Archiv für Juli 1, 2013

Kampf gegen Elbe-Hochwasser

Veröffentlicht: Juli 1, 2013 von fluthelfer in Brandenburg

Sandsäcke beschaufeln, Dämme absichern: Das Hochwasser an der Elbe hielt die Menschen in Atem.

Ein Rückblick in Bildern

Quelle: rbb-online.de

Trümper will Naturschutz für Alte Elbe kippen

Veröffentlicht: Juli 1, 2013 von fluthelfer in Madgeburg

Vollgelaufene Keller, Straßen und Häuser unter Wasser: Vor allem die Magdeburger Stadtteile Rothensee, Alt Salbke und Buckau waren vom Hochwasser betroffen. Die Stadt will nun ihren Hochwasserschutz verbessern. Oberbürgermeister Trümper will dafür auch den Naturschutz auf den Prüfstand stellen.

Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper macht Druck. In der „Magdeburger Volksstimme“ bekräftigte er seine Forderung, Alte Elbe, Zollelbe und Umflut vom Naturschutz auszunehmen. Das würde seiner Ansicht nach den Hochwasserschutz erleichtern. Diese Gebiete sind seit dem Jahr 2000 Teil eines europäischen Schutzprogramms, der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH).

Nach dieser Richtlinie ist es zum Beispiel nicht erlaubt, in den geschützten Gebieten Baggerarbeiten durchzuführen, Bäume und Sträucher abzuholzen oder Brücken zu bauen. Die Stadt will nun bei der Europäischen Union einen Antrag stellen, den FFH-Status wieder zu streichen. Trümper sagte der Zeitung, da müssten auch die Naturschützer umdenken. Im Stadtrat muss der Oberbürgermeister allerdings mit Widerstand rechnen.

„Die Flussbetten müssen aus dem FFH-Gebiet raus … das ist ein Fehler gewesen, die dort reinzunehmen.“

Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD) Magdeburger Volksstimme

In der vergangenen Woche hatte Trümper bereits angekündigt, im Stadtteil Werder eine Betonmauer zu bauen. Außerdem sollen mobile Schutzwälle angeschafft werden. Besonders dringlich sei die Sanierung der Elbbrücken, erklärte der OB. Auch der westliche Umflutdeich soll so schnell wie möglich erneuert werden.

Magdeburg plant derzeit bis 2021 eine neue Brücke. Sie soll in Verlängerung der Strombrücke die Innenstadt und die ostelbischen Stadtgebiete verbinden. Ziel ist es, die Anna-Ebert-Brücke zu entlasten, die in einem schlechten Zustand ist. Laut „Volksstimme“ will Trümper sich dafür stark machen, dass diese Pläne schneller umgesetzt werden. Am Mittwoch werden Taucher in der Alten Elbe das Fundament der Anna-Ebert-Brücke überprüfen. Danach soll entschieden werden, ob überhaupt wieder Straßenbahnen über die Brücke fahren können.

Derzeit blicken wieder viele Magdeburger berunruhigt auf die Elbe. Nach dem schweren Hochwasser Mitte Juni erwartet die Landeshauptstadt heute nun den Scheitel einer neuen Hochwasserwelle. Mit größeren Problemen an den Deichen wird aber nicht gerechnet. Der Krisenstab der Landesregierung geht davon aus, dass der Scheitel- Pegel in Magdeburg bei 4,30 Meter liegen wird. Vor wenigen Wochen waren es 7,46 Meter.

Quelle: mdr.de

Unwetter in Lohmar – Feuerwehr errichtet mobilen Deich

Veröffentlicht: Juli 1, 2013 von fluthelfer in Hochwasserschutz, NRW

Die Feuerwehr hat in Lohmar nach einem heftigen Unwetter am Montagnachmittag an der Kreuzung Zur Jabachbrücke/Hauptstraße eine mobile Barriere errichtet, um die Gegend vor einer erneuten Überflutung zu schützen. Weitere Einsätze gab es nicht.

Einen mobilen Deich errichteten am Montag Einsatzkräfte der Feuerwehr Lohmar an der Einfahrt zum RSB-Gebiet sowie den Eingängen von Realschule und Jabachkindergarten. Grund war eine Unwetterwarnung des Deutschen Wetterdienstes für Montagabend. Sofort wurden der Stab für außergewöhnliche Ereignisse der Verwaltung und die Führungsgruppe im Feuerwehrhaus einberufen.

Einen mobilen Deich errichteten am Montag Einsatzkräfte der Feuerwehr Lohmar an der Einfahrt zum RSB-Gebiet sowie den Eingängen von Realschule und Jabachkindergarten. Grund war eine Unwetterwarnung des Deutschen Wetterdienstes für Montagabend. Sofort wurden der Stab für außergewöhnliche Ereignisse der Verwaltung und die Führungsgruppe im Feuerwehrhaus einberufen.

Bereits beim Unwetter am 20. Juni hat es die Gegend rund um die Straße Am Kop besonders schwer getroffen. Bis in die Nacht waren hier die Einsatzkräfte im Einsatz und bauten Deiche. Auch da hatten Wehrleute und Freiwillige des Technischen Hilfswerks einen Deich an der Zufahrt zum RSB-Gelände errichtet, nachdem für die Nacht eine zweite Unwetterfront angekündigt worden war.

Quelle: ksta.de

  • Der Verbund bestätigt jetzt doch, dass die Flutung der Region oberhalb des Donaukraftwerkes Ottensheim absichtlich erfolgte.

Die absichtliche Flutung der Region oberhalb des Donaukraftwerkes Ottensheim in den Bezirken Eferding und Urfahr-Umgebung sei so in der Wehrordnung vorgesehen, erklärte ein Verbund-Sprecher gegenüber dem ORF-Servicemagazin Heute Konkret. Der oberösterreichische Landeshauptmann Josef Pühringer (ÖVP) reagierte in einer ersten Reaktion verärgert.

Zuletzt hatte der Verbund die von Bürgermeistern und Anrainern in den betroffenen Gebieten geäußerte Kritik an einem absichtlichen Fluten noch als „Fehlinterpretation“ der Wehrordnung zurückgewiesen. Der Leiter der Werksgruppe Obere Donau vom Verbund, Reinhard Kremslehner, sagte jetzt aber dem ORF: „In Ottensheim liegen wir in einer Beckenlandschaft. Dort wird so gefahren, dass die Überströmstrecken und ein kontrolliertes Fluten des Hinterlandes, entsprechend der Wehrordnung, eingeleitet wird.“ Die Frage, ob es daher klar sei, dass es dadurch im Eferdinger Becken zu Hochwasser kommen werde, bejahte er. Er stimmte auch der Aussage zu, dass man Evakuierungsmaßnahmen einleiten hätte sollen. Doch dafür sei der Verbund nicht zuständig, die vorgeschriebene Alarmierung sei an das Land weitergeleitet worden.

Einer der Kritiker des Verbundes, der Bürgermeister von Walding Josef Eidenberger (SPÖ), sieht sich nun bestätigt: Dass Wasser Platz brauche sei keine Frage, aber „wenn das strategische Konzept vor hat, das Eferdinger Becken künftig als Überflutungszone zu sehen, dann muss man das den Leuten vorher sagen und sie nicht nächtens ganz feige absaufen lassen“.

Landeshauptmann Josef Pühringer (ÖVP) reagierte verärgert auf die Wendung in dem Fall. Er hätte sich „diese klaren Worte des Verbunds gleich zum Zeitpunkt der Katastrophe gewünscht, denn dann hätten sich die Menschen anders darauf einstellen können“, sagte er zum ORF Oberösterreich. Er habe diese Informationen nicht gehabt. Es werde aber genau zu prüfen sein, ob Mitarbeiter des Landes diese Informationen bekommen hätten. Er könne sich nicht vorstellen, dass jemand bewusst Daten nicht weitergegeben hätte.

Überstromstrecken ab einem bestimmten Hochwasser-Niveau aktiv

Der oberösterreichische Umweltlandesrat Rudi Anschober (Grüne), erläuterte am Samstag in einer Presseaussendung, seit Errichtung des Kraftwerkes Ottensheim 1970 sei die Donau im Bereich des Eferdinger Beckens mit „Überströmstrecken“ ausgestattet, die auch im damaligen Genehmigungsbescheid des Landwirtschaftsministeriums verbindlich vorgeschrieben seien. Diese würden ab einem bestimmten Niveau eines Hochwassers aktiv. Im damaligen Genehmigungsverfahren seien alle Anrainergemeinden beteiligt gewesen. „Heute stellt sich die Frage, warum über dieses seit 43 Jahren bestehende Faktum die Bevölkerung offensichtlich unzureichend informiert wurde und warum in Teilbereichen jahrzehntelang zusätzliche Bauten zugelassen wurden“, stellte er fest.

Anschober ergänzte, die bisher ausgewerteten Daten zur Aufarbeitung des Hochwassers würden zeigen, dass es wesentlich gewaltiger gewesen sei, als bisher angenommen. Nach einer Informationsveranstaltung in Goldwörth Freitagabend mit hunderten Betroffenen hätten viele ihr Interesse an freiwilligen Absiedelungen deponiert. Laut ersten Untersuchungsergebnissen sei das Grundwasser im Eferdinger Becken teilweise bakteriologisch belastet und das Wasser vieler Brunnen weise daher nicht Trinkwasserqualität auf. Es handelt sich um geschätzte 800 Hausbrunnen.

Oberösterreichisches Krisenmanagement widerspricht

Das Krisen- und Katastrophenmanagement des Landes Oberösterreich widersprach am Samstagnachmittag dem Verbund. Demnach seien der behördlichen Einsatzleitung die nunmehr vom Verbund angesprochenen Informationen während der gesamten Dauer der Hochwasserkatastrophe nicht zur Verfügung gestanden. Es habe daher keine Möglichkeit mehr bestanden, die Bevölkerung rechtzeitig zu warnen oder zu evakuieren. Das teilte Michael Gugler von der Direktion für Inneres und Kommunales des Landes in einer Presseaussendung mit.

Wiederholte Anfragen der Einsatzleitung an den Verbund seien mit einem Hinweis auf die Wehrbetriebsordnung ohne nähere Angaben beantwortet worden. Sie habe sich daher für ihre Maßnahmen und Anordnungen an den Informationen des Hydrografischen Dienstes des Landes Oberösterreich orientieren müssen. Diese seien nachweislich an die behördlichen Einsatzleitungen in den Bezirken und die Technische Einsatzleitung in der Landeswarnzentrale weitergegeben worden, stellte Gugler fest. Sie seien auch jederzeit von allen Beteiligen beziehungsweise der Bevölkerung über die Homepage des Landes Oberösterreich und dem Hydrografischen Dienst abrufbar gewesen.

Die Einsatzleitung habe daher – was die Entwicklung des Wasserstandes im Eferdinger Becken betrifft – auch keine anderen Schlüsse ziehen können. Es habe davon ausgegangen werden müssen, dass sich der Pegel im Eferdinger Becken ähnlich wie der Pegel Linz verhält. Gugler betonte zudem, dass es von der behördlichen Einsatzleitung keine Einflussnahme auf die Kraftwerke gegeben habe, den Pegel Linz zu beeinflussen um die Stadt zu schonen.

Der BZÖ-Bündnissprecher und BZÖ-OÖ Spitzenkandidat Rainer Widmann forderte in einer Reaktion die Einsetzung einer mit internationalen Experten besetzten Untersuchungskommission. Er stellte auch eine Sachverhaltsdarstellung an die Staatsanwaltschaft in den Raum. Team Stronach Klubobmann Robert Lugar kritisierte die bewusste Flutung als „bodenlose Frechheit und bewusstes Ignorieren aller erforderlichen Informationspflichten“. Er forderte vollkommene Transparenz und Information für alle, die im betroffenen Gebiet wohnen und jene, die sich noch ansiedeln wollen.

Klosterneuburg wies 170 Hochwasser-Schadensmeldungen ab

Unterdessen wurde bekannt, dass nicht allen der vom Donau-Hochwasser Anfang Juni betroffenen Bewohner der Sommerhäuser in den Au-Siedlungen von Klosterneuburg und Kritzendorf (Bezirk Wien-Umgebung) Entschädigungen zustehen – nämlich dann nicht, wenn sie gegen das Meldegesetz oder Bau- und Wasserrecht verstoßen haben. Von derzeit 450 bei der Stadtgemeinde eingegangenen Schadensmeldungen seien 170 abgewiesen worden, berichtete der ORF NÖ.

Bürgermeister Stefan Schmuckenschlager (ÖVP) spreche von einer eklatanten, in dieser Höhe unerwarteten Zahl nicht gemeldeter Hauptwohnsitze: „Wir sehen, dass hier das Meldegesetz scheinbar nicht greift.“ Pro Jahr gebe es laut Schmuckenschlager mindestens zehn Verfahren wegen gesetzwidrigen Bauens, zum Beispiel nicht bewilligter Erweiterungen. So dürfen etwa die die Häuschen tragenden Stelzen nicht verbaut werden, um im Fall eines Hochwassers den raschen Abfluss zu gewährleisten.

Quelle: format.at

Erneutes Hochwasser

Veröffentlicht: Juli 1, 2013 von fluthelfer in Sachsen-Anhalt

 Hochwasserscheitel erreicht Sachsen-Anhalt

Der neue Hochwasser-Scheitel der Elbe passiert Sachsen-Anhalt. Wie der Krisenstab der Landesregierung mitteilte, sei in Wittenberg der Pegel bereits am Sonntag angekommen. Hier sinke das Wasser bereits wieder. In Barby im Salzlandkreis werde der Scheitel im Laufe des Tages bei 5,00 Metern erwartet. Bis Dienstag soll das Wasser dort wieder auf 4,80 Meter zurückgehen. Auch in der Landeshauptstadt Magdeburg soll der Scheitel am Montag ankommen. Er soll bei 4,30 Metern liegen und sich bis Dienstag halten. Der Krisenstab geht davon aus, dass die Hochwasser-Alarmstufe 2 an keinem Pegel erreicht wird. Zudem würden die Deiche im Land beobachtet, sie seien durch das vorangegangene Hochwasser noch gefährdet.

Deich bei Fischbeck rechtzeitig geschlossen

In der Nacht von Freitag auf Sonnabend konnte der Deich bei Fischbeck mit einer rund 150 Meter langen stählernen Spundwand geschlossen werden. Mitte Juni waren an der Bruchstelle drei Lastkähne versenkt worden, um den Wasserdurchbruch abzudichten. Hinter dem gebrochenen Deich mussten zahlreiche Dörfer evakuiert werden.
Eine weitere, etwa 30 Meter lange Deichöffnung bei Schönfeld im Kreis Stendal wurde mit Sand verfüllt. Gleiches passierte bei Breitenhagen im Salzlandkreis. Dort sind laut Krisenstab derzeit noch 120 Menschen von Evakuierungen betroffen. Die Menschen in Hohengöhren, Neuermark-Lübars und Neukamern im Landkreis Stendal konnten dagegen am Sonnabend in ihre Häuser zurückkehren. In dem Kreis gebe es jetzt keine evakuierten Orte mehr, hieß es. Die aufgeweichten Deiche im Land werden weiter intensiv beobachtet, teilweise mit Deichwachen.

Schadensauflistung beginnt

In vielen Regionen werden nach dem Hochwasser die Schäden zusammengerechnet. Für den Burgenlandkreis gibt es eine erste Schätzung. Landrat Reiche sagte MDR SACHSEN-ANHALT, Wirtschaft und Kommunen hätten einen Schaden von mindestens 42 Millionen Euro erlitten. Auch für den Elbe-Saale-Winkel gibt es die ersten Zahlen. Allein die Stadt Barby rechnet mit 25 Millionen Euro Flutschaden.  In den Bilanzen fehlten allerdings noch die Verluste von privaten Haushalten. Der Burgenlandkreis gehört zu den Gebieten mit den größten Hochwasserschäden.

Allianz gegen Pflichtversicherung

Der Versicherungskonzern Allianz lehnt eine Pflichtversicherung gegen Elementarschäden ab. Mehrere Ministerpräsidenten hatten diese Versicherung nach der Flutkatastrophe gefordert. Der Allianz-Vorstand Jens Lison sagte der Leipziger Volkszeitung, eine Pflichtversicherung setze die falschen Signale. Sie unterstütze falsche Besiedlungspolitik in hochwassergefährdeten Gebieten und führe dazu, dass sich Betroffene nicht mehr mit Hochwasserschutz beschäftigten. Er forderte die Kommunen auf, kein Bauland mehr in der kritischen Zone vier auszuweisen.

Quelle: mdr.de

Der neue Hochwasser-Scheitel der Elbe passiert Sachsen-Anhalt. Am Pegel in Wittenberg sei er bereits am Sonntag angekommen, sagte ein Sprecher des Krisenstabs der Landesregierung am Montagmorgen.
Hier sinke das Wasser bereits wieder. In Barby (Salzlandkreis) werde der Scheitel im Laufe des Tages bei 5,00 Metern erwartet. Bis Dienstag soll das Wasser dort wieder auf 4,80 Meter zurückgehen. Auch in der Landeshauptstadt Magdeburg soll der Scheitel am Montag ankommen. Er soll bei 4,30 Metern liegen und sich bis Dienstag halten. Der Krisenstab geht davon aus, dass die Hochwasser-Alarmstufe 2 an keinem Pegel erreicht wird. Die Deiche im Land würden beobachtet, erklärte ein Sprecher. Sie seien durch das vorangegangene Hochwasser noch gefährdet.
Quelle: focus.de

In der Siegaue soll der Fluss mehr Raum bekommen. Dadurch gehen Nutzflächen verloren, die Landwirte und Freizeitreiter beanspruchen. Die Bezirksregierung setzt auf Konsens, beantwortet aber nicht alle Fragen der Kommunalpolitiker.

 

Die Sieg verliert ihre Fesseln. Dort, wo der Fluss heute in ein enges Bett gezwängt ist, werden schwere Steine ausgebaggert, so dass sich das Wasser neue Wege suchen kann – allerdings in einen festgelegten Korridor. Doch wie der Flusslauf mit neuen Mäandern und kleine Inseln eines Tages genau aussehen wird, lässt sich nicht exakt vorhersagen.

Da die Pläne nicht wenige Bürger beunruhigen, spricht die Regierungspräsidentin Gisela Walsken in einer Informationsbroschüre davon, „eine möglichst breite Akzeptanz in der Region“ erzielen. „Machen wir gemeinsame Sache in bestem Sinne und helfen Sie mit, zum Gelingen des Projekt beizutragen.“ Bei der Kompromissvariante, die jetzt in das Planfeststellungsverfahren eingebracht werde, sollten alle Anwohner Gelegenheit haben, „ihre Anregungen und Bedenken in den Prozess einzubringen“.

Der Troisdorfer Ratsherr und Fraktionsgeschäftsführer Christian Siegberg (CDU) nahm die Bezirksregierung beim Wort und schickte einen Katalog mit 25 detaillierten Fragen nach Düsseldorf. Unter anderem wollte er wissen, wie sich die Renaturierung auf das Hochwasser auswirkt, ob durch neu entstehende Mulden eine Zunahme von Bakterien, Ungeziefer und Mücken zu befürchten sei, wer für die Entfernung von Neophyten wie des Drüsigen Springkrauts zuständig ist, ob Badestellen für Jugendliche und Kinder wegfallen und vieles mehr.

Als Antwort ging ein Schreiben mit zehn eher allgemein gehaltenen Punkten ein. So wird hervorgehoben, dass die Zugeständnisse, die man nach Protesten den Meindorfern bei er Breite des Korridors gemacht habe, nicht zulasten der Troisdorfer gehen sollen.

Zudem nahm jetzt Martin Nußbaum, Dezernent für Wasserwirtschaft bei der Bezirksregierung, im Stadtentwicklungsausschuss Stellung zu dem Vorhaben. Die Renaturierung werde keine Auswirkungen auf Hochwasserstände haben, mit den Jahren könne sich bestenfalls ein Absinken der Pegel um zwei bis drei Zentimeter einstellen. In der Broschüre weist die Bezirksregierung ausdrücklich daraufhin, dass Deiche und andere Schutzeinrichtungen nicht angetastet werden. Befestigte und auch unbefestigte Wirtschaftswege sollen ersetzt werden, nicht aber Trampelpfade. Nussbaum ging auch auf Eigentumsverhältnisse im Korridor ein. Wo Flächen gekauft werden müssten, werde es keine „schleichende Enteignung“ geben, sondern „faire Marktpreise“. Denkbar seien auch spätere Rückverpachtungen.

Freizeit-Reiter in Troisdorf und Sankt Augustin sorgen sich unterdessen um die Zukunft von Weiden und Trampelpfaden. Dem Troisdorfer Thomas Sebesta zufolge hätten sich einzelne Bürger nicht mit Fragen an die Behörde wenden können, weshalb die Betroffenen, zu denen auch Landwirte zählen, den Verein „Pferdefreunde Siegauen“ mit bislang 46 Mitgliedern gründeten. „Wir wollen unsere Nutzungsrechte behalten“, so der Vorsitzende Sebesta. Das Schreiben ist allerdings eindeutig: Die Sieg solle sich künftig in einem zwischen 400 und 600 Meter breiten Korridor entfalten und ihr Bett suchen können. Und dieser Korridor könne nur reduziert werden, „wo eine existenzielle Bedrohung landwirtschaftlicher Nutzer, naturräumliche Zwangspunkte oder städtebauliche Restriktionen anzutreffen sind“. Die Belange der Pferdefreunde und anderer „Freizeitnutzungsgruppen“ sollen aber „im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens gehört“ werden. Das Flächenangebot werde später neu geregelt.

Christian Siegberg zeigte sich nach der Sitzung zufrieden, vor allem nach dem nichtöffentlichen Teil, in dem es auch um Besitzverhältnisse ging. „Wir sind auf einem guten Weg“, sagte er, auch wenn einige seiner Fragen offen geblieben seien. „Mit dem, was gesagt wurde, kann ich gut leben.“

Eine Bürgerversammlung zum Thema gibt es am Mittwoch, 10. Juli, um 19 Uhr im Sportheim Zur Siegaue in Müllekoven.

Quelle: ksta.de

Eine Flut von Absagen

Veröffentlicht: Juli 1, 2013 von fluthelfer in Brandenburg
von Annette Kögel und Claus-Dieter Steyer
Touristen machen einen Bogen um Brandenburg, obwohl viele Gebiete gar nicht vom Hochwasser betroffen waren. Eine neue Werbekampagne soll helfen. Und einige sonst beliebte Regionen kann man dank der ausbleibenden Besucherscharen derzeit so entspannt erleben wie selten
Wer als Radfahrer die sonst viel befahrenen Fernwege durch Brandenburgs Weite ohne Pulks nur für sich genießen will, sollte jetzt zu einer Tour starten. Denn selbst bei nahezu idealem Wetter für eine Radpartie fehlen seit einem Monat die Touristen. Auch viele Berliner Tagesausflügler machen bislang einen Bogen auch um viele andere Ziele in der weiteren Umgebung. Dabei appellieren jetzt Behörden und Tourismusexperten, dass es die beste Fluthilfe sei, in den Regionen mit vielen Attraktionen Urlaub zu buchen. Man könne viele vom Hochwasser völlig unbeeinflusste Regionen ohne Schlangestehen genießen.Im Tourismusjahr 2013 stehen viele Brandenburger Regionen und Anbieter bislang im Regen.

Erst das kalte Frühjahr, dann die vielen Güsse. „Es liegt eindeutig am Hochwasser“, sagt Sandra Ziesig, Marketingchefin des Tourismusverbandes Oder-Spree. „Viele Urlauber sind derart verunsichert, dass sie gleich den gesamten Urlaub stornieren. Dabei sind die meisten Gebiete gar nicht vom Hochwasser betroffen gewesen.“ Selbst in Beeskow und Storkow, die viele Dutzend Kilometer weit weg von der Elbe liegen, stehen Hoteliers, Pensionsvermieter oder Rad- und Bootsverleiher vor einer langen Liste von Absagen. Und selbst im Harz haben Stornierer schon auf das Brandenburger Hochwasser verwiesen.

Ein Test auf dem Oder-Neiße-Radweg am Wochenende bestätigt die Aussagen. Obwohl beide Flüsse diesmal kein Hochwasser führten, blieb die aus Berlin angereiste Gruppe fast gänzlich unter sich. In den Pensionen und Gaststätten herrschte nahezu völlig Ruhe. „Das Hochwasser ist schuld“, lautet auch hier die Standardantwort. „Ganz Ostdeutschland wird über einen Kamm geschoren“, meint eine Pensionsbetreiberin in Groß Neuendorf an der Oder. „Nun leiden wir alle unter den Bildern, wobei bei uns doch alles in bester Ordnung ist.“

Die Tourismus Marketing Brandenburg GmbH hat noch keine detaillierten Zahlen über die Einbußen parat. Aber die Verluste dürften teilweise bei 50 Prozent und darüber liegen. Dabei waren im April mit 313 100 Gästen, die 835 900 Übernachtungen im Land buchten, schon ein Verlust von 6,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat zu verkraften. In der Prignitz, wo tausende Helfer Anfang Juni mit rund zwei Millionen Sandsäcken eine Überflutung durch die Elbe verhinderten, verloren einige Hotels, Geschäfte und Freizeitanbieter die Umsätze mehrerer Wochen. „Einige Gäste sind übervorsichtig und möchten nicht als Hochwassertouristen gelten“, sagt Uwe Neumann, Geschäftsführer des Tourismusverbandes. „Aber das ist der falsche Weg. Unsere Infrastruktur ist wieder intakt und selbst der Elberadweg kann wieder wie vor dem Hochwasser befahren werden.“

Auch im Spreewald, wo wegen der starken Strömung für zehn Tage jeglicher Bootsverkehr verboten werden musste und 90 Prozent der Tagesgäste deswegen ausgeblieben waren, ist die Situation wieder normal. „Jeder Gast wird individuell und noch liebevoller als sonst umsorgt“, verspricht Dirk Meier, Hafenmeister in Burg im Spreewald und Sprecher für rund 1000 Fährleute, „und wir haben auch keine Mückenplage.“ Die meisten Fließe sind für Paddler wieder befahrbar.

Doch die Lage ist ernst. Deshalb hat das brandenburgische Wirtschaftsministerium, vor allem in Hamburg und Berlin, eine 100 000 Euro teure Werbekampagne gestartet unter dem Motto „Brandenburg, jetzt erst recht“. Werbefilme über intakte Landschaften und gut gelaunte Gastronomen sollen bald im Internet stehen. Brandenburg lebt im Unterschied zu anderen Tourismusregionen wie etwa Mecklenburg-Vorpommern vor allem von kurzfristigen Buchungen.

Selbst Ministerpräsident Matthias Platzeck appellierte in einer Videobotschaft an alle, „sich vom zurückliegenden Hochwasser nicht zur Änderung von Ferienplänen verleiten zu lassen“. Er ermunterte Touristen, sich im Havelland, im Spreewald, in der Prignitz oder im Elbe-Elster-Land einzumieten oder das Zelt aufzuschlagen. „Sie werden auf gastfreundliche Menschen treffen und auf reizvolle Landschaften. Seien Sie zu Gast bei den Helden der vergangenen Tage, die ihre Heimat gegen die Fluten geschützt haben“, sagte Platzeck.

Derzeit gibt es nur noch im Westhavelland einige Einschränkungen im Radtourismus, der Havel-Radweg ist zwischen Rathenow und Havelberg und die „Tour-Brandenburg“ ab Rhinow in Richtung Strodehne gesperrt. Bootskapitäne können die Untere Havel-Wasserstraße ab Grütz in Richtung Havelberg bis zur Elbmündung nicht befahren. Unterdessen sind viele anderer Meinung als Theologe Friedrich Schorlemmer. Er schlägt statt mehr Schutzausbauten im „Kampf gegen die Natur“ vor, dass die Menschen überlegen sollten, umzusiedeln.

Quelle: tagesspiegel.de