Asyl für Galloway-Rinder

Veröffentlicht: Juni 28, 2013 von fluthelfer in Bayern
Hilfe für Hochwassergeschägte: Benno Wieser nimmt 16 vom Hochwasser vertriebene Rinder aus Haag an der Amper auf
Die Wiesmühler Highland Cattles haben schottischen Besuch. Fünf Galloway-Kühe und drei Kälber aus Haag an der Amper sind am Sonntag in Wiesmühl angekommen, acht weitere Tiere folgen. Benno Wieser gewährt den Tieren Asyl. Ihre heimatliche Weide war nach einem Dammbruch in den Fluten der Amper versunken. „Ich hab davon über Facebook erfahren und Kontakt zu den Besitzern aufgenommen“, erzählt Wieser. „Wenn die Tiere sich mit meinen Hochlandrindern vertragen, dann können sie auf unsere Weide am Schederbach. Platz genug haben wir.“

„Natürlich spende ich auch für die Hochwasseropfer. Ich wollte es aber nicht einfach nur bei einer Geldspende belassen, ich möchte ganz praktisch helfen“, sagt Wieser. Deshalb stellte er der Hochwasserhilfe Traunstein eine Brauereihalle zur Verfügung, in der Sachspenden abgegeben, gelagert und abgeholt werden können. Organisiert wird das Ganze von Britta Rummel aus Seeon und Petra Zitzelsberger aus Traunstein. Und auf der Wiese neben dem Gelände der ehemaligen Brauerei weiden jetzt einträchtig Galloways und Highland Cattles.

Eigentlich taugt’s den Aberdeen-Angus-Rindern und den Galloways in der Natur. Das ganze Jahr können die Tiere im Freien verbringen. Eigentlich. Sie – beziehungsweise ihre Vorfahren – sind ja einiges gewöhnt aus ihrer Heimat Schottland. Hochland ja, aber Hochwasser? Die Rinderherde aus Haag im Landkreis Freising war kurz vor dem Absaufen. Mit knapper Not konnten die Besitzer Carla und Siegfried Wagner ihre Rinder auf eine Notweide lotsen. Keine Dauerlösung – zum einen schwappte die Brühe aus Amper- und Abwasser auch auf diese Notweide, zum anderen hat sie nur 200 Quadratmeter. Viel zu klein für 40 Tiere.

Die Wagners starteten einen Notruf in der Lokalzeitung, der dann auch bei Facebook landete. „Wir brauchen dringend Weideland“, hieß es da. Rund drei Hektar – die Wiesmühler Weide hat zehn Hektar. Dort können sich die Kühe und Kälber jetzt von den Strapazen erholen. „Ich bin während des Hochwassers öfter an der Alz gestanden und hab mir das angeschaut. Wasser und Sturm – das sind Gewalten, die mich erschrecken“, erzählt Wieser. „Aber nachdem klar war, dass unsere Region relativ glimpflich davonkommt, wollte ich unbedingt den Leuten helfen, die’s erwischt hat.“

Wagner glaubte seine Tiere schon verloren. 1994 hatte er Ähnliches erlebt: Die Amper war über die Ufer getreten und ließ den Tieren am höchsten Punkt der Weide gerade noch Platz. Doch diesmal kam’s schlimmer: Nach einem Dammbruch waren die Wassermassen nicht mehr zu bändigen. „Für uns war das eine Katastrophe“, schildert Wagner. Etwa 100 Rinder hat der Konditormeister und Galloway-Züchter aus Leidenschaft, wie er von sich selbst sagt. Seit 1980 züchtet er im Ampertal Robustrinder in Mutterkuhhaltung. Seine „Landschaftspfleger im Zottelfell“ sind sein Ausgleich zum Brotberuf Bäcker. Seine „Elitezucht Ampertal“ hat mehrere Bundessieger hervorgebracht, sein Renommee ist entsprechend groß: 2008 wurde der Haager vom International Commitee of Judges als erster deutscher Punktrichter zur Royal Highland Show nach Edinburgh eingeladen.

Nur ein paar Stunden hatte die Familie Wagner Zeit, die Tiere zu retten, nachdem der Damm gebrochen war. Doch die Rinder ließen sich nicht auf die angrenzende Notweide treiben, auch nicht mit Hilfe der Haager Feuerwehr. „Die hätten durchs Wasser gehen müssen – und das machen sie nicht.“ Also schnitt Wagner alle Drahtzäune auf, „damit sie sich wenigstens daran nicht verletzen, wenn sie doch schwimmen müssen“.

Alleine lassen konnte der Konditor seine Tiere aber auch nicht. Er, seine Frau Carla und Mitarbeiter Josef starteten einen letzten Versuch: Um die Überschwemmung herum wollten sie die Rinder auf die Notweide treiben, etwa einen Kilometer weit. Kaum zu machen, zumal zur Herde neun Kälbchen gehören. Das kleinste davon blieb erschöpft im Wasser liegen. Mit dem Frontlader rettete Wagner das schwache Tier, kurz bevor es die Fluten überspülten.

Die Weide ist vorerst nicht zu gebrauchen. Amper und Abwasser haben Schlamm hinterlassen. „Diesen Sommer ist das Gelände nicht mehr beweidbar“, sagt Carla Wagner. „Wir werden es nur abmähen und das Mähgut entsorgen.“ In der Zwischenzeit erholen sich ihre Rinder erst einmal in Wiesmühl. Als erstes haben sie Bekanntschaft mit dem Esel, den Ziegen und Schafen macht. Die einheimischen Kolleginnen haben sie anfangs noch misstrauisch beäugt, und dem Bullen war der plötzliche Populationszuwachs eher noch suspekt – er zog sich in seinen Verschlag zurück. Aber wenn der seinen Job ernst nimmt, dann gibt’s womöglich demnächst Nachwuchs. Highwater Cattles.

Quelle: wochenblatt.de

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