Archiv für Juni 29, 2013

Familie Gruber: Neuanfang mit Geld von der PNP-Fluthilfe

Veröffentlicht: Juni 29, 2013 von fluthelfer in Deggendorf

von Hannah König

Das alte Haus war gerade renoviert. Abbezahlt war es noch nicht. Dann kam die Flut nach Fischerdorf, und Familie Gruber verlor alles. Die PNP-Fluthilfe unterstützt sie nun mit 10 000 Euro Soforthilfe beim Neuanfang.

Schau mal Papa, in den Scheinwerfern von deinem Motorrad steht das Wasser“, ruft Maxi seinem Vater zu. Josef Gruber zuckt nur mit den Achseln. „Das ist nicht mehr zu retten“, sagt der 50-Jährige. Er steht vor seinem Einfamilienhaus in Fischerdorf, einer Ruine, geflutet und ertränkt von den braunen Wassermassen, die vor knapp vier Wochen das kleine Dorf überschwemmt haben. Er weiß: Nichts ist hier mehr zu retten.

Acht Jahre hat die Familie gebraucht, um das alte Haus herzurichten. Sie ahnten nicht, dass die kleine Ortschaft in Deggendorf einmal traurige Berühmtheit erlangen würde. Alles war perfekt, „pikobello“, sagt Gruber. Sie verlegten neue Holzböden, wechselten Fenster und Türen, rissen Elektronik und Wasserleitungen aus den Wänden. Jetzt ist alles zerstört

Das Wasser stand bis zum ersten Stock  2,80 Meter hoch stand das Wasser in Wohnzimmer, Küche und Bad – bis zur obersten Treppenstufe. Nur wenige Zentimeter hätten gefehlt, um auch noch den ersten Stock zu fluten. Josef Gruber steht noch immer unter Schock. Der Familienvater kann es einfach nicht glauben. „In nur zwei Stunden verlierst du alles, worauf du zehn Jahre hingearbeitet hast“, sagt Gruber. Dass es so schlimm werden könnte – damit hat in Fischerdorf niemand gerechnet.

Um 8 Uhr morgens wurde die Familie zum ersten Mal aufgefordert, den Ort zu verlassen. Josef und seine Frau Claudia fuhren das Auto und ihre zwei Kinder – den 8-jährigen Maxi und die 16-jährige Lisa – zu den Großeltern. Sie selbst kehrten zurück. „Solange nichts ist“, wollten sie bleiben. Sie räumten ein paar Sachen nach oben, nicht in den ersten Stock, sondern nur in die höheren Fächer der Schränke. „Wir dachten, wenn das Wasser kommt, dann höchstens kniehoch“, erinnert sich Claudia Gruber.

 Um 16 Uhr wurde der Strom abgestellt. Das Ehepaar brachte Kerzen und etwas zu Essen in den ersten Stock. Doch eine Stunde später genügte ein Blick aus dem Fenster, um ihnen klar zu machen: Hier können wir nicht bleiben. Ungehindert floss das Wasser über die Autobahn herüber und strömte auf die kleine Ortschaft zu. „Da ist uns dann doch anders geworden“, sagt Gruber.

 Um 17 Uhr ließen sie ihr Haus in Fischerdorf zurück. Um 18.45 Uhr hörte die Uhr in der Küche auf zu schlagen. Etwa 1,50 Meter über dem Boden hing sie an der Wand. Doch das Wasser kletterte schnell und hoch, verschluckte die Mechanik nicht einmal zwei Stunden, nachdem die Flut die Autobahn überquert hatte.

  Als Josef und Claudia Gruber fünf Tage später zum ersten Mal mit einem Boot zu ihrem Haus fuhren, stand das Wasser immer noch bis zum ersten Stock. Über die schlammige Brühe, in der Schuhe, Fotos und Schallplatten herumtrieben, hatte sich ein blutroter Schleier gelegt – ausgelaufenes Benzin und Heizöl. Das „Gift“, wie Gruber es nennt, tränkt auch heute noch Decken, Wände und Möbel.

 Knapp einen Monat nach der Katastrophe gleicht das Haus einer Baustelle. Die Decke hat sich mit Wasser vollgesaugt und hängt bedrohlich durch. Bis in den ersten Stock ziehen sich Risse durch die Wände. Im einst gemütlichen Wohnzimmer liegt kein Holzboden mehr, sondern nur noch nackter Beton. Insgesamt schätzt die Familie den Schaden auf etwa 300 000 Euro.

  Ein Gutachter soll nun entscheiden, ob das ganze Haus abgerissen werden muss. Doch hier wieder neu zu bauen und zu leben – das ist für die Familie ohnehin kaum vorstellbar. „Die Unsicherheit ist jetzt einfach da. Schon nächstes Jahr kann es wieder so sein“, sagt Claudia Gruber. „Wenn es dann mal ein paar Tage regnet, hat man das immer im Hinterkopf“, bestätigt ihr Mann.

 Am meisten schmerzen die verlorenen Erinnerungen. Die Flut hat nicht nur das Haus zerstört, sondern auch Fotoalben. „Jetzt hab‘ ich gar keine Bilder mehr von dir, als du klein warst“, sagt Josef Gruber zu seiner Tochter Lisa und drückt die 16-Jährige einen Moment an sich. „Du musst einfach wieder rückwärts wachsen.“ Alle lachen. Die Familie wirkt gefasst und ruhig. Aber die Nerven liegen blank.

„Es wird nie mehr so,wie es mal war“  „Man fühlt sich wie in einem schlechten Traum und wartet darauf, endlich aufzuwachen“, beschreibt Claudia Gruber die Situation. „Es wird einfach nie mehr so, wie es mal war.“ Trotzdem wollen sie jetzt nach vorne schauen und zusammenhalten – vor allem wegen der Kinder, die ihnen die Kraft geben weiterzumachen. „Wenn ich alleine wäre, wüsste ich nicht, was ich tun würde“, gibt Josef Gruber zu.

 Seit ihr Haus überflutet wurde, wohnen sie bei Claudia Grubers Eltern – zu sechst auf 70 Quadratmetern. Der psychische Druck werde immer größer. Die Familie hat einen Kredit für das Haus aufgenommen, der noch nicht abbezahlt ist. Im nächsten Jahr sollten eigentlich die Raten sinken, dann wollten sie sich endlich mal wieder etwas leisten. „Aber das ist jetzt hinfällig“, sagt Claudia Gruber traurig.

  70 000 Euro müssen sie noch abbezahlen. Wann Hilfe vom Staat kommt, ist ungewiss. Die erste Auszahlung der PNP-Fluthilfe von 10 000 Euro ist deshalb eine große Erleichterung für die Familie. „Dass wir jetzt Unterstützung kriegen, tut schon gut“, freut sich Claudia Gruber. Es ist nur der Anfang eines langen Weges zurück zur Normalität. Aber es ist ein Anfang.

Quelle: http://www.pnp.d

Das alte Haus war gerade renoviert. Abbezahlt war es noch nicht. Dann kam die Flut nach Fischerdorf, und Familie Gruber verlor alles. Die PNP-Fluthilfe unterstützt sie nun mit 10 000 Euro Soforthilfe beim Neuanfang.

Schau mal Papa, in den Scheinwerfern von deinem Motorrad steht das Wasser“, ruft Maxi seinem Vater zu. Josef Gruber zuckt nur mit den Achseln. „Das ist nicht mehr zu retten“, sagt der 50-Jährige. Er steht vor seinem Einfamilienhaus in Fischerdorf, einer Ruine, geflutet und ertränkt von den braunen Wassermassen, die vor knapp vier Wochen das kleine Dorf überschwemmt haben. Er weiß: Nichts ist hier mehr zu retten.

Acht Jahre hat die Familie gebraucht, um das alte Haus herzurichten. Sie ahnten nicht, dass die kleine Ortschaft in Deggendorf einmal traurige Berühmtheit erlangen würde. Alles war perfekt, „pikobello“, sagt Gruber. Sie verlegten neue Holzböden, wechselten Fenster und Türen, rissen Elektronik und Wasserleitungen aus den Wänden. Jetzt ist alles zerstört.

Lesen Sie mehr auf:
http://www.pnp.de/region_und_lokal/landkreis_deggendorf/deggendorf/848661_Familie-Gruber-Neuanfang-mit-Geld-von-der-PNP-Fluthilfe.html#348821980

 

Das alte Haus war gerade renoviert. Abbezahlt war es noch nicht. Dann kam die Flut nach Fischerdorf, und Familie Gruber verlor alles. Die PNP-Fluthilfe unterstützt sie nun mit 10 000 Euro Soforthilfe beim Neuanfang.

Schau mal Papa, in den Scheinwerfern von deinem Motorrad steht das Wasser“, ruft Maxi seinem Vater zu. Josef Gruber zuckt nur mit den Achseln. „Das ist nicht mehr zu retten“, sagt der 50-Jährige. Er steht vor seinem Einfamilienhaus in Fischerdorf, einer Ruine, geflutet und ertränkt von den braunen Wassermassen, die vor knapp vier Wochen das kleine Dorf überschwemmt haben. Er weiß: Nichts ist hier mehr zu retten.

Acht Jahre hat die Familie gebraucht, um das alte Haus herzurichten. Sie ahnten nicht, dass die kleine Ortschaft in Deggendorf einmal traurige Berühmtheit erlangen würde. Alles war perfekt, „pikobello“, sagt Gruber. Sie verlegten neue Holzböden, wechselten Fenster und Türen, rissen Elektronik und Wasserleitungen aus den Wänden. Jetzt ist alles zerstört.

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http://www.pnp.de/region_und_lokal/landkreis_deggendorf/deggendorf/848661_Familie-Gruber-Neuanfang-mit-Geld-von-der-PNP-Fluthilfe.html#348821980Das alte Haus war gerade renoviert. Abbezahlt war es noch nicht. Dann kam die Flut nach Fischerdorf, und Familie Gruber verlor alles. Die PNP-Fluthilfe unterstützt sie nun mit 10 000 Euro Soforthilfe beim Neuanfang.

 

Schau mal Papa, in den Scheinwerfern von deinem Motorrad steht das Wasser“, ruft Maxi seinem Vater zu. Josef Gruber zuckt nur mit den Achseln. „Das ist nicht mehr zu retten“, sagt der 50-Jährige. Er steht vor seinem Einfamilienhaus in Fischerdorf, einer Ruine, geflutet und ertränkt von den braunen Wassermassen, die vor knapp vier Wochen das kleine Dorf überschwemmt haben. Er weiß: Nichts ist hier mehr zu retten.

 

Acht Jahre hat die Familie gebraucht, um das alte Haus herzurichten. Sie ahnten nicht, dass die kleine Ortschaft in Deggendorf einmal traurige Berühmtheit erlangen würde. Alles war perfekt, „pikobello“, sagt Gruber. Sie verlegten neue Holzböden, wechselten Fenster und Türen, rissen Elektronik und Wasserleitungen aus den Wänden. Jetzt ist alles zerstört.

 

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http://www.pnp.de/region_und_lokal/landkreis_deggendorf/deggendorf/848661_Familie-Gruber-Neuanfang-mit-Geld-von-der-PNP-Fluthilfe.html#348821980

 

Nach der Flut fängt die Arbeit erst an

Veröffentlicht: Juni 29, 2013 von fluthelfer in Sachsen

Von Bernhard Honnigfort

„So geht das nicht weiter hier:“ Zwei Jahrhundertfluten reichen. Die Linkes und Schmidts aus Gruna wollen keinen neuen Deich. Sie wollen umsiedeln. Nun ist Krach im Dorf.

Ines Linke sucht die Katzen. Sie hastet mit einem Teller Futter auf dem Rasen hinterm Haus herum, irgendwo müssen sie doch sein. Endlich kommt eine. Nebenbei erzählt Ines Linke, wie es ihr gerade geht. „Wollen Sie wissen, was los ist? Ich kann nicht mehr schlafen“, sagt sie. „Wenn es anfängt zu regnen, kriege ich Schweißperlen auf der Stirn.“ Sie stellt den Teller ins Gras, die Katze kommt aus der Hecke geschossen und frisst gierig das braune Futter. Ihr Mann Andreas ist gerade mit Maler Krause gekommen. Sie stehen vorn am Gartentor. „Meine Frau ist ein Nervenbündel“, sagt Linke „So geht das nicht weiter hier.“

Er und der Maler gehen rein, ein modernes Haus, gelber Klinker, großzügig angelegt. An der braunen Haustür klebt noch der graue Schlamm. Drinnen alles ausgeräumt, die Fliesen aufgehackt, Höllenlärm, Bautrockner brummen, das Erdgeschoss ist leer, das Mobiliar oben. Es ist drückend heiß wie in einem Gewächshaus. „Das war mal mein schönes Haus“, ruft Linke. Neben dem Kachelofen klebt ein kleines Schildchen etwa in Kniehöhe am Türrahmen: „Hochwasser 2002“.

Vor dreizehn Jahren sind Andreas und Ines Linke eingezogen. Sie haben das Haus gebaut, es war ihr Traumhaus. Zwei Jahre später stand es etwa 80 Zentimeter unter Wasser, 80.000 Euro Schaden. Anfang Juni 2013, bei Jahrhundertflut Nummer zwei, waren es sechzig Zentimeter. Jetzt reicht es, zwei große Fluten in elf Jahren, das übersteigt das Ertragbare. Ihnen geht es wie vielen Flutopfern: Es fehlt die Kraft, alle paar Jahre komplett neu anzufangen. Sie fühlen sich nicht mehr sicher, sie schlafen schlecht, schrecken auf, wenn Regen aufs Dach fällt. Sie werden ganz unruhig, wenn in der Tagesschau wieder von einer 5b-Wetterlage die Rede ist, die sich über Polen, Österreich, Tschechien, Süd- und Ostdeutschland gebildet hat und in den nächsten Tagen Starkregenfälle schickt. Sie haben keine Ruhe und keine Freude mehr in ihren Häusern. „Ich liebe diese Gegend“, sagt Linke. „Ich komme von hier. Aber jetzt geht es nicht mehr, ich halte das nicht aus. Wir müssen weg.“

Eine Idylle, eine Katastrophe

Gruna in Nordsachsen zwischen Bad Düben und Eilenburg, ein kleines Dorf am Fluss Mulde, über 700 Jahre alt, 200 Einwohner. 70 Häuser, ein Kirchlein, der Wendenturm, das alte Rittergut und der Gasthof. Der Dorfkern liegt genau in einer malerischen Schleife des Flusses am Rand des Naturparks Dübener Heide. Wiesen, so weit das Auge reicht, Störche und Milane kreisen am Himmel. Eine Idylle, eine Katastrophe. In der Ferne mähen Bauern Gras und kehren es zusammen. Als Viehfutter unbrauchbar. Es stand unter Wasser, ist nur noch Müll. Ein Mann kommt mit einer Schubkarre voller Dreck aus seinem Haus. Er schwitzt, er ist schlecht gelaunt, kein Wunder. Er sagt, er schiebe schon den ganzen Tag Dreck. 2002 sei das Wasser wenigstens etwas sauberer gewesen. „Diesmal war es eine üble Brühe.“

Anfang Juni, als die Mulde zu einem Strom anschwoll und die ganze Gegend in einen großen See verwandelte, standen alle Häuser in Gruna im Wasser, 70 von 70. Das alte Gruna ist wie ein Topf, den man ins Land gedrückt hat. Wenn es über den Rand reinläuft, ist alles verloren. Das Dorf hat einen alten Ringdeich, einen Rand, aber er hilft nicht wirklich. Die Mulde brach durch, außerdem sprudelte Grundwasser aus Hausbrunnen von unten ins Dorf. Nicht zum ersten und nicht zum zweiten Mal. Andreas Linke will weg, er sagt, das Dorf sei nicht zu retten. Der Versicherungsmakler hat Unterschriften gesammelt. Ein Drittel der Leute, sagt er, will wegziehen wie er. Zwei Drittel wollen bleiben. Nun ist der Dorffrieden im Eimer. Was tun? „Es ist doch billiger, uns alle umzusiedeln“, sagt Linke. Er glaubt den Ankündigungen nicht, die aus der Landespolitik nach der Flut kamen: Der Deich soll verbessert und ausgebaut werden. Einen Polder will man anlegen, der Flutwasser aufnehmen kann. Etwa 5,5 Millionen Euro würde das alles angeblich kosten. 2014 soll das Planfeststellungsverfahren beginnen.

„Die sagen den Leuten nicht die Wahrheit“, schimpft er. „Wir werden hingehalten und eingelullt.“ Es müssten noch teure Pumpen her, die das Grundwasser in Schach halten könnten. Alles würde viel teurer, alles würde sich ewig hinziehen. Das kleine Gruna stehe jawohl nicht oben auf der Prioritätenliste. Er schimpft, er muss mal Dampf ablassen. Nach 2002 sei doch auch nichts richtig gemacht worden. Ein paar Spundwände, die nicht hielten. Fünf Vermessungstrupps seien im Dorf herumgerannt. „Und nichts ist seitdem passiert.“

Er ist wütend. Es sei doch besser, die Leute zu entschädigen und die ganze Gegend in ein Überflutungsgebiet umzuwandeln. Man könnte 500 Hektar Flutflächen schaffen, das sei sinnvoller. Und dann sagt er: „300.000 Euro Entschädigung und ich bin sofort weg.“ So viel will Linke für Haus und Grundstück haben. Damit könnte er anderswo in der Gegend neu anfangen. „Billiger geht es nicht.“

In Sachsen und den anderen von der Flut heimgesuchten Ländern wird genau das gerade diskutiert: Wo lohnt es, Deiche und Dämme zu verstärken? Wo muss zusätzlicher Flutraum geschaffen werden? Wo ist es klüger, Häuser und vielleicht ganze Orte aufzugeben? Sachsens SPD hat gerade einen Fonds gefordert, aus dem Umsiedler bezahlt werden sollen, die CDU/FDP-Landesregierung prüft die Idee, weiter und klüger ist man noch nicht.

„Die sagen den Leuten nicht die Wahrheit“

Die Teufel stecken ja auch in den Details, Beispiel Gruna: Soll man die einen entschädigen und umsiedeln und für den Rest, der bleiben möchte, dennoch eine Menge Geld ausgeben für höhere Deiche? Soll man womöglich alle zwangsumsiedeln, wie es im Braunkohlebergbau seit Jahrzehnten üblich ist? Ein heißes Thema, die Landesregierung in Dresden fasst es mit ganz, ganz spitzen Fingern an. Andreas Linke verhandelt mit dem Maler. Zwischendurch erzählt er. Er habe versucht, in Gruna eine Art Bürgerversammlung einzuberufen, um darüber zu reden, was werden soll. Aber nichts da, er sei direkt angefeindet worden, sagt er.

Die Mehrheit steht dagegen. „Lasst uns erst einmal aufräumen und zur Ruhe kommen“, meint Bürgermeister Lothar Schneider. Linkes Gerede vom Umsiedeln rücke alles nur in ein schlechtes Licht. Mitten im Ort steht ein kleiner Bauwagen. Er war Schneiders Krisenzentrum während der Flut. Dramatische Szenen spielten sich ab. Das Dorf musste von Bundespolizisten aus Hessen per Hubschrauber evakuiert werden. Nun wird aufgeräumt. Es riecht muffig, vor jedem Haus entlang der Dorfstraße liegen Berge aus Schutt, abgeklopftem Putz, Fliesen, Steinen, Sperrmüll. „Die Leute wollen wieder aufbauen“, sagt der Bürgermeister. „Oder sieht so ein Dorf aus, das aufgegeben hat?“ Das Dorf ist gespalten. Antje Bieligk, die Wirtin vom Fährhaus, will weitermachen. Seit 1806 gebe es einen Fährbetrieb, seit 1860 stehe ein Fährhaus hier. „Nie sind die Menschen weggelaufen. Wir tun es auch nicht.“ Sie ist verärgert wie viele in Gruna. Die ganze Debatte um Umsiedlung schade nur, sagt die blonde Frau. „Wer hilft denn einem Dorf, das von der Hälfte aufgegeben wird?“

Genau gegenüber vom Gasthaus auf der anderen Straßenseite wohnt seit mehr als 30 Jahren Friedhelm Schmidt mit seiner Familie. Der 57-Jährige, seine Frau Marlies, die schwerbehinderte Schwiegermutter, sein 86-jähriger Vater, alle wurden per Hubschrauber ausgeflogen. „Es reicht“, sagt Schmidt. „Wir werden gegen den Fluss nicht ankommen.“ Er hat schon so oft seinen Keller ausräumen müssen, dass er gar nicht mehr weiß, wie oft. „Mein Vater wurde bei Hochwasser geboren“, erzählt er. Schmidt ist ein ruhiger Mann, der nicht zu Hysterie und Panikmache neigt. „Das hat doch keinen Sinn mehr hier“, sagt er. Der alte Hühnerstall hinter ihm hat seit der Flut 2002 einen fingerbreiten Riss im Mauerwerk.

Noch einmal will er das nicht erleben. Er fühlt sich nicht alt, aber er fühlt sich zu alt, um alle drei oder fünf Jahre seine Familie zu retten und sein Haus untergehen zu sehen. „Oben an der Zufahrtsstraße nach Gruna könnte man doch neu anfangen“, sagt er. Hoch genug sei das Gebiet, Platz für alle sei genügend, außerdem sei es öffentlicher Grund und nicht Privatbesitz. „Neu-Gruna“, sagt er, „warum denn nicht.“

Quelle: fr-online.de

 

Das Wasser ist weg, die Pegelstände wieder normal, doch die Sorgen bleiben. Für die Betroffenen rächt sich jetzt, dass es keinen adäquaten Versicherungsschutz in potenziellen Hochwassergebieten gibt. Von Hermann Weiß

Es ist, sagt Matthias Ziegler, eigentlich alles ganz einfach: „Wenn ich kein Geld kriege, mache ich nicht weiter.“ Dem Passauer Holzhändler ist es in den vergangenen Wochen ergangen wie vielen Betroffenen in den Hochwassergebieten Niederbayerns: Er hat Honoratioren und Politiker bis hinauf zu Ministern und Ministerpräsidenten, der Bundeskanzlerin und dem Bundespräsidenten kommen und gehen sehen. Aber weder haben sie ihm den Dreck weggeräumt, noch, sagt Ziegler, gibt es bisher eine Aussage darüber, ob er eine Entschädigung bekommt, wie hoch die sein wird und wann er damit rechnen kann.

Dabei ist der Passauer sogar noch in einer privilegierten Situation. Über 600 Menschen sind vor knapp zwei Wochen auf die Straße gegangen – nicht direkt für ihn, wohl aber für den Erhalt und die baldige Wiedereröffnung des ScharfRichterHauses, das Matthias Ziegler neben der Holzhandlung in seinem Haus in der Milchgasse 2 auch noch betreibt.

12,89 Meter, zwei Meter höher als bei der letzten Flut 2002, stand das Wasser dieses Mal im ScharfRichterHaus. „Die letzten 20 Jahre“, sagt Ziegler, „habe ich hier mein Geld investiert. Jetzt ist bis auf die Küche alles kaputt.“ Die Kleinkunstbühne, in der unter anderem Sigi Zimmerschied und Bruno Jonas groß geworden sind, die heute zu den ersten Adressen des politischen Kabaretts in der Bundesrepublik gehört, steht vor dem Aus.

Ziegler muss es schultern, kann es aber nicht

„Man sollte Himmel und Hölle, respektive eventuell nur die Hölle (der Himmel hat kein Interesse an Kleinkunstbühnen) in Bewegung setzen, dass das ScharfRichterHaus weiterhin bestehen kann“, fordert zum Beispiel der Kabarettist Günter Grünwald. Doch für derlei feinsinnig gedrechselte Bonmots kann sich Matthias Ziegler genauso wenig kaufen wie für alle noch so gut gemeinten Solidaritätsadressen.

Im Gegenteil. Ausgerechnet Ziegler läuft jetzt Gefahr, zum Buhmann zu werden, wenn er auf den subtilen Druck, der von der kulturinteressierten Öffentlichkeit, aber auch aus dem Umfeld im ScharfRichterHaus an ihn herangetragen wird, mit einer simplen Gegenrechnung reagiert. „Letztlich muss ich es schultern“, sagt Ziegler. „Und so, wie es jetzt ausschaut, kann ich das nicht.“ Das sei keine Erpressung. Er bettele auch nicht um Geld. „Aber so ist die Situation.“

Immerhin: Der Passauer bekommt die Aufmerksamkeit, die andere nicht bekommen. Sein Fall sticht heraus. Einerseits. Andererseits ist er auch repräsentativ, wenn Ziegler etwa auf die Frage nach seinem Versicherungsschutz nur mit den Schultern zuckt.

„Versicherungen? Die nehmen mich nicht“, sagt er. Das ScharfRichterHaus in der Milchgasse in der Passauer Altstadt gilt als Überschwemmungsgebiet, Versicherer winken da nur dankend ab. „Ein Unding“, meint Dietrich von Gumppenberg. Der Baron aus Bayerbach in Niederbayern, wirtschaftspolitischer Sprecher der Landtags-FDP, kann sich darüber erregen, dass „der Zusammenstoß zweier Boeings in der Luft versicherungstechnisch kein Problem sein soll“, während man die Bewohner potenzieller Überschwemmungsgebiete sich selbst überlässt.

Was das bedeutet, davon hat sich der über 70-Jährige in diesen Tagen, vor Ort, selbst ein Bild gemacht. Gumppenberg berichtet von einem Metzger in Niederaltaich, der sich gegen das Hochwasserrisiko versichern wollte: „Erst wurde er abgewiesen. Später hat man ihm eine Versicherung zu einem exorbitant hohen Preis angeboten. Die konnte er sich nicht leisten. Schadensbilanz jetzt, nach der Flut: zwischen einer halben und einer dreiviertel Million Euro. Der Mann weiß nicht mehr weiter.“

Versicherungsschutz für alle zugänglich und bezahlbar

Fälle wie diesen lässt Dietrich von Gumppenberg gerade sammeln, das Dossier soll als Arbeitsgrundlage für ein Gespräch mit der Versicherungswirtschaft, mit Banken und Wirtschaftsvertretern dienen. „Ziel muss es sein, einen Versicherungsschutz zu definieren, der allen zugänglich und für alle bezahlbar ist.“ Gumppenberg, der schon immer zumindest eigenwillig war und gelegentlich auch mit Vorschlägen der abgefahrenen Art („Hitzefrei für alle!“) von sich reden machte, rechnet sich für seine Initiative zumindest Chancen aus. Denn es geht nicht nur um Einzelschicksale. Auch viele mittelständische Unternehmen stehen mit den Rücken zur Wand.

Mehr als 1000 Betriebe sind nach Angaben der IHK Niederbayern vom Hochwasser in Mitleidenschaft gezogen worden. „In Fischerhäuser bei Deggendorf etwa hat es einen BMW-Zulieferbetrieb getroffen“, sagt Dietrich von Gumppenberg: „Neben dem Sachschaden von fünf bis acht Millionen Euro stehen hier auch die Arbeitsplätze von gut 100 Menschen auf dem Spiel. Und auch in diesem Fall war es so, dass kein Versicherungsunternehmen den Betrieb gegen das Hochwasserrisiko versichern wollte.“

Er sei zuversichtlich, dass man beim angestrebten Round Table-Gepräch „zu einer guten Lösung“ für die Zukunft kommen werde, so Gumppenberg. Es könnte aber auch sein, dass er das tricky Business unter- und die Verhandlungsbereitschaft der Versicherer überschätzt. Denn wenn es stimmt, was die Verbraucherzentrale Bayern sagt, dann geht die Branche im Umgang mit den Flutopfern längst ihren eigenen Weg – und profitiert dabei von den „uneinheitlichen Vorgaben zur Auszahlung von Soforthilfen für Hochwasseropfer“ in Landkreisen und Kommunen.

So müssten beispielsweise Geschädigte im Landkreis Deggendorf, deren Haus in einem nicht versicherbaren Gebiet liegt („Gefährdungsklasse IV“), sich erst von einer Versicherung bestätigen lassen, dass ihr Gebäude tatsächlich nicht versichert werden konnte, um Geld zu bekommen. Clevere Versicherer könnten die Gelegenheit nutzen, „Betroffene als Neukunden für andere Versicherungssparten zu gewinnen“, warnen die Verbraucherschützer.

Können sich bald noch weniger Menschen versichern?

Außerdem könnten die Versicherungen auf diesen Weg an Daten kommen, die sie brauchen, um eine Region in Zukunft in die höchste Gefährdungsklasse, mit besonders hohem Hochwasserrisiko, einzustufen. Konsequent zu Ende gedacht – und unter Berücksichtigung der Tatsache, dass die Flut in diesem Jahr auch Gebiete traf, die selbst Hochwasserexperten nicht auf der Rechnung hatten – würde das bedeuten, dass sich noch weniger Menschen gegen die Risiken einer Flut wappnen könnten.

Gerade jetzt, nachdem die Pegelstände sich wieder auf Normallevel eingependelt haben und das ganze Ausmaß der (Milliarden-)Schäden sichtbar geworden, kämpfen die Menschen in den niederbayerischen Überschwemmungsgebieten mindestens so sehr wie gegen die Folgen der Flut – gegen das Gefühl der eigenen Ohnmacht. Die Frage ist nicht, ob sie etwas tun können. Die Frage ist, ob sie etwas ausrichten können und ob diese Anstrengung reicht, um sich und das, was ihre Existenz gewesen ist, wieder in die Spur zu bringen. Auf wen können sie dabei zählen?

Nicht nur auf sich selbst. Das ist auch eine Erfahrung der letzten Zeit. Weil klar war, dass es nicht von heute auf morgen Geld regnen würde, dass es aber auch nichts hilft, den Kopf in den Sand zu stecken, haben Leute wie der Deggendorfer Webdesigner Thomas Hermanns und der Passauer Student Peter Schnoor ihre ganze Social Media-Kompetenz in eilends konzipierte Internet-Plattformen wie hochwasser-passau.de oder hochwasser-niederbayern.de gepackt, um auf diese Weise Hilfsbedürftige mit Hilfswilligen zu vernetzen. Die Angebote fallen bisweilen rührend aus, wenn etwa „Spielzeug-Lkws für Kinder, alle original in Schachteln“ angeboten werden. Ein paar Smarties tummeln sich auch auf den Seiten, die gleich mit billigen Krediten zur Stelle sind. Aber in der Regel geht es handfest zu, Hobby-Landwirtin Tine etwa verleiht ihre Maschinen, kostenlos für Aufräumungsarbeiten.

„Bayern ist in diesen Tagen zusammengerückt“, meint Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) und, ja, es ist was dran. Allein der BR hat bisher 9,6 Millionen Euro für die Hochwasseropfer im Freistaat gesammelt. Eine vom Veranstalter Till Hofmann auf die Beine gestellte Promi-Band hat einen Flut-Aid-Song ins Internet gestellt („Weida miteinand“), der für ca. 1 Euro unter anderem bei iTunes und google play heruntergeladen werden kann. All das ist toll. Aber klar ist auch: Es wird nicht reichen.

Quelle: welt.de

Während die Menschen in der Region noch immer mit den Aufräumungsarbeiten beschäftigt und die Gesamtschäden noch gar nicht bezifferbar sind, rollt schon die nächste Flutwelle gen Norden. Bis nächsten Donnerstag soll das Wasser in der Elbe auf über 5 m ansteigen. Ungefährlich, sagt nicht nur Ulrich Flöter, Deichverbandschef von Gartow.

Starker Regen in Sachsen hatte die Elbe in den vergangenen Tagen wieder anschwellen lassen. Doch in Sachsen-Anhalt bleibt man gelassen: die Deichbruchstelle bei Fischbek ist inzwischen stabil verschlossen und die Deiche wurden an kritischen Stellen verstärkt. Trotzdem will man im Nachbarland die aufgeweichten Deiche „intensiv beobachten“.

Auch Ulrich Flöter, Deichverbands-Chef in Gartow, bleibt gelassen. „Wir erwarten bis Donnerstag einen Wasserstand von 5,90 m in Schnackenburg,“ so Flöter am Samstag. „Das bedeutet, dass viele Wiesen wieder überschwemmt werden, aber für die Deiche bedeutet das keine Gefahr.“ Die Seegeniederung bei Vietze, Uferbereiche des Gartower Sees und die Elbwiesen werden durch das neuerliche Hochwasser allerdings wieder überschwemmt. Auch die Seegebrücke bei Meetschow könnte eventuell nach Angaben Flöters für ein, zwei Tage unpassierbar werden. „Aber ansonsten haben wir nichts zu befürchten,“ ist der Deichfachmann sicher.

Aufgrund des neuerlichen Hochwasser entschied der Deichverband, dass die Tore vom Schnackenburger Hafen zum Aland erst später geöffnet und auch die Sandsäcke noch liegen bleiben. „Wir haben den Rückbau um eine Woche verschoben,“ so Flöter.

Ernst-August Schulz, Fachmann für Waserwirtschaft, geht von deutlich niedrigeren Wasserständen als 5,90 m aus. Er gibt auch für die anderen kritischen Bereiche in Lüchow-Dannenberg Entwarnung. „Wir werden wie in Sachsen-Anhalt die aufgeweichten Deiche sorgfältig beobachten müssen und der Rückbau wird in kritischen Bereichen aufgeschoben. Weitere Maßnahmen sind allerdings nicht erforderlich,“ so Schulz.

Auch die Anwohner in Vietzes niedrig gelegenen Ortsteil müssen nicht befürchten, dass ihre Häuser nochmals überflutet werden.

Quelle: wendland-net.de

 

Internationale Solidarität

Veröffentlicht: Juni 29, 2013 von fluthelfer in Landkreis Lüchow-Dannenberg
Hamburger Konsularkorps spendet 5000 Euro für Flutopfer an der niedersächsischen Elbe

rg Hitzacker. Von den dramatischen Ereignissen an der niedersächsischen und sachsen-anhaltinischen Elbe hatten Manuel Fernández Salorio und Prof. Dr. Horst Siedentopf aus den Nachrichten erfahren. Und das, obwohl beide in Hamburg leben, einer Stadt, die ebenfalls an der Elbe liegt. »Doch bei uns kam kaum Hochwasser an, die Elbe stieg gerade mal um weniger als einen Meter», erinnert sich Siedentopf, Honorarkonsul des Königreiches Marokko. Die Bilder aus dem Katastrophengebieten weckten jedoch in ihm und seinem Kollegen, dem Generalkonsul der Republik Argentinien, den Wunsch, zu helfen. Und so riefen sie im Corps Consulaire der Hansestadt eine Spendenaktion ins Leben. Die brachte 5 000 Euro zusammen, und dieses Geld brachten die beiden Konsule jetzt dorthin, wo es dringend gebraucht wird: nach Lauenburg und in die Lüchow-Dannenberger Elbtalaue. 2 500 Euro für die Hochwasseropfer an der Lüchow-Dannenberger Elbe nahmen gestern Samtgemeindbürgermeister Jürgen Meyer, die erste Samtgemeinderätin Petra Steckelberg und Hitzackers Bürgermeister Holger Mertins aus den Händen der beiden Konsule entgegen. »Und wenn sie noch etwas brauchen, wenn wir noch irgendwie helfen können, dann lassen Sie es und wissen», versprach der argentinische Regierungsvertreter mehr Hilfe, sollte sie nötig sein oder werden. »Wir tun, was wir können.» Er könne sich gut in die Lage der Betroffenen versetzen, sagte Generalkonsul Manuel Fernández Salorio. In seiner Heimat sei gerade erst eine Hochwasserkatastrophe überstanden, und die nächste rolle gerade aus Richtung Brasilien auf die Menschen, die an den großen argentinischen Flüssen leben, zu, berichtete er aus seinem Heimatland.

Jürgen Meyer hatte den beiden Regierungsvertretern einen Überblick über die Geschehnisse in den zurückliegenden drei Wochen gegeben und sie tief beeindruckt mit Holger Mertins und Petra Steckelberg auf eine Tour entlang der Elbe zwischen Dannenberg und Hitzacker geschickt. In Penkefitz, Wussegel und Hitzacker machten sie sich selbst ein Bild von dem enormen Pegelstand der Elbe und dem Glück, dass die Elbmasrch und die Jeetzelniederung in diesem Unglück noch hatten. »Sie haben hier sicher schwere Monente erlebt», versetzte sich der marokkanische Konsul in die Situation in der Elbtalaue während des Hochwasserhöhepunkts. »Aber sicher auch große Momente der Hilfsbereitschaft, des Zusammengehörigkeitsgefühls und der Verbundenheit», fasste er präzise zusammen, was sich in den beiden Hochwasserwochen in Lüchow-Dannenberg abspielte.

Quelle: ejz.de