

„Ich glaube, wir würden Breitenhagen verlassen“, gesteht Manuela Beyte. Aber der Kredit für das Haus hält sie am Ort. Auf dem Hilfskonto der Wohnungsbau GmbH gingen im ersten Anlauf 11500 Euro von Mietern und Firmen ein. „Da kommt immer noch was nach“, berichtet Sigrid Meyer. Anfang der Woche waren 14700 Euro (!) auf dem Konto. Damit soll weiteren Familien geholfen werden.

Aber wer gibt die Tipps, welche Flutopfer am nötigsten Hilfe brauchen? „Das war Ortsbürgermeister Kotzur, der weiß das am besten“, antwortet die SWB-Geschäftsführerin.

Doch genau da liegt der Hase im Pfeffer. Zweifellos sind die Familien Exner und Beyte die richtigen Adressaten. Dennoch gibt es unterschiedliche Ansichten zu diesem Thema. Denn in Breitenhagen liegen die Nerven blank. Wer hat welche Hilfe am nötigsten? Das zu koordinieren fordert man von der Einheitsgemeinde, von einem unabhängigen Mitarbeiter. Viele sind im Dorf der Meinung: Wenn das ein Breitenhagener macht, würde man dessen Objektivität anzweifeln.

Quelle: volksstimme.de

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