Archiv für Juni 30, 2013

Auf ihrem Landesparteitag am Sonnabend in Halle haben die Grünen der Landesregierung von Sachsen-Anhalt schwerwiegende Versäumnisse beim Hochwasserschutz vorgeworfen. Die Landesvorsitzende Cornelia Lüddemann sagte, technischer Hochwasserschutz sei zwar wichtig. Aber um den Menschen in der Region wirklich zu helfen, sei ökologischer Hochwasserschutz unabdingbar.

Lüddemann: Flüsse brauchen mehr Raum

Dazu gehört aus ihrer Sicht auch die Rückverlegung von Deichen. Der Fluss brauche mehr Raum. Dies müsse gemeinsam mit Bewohnern und Landwirten besprochen werden. Diese sei in Sachsen-Anhalt nicht ernsthaft genug angegangen worden. Lüddemann führte weiter aus, es sei nun mehr als unredlich, der Bürgerbeteiligung die Schuld zu geben, wenn Hochwasserschutzmaßnahmen nicht umgesetzt werden konnten. Hintergrund ist die Diskussion um Genehmigungen.

Die 57 Delegierten verabschiedeten eine Resolution, in der sie besseren Hochwasserschutz für das Land forderten. Nicht einmal zwölf Prozent der ausgewiesenen Überschwemmungsgebiete seien erschlossen worden, obwohl diese die Pegelstände der Elbe um bis zu 40 Zentimeter hätten senken können, hieß es. Daneben forderten die Grünen, die Flächenversiegelung zu stoppen und Flussauen zu renaturieren.

Künast verteidigt höheren Steuersatz für Reiche

Die Vorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion, Renate Künast, verteidigte auf dem Landesparteitag die umstrittenen Steuerpläne ihrer Fraktion im Falle eines Erfolges bei der Bundestagswahl. „Zehn Prozent der Bevölkerung, die Vermögen haben, müssen einen höheren Betrag leisten, 90 Prozent werden entlastet. Da stehe ich zu“, sagte sie in Halle. Länder und Kommunen müssten in die Lage versetzt werden, ihre Aufgaben etwa im Bereich der Bildung zu erfüllen. Die Grünen wollen den Spitzensteuersatz ab 80.000 Euro Jahreseinkommen auf 49 Prozent anheben. Daneben wollen sie überdurchschnittliche Einkommen und Vermögen höher besteuern. Gleichzeitig wollen sie zehn Milliarden Euro zusätzlich für Hochschulen, Ganztagsschulen und Kitas zur Verfügung stellen und jährlich zehn Milliarden an Staatsschulden zurückzahlen. Künast warf der schwarz-gelben Koalition Klientelpolitik vor. Diese habe Vermögenden ungerechtfertigte Steuergeschenke gemacht.

Einstimmung auf Bundestagswahlkampf

Im Hinblick auf die Bundestagswahl sah Künast die Grünen auch in den ostdeutschen Ländern gut aufgestellt. Die Partei sei in allen Landtagen vertreten und wolle vor allen bei den Themen Energiewende und Bildung punkten. Als Ziel für die Wahl gab sie sechs Millionen Stimmen bundesweit aus. „Wir haben die Chance, dass es reicht“, sagte Künast mit Blick auf einen möglichen Regierungswechsel in Berlin.

Die Spitzenkandidatin der Grünen in Sachsen-Anhalt, Steffi Lemke, hatte zu Beginn des Parteitages ein Ziel von 100.000 Stimmen vorgegeben, die von ihrer Partei im Land gewonnen werden sollen. Die Grünen waren 2011 nach 13 Jahren wieder mit 7,1 Prozent in den Landtag eingezogen. Die Partei hat nach eigenen Angaben im Land derzeit 735 Mitglieder.

Quelle: mdr.de

Lieber Wasserbüffel als Kamele

Veröffentlicht: Juni 30, 2013 von fluthelfer in Brandenburg

Angesichts ihrer seit Wochen überfluteten Wiesen und Äcker bleibt manchen Bauern in Brandenburg nur Sarkasmus: „Die haben uns erzählt, dass hier alles versteppt – in Wahrheit können wir uns bald Wasserbüffel kaufen und Reis anbauen“, sagt ein Landwirt in Plessa im Elbe-Elster-Kreis. Tatsächlich ist seit den extremen Regenfällen im Jahr 2010 auch das Grundwasser in Brandenburg gestiegen. Nicht nur die Landwirtschaft, sondern auch viele Betriebe und Privatpersonen leiden darunter, weil ihre Keller immer wieder unter Wasser stehen. Doch die aktuelle Entwicklung ist trügerisch und könnte zu falschen Schlussfolgerungen verleiten, sagt der Präsident des brandenburgischen Landesumweltamts, Matthias Freude.

Denn in den drei Jahrzehnten zuvor ist das Grundwasser in Brandenburg durchschnittlich um drei Meter abgesunken – mehr als in allen anderen Teilen Deutschlands. Grund ist laut Freude der Klimawandel, der das am östlichsten gelegene Bundesland am härtesten trifft. Weil es weniger regnete und wegen des Temperaturanstiegs mehr verdunstete, sind sogar viele Seen in der Schorfheide ausgetrocknet. Die extremen Niederschläge und Hochwasser von 2010 haben diese Situation umgekehrt, das Grundwasser stieg wieder, vor allem in denFlussniederungen von Havel, Dahme oder Müggelspree war das zu spüren. Eine besondere Situation gibt es im Süden des Landes, wo das Grundwasser wegen der Braunkohletagebaue seit etwa 1920 jahrzehnte- lang um bis zu 70 Meter abgesenkt wurde. Nach Schließung vieler Tagebaue seit 1990 steigt es wieder und bereitet jenen Probleme, die beim Bau ihrer Häuser nicht damit gerechnet hatten. Für sie ist auch kein Trost, wenn Experten davon ausgehen, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis die Trockenheit nach Brandenburg zurückkehrt. Also doch lieber Kamele statt Wasserbüffel. Sandra Dassler

Quelle: tagesspiegel.de

Die Elbe braucht mehr Platz

Veröffentlicht: Juni 30, 2013 von fluthelfer in Zentrale der Deutschen Fluthilfe

„Ilse“ war’s. Das Tiefdruckgebiet sorgte von Ende Juli bis August 2002 für enorme Niederschläge im Osten Deutschlands. Die Elbe stieg über die Ufer und überflutete viele Landstreifen, besonders in Sachsen und Sachsen-Anhalt. Es entstanden Schäden von mehr als elf Milliarden Euro. Nach Angaben des Rückversicherers Münchener Re war das Elbehochwasser die teuerste Naturkatastrophe Deutschlands.

„Gefährliches Korsett“

Nach der Elbeflut initiierten die Bundesregierung und die Regierungen der Länder umfassende Hochwasserschutzprogramme. Die Hochwasservorhersage und -warnung wurden verbessert und Karten der Gefährdungsgebiete veröffentlicht. Vor allem aber wurden Deiche erhöht und verstärkt. Das Problem: „Kein Deich gewährleistet einen hundertprozentigen Schutz,“ erklärt der WWF-Hochwasserexperte Georg Rast. Sie verringern die Symptome, bekämpfen aber nicht die Ursache. Zehn Jahre nach der Katastrophe hat sich das Risiko kaum verringert. „Die Elbe ist noch immer in ein gefährliches und unnatürliches Korsett gezwängt“, warnt Rast.

 Die Wahrscheinlichkeit einer Überflutung kann man nur senken, indem man dem Fluss mehr Raum gibt und die Deiche ins Landesinnere verlegt. Die Wassermassen müssen abfließen können, damit sie keine Schäden verursachen. Laut einer Studie des WWF wurden in den vergangenen 150 Jahren fast 80 Prozent der ursprünglichen Überflutungsflächen der Elbe landwirtschaftlichen Flächen, Siedlungen und der öffentlichen Infrastruktur geopfert.

Der WWF fördert den Rückbau der Deiche

Der WWF fordert deswegen einen stärkeren Rückbau der Elbauen. Die bisher geplanten und durchgeführten Deichrückbau-Projekte umfassen bisher gerade einmal ein Prozent der früheren Auengebiete. Das ist viel zu wenig, sagt Rast. Der WWF unterstützt den Rückbau früherer Überflutungsgebiete. In der Nähe von Dessau in Sachsen-Anhalt wird der Deich auf sieben Kilometern Länge zurückverlegt. Dadurch entstehen rund 600 Hektar zusätzliche Überflutungsfläche und Auwälder. Das ist das größte Projekt dieser Art in Deutschland. Daneben gibt es noch ein Projekt in der Nähe von Lenzen in Brandenburg, unterstützt vom WWF. Zwei weitere, mit einer Fläche von mehreren hundert Hektar, sind in Planung.

Eine Rückverlegung der Deiche braucht jedoch um die zehn Jahre, während man einen Deich in ein bis drei Jahren hochzieht. Manche Projekte brauchen Jahrzehnte, bis sie abgeschlossen sind. Dadurch wird mancher Rückbau zwar geplant, aber nicht verwirklicht. Mancherorts gibt es Widerstand gegen den Rückbau, dass man bestimmte Gebiete nicht zurückbauen könne, da sich dort Straßen, Häuser und sogar Städte befinden. Diese sind beim nächsten Hochwasser zwar gefährdet, doch kann man die Menschen deswegen zwingen, wegzuziehen? Für den WWF-Hochwasserexperten Rast sind diese Gründe vorgeschoben. „Wegen des Rückbaus müssen keine Umsiedlungen stattfinden. Diese Regionen haben wir schon rausgerechnet.“

Renaturierung lohnt sich

Laut Rast ist es wichtig, einen Kompromiss mit den unterschiedlichen Interessengruppen zu finden, ökonomisch und ökologisch tragfähige Bau- und Bewirtschaftungskonzepte zu erarbeiten. Auch müsse man die Landwirtschaft stärker ins Boot holen. Den Landwirten könnte man bestimmte Flächen abkaufen – damit neue Rückbaugebiete entstehen können. Wenn Schäden entstehen, müssen die Bauern sowieso entschädigt werden. Nach Schätzungen des WWF benötigt man nur circa zehn Prozent der Gelder, die zur Beseitigung von Hochwasserschäden aufgebracht werden müssen, um durch Flächenkauf und Renaturierungsmaßnahmen wertvolle Überflutungsflächen zurückgewinnen.

Quelle: http://www.wwf.de

Was Überschwemmungen verschlimmert

Veröffentlicht: Juni 30, 2013 von fluthelfer in Zentrale der Deutschen Fluthilfe

Hochwasser ist ein natürliches Phänomen. In Natur belassenen Gebieten speichern Auenlandschaften das Wasser wie ein Schwamm und geben es in trockenen Zeiten wieder ab. Im dicht besiedelten Europa können Hochwasser aber besonders zerstörerisch sein – und schuld ist nicht nur das Wetter.

1. Ursache: Auenvernichtung

Natürliche Überflutungsflächen sind ein ganz natürlicher und wichtiger Schutz vor extremem Hochwasser. Wasser wird in der Landschaft  gespeichert und in trockenen Zeiten  wieder an den Fluss abgegeben. Der beste Hochwasserschutz ist daher, diese Auen nicht zu bebauen. Genau das wurde jedoch über Jahrzehnte gemacht. Rund 80 Prozent der natürlichen Überflutungsflächen gingen in Deutschland verloren.

2. Ursache: Flussbegradigung

Durch Deiche und Dämme hat der Mensch viele Überschwemmungsgebiete vom Fluss getrennt. Flüsse wurden durch Begradigungen und Staustufen „schneller“ gemacht. Rhein und Donau sind heute weitgehend zu beschiffbaren Wasserbahnen betoniert. Selbst die sonst noch vielerlorts naturnah fließende Elbe ist in ihrem Oberlauf auf tschechischer Seite mit 22 Stauwehren und Talsperren verbaut. Deshalb rast heute das Wasser in den meisten bebauten Flüssen mit viel höherer Geschwindigkeit Richtung Meer. Im Rhein etwa rauscht heute eine Hochwasserwelle in 30 Stunden von Basel nach Karlsruhe – 1955 brauchte sie dazu noch 65 Stunden.

3. Ursache: Versiegelung der Landschaft

Wir versiegeln in atemberaubendem Tempo immer mehr Land. Jeden Tag verschwinden in Deutschland 100 Hektar freie Landschaft unter Asphalt oder Beton – jede Stunde eine Fläche von fünf Fußballfeldern. Dadurch beschleunigen wir das Abflusswasser. Wo Regenwasser nicht mehr im Boden versickern kann, fließt es rasch in die Kanalisation. So gelangt der Regen viel schneller in die Flüsse als im Normalfall über das Grundwasser.

4. Ursache: Mehr Niederschläge

Es regnet deutlich mehr und heftiger in Mitteleuropa. Ungewöhnlich starke Niederschläge kommen heute in Deutschland doppelt so häufig vor wie vor 100 Jahren. Auch hieran ist der Mensch wahrscheinlich nicht unschuldig: Klimaexperten diskutieren dies bereits als Folge der vom Menschen beschleunigten Erderwärmung.

Mittelfristige Lösungen, um Hochwasser natürlich zu bremsen

• Verbauung von Überflutungsgebieten stoppen
• Mehr Überflutungsflächen entsiegeln und renaturieren
• Weitere geplante Flussausbauten wie an Donau und Elbe stoppen
• Deiche, wo möglich, zurückverlegen

Jeder kann etwas zur Reduzierung von Hochwasser beitragen, indem man zum Beispiel auf die Versiegelung privater Flächen in Hof und Garten verzichtet und Regenwasser natürlich im Boden versickern lässt.

Beispiel Elbe

Der WWF ist seit vielen Jahren an Renaturierungen deutscher Flüsse beteiligt, vor allem am Rhein und an der Elbe. Im Jahr 2001 begann der WWF an der Mittleren Elbe sein größtes Projekt in Deutschland. Bis 2018 soll zwischen Mulde- und Saalemündung ein durchgehender Verbund überflutbarer Auenwälder geschaffen und gesichert werden. Damit werden zugleich alle auentypischer Tier- und Pflanzenarten und ihre Gemeinschaft nachhaltig geschützt.

Durch die Vergrößerung der natürlichen Überflutungsfläche wird flussabwärts die Hochwassergefahr reduziert. Die Gefahr von Deichbrüchen kann so gemindert werden. Der Weg zurück zur Natur ist damit zugleich naturnaher Hochwasserschutz.

Hochwasser in Deutschland und Europa

Quelle: http://www.wwf.de

Fünf Jahre nach der Elbeflut