Bau von Hochwasser-Anlagen soll beschleunigt werden – Region Leipzig könnte profitieren Robert Nößler

Veröffentlicht: Juli 4, 2013 von fluthelfer in Sachsen
Robert Nößler
Leipzig. Proteste, Klagen und gestoppte Bauvorhaben: Jahrelange Verzögerungen bei neuen Hochwasserschutzprojekten könnten künftig der Vergangenheit angehören. Die Ministerpräsidenten von Sachsen und Bayern einigten sich am Dienstag auf eine gemeinsame Bundesratsinitiative, um die Planungsverfahren zu beschleunigen. Davon würde die Region Leipzig stark profitieren, erklärte Axel Bobbe, Bereichsleiter der sächsischen Landestalsperrenverwaltung (LTV), gegenüber LVZ-Online.

Bobbe, der für den Bereich Elbaue, Mulde und Untere Weiße Elster zuständig ist, begrüßte den Vorstoß der Ministerpräsidenten ausdrücklich. Schließlich würden manche Orte in der Region bereits seit dem Hochwasser 2002 auf einen funktionierenden Hochwasserschutz warten – und wurden erneut überflutet. „Die Gelder sind teilweise längst da“, erklärte er. Wegen der langwierigen Genehmigungsverfahren, die sich zehn Jahre oder länger hinziehen können, sei oft aber noch gar nicht mit dem Bau begonnen worden. „Wir beklagen seit Jahren, dass die Prozesse zu langatmig sind“, berichtete Bobbe und bezeichnete die länderübergreifende Initiative als „längst überfällig“.

Schneller Flut-Schutz für Elstertrebnitz und Bennewitz?

Sollte die neue Regelung kommen, könnte in der Region ein regelrechter Bauboom bei den Hochwasserschutzanlagen beginnen. Bobbe nennt als Beispiel den dringend notwendigen Muldedeich von Bennewitz bis Püchau bei Wurzen, wo bereits seit 2005 das Planfeststellungsverfahren läuft. Streitpunkt ist hier vor allem der Naturschutz. Auch nach mehrfacher Überarbeitung der Baupläne durch die LTV habe noch keine einvernehmliche Lösung erzielt werden können.

Ein anderer Streitfall ist die geplante Wehranlage in Elstertrebnitz. Seit 2010 wurde der Ort allein sieben Mal überflutet. Bobbe hofft nun auf den Baubeginn noch in diesem Jahr. „Die Bevölkerung hat es inzwischen satt. Aber es gab trotzdem immer wieder Diskussionen.“ Durch die neue, rund eine Million Euro teure Anlage sollen die Wassermassen aus der Elster kontrolliert durch den Ort geleitet werden. Bislang fließt das Wasser über den Mühlgraben nahe der Bundesstraße 2 ungehindert in die Ortschaft.

„Nicht bis zum Sankt Nimmerleinstag diskutieren“

„Die Projekte werden nicht vom fehlenden Geld gebremst“, stellte Bobbe klar und verwies als Beispiel auf Grimma. Die nach der Flut im Jahr 2002 konzipierten Hochwasserschutzanlagen für rund 40 Millionen Euro waren bei der jüngsten Flut erst zur Hälfte fertig gestellt – wegen Bedenken von Denkmalschützern und Protesten durch Bürgerinitiativen. „Wir haben drei Jahre zu spät mit dem Bau begonnen“, schätzt Bobbe. Die erneute Überflutung der Innenstadt wäre also bei einem früheren Eingreifen der Politik möglicherweise zu verhindern gewesen. „Hier geht es darum, Leib und Leben zu schützen und nicht darum, bis zum Sankt Nimmerleinstag zu diskutieren“, machte er seinem Ärger Luft.

Etwa elf Jahre nach der Flut 2002 sei die Region Leipzig noch nicht einmal bei der Hälfte der dringend benötigten Projekte angekommen, bilanziert der Hochwassser-Experte. Zwar seien seit 2002 inzwischen 65 Planfeststellungsverfahren abgeschlossen und rund 30 angeschoben worden. Nach dem Hochwasser mit rund 800 Millionen Euro Schaden an den Deichen, Schutzmauern und anderen Hochwasseranlagen bleibe aber noch immer ein Vielfaches zu tun. Das neuerliche Juni-Hochwasser habe die Planer erneut zurückgeworfen: Allein im Leipziger Raum seien an den Anlagen Schäden in Höhe von 150 Millionen Euro entstanden.

Juni-Hochwasser könnte nur Vorgeschmack gewesen sein

Bobbe warnte zugleich davor, dass das Hochwasser im Juni nur ein Vorgeschmack auf künftige Flut-Ereignisse in der Region gewesen sein könnte. „Was Leipzig, die Weiße Elster und die Mulde erlebt haben“, so der Talsperrenchef, „ist keinesfalls das Ende der Fahnenstange.“ Die Niederschlagsmengen seien zwar enorm hoch gewesen, aber noch deutlich von maximal berechneten Unwettern entfernt. „Um für ein solches Ereignis vorbereitet zu sein“, meint Bobbe, „müssen wir schleunigst handeln.“

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