Archiv für Juli 10, 2013

„Ich glaube, wir würden Breitenhagen verlassen“

Veröffentlicht: Juli 10, 2013 von fluthelfer in Sachsen

Die Städtische Wohnungsbau GmbH Schönebeck (SWB) sammelte bei einem Mieterfest für die Flutopfer. Anfang der Woche wurde zwei Breitenhagener Familien ganz unbürokratisch mit 8000 Euro geholfen, deren Gebäude nicht versichert sind. Doch die Nerven in der Dorfgemeinschaft liegen blank.

„Sagen Sie doch mal Ihrem Mann, dass er mit aufs Foto kommen soll“, bat Sigrid Meyer, Geschäftsführerin der SWB, die neben ihr stehende Siegrid Exner. „Das geht gerade nicht“, wies die 60-jährige Breitenhagenerin gerührt in Richtung ihres Ehemannes, der ein paar Schritte zur Seite gegangen war. Der 63-Jährige freute sich so über das Geld der SWB, dass ihm Tränen in den Augen standen. Die Exners gehören zu jenen Breitenhagenern, die nicht versichert vor dem Ruin stehen. In ihrem Drei-Generationenhaus leben fünf Personen. Dazu zählt Sohn Sven, der nach der Flut von Breitenhagen weg ziehen wird. Der 45-Jährige ist schwer krank, muss regelmäßig zur Dialyse nach Schönebeck. Er wird sich in der Nähe des Schönebecker Klinikums eine Wohnung suchen, wobei ihm die SWB behilflich sein wird. „Ich habe zu ihm gesagt, dass das richtig ist“, räumt seine Mutter ein. „Wir wissen ja nicht, was uns die Zukunft hier in Breitenhagen bringen wird.“

Weitere Empfänger der SWB-Spende ist die vierköpfige Familie Beyte. Ihr Haus in der Schifferstraße war eines der ersten, dass beim Bruch des Ringdeiches am 10. Juni absoff. Mittlerweile ist es fast vollkommen entkernt. Ein Baubegriff, den man in diesen Tagen oft hört. Kameraden der freiwilligen Feuerwehren Nienburg und Gübs halfen dabei. In den Reihen der Feuerwehr Ranies war beispielsweise ein Bauingenieur, der wichtige Sanierungstipps gab.

Mittlerweile ist das gut hundert Jahre alte Haus, von dem man einen schönen und unverbauten Blick auf die Felder und Deiche hat, eine Mega-Baustelle. Die einstige Funktion der Räume ist nur zu erahnen, die Böden sind raus, kurioserweise erinnert eine tickende Uhr daran, dass hier mal ein Wohnzimmer war.

Manuela und Kai Beyte schätzen die Aufbaukosten auf 30000 Euro. „Das wird nie und nimmer reichen“, meint Sigrid Meyer ernüchternd. Die Fachfrau der Wohnungsgesellschaft schätzt auf den ersten Blick die Sanierung mindestens doppelt so hoch ein. Deshalb ist es ein Lichtblick, wenn freiwillige Helfer, wie ein Elektriker aus Sachsendorf, die Familie unterstützen. Die SWB will auf ihrer Facebookseite weitere Handwerker organisieren.

„Ich glaube, wir würden Breitenhagen verlassen“, gesteht Manuela Beyte. Aber der Kredit für das Haus hält sie am Ort. Auf dem Hilfskonto der Wohnungsbau GmbH gingen im ersten Anlauf 11500 Euro von Mietern und Firmen ein. „Da kommt immer noch was nach“, berichtet Sigrid Meyer. Anfang der Woche waren 14700 Euro (!) auf dem Konto. Damit soll weiteren Familien geholfen werden.

Aber wer gibt die Tipps, welche Flutopfer am nötigsten Hilfe brauchen? „Das war Ortsbürgermeister Kotzur, der weiß das am besten“, antwortet die SWB-Geschäftsführerin.

Doch genau da liegt der Hase im Pfeffer. Zweifellos sind die Familien Exner und Beyte die richtigen Adressaten. Dennoch gibt es unterschiedliche Ansichten zu diesem Thema. Denn in Breitenhagen liegen die Nerven blank. Wer hat welche Hilfe am nötigsten? Das zu koordinieren fordert man von der Einheitsgemeinde, von einem unabhängigen Mitarbeiter. Viele sind im Dorf der Meinung: Wenn das ein Breitenhagener macht, würde man dessen Objektivität anzweifeln.

Quelle: volksstimme.de

Anzeige „Sagen Sie doch mal Ihrem Mann, dass er mit aufs Foto kommen soll“, bat Sigrid Meyer, Geschäftsführerin der

Frankenforstbach wieder sauber

Veröffentlicht: Juli 10, 2013 von fluthelfer in Hochwasserfolgen, NRW

Nach dem Unwetter am 20. Juni stank es am Frankenforstbach bestialisch: Fäkalien und Toilettenpapier gelangten ebenso in das Gewässer. Nun wurden Böschung und Grund des Bachs von den übelriechenden Überbleibseln gereinigt.

Bergisch Gladbach. Die Ursache dafür, dass es am Frankenforstbach stinkt, ist geklärt. Das Regenüberlaufbecken an der Taubenstraße sei bei dem Unwetter am 20. Juni angesichts der enormen Regenwassermengen überlastet gewesen, erklärt Martin Wagner, Leiter des Abwasserbetriebs. Dadurch sei ein Teil des Inhalts über einen Kanal in den Frankenforstbach gelangt. Da in Refrath Abwasser und Regenwasser über ein Mischwassersystem entsorgt werden, konnten so auch Fäkalien und andere Stoffe wie Toilettenpapier in das Gewässer gelangen – und anschließend in Häuser von Refrather Bürgern, wie diese beklagen.

Wagner betont, dazu könne es „nur bei extremen Regengüssen“ kommen. Die ausgetretene Flüssigkeit bestehe zum überwiegenden Teil aus Regenwasser, nur zu einem kleinen Prozent aus Abwasser. Böschungen und Grund des Bachs seien am Dienstag von den übelriechenden Überbleibseln gereinigt worden.

Auf den Missstand hatten einige Refrather Hochwasser-Geschädigte aufmerksam gemacht. Andreas Kiel kritisiert, dass der Abwasserbetrieb erst drei Wochen nach dem Starkregen die stinkenden Überreste beseitigt habe. Außerdem hätten alle vom Hochwasser betroffenen Anwohner längst von der Stadt auf die gesundheitlichen Gefahren durch Keime aufmerksam gemacht werden müssen. Jetzt hätten viele die Sorge, sich infiziert zu haben. Außerdem bemängelt Kiel, dass die Ufer des Bachs schlecht gepflegt seien: „Unkraut und weggespülte Erde haben den Abfluss des Wassers behindert.“

Quelle: ksta.de

Anwohner fordern größeres Becken

Veröffentlicht: Juli 10, 2013 von fluthelfer in NRW

Beim Unwetter am 20. Juni ergoss sich das Wasser des Pohler Bachs in Kürten über die Straßen und lief in Keller. Ein geplantes Regenrückhaltebecken ist für ein zehnjähriges Hochwasser ausgelegt. Zu wenig befürchten BfB und Anwohner.

Kürten: „Das Unwetter war ein Warnschuss, der vielleicht zu spät kommt, aber vielleicht auch noch rechtzeitig“, sagt BfB-Fraktionsvorsitzender Jürgen Piltz. Ihm gehe es aber nicht um Schuldzuweisungen, sondern vor allem um Lösungen.

Nach dem Starkregen am 20. Juni kam es auch in Kürten zu Überschwemmungen. Vor allem das Wasser des Pohler Bachs ergoss sich über die Straßen, lief in Keller und Erdgeschosswohnungen. Gerade dieser Bach soll zukünftig das Oberflächenwasser des rund 20 000 Quadratmeter großen Baugebiets am Kürtener Unterfeld aufnehmen. Vorher wird es in einem Regenrückhaltebecken gesammelt. Dieses Becken ist für ein zehnjähriges Hochwasser ausgelegt.

Vorstoß abgelehnt

Bereits in der Planungsphase zu dem Bauprojekt befürchtete die BfB, dass die geplante Größe nicht ausreichen werde, um Überschwemmungen der tiefer gelegenen Grundstücke zu verhindern. Sie forderte ein größeres Becken, das statistisch nur alle 100 Jahre überläuft. Das wurde jedoch mit der Mehrheit von CDU und SPD abgelehnt.

Wie viel Schaden das Unwetter angerichtet habe, sei ihm erst bewusst geworden, nachdem ihm von Bürgern zahlreiche Bilder zugeschickt worden seien, sagt Piltz. So sei auch Wasser vom Heiderjansfeld aus über die B 506 geflossen. Vor der Sanierung der Straße lagen die Bürgersteige höher und das Wasser sei in den Kanal geflossen. Große Schäden gab es auch in der Steegerhöhe. „Es wäre schön, wenn sich die Leute melden würden, die von Überflutungen betroffen waren. Dann können wir erkennen, wo Schwerpunkte sind und Handlungsbedarf besteht“, so Piltz. Für den Bau-, Plan- und Umweltausschuss am 17. Juli hat die BfB eine lange Liste mit Fragen aufgestellt. Zudem soll der Ingenieur, der das Gutachten für das Rückhaltebecken erstellt hat, zu einer Stellungnahme eingeladen werden. „Bei seinen Berechnungen ist er nur ganz knapp unter dem zulässigen Wert geblieben“, erinnert sich Piltz.

Bürgermeister Ulrich Iwanow ist davon überzeugt, dass sich die Gemeinde zukünftig mit dem Thema Hochwasserschutz noch mehrfach beschäftigen muss. „Starke Regenereignisse werden häufiger stattfinden“, sagt Iwanow.
Dennoch hält er die Dimension des geplanten Regenrückhaltebeckens in Unterfeld für ausreichend. „Ich muss auf die Berechnungen des Ingenieurs vertrauen können. Ich bin überzeugt, dass er sich bei seinen Berechnungen an die gesetzlichen Vorschriften gehalten hat.“ Es habe sich bei dem Unwetter um eine Naturkatastrophe gehandelt.

Mit den Forderungen der BfB hat der Bürgermeister allerdings seine Probleme. „Das ist kein lupenreiner Antrag, den kann ich so nicht in die Politik geben.“ Aber es spreche nichts dagegen, den Ingenieur zu einer Stellungnahme einzuladen. Auch ein Ortstermin vor der Sitzung des Ausschusses sei machbar.

Quelle: ksta.de

Jena. Gut fünf Wochen nach der Flutkatastrophe wird das Ernst-Abbe-Sportfeld in Jena wegen Statikproblemen der Flutlichtanlage bis auf weiteres gesperrt. Bei einer turnusmäßigen Kontrolle seien am Mittwoch Probleme an den vier 1974 erbauten und 74 hohen Stahlhohlmasten entdeckt worden. «Die Berechnungen des Statikers können keine Sicherheit mehr gewährleisten. Wir müssen die Flutlichtmasten jetzt so schnell wie möglich zurückbauen. Für den Zeitraum, bis das passiert ist, müssen wir das Gelände sperren», sagte Gunnar Poschmann, Pressesprecher der Kommunalen Immobilien Jena (KIJ).

Das an der Saale gelegene Ernst-Abbe-Sportfeld und die angrenzenden Sportanlagen waren während der Hochwasser-Katastrophe Anfang Juni komplett überflutet worden. Das könnte die Probleme an der alten Flutlichtanlage verschärft haben.

Die Spielstätte des Fußball-Regionalligisten FC Carl Zeiss Jena bleibt nun so lange für alle Sportarten gesperrt, bis die Masten abgebaut sind. «Das ist für alle Beteiligten nicht schön, aber Sicherheit geht vor. Das Abbauen geht relativ schnell, wir müssen jetzt nur eine Firma finden, die die Ressourcen dafür hat. Wir hoffen, dass das nicht länger als zwei Wochen dauert», sagte Poschmann.

Das für Samstag geplante Freundschaftsspiel zwischen dem FC Carl Zeiss Jena und dem walisischen AFC Newport County kann deshalb im Ernst-Abbe-Sportfeld nicht ausgetragen werden. «Das wird so nicht stattfinden können in dem Stadion», sagte Poschmann. Beim FC Carl Zeiss Jena reagierte man zurückhaltend. «Ohne Detailkenntnisse wollen wir noch keinen Kommentar abgeben», sagte Pressesprecher Andreas Trautmann. Das erste Heimspiel in der Regionalliga ist am 11. August gegen den VFC Plauen angesetzt.

Auch das für den 4. August terminierte DFB-Pokalspiel zwischen dem SV Schott Jena und dem Hamburger SV ist in Gefahr. «Ich bin vom Deutschen Fußball-Bund angehalten worden, dass wir uns vorsichtig mit einem Plan B beschäftigen», sagte Jörg Triller, Fußball-Abteilungsleiter von Schott Jena. Man habe bereits mit RB Leipzig telefoniert, «die wollen das Anliegen bis Freitag prüfen. Das wäre noch das Einfachste. Sie spielen zwei Tage vorher, dann sind Banden und Kameras zumindest schon installiert», erklärte Triller. Ein Spiel in Erfurt wäre organisatorisch nicht zu stemmen, weil alles neu gemacht werden müsste. Laut Triller habe KIJ zugesichert, bis diesen Freitag eine Entscheidung mitzuteilen.

KIJ hofft, dass das Pokalspiel steigen kann. «Wir hoffen nicht, dass das Pokalspiel gefährdet ist. Wenn alles gut läuft, haben wir das bis dahin im Griff», erklärte Poschmann. (dpa

Quelle: ksta.de

Ines Wolter und ihre Eltern Johanna und Dietmar Koch hatten vorgesorgt. Dass sie im Überschwemmungsgebiet der Weißen Elster bauten, wusste die Familie, als sie Ende der 1990er Jahre ein Haus in der Wünschendorfer Brückenstraße errichtete.

Johanna Koch ist alte Wünschendorferin, ihrem Vater gehört das Stück Land, auf dem heute das Haus steht. Johanna Koch weiß noch, wie hoch das Wasser 1954 auf der damals landwirtschaftlich genutzten Fläche stieg. Deswegen steht das Haus auf einem 60 Zentimeter aufgeschütteten Plateau, deswegen gibt es keinen Keller, deswegen ist die Heizung im ersten Stock installiert. Johanna Koch dachte also an diesem 2. Juni bis zum Schluss: Uns passiert nichts.

Am Ende nützte alle Vorsorge nichts. Auch nicht die Sandsäcke an der Tür und dass man Möbel auf Bierkisten gestellt und Regalfächer ausgeräumt hatte. Die Weiße Elster rauschte an jenem 2.Juni auch durch das Drei-Generationen-Haus der Familie Wolter/Koch im Wünschendorfer Neubaugebiet. Die Strömung riss im Garten einen jungen Obstbaum mit, trug eine schwere Wurzel, die die Frauen der Familie mit Blumen und Krimskrams dekoriert hatten, einmal ums Eck, versetzte den mobilen mit Wasser gefüllten Pool um zwei Meter.

Rund 40 Zentimeter hoch und zwei Tage lang stand die braune Brühe im Erdgeschoss und zerstörte damit die Wohnung von Ines Wolter und ihrer 18-jährigen Tochter Franziska. Die Möbel sind unbrauchbar, das alte Klavier und ein Tisch mit Stahlfüßen überstanden die Flut. Das Haus ist elementarversichert, der Hausrat nicht. Auf rund 50″000 Euro wird der Schaden insgesamt geschätzt.

Die gemeinsame Aktion „Thüringen hilft“ von OTZ mit der Diakonie Mitteldeutschland unterstützt die Familie jetzt mit 1000 Euro. Waschmaschine, Kühlschrank und Betten wird die 43-jährige Mutter zweier erwachsener Kinder davon kaufen, sagt sie und bedankt sich bei den Spendern.

„Es ist zwar nur Hausrat, es sind nur Gegenstände“, will Ines Wolter erklären. Doch dann stockt ihr die Stimme. Es hängen eben doch Erinnerungen daran, sagt sie unter Tränen. Als nach der Flut das Aufräumen beginnt und das Müllauto vorfährt, ist sie unfähig mit anzupacken. Steht fassungslos im Garten, während sich am Zaun Betten, Regale, Schränke und andere Gegenstände türmen und Stück für Stück im Bauch des Lkw verschwinden. Da geht mein halbes Leben hin, denkt sie.

Dass heute der erste Tag vom neuen Leben sei, sagt ihr wenig später der Mitarbeiter einer Bautrocknungsfirma. Er steht unangekündigt vor der Tür, im Kleintransporter einige Trocknungsgeräte. Diese und andere große und kleine Gesten der Hilfsbereitschaft und des Zusammenhalts bauen die Familie auf. Kraft beziehen Ines Wolter und ihre Tochter Franziska auch aus ihrem christlichen Glauben. Vom Wohnzimmer im Obergeschoss aus – wo sich nun das Leben der vier Familienmitglieder abspielt – blicken Johanna und Dietmar Koch, Ines und Franziska Wolter nun besonders oft zur Veitskirche. „An dem Tag, an dem der Strom wieder angestellt wurde, kam auch der Bautrockner“, sagt Ines Wolter und lächelt. Das zeige ihr, Gott halte trotz dieser Katastrophe noch seine Hände über die Familie.

Die 18-jährige Franziska sieht das genauso. Am 3. Juni hatte die Abiturientin ihre letzte Prüfung. In die Sintflut-Zeit fiel ausgerechnet der mündliche Test in Religion. Franziska ließ sich nicht freistellen, trat die Prüfung in Gera an und bestand – mit der Bestnote von 15 Punkten. Auch das ist so ein Hoffnungszeichen.

Quelle: otz.de

Auf mehreren Bahnstrecken von und nach Berlin wird es wegen des Elbe-Hochwassers noch monatelang zu Verspätungen kommen. Durch Umleitungen verlängert sich die Fahrzeit um bis zu 60 Minuten. Betroffen sind Fernstrecken aus dem Ruhrgebiet und ab Frankfurt.

Bahnfahrer müssen sich noch monatelang auf längere Fahrtzeiten zwischen Berlin und Frankfurt sowie Hannover einstellen. Die ICE-Trasse über die Elbe bei Magdeburg bleibe wegen Hochwasserschäden bis auf weiteres gesperrt, teilte die Bahn am Dienstag in Berlin mit. Wann mit einer Wiedereröffnung zu rechnen sei, ließ der Konzern offen. Verzögerungen bis ins Jahr 2014 wurden nicht ausgeschlossen. Voraussichtlich erst Ende August könnten die Brücke sowie die Zuführungen komplett untersucht werden, da an der Strecke das Wasser immer noch mehr als einen halben Meter hoch stehe, sagte Infrastruktur-Vorstand Volker Kefer. Ab Ende Juli soll ein neuer Fahrplan greifen. Die Fahrt Berlin-Frankfurt wird aber weiter mehr als eine halbe Stunde länger dauern als normal.

Wegen des Jahrhundert-Hochwassers ist die Elb-Querung seit über einem Monat gesperrt. Mehrere Hochgeschwindigkeitslinien von und nach Berlin müssen daher umgeleitet werden. Auf diesen Verbindungen sind rund ein Viertel der Passagiere im Fernverkehr deutschlandweit unterwegs, täglich rund 85.000. Die Bahn hatte daher einen Notfall-Fahrplan in Kraft gesetzt. Dieser wird erweitert und gilt ab dem 29. Juli, ab dem 19. Juli ist er im Internet abrufbar.

Züge zwischen Berlin und Frankfurt werden künftig über Erfurt und Fulda geleitet und werden so um die 4,5 Stunden unterwegs sein. Die Verbindung wird dann alle zwei Stunden angeboten. Zwischen Berlin und Hannover wird stündlich über Magdeburg gefahren, wobei die Verzögerung gegenüber dem Normal-Fahrplan bei einer Stunde liegt.

Bahn-Vorstand Kefer wollte keine Prognose abgeben, wann die Strecke über die Elbe wieder befahrbar wird. Derzeit könne noch nicht einmal das Ausmaß der Schäden ermittelt werden. Dafür müssten zunächst das Hochwasser am Rande eines fünf Kilometer langen Abschnitts vor der Brücke zurückgehen und die Trasse abtrocknen. Dies werde wohl bis zu acht Wochen dauern. Erst dann könne mit einem sogenannten Geo-Radar die Strecke auf Unterspülungen und Hohlräume untersucht werden. Zudem müsse Leit- und Sicherungstechnik ausgetauscht werden.

Über die Höhe des Schadens wollte der Konzern mit Verweis auf die Untersuchungen ebenfalls noch keine Angaben machen. Kefer verwies auf frühere Schätzungen eines Gesamtschadens für die Bahn zwischen 200 und 500 Millionen Euro. Der Staatskonzern setzt dabei auf Unterstützung aus dem Fluthilfe-Fonds der Bundesregierung.

Nach Einschätzung der Münchener Rück war das Hochwasser in Süd- und Ostdeutschland die mit Abstand teuerste Naturkatastrophe weltweit im ersten Halbjahr. Insgesamt verursachte die Flut einen ökonomischen Schaden von mehr als zwölf Milliarden Euro und einen versicherten Schaden von gut drei Milliarden, wie der weltgrößte Rückversicherer am Dienstag mitteilte.

Quelle: faz.net

Das Wasser geht, die Säcke bleiben – in den Flutregionen müssen Hunderttausende beseitigt werden. Freiwillige gibt es kaum, die Länder zahlen zu wenig. Von T. Steffen

Als die Flüsse über die Ufer traten, waren die Helfer schnell vor Ort: Die Bundeswehr schickte Soldaten, das Technische Hilfswerk Katastrophen-Profis, das Rote Kreuz entsandte Tausende Kräfte. Seit das Wasser abläuft, ist das anders. Statt unkompliziert und zügig zu helfen, verweisen die Verantwortlichen aufeinander, wenn es darum geht, wer die Folgekosten der Hochwasserkatastrophe trägt. „Wir hätten uns da eindeutigere Regelungen gewünscht“, sagt Ronny Schult, Ordnungsamtschef der mecklenburgischen Stadt Dömitz.

Arbeit gibt es genug: Noch immer liegen Hunderttausende Sandsäcke an den Ufern von Elbe, Mulde und Saale, an Häusern und Straßen. Manche sind mit Öl aus Heizungen belastet und damit Sondermüll. Im Hinterland müssen viele Kilometer der eilig aufgeschütteten Not-Deiche beseitigt werden. Doch die Bundeswehr darf nicht mehr helfen, seit der Katastrophenzustand aufgehoben ist. Das Technische Hilfswerk erledigt nur noch begonnene Restarbeiten, weil das Geld knapp ist. „Das vom Bund übernommene Budget von 30 Millionen Euro ist ausgereizt“, sagt Sprecherin Georgia Pfleiderer.

So rufen die Kommunen wieder ihre Bürger zu Hilfe, um Sandsäcke abzutragen. Amtsleiter fordern ihre Mitarbeiter auf, einen Tag statt am Schreibtisch am Deich zu verbringen. An den Kalißer Deichen nahe Dömitz kamen vergangenes Wochenende noch einmal 300 Menschen pro Tag. Doch das Engagement lasse nach, sagt Ordnungsamtschef Schult. „Die Leute sind ausgepowert.“

Auf dem Gebiet der Gemeinde liegt noch ein Viertel der 1,2 Millionen verbauten Säcke herum. Schult fürchtet Schäden für den Fremdenverkehr. „Die Säcke müssen weg, auch wegen der Touristen“, sagt er. Im stromauf gelegenen Katastrophengebiet um die sachsen-anhalter Gemeinde Fischbeck hat man es nicht so eilig. Von den etwa sieben Millionen Sandsäcken ist erst die Hälfte beseitigt. „So schnell, wie sie aufgeschichtet wurden, kriegen wir die da nicht wieder weg“, sagt Bürgermeister Berndt Witt, „die Bürgerhilfe reicht nicht aus“. Witts Krisenplan ist pragmatisch: Was nicht stört, bleibt vorerst liegen. „Die Reinigung der Häuser und die Straßenreparaturen sind wichtiger als das Wegfahren der Säcke“, sagt Witt.

Nun beauftragen die Gemeinden Unternehmen mit schwerer Technik, um Deiche und Straßen abzuräumen. Säcke müssen entleert oder kompostiert werden, die Plastiktüten kommen zum Müll, die Sandmassen werden deponiert. Im niedersächsischen Landkreis Lüchow-Dannenberg übernimmt der Maschinenring diese Aufträge – eine Art Mietzentrale für Landwirte. Kosten: 70 Euro pro Stunde. Zum Glück beginnt die Ernte hier erst nächste Woche, viele Traktoren, Laster und Landwirte sind derzeit verfügbar.

Wer am Ende zahlt, ist vielerorts offen: Aus dem erst vergangene Woche beschlossenen Bund-Länder-Fonds werde „mit Sicherheit nichts“ kommen, sagt Ernst-August Schulz, Fachdienstleiter Wasserwirtschaft beim Landkreis. Ordnungsamtschef Schult aus Dömitz erzählt von langen Diskussionen: Das Land schob die Verantwortung auf den Landkreis, weil der die Sandsäcke aufschichten ließ. Der Kreis dagegen verwies auf die Landesregierung, die für den Hochwasserschutz zuständig ist. „Wir drehten uns im Kreis“, sagt Schult.

Im stromabwärts gelegenen Boizenburger Land ist mittlerweile klar: Nach anfänglichem Zögern zahle das Land Mecklenburg-Vorpommern alles, sagt Karin Wienecke vom Krisenstab. Niedersachsen sicherte seinen Kommunen 50 Prozent Kostenersatz zu. Sachsen-Anhalt wollte erst nur 75 Prozent übernehmen. Nach einer weiteren Beratung im Kabinett beschloss die Regierung vollen Kostenersatz.

Manch ostdeutsche Flutregion hat es einfacher: Im nur schwach betroffenen Torgau oder in Dessau-Roßlau schickten die Krisenstäbe einfach Ein-Euro-Jobber an die Deiche. Stadt und Landkreis zahlen. Die Katastrophenmanager motivierten zudem hilfswillige Bürger mit Getränken und Proviant. Hunderte kamen und brachten „teils die eigenen Pkw mit“, sagt Feuerwehrchef Roland Schneider. Von einst fünf Kilometern Deicherhöhung in Dessau-Rosslau ist bis auf 150 Meter schon alles abgetragen.

Quelle: zeit.de

Kurzarbeit nach der Flut

Veröffentlicht: Juli 10, 2013 von fluthelfer in Halle
Von Rochus Görgen
Die Flut stoppt die Produktion, doch die Löhne sind weiter fällig. In diesen Fällen kann Kurzarbeit helfen. Viele Firmen nehmen das Angebot an.

Das Hochwasser in Sachsen-Anhalt hat viele Firmen hart getroffen. Knapp 600 Unternehmen mit zusammen 5750 Mitarbeitern hätten bislang hochwasserbedingte Kurzarbeit angemeldet, sagte der Chef der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit, Kay Senius, der Nachrichtenagentur dpa in Halle. „Wir gehen davon aus, dass die Zahlen in der nächsten und der übernächsten Woche noch weiter hoch gehen.“ Nach Ansicht der Arbeitgeberseite verhindert die Kurzarbeit Entlassungen. „Das ist ein sehr gutes Instrument. Es hilft vor allem Firmen, die unter Liquiditätsdruck stehen“, sagte der Sprecher der IHK Halle-Dessau, Stefan Möslein.

Unter den betroffenen Unternehmen sind laut Bundesagentur sowohl Firmen, die wegen der Flut nicht mehr produzieren können, als auch solche, die wegen des Hochwassers Absatzausfälle haben oder keine Vorprodukte mehr von Zulieferern erhalten. „Viele Firmen bekommen die Auswirkungen erst jetzt mit“, sagte Senius.

Für das Hochwasser gibt es Sonderregelungen, die eine besonders unbürokratische Hilfe gewährleisten sollen. Der Bund übernimmt etwa die Kosten des Arbeitgebers für die Sozialversicherungsbeiträge. Die Firmen können zudem auch dann Kurzarbeit anmelden, wenn Mitarbeiter für Aufräumarbeiten nach der Flut eingesetzt werden. Die Dauer der Kurzarbeit kann bis zu drei Monate betragen. „Das Kurzarbeitergeld ist schon eine große Hilfe“, sagte Senius. Die Arbeitnehmer erhalten das Kurzarbeitergeld von der Bundesagentur. Es liegt zwischen 60 und 67 Prozent des Netto-Einkommens.

Im Vergleich zur Flut von 2002 seien deutlich mehr Firmen betroffen. Das gehe durch alle Branchen, sagte Senius. In Halle habe es bereits sehr früh viele Anrufe aus der Gastronomie gegeben. Arbeitgeber stünden ohne Kurzarbeiterregelung oftmals vor dem Problem, dass sie nicht nur mit hohen Sachschäden zurechtkommen, sondern auch den Lohn weiterhin bezahlen müssten.

Vor allem kleinere Firmen mit bis zu neun Beschäftigten hätten Kurzarbeit angemeldet. Rund 200 Anzeigen mit 2000 Beschäftigten kamen aus dem Raum Dessau-Roßlau-Wittenberg, rund 100 Anzeigen mit 1170 Beschäftigten aus Magdeburg und 108 Anzeigen mit 960 Arbeitnehmern aus dem Raum Stendal.

Senius rechnet damit, dass das Hochwasser zunächst vor allem für Handel, Gastgewerbe und Landwirtschaft negative Folgen hat. In der zweiten Jahreshälfte werde es aber durch den Wiederaufbau zusätzliche Arbeitskraftnachfrage geben. Das reiche vom privaten Konsum wie etwa dem Ersatz von zerstörten Waschmaschinen bis hin zu Investitionen am Bau. „Das wirkt wie ein Mini-Konjunkturprogramm“, sagte Senius.

Bund und Länder hatten ein Hilfspaket über acht Milliarden Euro vereinbart. Die Jobcenter in den betroffenen Regionen bereiten sich laut Senius bereits auf eine stärkere Nachfrage vor. Vor allem im Bau und im Gartenbau würden mehr Helfer benötigt. Angesichts der zuletzt nur leichten Verbesserungen auf dem Arbeitsmarkt könne man diesen zusätzlichen Impuls auch gut gebrauchen.

Die IHK Dessau-Roßlau dämpfte aber zu hohe Erwartungen. Die zusätzliche Nachfrage sei eher wie ein saisonaler Schub, der sich nicht besonders auf den Arbeitsmarkt auswirken werde, sagte Sprecher Möslein. Von den Unternehmen habe er aber nur Lob für die Regelung zur Hochwasser-Kurzarbeit gehört. „Die Erfahrung ist, dass es ziemlich einfach und schnell vonstattenging.“

Quelle: mz-web.de

Trauma, Tränen, Trauer: Die Flut wirkt nach

Veröffentlicht: Juli 10, 2013 von fluthelfer in Landkreis Lüchow-Dannenberg

 

Das Hochwasser hat sich aus Vietze zurückgezogen, aus den Köpfen vieler Bewohner nicht – Diakonie-Katastrophenhilfe spendet Luftentfeuchter

In der Vietzer Kapelle riecht es muffig. »Das stinkt ja wie bei uns zu Hause», sagt Marlene Harder und zwingt sich ein Lächeln ins Gesicht.

Nach Lachen ist ihr seit ein paar Wochen eigentlich nicht zumute. Harder ist eine Hausbesitzerin, die die Flut besonders hart getroffen hat. Kniehoch stand die Brühe in der unteren Etage. 40 Zentimeter hoch stand sie auch in der Vietzer Kapelle. Ein Novum. Alle Bänke sind nun auf Holzblöcke aufgebockt, ein Gebläse soll helfen, die Feuchtigkeit herauszubekommen. Kapellenvorsteherin Susanne von Imhoff liest die Luftfeuchtigkeit ab. »80 Prozent», sagt sie und verzieht das Gesicht. Nächste Woche kommen Mitarbeiter der Denkmalpflege, um den Altar, die Kanzel und die Orgel zu begutachten. Von Imhoff, Marlene Harder und deren Tochter Hilke gehen hinüber zur Aussegnungshalle, um einen Luftentfeuchter zu holen. Von Imhoff hat zusammen mit anderen aus dem Kirchenkreis 20 Geräte bei der Diakonie-Katastrophenhilfe in Berlin organisiert. »Sie sollen vor allem an Menschen gehen, die keinen Versicherungsschutz haben», sagt von Imhoff.

Das Wasser hat die gesamte Dämmung in der unteren Etage von Marlene Harders Haus zerstört, die Tapeten, den Boden, die Fußbodenheizung. Im Keller steht das Wasser noch immer. Die Nerven liegen blank. Hilke Harder schaut zu ihrer Mutter hinüber, ihr kommen die Tränen. Sie ist mitgenommen, obwohl sie gar nicht in Vietze, sondern in Meetschow wohnt. »Es ist schlimm, wenn die eigene Mutter wie eine Nomadin herumziehen muss», sagt sie. Noch nie hat die Elbe Marlene Harders Haus unter Wasser gesetzt. »Das war ein Riesenschock, damit hatte niemand gerechnet», sagt sie. Sie habe auch schon mit dem Gedanken gespielt, das Haus zu verlassen, woanders hinzuziehen. Sie hat sich trotz allem anders entschieden. Die Flut-Erlebnisse sind längst nicht überwunden. Manche Menschen seien traumatisiert, sagt von Imhoff, deshalb sei das persönliche Gespräch besonders wichtig: »Lasst es raus, schluckt es nicht runter.» Selbst Marlene Harders Katze hat die Flut einen Schlag versetzt: »Sie hat sich seit dem Hochwasser in die obere Etage verkrochen, versteckt sich unter den Möbeln.» Mut mache ihr die Hilfsbereitschaft. Die von Olaf Roitsch zum Beispiel. Er ist bei der Freiwilligen Feuerwehr Stade, war in Vietze eingesetzt gewesen und hatte mit seinen Kameraden Harders Grundstück vor den Fluten zu bewahren versucht. Als er die Frau später im Fernsehen wiedererkannte, sie in ihrem überschwemmten Haus stehen sah, konnte er nicht anders, als von Schleswig-Holstein aus nach Vietze zu fahren. »Er hat die Elektrik gemacht, das war einfach unglaublich», sagt Marlene Harder.

Brigitte und Benno Rüppel sind ein paar Häuser entfernt schon etwas weiter. Auch bei ihnen stand das Wasser im Haus. Den 10. Juni 2013, 3.30 Uhr, wird Benno Rüppel so schnell nicht vergessen: »Wir hatten uns gerade hingelegt, um etwas zu schlafen, da schoss das Wasser plötzlich in den Garten.» Überall habe es gegurgelt, als das Wasser ins Haus eingedrungen sei. Ein schlimmes Gefühl sei das gewesen, erinnern sich die beiden. »Erst habe ich noch versucht, das Wasser mit Frottee-Handtüchern aufzuhalten – man tut die verrücktesten Sachen, weil man es einfach nicht glauben will», sagt Brigitte Rüppel. Das schlimmste Gefühl der Fluttage sei allerdings gewesen, als die Einsatzkräfte Vietze aufgegeben hätten. Das können die Rüppels bis heute nicht verstehen. »Wir fühlten und verraten und verkauft», sagen sie.

Sie hoffen, dass es bald einen stärkeren Wall gibt, der den Ort schützt. In der Vergangenheit hatten nicht alle Vietzer das gewollt, teilweise nicht ihre Grundstücke hergeben wollen. »Es muss immer erst das Kind in den Brunnen fallen», sagt Benno Rüppel. Ihn macht das etwas wütend. Viele andere Dinge rund um die Flut auch. Die Soforthilfe für Hochwasser-Opfer in Niedersachsen zum Beispiel. Bis heute sei kein Cent bei ihnen angekommen. »Was ist das für eine Soforthilfe?», fragt er. In Bayern und Schleswig-Holstein sei es zügiger gelaufen. Auch der Merkel-Besuch in Hitzacker kam bei den Menschen in Vietze eher weniger gut an, schließlich sei die Stadt durch die Hochwasser-Schutzmauer sowieso sicher gewesen. »Und der Landrat ist lieber zu Mutti Merkel gegangen, anstatt hierher nach Vietze zu kommen», sagt er. Der Zusammenhalt im Ort hingegen sei vorbildlich gewesen. Es klingelt. Vor der Tür steht Michael Bertram. Der Vietzer hat ein Schreiben an Landesumweltminister Stefan Wenzel aufgesetzt. Der Tenor: Die Landesregierung solle für einen umweltverträglichen Hochwasserschutz, nicht für einen Deich, sondern für einen breiteren Wall, sorgen. Bertrams Nachbarn unterschreiben. Etwas wie am 10. Juni um 3.30 Uhr wollen sie in ihrem Leben nicht noch einmal erleben müssen

Quelle: ejz.de

Im Zeichen des Hochwassers stand der „Brückengottesdienst“, der, wie in jedem Jahr, am ersten Julisonntag am Deich bei Kaltenhof gefeiert wurde. Mehrere hundert Menschen waren dort hin gekommen.

 

Evangelisch-lutherische Kirchengemeinden aus Lüchow-Dannenberg und dem Raum Dömitz hatten eingeladen, Pastoren sowie ehrenamtliche von hüben und drüben gestalteten die besinnliche Stunde, in der das Danken großen Raum einnahm. Dankbarkeit zum einen für die Bewahrung vor allzu schlimmen Schäden, zum anderen für die Einsatzfreude der Hilfsorganisationen und der vielen Freiwilligen, die sich in den Tagen der Elbeflut in vielfältiger Weise dem Dienst an den Mitmenschen gewidmet hatten.

 

Pastor Markus Hasenpusch aus Dömitz hatte seiner Predigt ein Bibelwort des Propheten Jesaja vorangestellt, in dem ausgesagt ist, dass Gott in jeder Not den Betroffenen zur Seite steht. Wie diese Zusage durch Menschen umgesetzt werden kann, hatte sich in den Hochwassertagen in den zahlreichen Helferinnen und Helfern gezeigt, die auch aus ferneren Regionen in die überfluteten oder von Wasser bedrohten Gebiete geeilt waren. Vorurteile, die es zwischen Menschen aus verschiedenen Gebieten gegeben habe, seien verstummt gewesen, sagte Hasenpusch. Die verbindenden Erfahrungen, die in der Gefahrensituation gemacht wurden, sollten nicht wieder vergessen werden. Ausdrücklich wandte sich der Pastor gegen ein „Schubladendenken“ zwischen West und Ost. Dass es nach 23 Jahren deutscher Einheit immer noch Vorurteile auf beiden Seiten gebe, sei beschämend.

Markus Hasenpusch appellierte, nicht zu vergessen, dass noch viele Menschen unter den Folgen des Hochwassers leiden. So zum Beispiel in dem besonders arg heimgesuchten Fischbeck im Landkreis Stendal, wo seinerzeit der Deich gebrochen war. Die Kollekte, die beim Brückengottesdienst gesammelt wurde, soll Flut-Betroffenen in jenem Ort zugute kommen.

Quelle: wendland-net