Mückenplage Nach dem Hochwasser kommen die Mücken

Veröffentlicht: Juni 28, 2013 von fluthelfer in Hochwasserfolgen

 

Nach dem Hochwasser haben Mücken den Auwald bei Plattling erobert. Hier geht niemand freiwillig rein, es sei denn, er hat ein professionelles Interesse – zum Beispiel der Landschafts-Ökologe Hans Schmidt, der solche Plagen verhindern will.

Überschwemmungsmücken werden zur Plage

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Im Auwald von Plattling: Mückenschwärme ohne Ende. Aber das sind keine normalen Mücken, es sind Überschwemmungsmücken. Ihre Eier können bis zu 10 Jahre im Boden überdauern und dann entwickeln sich bei Hochwasser innerhalb kürzester Zeit Millionen Mücken. Wie kann man solche Massen schnell und wirkungsvoll bekämpfen?

Plattling war eine der ersten Kommunen, die nach der Flut reagierten: Bürgermeister Erich Schmid hatte bereits vor zwei Jahren eine Bestandsaufnahme der Mückengebiete durch die Wissenschaftler Martin Geier und Hans Schmidt machen lassen. Sie ist die Grundlage,  um die Mücken überhaupt bekämpfen zu können.

„Sie können bei uns, wenn in einem Mückenjahr sehr, sehr viele Mücken geschlüpft sind, sich abends fast nicht mehr ins Freie begeben. Das ist natürlich auch ein wirtschaftlicher Schaden für unsere Gastronomie. Und zum dritten haben wir in diesem Jahr auch noch zusätzlich die Gefahr, dass die Mücken Krankheiten übertragen könnten, aufgrund der vielen toten Tiere, die in den Auwäldern, in den Wiesen liegen, wollen wir den Bestand so gering wie möglich halten.“

Erich Schmid, Bürgermeister der Stadt Plattling, Lkr. Deggendorf

Umsichtige Planung in Plattling

Den Antrag für eine Bekämpfung hatte Erich Schmid lange vor der Flut gestellt. Ein Jahr lag er bei der Regierung von Niederbayern, vor drei Wochen kam endlich die Zusage. Anschließend musste alles sehr schnell gehen: Binnen weniger Tage war der Wirkstoff aus dem Bacillus thuringiensis israelensis, kurz Bti, vor Ort. Der Bauhof Plattling nutzt zwei Formen des Präparats: Spritzmittel und Granulat. Das Granulat hat den Vorteil, dass es auch durch Blätter und Äste hindurch fällt, direkt auf die Wasseroberfläche.

Ein selektiver Wirkstoff

Der Wirkstoff zerstört den Darm der Mückenlarven und wirkt selektiv, andere Lebewesen sind nicht betroffen. Aber das Mittel schlägt nur in einem kurzen Entwicklungsstadium an. Sobald sich die Larven verpuppen, nehmen sie keine Nahrung mehr auf, und dann ist auch der Wirkstoff machtlos. Zur Bekämpfung bleibt unterm Strich nur ein Zeitfenster von vier bis fünf Tagen.

Verbreitung in Windeseile

Im Auwald ist es dieses Jahr für Hilfsmaßnahmen zu spät: Die Mücken sind bereits geschlüpft und haben nun eine Flugreichweite von 10 bis 15 Kilometern, genug, um benachbarte Städte und Dörfer zu erreichen.

Überschwemmungsmücken sind auch am Tag aktiv. Ihre Eier können bis zu zehn Jahre im Boden überdauern, brauchen aber nur anderthalb Wochen, um sich nach einer Überschwemmung zu entwickeln. Dr. Martin Geier, Biologe: „Dann sind alle auf einen Schlag in der Luft. Diese Überschwemmungsmücken kommen total schnell in extrem großen Massen.“

„Wir sind völlig überrascht worden von diesem Hochwasser. Wir haben riesige Flächen, die zu bekämpfen wären, das werden wir nicht schaffen.“

Erich Schmid

Erfolge am Oberrhein

Woanders ist man bereits weiter: Am Oberrhein wird das Bti-Präparat seit über 30 Jahren zur Mückenbekämpfung eingesetzt, flächendeckend, aus der Luft. Eine kommunale Aktionsgemeinschaft aus 100 Städten und Gemeinden koordiniert den Einsatz, systematisch und effektiv. Genau das fordert Biologe Martin Geier auch für Bayern. Denn hierzulande fehlt bislang ein professionelles Mückenmanagement in einer solchen Größenordnung.

„Hier müssen Konzepte langfristig erarbeitet werden und man braucht für solche großräumigen Bekämpfungskonzepte sehr viel Zeit zum Lernen, man braucht Organisationsstruktur, einen Verein, der sich gründet. Das geschieht nicht von heute auf morgen und in fünf Tagen. Sie müssen die Flächen kartieren – ansonsten wird man immer wieder überrascht von dem Hochwasser.“

Martin Geier

Zwischen Bangen und Hoffen

In den nächsten Tagen werden die Wissenschaftler noch einmal herkommen – um zu schauen, ob hier, in den Isarauen bei Plattling, derzeit eine zweite Mückengeneration heranwächst. Vielleicht haben sie ja Glück im Unglück, die Menschen an Donau und Isar – und ein Sommer mit mehreren Mückenwellen bleibt ihnen erspart.

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