Hoffnungsschimmer nach Hochwasser: Familie aus Wünschendorf verliert Wohnung, aber nicht Glaube

Veröffentlicht: Juli 10, 2013 von fluthelfer in Thüringen

Ines Wolter und ihre Eltern Johanna und Dietmar Koch hatten vorgesorgt. Dass sie im Überschwemmungsgebiet der Weißen Elster bauten, wusste die Familie, als sie Ende der 1990er Jahre ein Haus in der Wünschendorfer Brückenstraße errichtete.

Johanna Koch ist alte Wünschendorferin, ihrem Vater gehört das Stück Land, auf dem heute das Haus steht. Johanna Koch weiß noch, wie hoch das Wasser 1954 auf der damals landwirtschaftlich genutzten Fläche stieg. Deswegen steht das Haus auf einem 60 Zentimeter aufgeschütteten Plateau, deswegen gibt es keinen Keller, deswegen ist die Heizung im ersten Stock installiert. Johanna Koch dachte also an diesem 2. Juni bis zum Schluss: Uns passiert nichts.

Am Ende nützte alle Vorsorge nichts. Auch nicht die Sandsäcke an der Tür und dass man Möbel auf Bierkisten gestellt und Regalfächer ausgeräumt hatte. Die Weiße Elster rauschte an jenem 2.Juni auch durch das Drei-Generationen-Haus der Familie Wolter/Koch im Wünschendorfer Neubaugebiet. Die Strömung riss im Garten einen jungen Obstbaum mit, trug eine schwere Wurzel, die die Frauen der Familie mit Blumen und Krimskrams dekoriert hatten, einmal ums Eck, versetzte den mobilen mit Wasser gefüllten Pool um zwei Meter.

Rund 40 Zentimeter hoch und zwei Tage lang stand die braune Brühe im Erdgeschoss und zerstörte damit die Wohnung von Ines Wolter und ihrer 18-jährigen Tochter Franziska. Die Möbel sind unbrauchbar, das alte Klavier und ein Tisch mit Stahlfüßen überstanden die Flut. Das Haus ist elementarversichert, der Hausrat nicht. Auf rund 50″000 Euro wird der Schaden insgesamt geschätzt.

Die gemeinsame Aktion „Thüringen hilft“ von OTZ mit der Diakonie Mitteldeutschland unterstützt die Familie jetzt mit 1000 Euro. Waschmaschine, Kühlschrank und Betten wird die 43-jährige Mutter zweier erwachsener Kinder davon kaufen, sagt sie und bedankt sich bei den Spendern.

„Es ist zwar nur Hausrat, es sind nur Gegenstände“, will Ines Wolter erklären. Doch dann stockt ihr die Stimme. Es hängen eben doch Erinnerungen daran, sagt sie unter Tränen. Als nach der Flut das Aufräumen beginnt und das Müllauto vorfährt, ist sie unfähig mit anzupacken. Steht fassungslos im Garten, während sich am Zaun Betten, Regale, Schränke und andere Gegenstände türmen und Stück für Stück im Bauch des Lkw verschwinden. Da geht mein halbes Leben hin, denkt sie.

Dass heute der erste Tag vom neuen Leben sei, sagt ihr wenig später der Mitarbeiter einer Bautrocknungsfirma. Er steht unangekündigt vor der Tür, im Kleintransporter einige Trocknungsgeräte. Diese und andere große und kleine Gesten der Hilfsbereitschaft und des Zusammenhalts bauen die Familie auf. Kraft beziehen Ines Wolter und ihre Tochter Franziska auch aus ihrem christlichen Glauben. Vom Wohnzimmer im Obergeschoss aus – wo sich nun das Leben der vier Familienmitglieder abspielt – blicken Johanna und Dietmar Koch, Ines und Franziska Wolter nun besonders oft zur Veitskirche. „An dem Tag, an dem der Strom wieder angestellt wurde, kam auch der Bautrockner“, sagt Ines Wolter und lächelt. Das zeige ihr, Gott halte trotz dieser Katastrophe noch seine Hände über die Familie.

Die 18-jährige Franziska sieht das genauso. Am 3. Juni hatte die Abiturientin ihre letzte Prüfung. In die Sintflut-Zeit fiel ausgerechnet der mündliche Test in Religion. Franziska ließ sich nicht freistellen, trat die Prüfung in Gera an und bestand – mit der Bestnote von 15 Punkten. Auch das ist so ein Hoffnungszeichen.

Quelle: otz.de

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