Die Elbe braucht mehr Platz

Veröffentlicht: Juni 30, 2013 von fluthelfer in Zentrale der Deutschen Fluthilfe

„Ilse“ war’s. Das Tiefdruckgebiet sorgte von Ende Juli bis August 2002 für enorme Niederschläge im Osten Deutschlands. Die Elbe stieg über die Ufer und überflutete viele Landstreifen, besonders in Sachsen und Sachsen-Anhalt. Es entstanden Schäden von mehr als elf Milliarden Euro. Nach Angaben des Rückversicherers Münchener Re war das Elbehochwasser die teuerste Naturkatastrophe Deutschlands.

„Gefährliches Korsett“

Nach der Elbeflut initiierten die Bundesregierung und die Regierungen der Länder umfassende Hochwasserschutzprogramme. Die Hochwasservorhersage und -warnung wurden verbessert und Karten der Gefährdungsgebiete veröffentlicht. Vor allem aber wurden Deiche erhöht und verstärkt. Das Problem: „Kein Deich gewährleistet einen hundertprozentigen Schutz,“ erklärt der WWF-Hochwasserexperte Georg Rast. Sie verringern die Symptome, bekämpfen aber nicht die Ursache. Zehn Jahre nach der Katastrophe hat sich das Risiko kaum verringert. „Die Elbe ist noch immer in ein gefährliches und unnatürliches Korsett gezwängt“, warnt Rast.

 Die Wahrscheinlichkeit einer Überflutung kann man nur senken, indem man dem Fluss mehr Raum gibt und die Deiche ins Landesinnere verlegt. Die Wassermassen müssen abfließen können, damit sie keine Schäden verursachen. Laut einer Studie des WWF wurden in den vergangenen 150 Jahren fast 80 Prozent der ursprünglichen Überflutungsflächen der Elbe landwirtschaftlichen Flächen, Siedlungen und der öffentlichen Infrastruktur geopfert.

Der WWF fördert den Rückbau der Deiche

Der WWF fordert deswegen einen stärkeren Rückbau der Elbauen. Die bisher geplanten und durchgeführten Deichrückbau-Projekte umfassen bisher gerade einmal ein Prozent der früheren Auengebiete. Das ist viel zu wenig, sagt Rast. Der WWF unterstützt den Rückbau früherer Überflutungsgebiete. In der Nähe von Dessau in Sachsen-Anhalt wird der Deich auf sieben Kilometern Länge zurückverlegt. Dadurch entstehen rund 600 Hektar zusätzliche Überflutungsfläche und Auwälder. Das ist das größte Projekt dieser Art in Deutschland. Daneben gibt es noch ein Projekt in der Nähe von Lenzen in Brandenburg, unterstützt vom WWF. Zwei weitere, mit einer Fläche von mehreren hundert Hektar, sind in Planung.

Eine Rückverlegung der Deiche braucht jedoch um die zehn Jahre, während man einen Deich in ein bis drei Jahren hochzieht. Manche Projekte brauchen Jahrzehnte, bis sie abgeschlossen sind. Dadurch wird mancher Rückbau zwar geplant, aber nicht verwirklicht. Mancherorts gibt es Widerstand gegen den Rückbau, dass man bestimmte Gebiete nicht zurückbauen könne, da sich dort Straßen, Häuser und sogar Städte befinden. Diese sind beim nächsten Hochwasser zwar gefährdet, doch kann man die Menschen deswegen zwingen, wegzuziehen? Für den WWF-Hochwasserexperten Rast sind diese Gründe vorgeschoben. „Wegen des Rückbaus müssen keine Umsiedlungen stattfinden. Diese Regionen haben wir schon rausgerechnet.“

Renaturierung lohnt sich

Laut Rast ist es wichtig, einen Kompromiss mit den unterschiedlichen Interessengruppen zu finden, ökonomisch und ökologisch tragfähige Bau- und Bewirtschaftungskonzepte zu erarbeiten. Auch müsse man die Landwirtschaft stärker ins Boot holen. Den Landwirten könnte man bestimmte Flächen abkaufen – damit neue Rückbaugebiete entstehen können. Wenn Schäden entstehen, müssen die Bauern sowieso entschädigt werden. Nach Schätzungen des WWF benötigt man nur circa zehn Prozent der Gelder, die zur Beseitigung von Hochwasserschäden aufgebracht werden müssen, um durch Flächenkauf und Renaturierungsmaßnahmen wertvolle Überflutungsflächen zurückgewinnen.

Quelle: http://www.wwf.de

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