Archiv für Juni 28, 2013

Hochwasser 2013: Viel mehr Regen als 2002

Veröffentlicht: Juni 28, 2013 von fluthelfer in Zentrale der Deutschen Fluthilfe

Extreme Ausschläge hat das Juni-Wetter in Deutschland gebracht, auch wenn die Durchschnittswerte wenig spektakulär sind. Es begann mit Fluten vom Himmel, die im Süden und Osten zu nie dagewesenen Überschwemmungen führten.

In der Woche vom 26. Mai bis zum 2. Juni gingen nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) im ganzen Land 22,8 Billionen Liter Regen nieder – das ist etwa sieben Mal so viel Wasser wie in den Starnberger See passt. Im August 2002, bei der letzten Elbe-Flut, seien drei Billionen Liter weniger gefallen, sagte Gerhard Lux vom DWD in Offenbach am Donnerstag.

Regional fällt die Regenbilanz sehr unterschiedlich aus: Bundesweit weist die DWD-Monatsstatistik 98 Liter Regen pro Quadratmeter aus, normal sind 85 Liter pro Quadratmeter. Sachsen-Anhalt, eines der am schwersten vom Hochwasser betroffenen Bundesländer, bekam von oben nur wenig ab, musste aber die übervolle Elbe verkraften. Nach der DWD-Bilanz fielen in Sachsen-Anhalt nur 50 Liter Regen pro Quadratmeter, das ist sogar weniger als der langjährige Juni-Durchschnitt von 63 Litern pro Quadratmeter.

In Sachsen fiel mehr als das Doppelte des für den Juni üblichen Regens: 190 Liter gingen auf jeden Quadratmeter nieder, damit war Sachsen das nasseste Bundesland. Auf Platz zwei folgt Bayern mit 150 Litern pro Quadratmeter, 38 Liter mehr als normal. An manchen Orten kamen noch erheblich größere Regenmengen zusammen: In Aschau-Stein im Chiemgau prasselten in nur zwei Tagen am 2. und 3. Juni 275 Liter pro Quadratmeter herunter.

Kurz aber heftig war die Hitzewelle danach. Saharaluft trieb die Temperaturen zwischen dem 17. und 20. Juni vielerorts auf über 35 Grad. Am heißesten war es bei Würzburg – in Kitzingen wurden am 19. Juni 37,1 Grad gemessen. Eine Woche später waren die Temperaturen im ganzen Land um 20 Grad abgestürzt, so dass in der Monatsbilanz nur ein kleines Plus von 0,4 Grad gegenüber dem langjährigen Juni-Wert herauskommt. (dpa)

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Pegelstände steigen wieder leicht an

Veröffentlicht: Juni 28, 2013 von fluthelfer in Madgeburg

 

Obwohl die Pegelstände von Schwarzer Elster und Elbe wieder steigen, rechnet die Hochwasserschutzzentrale Sachsen-Anhalts nicht mit einer bedrohlichen Lage. Die Auswirkungen der Regenfälle in Tschechien und Sachsen werden wahrscheinlich am Wochenende Sachsen-Anhalt erreichen, sagte eine Sprecherin am Freitag. Von einem Hochwasser wie vor 14 Tagen sei aber nicht auszugehen. Die Deiche, wie in Fischbeck und Breitenhagen, würden intensiv überwacht. Nach Angaben der Krisenstabes der Landesregierung sind noch 815 Menschen im Land von Evakuierungen betroffen, hauptsächlich im Landkreis Stendal.

Unterdessen hat der Bundestag den Hilfsfonds für die Flutopfer im Höhe von acht Milliarden Euro gebilligt. Das Aufbauhilfegesetz sowie der Nachtragshaushalt für zusätzliche Schulden wurden einstimmig vom Parlament beschlossen. Am Freitag nächster Woche soll auch der Bundesrat grünes Licht geben, damit der Fonds nach einem parlamentarischen Schnellverfahren starten kann. (dpa/sa)

Hannover 96 kommt zum Benefizspiel nach Halle

Veröffentlicht: Juni 28, 2013 von fluthelfer in Halle

 

Fußball-Bundesligist Hannover 96 kommt für ein Benefizspiel nach Halle. Am 28. Juli (16.00 Uhr) spielen die Niedersachsen im Erdgas-Sportpark gegen den Drittligisten Hallescher FC. Das teilte der HFC am Freitag mit. Grund sind die Flutschäden, die das Saale-Hochwasser am EVH-Zentrum der HFC-Fußballjugend anrichtete. Das Gelände am Sandanger, welches schon 2011 von einer Flut-Katastrophe heimgesucht worden war, wurde diesmal völlig zerstört.

Hannover 96 reist zwei Wochen vor dem Start der 51. Bundesligasaison mit dem Profikader an. Die Einnahmen des Benefizspiels kommen dem EVH-Zentrum der HFC-Fußballjugend zugute. (dpa/sa)

Heimat in Trümmern

Veröffentlicht: Juni 28, 2013 von fluthelfer in Deggendorf

Von André Jahnke

Das Hochwasser in Deutschland geht allmählich zurück, die Pegelstände sinken langsam. Im bayerischen Deggendorf allerdings stehen die Menschen nach der Flut vor neuen Katastrophen.

Deggendorf – Rosemarie Seidler hält ein Bild aus den guten Tagen in den Händen. Die Luftaufnahme aus den 1980er Jahren zeigt ihr Haus im bayerischen Deggendorf, als frisches Grün das Gebäude umrahmte. Ihr Ehemann Dietmar zeigt eine Aufnahme, die mitten in der Hochwasserkatastrophe vor drei Wochen entstanden ist. Das Haus im Stadtteil Fischerdorf ragt nur wenige Meter aus der Seenlandschaft heraus.

An der ehemals grünen Hecke, die das Grundstück der Seidlers umrahmt, zeichnen sich noch immer die einzelnen Wasserstände in Grau und Braun ab. Innen ist es wie in einem Rohbau, die Böden sind herausgerissen, die Möbel fortgeräumt. Auf der Terrasse hat Rosemarie noch Erinnerungsstücke gestapelt. Die Familienalben sind vom öligen Wasser verklebt – grauschwarze Schlieren laufen an den 37 Jahre alten Kinderbildern des Sohns herunter. „Das ist doch furchtbar, die Bilder kriegen wir doch nie mehr wieder“, sagt die 71-Jährige. Dietmar Seidler trauert seiner Schallplattensammlung nach und vor allem seiner elektrischen Eisenbahn. „Als kleiner Junge habe ich angefangen zu sammeln, jetzt ist alles weg“, sagt der 74-Jährige.

Rote Rosen als Hoffnung

Vor einer Woche sind die Seidlers erstmals in ihr Haus gekommen – in der Schaufel eines Baggers sitzend wurden sie durch das Hochwasser bis an die Haustür gefahren. „Ich habe nur noch geweint, als ich die Tür aufgemacht habe und alles durcheinander schwamm“, sagt Rosemarie Seidler. 1972 hatten sie das Haus für die Schwiegermutter gebaut. Nach deren Tod waren sie selbst 1989 eingezogen, hatten renoviert und eine Ölheizung eingebaut. Etwa 5000 Liter Heizöl liefen nun aus, verdreckten Haus und Garten. „Wir haben aber wenigstens noch unser Haus, im Gegensatz zum Nachbarn.“

Wenige hundert Meter entfernt steht Josef Straßer vor einem Neuanfang. Das Haus sei nicht mehr zu retten, sagt der 62-Jährige. „Das Wasser hat sich bis in den ersten Stock gedrückt und die Decke zerstört. Wir müssen abreißen.“ Der städtische Kraftfahrer lebt seit 53 Jahren in dem Haus, verbrachte seine Kindheit und Jugend mit seinen neun Geschwistern dort. Als vor vielen Jahren nebenan die Autobahn A 3 Regensburg-Passau gebaut wurde, glaubte er vor dem Hochwasser sicher zu sein.

Dann brach ein Damm an der Isar, das Wasser überspülte die Autobahn und Teile Deggendorfs. „Ich werde auf diesem Grundstück neu bauen, es ist schließlich meine Heimat. Was soll ich sonst tun?“ sagt Straßer. Hoffnung macht ihm ein Motiv im Garten: Alle Pflanzen sind durch das ölige Wasser eingegangen, nur an einem Strauch blühen rote Rosen. „Wenn die Rosen es schaffen, dann ich auch.“

Verzweifelt und erschöpft

Eine Schwester von Josef Straßer hat nebenan gebaut. Ihr Häuschen stand bis zum Dach unter Wasser – auf den Dachziegeln hatten vor drei Wochen Enten eine Pause eingelegt. „Nächste Woche kommt der Abrissbagger, wir wollten noch einmal vorbeikommen und Abschied nehmen“, sagt Hildegard Scholler, die 45 Jahre hier wohnte. Die 72-Jährige war gerade in Norwegen, als das Hochwasser ihr Zuhause zerstörte. Auch sie will neu anfangen.

An den Wiederaufbau denkt Rosemarie Seidler noch nicht. Sie ist verzweifelt und erschöpft. Seit drei Wochen lebt sie mit ihrem Mann bei Freunden in einem Zehn-Quadratmeter-Zimmer. Zurück will sie aber unbedingt. Ihr Mann sagt: „Ich kann das Haus doch so nicht stehenlassen.“ (dpa)

Hochwasser Magdeburg 2013 Wir danken allen Helfern und wünschen den Betroffenen alle Kraft der Welt um schnell wieder auf die Beine zu kommen!

Lied: Xavier Naidoo – Was wir alleine nicht schaffen

Die Traunsteiner Malteser ziehen Bilanz

Veröffentlicht: Juni 28, 2013 von fluthelfer in Bayern
Drei Wochen lang waren die Malteser des Landkreises TS im Dauereinsatz. Erst im Chiemgau, dann in Deggendorf und Umgebung. 2000 Stunden Arbeit im Detail
Das Hochwasser in Bayern bedeutete für die Malteser Kreisgliederung Traunstein einen mehr als drei Wochen dauernden Einsatz. Zunächst waren die Helferinnen und Helfer im heimischen Landkreis, besonders im Achental tätig und anschließend leisteten die Traunsteiner Malteser umfangreiche Unterstützung für die Malteser Einheiten in Deggendorf und Umgebung. Erst am vergangenen Sonntag kehrten die letzten Einheiten und Helfer aus Traunstein nach Hause zurück, nach rund 2000 Stunden ehrenamtlichen Dienstes in der Katastrophenhilfe.

Nach drei einsatzreichen Tagen am ersten Juniwochenende im heimischen Landkreis Traunstein, bei denen sich die Verpflegungs- und Betreuungseinheit der Malteser vor allem im Achental um Menschen kümmerte, die ihre Häuser wegen des Hochwasser vorübergehend verlassen oder evakuiert werden mussten, gab es nur eine kurze Verschnaufpause. Am Donnerstag, 6. Juni brachen die ersten Helferinnen und Helfer der Traunsteiner Malteser-Gliederung nach Deggendorf auf. Fischerdorf, ein Stadtteil südlich der Kreisstadt, der wegen der kompletten Überflutung traurige Bekanntheit erfahren hat, waren neben Osterhofen für zwei Wochen der Schwerpunkt der Einsätze der Malteser aus dem Chiemgau.

Die Traunsteiner Verpflegungseinheit löste in Osterhofen ein Helferkontingent ab, das fast eine Woche pausenlos durchgearbeitet hatte. Die Traunsteiner Küchentruppe versorgte in Osterhofen rund 250 Helfer von Bundeswehr, Feuerwehr und weitere Hilfsorganisationen mit drei Mahlzeiten täglich (Frühstück, Mittag- und Abendessen). Und auch wenn zwischendurch Helfer Zeit hatten und gerade eben Zeit zum Ausrasten war, blieb die Malteser-Küche nicht kalt, sondern sorgte um die vielen fleißigen Fluthelfer „wie eine Amme ihre Kinder“, so Thomas Geischeder, Gruppenleiter der Traunsteiner Verpflegungscrew. Nachdem die Aufräumungsarbeiten in Osterhofen weitestgehend abgeschlossen waren, wurde der Verpflegungsstandort dort geschlossen und die Traunsteiner Einheit komplett nach Deggendorf verlegt.

Dort waren die Malteser aus dem Chiemgau im Einsatz, bis der Katastrophenalarm am letzten Wochenende aufgehoben wurde. Für die Helfer wurden je nach Tageszeit zwischen 1.000 und 1.500 Menüs gekocht oder Frühstückportionen hergerichtet. Dafür waren drei Feldküchen im Einsatz, besetzt mit Helfern der Malteser, des Bayerischen Roten Kreuzes, der Johanniter und des Arbeiter-Samariter-Bundes. Thomas Geischeder aus Rettenbach, Malteser-Küchenchef, war im Nachtdienst tätig und arbeitete an der rund um die Uhr besetzten Verpflegungsausgabe in Fischerdorf. Dort wurden pro Mahlzeit rund 350 Helfer sowie Bewohner des Stadtteils versorgt, die noch nicht in ihre überfluteten Häuser zurück konnten. „Da waren wir nicht nur Verpflegungsstelle, sondern ein „Tante-Emma-Laden“, beschreibt es Geischeder. „Außer Essen und Getränken wurde alles Mögliche nachgefragt – vom Verband über Mückenspray, Arbeitshandschuhen, Werkzeug bis hin zum Reinigungsmittel“. So gut es irgendwie ging, wurde alles Notwendige besorgt und organisiert.

25 Malteser Helfer der Schnelleinsatzgruppen (SEG) der Traunsteiner Malteser – die Verpflegungs- und Betreuungseinheit, die SEG „Information und Kommunikation“ und „Technik und Logistik“ – leisteten beinahe 2000 Stunden ehrenamtlicher Katastrophenhilfe in der heimischen Region und in den Katastrophengebieten in Niederbayern. Kurt Strohmayer, Leiter der Einsatzdienste der Gliederung Traunstein, zeigte sich tief beeindruckt vom kameradschaftlichen Miteinander aller eingesetzten Hilfsorganisationen und Helfer. Max Rauecker, Kreisbeauftragter der Malteser im Landkreis Traunstein dankte allen Arbeitgebern, die die Malteser-Helfer unkompliziert freigestellt hatten und dazu beitrugen, effektive Hilfe für die Betroffenen in den überfluteten Gebieten zu leisten.

 Quelle: wochenblatt.de

Asyl für Galloway-Rinder

Veröffentlicht: Juni 28, 2013 von fluthelfer in Bayern
Hilfe für Hochwassergeschägte: Benno Wieser nimmt 16 vom Hochwasser vertriebene Rinder aus Haag an der Amper auf
Die Wiesmühler Highland Cattles haben schottischen Besuch. Fünf Galloway-Kühe und drei Kälber aus Haag an der Amper sind am Sonntag in Wiesmühl angekommen, acht weitere Tiere folgen. Benno Wieser gewährt den Tieren Asyl. Ihre heimatliche Weide war nach einem Dammbruch in den Fluten der Amper versunken. „Ich hab davon über Facebook erfahren und Kontakt zu den Besitzern aufgenommen“, erzählt Wieser. „Wenn die Tiere sich mit meinen Hochlandrindern vertragen, dann können sie auf unsere Weide am Schederbach. Platz genug haben wir.“

„Natürlich spende ich auch für die Hochwasseropfer. Ich wollte es aber nicht einfach nur bei einer Geldspende belassen, ich möchte ganz praktisch helfen“, sagt Wieser. Deshalb stellte er der Hochwasserhilfe Traunstein eine Brauereihalle zur Verfügung, in der Sachspenden abgegeben, gelagert und abgeholt werden können. Organisiert wird das Ganze von Britta Rummel aus Seeon und Petra Zitzelsberger aus Traunstein. Und auf der Wiese neben dem Gelände der ehemaligen Brauerei weiden jetzt einträchtig Galloways und Highland Cattles.

Eigentlich taugt’s den Aberdeen-Angus-Rindern und den Galloways in der Natur. Das ganze Jahr können die Tiere im Freien verbringen. Eigentlich. Sie – beziehungsweise ihre Vorfahren – sind ja einiges gewöhnt aus ihrer Heimat Schottland. Hochland ja, aber Hochwasser? Die Rinderherde aus Haag im Landkreis Freising war kurz vor dem Absaufen. Mit knapper Not konnten die Besitzer Carla und Siegfried Wagner ihre Rinder auf eine Notweide lotsen. Keine Dauerlösung – zum einen schwappte die Brühe aus Amper- und Abwasser auch auf diese Notweide, zum anderen hat sie nur 200 Quadratmeter. Viel zu klein für 40 Tiere.

Die Wagners starteten einen Notruf in der Lokalzeitung, der dann auch bei Facebook landete. „Wir brauchen dringend Weideland“, hieß es da. Rund drei Hektar – die Wiesmühler Weide hat zehn Hektar. Dort können sich die Kühe und Kälber jetzt von den Strapazen erholen. „Ich bin während des Hochwassers öfter an der Alz gestanden und hab mir das angeschaut. Wasser und Sturm – das sind Gewalten, die mich erschrecken“, erzählt Wieser. „Aber nachdem klar war, dass unsere Region relativ glimpflich davonkommt, wollte ich unbedingt den Leuten helfen, die’s erwischt hat.“

Wagner glaubte seine Tiere schon verloren. 1994 hatte er Ähnliches erlebt: Die Amper war über die Ufer getreten und ließ den Tieren am höchsten Punkt der Weide gerade noch Platz. Doch diesmal kam’s schlimmer: Nach einem Dammbruch waren die Wassermassen nicht mehr zu bändigen. „Für uns war das eine Katastrophe“, schildert Wagner. Etwa 100 Rinder hat der Konditormeister und Galloway-Züchter aus Leidenschaft, wie er von sich selbst sagt. Seit 1980 züchtet er im Ampertal Robustrinder in Mutterkuhhaltung. Seine „Landschaftspfleger im Zottelfell“ sind sein Ausgleich zum Brotberuf Bäcker. Seine „Elitezucht Ampertal“ hat mehrere Bundessieger hervorgebracht, sein Renommee ist entsprechend groß: 2008 wurde der Haager vom International Commitee of Judges als erster deutscher Punktrichter zur Royal Highland Show nach Edinburgh eingeladen.

Nur ein paar Stunden hatte die Familie Wagner Zeit, die Tiere zu retten, nachdem der Damm gebrochen war. Doch die Rinder ließen sich nicht auf die angrenzende Notweide treiben, auch nicht mit Hilfe der Haager Feuerwehr. „Die hätten durchs Wasser gehen müssen – und das machen sie nicht.“ Also schnitt Wagner alle Drahtzäune auf, „damit sie sich wenigstens daran nicht verletzen, wenn sie doch schwimmen müssen“.

Alleine lassen konnte der Konditor seine Tiere aber auch nicht. Er, seine Frau Carla und Mitarbeiter Josef starteten einen letzten Versuch: Um die Überschwemmung herum wollten sie die Rinder auf die Notweide treiben, etwa einen Kilometer weit. Kaum zu machen, zumal zur Herde neun Kälbchen gehören. Das kleinste davon blieb erschöpft im Wasser liegen. Mit dem Frontlader rettete Wagner das schwache Tier, kurz bevor es die Fluten überspülten.

Die Weide ist vorerst nicht zu gebrauchen. Amper und Abwasser haben Schlamm hinterlassen. „Diesen Sommer ist das Gelände nicht mehr beweidbar“, sagt Carla Wagner. „Wir werden es nur abmähen und das Mähgut entsorgen.“ In der Zwischenzeit erholen sich ihre Rinder erst einmal in Wiesmühl. Als erstes haben sie Bekanntschaft mit dem Esel, den Ziegen und Schafen macht. Die einheimischen Kolleginnen haben sie anfangs noch misstrauisch beäugt, und dem Bullen war der plötzliche Populationszuwachs eher noch suspekt – er zog sich in seinen Verschlag zurück. Aber wenn der seinen Job ernst nimmt, dann gibt’s womöglich demnächst Nachwuchs. Highwater Cattles.

Quelle: wochenblatt.de

Zweites Juni-Hochwasser geht glimpflich aus

Veröffentlicht: Juni 28, 2013 von fluthelfer in Sachsen

Die Elbe in Sachsen hat am Donnerstag den Höchststand der zweiten Juni-Flut erreicht. „Vor einem Hochwasser wie vor 14 Tagen braucht niemand mehr Angst haben“, sagte eine Sprecherin der Landeshochwasserzentrale. An der Elbe bei Schöna und Dresden galt vorübergehend die zweite von vier Alarmstufen.

Dampferfahrten und Drachenbootrennen abgesagt

Die Sächsische Dampfschiffahrt hat ihre Fahrten bis einschließlich Freitag komplett eingestellt. Ab dem Wochenende gilt ein eingeschränkter Sonderfahrplan. Zudem sind zahlreiche Fährverbindungen in der Sächsischen Schweiz und in Dresden eingestellt. Der Beginn der Filmnächte am Elbufer in Dresden wurde um eine Woche verschoben. Die Veranstalter hatten die Bühne und die Leinwand wegen des Hochwasser abbauen müssen. Das Terrassenufer stand erneut unter Wasser, konnte aber am Freitagnachmittag schon wieder für den Verkehr freigegeben werden.

Schon wieder tritt die Elbe über – Trübe Aussichten in Dresden
Programmänderungen gibt es auch beim Elbhangfest am Wochenende zwischen Loschwitz und Pillnitz. So wurde das traditionelle Drachenbootrennen abgesagt. Zudem wurden einige Veranstaltungsorte verlegt

In Meißen waren wieder die elbnahen Parkplätze sowie die Baustellenumgehung der Bundesstraße B6 (Siebeneichener Straße) gesperrt. Mit größeren Überflutungen rechnete die Stadtverwaltung aber nicht. Entwarnung gab es auch aus Radebeul, das nach Angaben aus dem Rathaus dieses Mal von Überschwemmungen verschont blieb. Im benachbarten Coswig beobachtete das Ordnungsamt den Fluss genau. Auch wurde jedoch nicht mit größeren Überschwemmungen gerechnet, sagte Stadtsprecherin Ulrike Tranberg. Der vorübergehend hohe Elbwasserstand könnte sich jedoch negativ auf die teilweise noch von Grundwasser gefluteten Keller in Wohnhäusern auswirken.

In Pirna beobachteten die Menschen die Elbe mit Unruhe, sagte Katja Riedel, amtierende Weinkönigin und Juniorchefin des Hotels Deutsches Haus. Die meisten Bewohner ufernaher Bereiche seien noch mit dem Trockenlegen ihrer Keller und Erdgeschosse von der ersten Flut beschäftigt. Sandsäcke vor die durchnässten Gewölbe zu legen würde sowieso nur wenig bringen. Das Hotel ist zwar wieder offen, allerdings kann das Erdgeschoss noch nicht wieder genutzt werden.

In Riesa wurden vorsorglich der Stadtpark, der Elberadweg und eine Straße in Ufernähe gesperrt. Ein Stadtsprecher sagte, es drohten aber keine Gefahren für Gebäude. Lediglich ein Wassersportklub hätte überschwemmt werden können, wenn der Pegel höher als die bisherigen Prognosen gestiegen wäre.

Entwarnung an Flüssen in Ostsachsen

In Ostsachsen hatte sich die Lage schon zuvor deutlich entspannt. Laut Landesamt sank das Wasser in Spree, Lausitzer Neiße und Schwarzer Elster wieder. Neben der Elbe galt am Donnerstag nur noch an der Spree bei Spreewitz und der Großen Röder bei Kleinraschütz die Alarmstufe 2.

Quelle: mdr.de

Kupfer: Baupläne in Flutgebieten neu prüfen

Veröffentlicht: Juni 28, 2013 von fluthelfer in Sachsen

Sachsens Umweltminister Frank Kupfer hat die Städte und Gemeinden im Freistaat aufgefordert, bestehende Neubaupläne in flutgefährdeten Gebieten nochmals genau zu prüfen. Der CDU-Politiker verwies auf die Hochwasser und Überschwemmungen im Juni und erklärte: „Angesichts der Bilder der letzten Wochen sollte jedem klar sein: Bauen in Überschwemmungsgebieten birgt großes Risiko und wird im Ernstfall zu hohen Sachschäden führen.“ Außerdem koste jede Bebauung Überschwemmungsflächen. Kupfer betonte außerdem, die Gemeinden müssten bei ihren Planungen für Wohn- oder Gewerbegebiete auch beim Hochwasserschutz aufeinander Rücksicht nehmen. Egoismus sei hier fehl am Platz.

Neue Flussbetten erhalten, Ufermauern abreißen

Dem Umweltminister zufolge wird derzeit im Landtag über ein neues sächsisches Wassergesetz beraten, das noch über die Regelungen des Bundes im Wasserhaushaltsgesetz hinausgeht. So wolle der Freistaat eine bundesweit bisher einmalige Kategorie von überschwemmungsgefährdeten Gebieten einführen, in denen das Bauen nur eingeschränkt erlaubt ist. Dazu gehöre etwa ein mögliches Verbot von Mietwohnungen in Kellern, erläuterte Kupfer.

Der Gesetzentwurf sieht außerdem vor, den Flüssen wieder mehr Raum zu geben. So sollen nach Aussage des Ministers nach Möglichkeit Ufermauern entfernt und Ufer in einen naturnahen Zustand versetzt werden. Geplant sei auch, Gewässeraufweitungen und neue Flussbetten zu erhalten, die durch natürliche Ereignisse wie Hochwasser entstanden sind. Zur Begründung sagte Kupfer: „Eines haben die Hochwasser der vergangenen Jahre gezeigt: Dort, wo die Gewässer eingezwängt in einem künstlichen Bett verlaufen, suchen sie sich ihr altes natürliches Flussbett.“

Grüne kritisieren spätes Umschwenken

Der Vorsitzende der sächsischen Grünen, Volkmar Zschocke, meinte zu Kupfers Erklärung, der Umweltminister sei reichlich spät aufgewacht. Dass er jetzt den Abriss von Ufermauern fordere, müsse den Kommunen wie blanker Hohn vorkommen. Schließlich habe die Staatsregierung jahrelang auf immer mehr und höhere Mauern als Flutschutzmaßnahme gedrängt, kritisierte Zschocke. Dennoch sei das Umschwenken richtig, denn solche Begrenzungen sorgten für immer höhere Pegelstände und reißendere Flüsse. Der Grünen-Politiker forderte zugleich, auch die Renaturierung von Flüssen und Bäche, das Entsiegeln von Flächen und den Abriss von Infrastruktur in besonders flutgefährdeten Bereichen zu fördern.

Colditz plant Umsiedlung für Hochwasserschutz

Die Häuser an der Mulde in Colditz standen sowohl 2002 als auch in diesem Jahr unter Wasser. Viele Bewohner wollen deshalb umziehen. Die Stadt unterstützt diese Pläne.

Defekt wohl Ursache für Überflutung

Veröffentlicht: Juni 28, 2013 von fluthelfer in Hochwasserfolgen, NRW

40 Keller und Garagen waren in Hennef-Stoßdorf beim Unwetter am 20. Juni überflutet werden. Der Ausfall eines Hochwasserpumpwerks in der Siegaue war wohl eine der Ursachen, zusätzlich zu den Regenmassen.

 

Land unter hieß es am 20. Juni am Königsberger Weg und an der Ringstraße in Stoßdorf. Nach dem extremen Starkregen waren etwa 40 Keller und Garagen überflutet worden. Tatsächlich war wohl der Ausfall eines Hochwasserpumpwerks in der Siegaue eine der Ursachen, zusätzlich zu den enormen Regenmassen, die innerhalb einer knappen Stunde fielen.

Normalerweise fließt der Regen über ein leichtes Gefälle zur Sieg hin ab. Hat die Sieg Hochwasser, würden sich diese Mengen aber stauen. Ein Schieber schließt sich dann in diesem Pumpwerk, das auflaufende Wasser wird höher gepumpt und abgelassen. Ein Sensor entscheidet darüber, wann das Signal für diesen Modus gegeben wird. Der hat am 20. Juni fälschlicherweise Hochwasser signalisiert, der Schieber ging zu.

Rückstau in den Straßen

Parallel dazu schossen die Regenmassen so schnell ein, dass vermutlich innerhalb weniger Sekunden die Elektronik ausfiel und die Pumpe nicht anspringen konnte.

Die Folge war ein Rückstau nach kürzester Zeit in den Straßen, weitere Niederschläge sorgten für Nachschub. Das sind die Ergebnisse der ersten Untersuchungen, weitere stehen aus. Auch denkbar ist aber, dass das Pumpwerk angesichts der Mengen in jedem Fall überfordert gewesen wäre.

Die Unabhängigen im Stadtrat haben jetzt eine Kommission gegen Hochwasserschutz und Überflutungen gefordert. Sie glauben, dass schon im Vorfeld vieles dazu beigetragen werden könnte, Schäden zu minimieren. Bürger vor Ort sollten beteiligt werden.

Die Betroffenen haben, anders als offensichtlich in Lohmar, das Angebot des Bürgertelefons reichlich genutzt und ihre Schäden gemeldet. Ab sofort können weitere Fragen unter ? 02242/88 82 14 geklärt werden. Die Stadt bittet Geschädigte weiterhin, ihre Ansprüche bei der eigenen Versicherung geltend zu machen, sie aber auch bei der Verwaltung zu melden. Die wird sie an ihre Versicherung weiterreichen.

Quelle: ksta.de

Spenden für die Opfer des Hochwassers

Veröffentlicht: Juni 28, 2013 von fluthelfer in finanzielle Hilfen, NRW

Die Stadtwerke Lohmar unterstützen die vom Unwetter betroffenen Bürger. Wer durch Aufräumarbeiten mehr Strom und Wasser verbraucht, kann sich an die Stadtwerke wenden. Die Stadt hat außerdem zwei Spendenkonten eingerichtet.

 

Die Stadtwerke versprechen ihren vom Hochwasser betroffenen Kunden unbürokratische Hilfe: Wer durch Pumpen oder Trockengeräte Mehrkosten an Strom habe, der möge sich ebenso wie Kunden, die aufgrund von Reinigungsarbeiten plötzlich erheblich mehr Wasser verbrauchen, melden unter ☎ 02246/15 710 (montags 8 bis 18 Uhr, dienstags bis donnerstags 8 bis 16 Uhr, freitags 8 bis 12 Uhr). Mit wie viel Entgegenkommen Betroffene rechnen dürfen, verrieten die Stadtwerke allerdings nicht.

Zudem stehen die Daten zu zwei Spendenkonten zugunsten der Hochwasseropfer nun auf der Internetseite der Stadt Lohmar bereit. Geld kann unter dem Verwendungszweck „Hochwasser Lohmar“ überwiesen werden.

Soziale Kriterien

Die Kreissparkasse Köln, die VR Bank Rhein-Sieg sowie die Stadt selbst haben bereits jeweils 5000 Euro zu Verfügung gestellt. Der Lions Club Lohmar spendet 500 Euro. Der Marketingverein Die Stadtmacher folgt dem Aufruf der Verwaltung und überweist 500 Euro.

Die stellvertretende Vorsitzende Roswitha von Wülfing wünscht sich Nachahmer: „Wir hoffen, dass noch weitere Bürger, der Einzelhandel und die Gewerbetreibenden unserem Beispiel folgen.“ Die Stadt Lohmar will mit den Spenden in Härtefällen finanzielle Hilfe zu leisten. Die Verteilung erfolgt, nach Eingang der Schadensmeldungen, nach sozialen Kriterien. Schadensmeldungen können bei der Stadtverwaltung unter ☎ 02246/15-254 oder per E-Mail gemeldet werden

Quelle: ksta.de

Falsche Opfer und dreiste Versicherungen

Veröffentlicht: Juni 28, 2013 von fluthelfer in Bayern

Schnelle und unbürokratische Hilfe wurde den Flutopfern nach dem Hochasser zugesichert. Doch eine gerechte Verteilung von Spenden und Geldern an die wirklich Bedürftigen geht oftmals nicht ohne Bürokratie. Falsche Opfer und unzumutbare Vorschläge einiger Versicherungen machen die Arbeit der Behörden noch komplizierter.

Von Wolfgang Wittl

Wer sich dieser Tage zum Thema Hochwasser äußert, sollte seine Worte mit Bedacht wählen. Die jüngste Erfahrung machte Sascha Straub, ein Finanzfachmann von der bayerischen Verbraucherzentrale. Er hatte kritisiert, dass Flutopfer im Landkreis Deggendorf, deren Häuser nicht zu versichern waren, eine Bescheinigung ihrer Versicherung vorlegen müssten, dass dem tatsächlich so ist. Dies habe „mit unbürokratischer Hilfe nichts zu tun“, wurde Straub von der Nachrichtenagentur dpa zitiert. Eine „echte Zumutung“ sei das für die Betroffenen. Die Replik erfolgte ähnlich prompt und direkt wie in Passau, wo Stadt und Umweltministerium tagelang über die Benachrichtigung über Pegelstände stritten, ehe sie sich auf unterer Arbeitsebene wieder ihrer guten Zusammenarbeit versicherten.

Straub stellt in einem Schreiben an das Landratsamt Deggendorf nun ausdrücklich klar, dass er keinesfalls die Verwaltungen in den Hochwassergemeinden gemeint habe, die diese „bürokratischen Hürden“ verschuldet hätten. Vielmehr sollten Versicherungen von sich aus alle Daten zur Verfügung stellen, um das Verfahren zu beschleunigen. Das Landratsamt hatte zurecht darauf hingewiesen, dass der Freistaat die Vorlage von Versicherungsbescheinigungen ausdrücklich vorgeschrieben habe.

Je nachdem fällt auch die Höhe der Unterstützung aus. Wer nachweisen kann, dass sein Gebäude nicht zu versichern war, erhält 10 000 Euro für Ölschäden und 5000 Euro für zerstörten Hausrat. Wer von sich aus auf eine Versicherung verzichtete, bekommt jeweils nur die Hälfte.

Vermeintliche Opfer mit veralteten Mietverträgen

Das technokratisch anmutende Prozedere hat Gründe. Für die Behörden kommt es darauf an, einen detaillierten Überblick über Schäden und Eigentumsverhältnisse zu erlangen, um das Geld gerecht verteilen zu können. Zumal damit offenbar Schindluder getrieben wird. In Deggendorf sind bereits Fälle bekannt, in denen sich vermeintliche Opfer 1500 Euro Soforthilfe unter den Nagel gerissen haben, obwohl sie vom Hochwasser gar nicht geschädigt sind. Sie legten etwa veraltete Mietverträge vor oder wohnen in Stockwerken, die vom Wasser überhaupt nicht betroffen waren. Betrüger hätten mit Anzeigen wegen Missbrauchs zu rechnen, sagt Landrat Christian Bernreiter (CSU), das Geld werde zurückgefordert. Oft kämen die Tipps aus der Bevölkerung, weil die Ämter so schnell gar nicht alles nachprüfen könnten.

Auch die Verteilung von Spenden erfolgt über die Behörden, egal ob sie bei Kirchen, Verbänden oder Privatinitiativen eingegangen sind. „Gedanklich werden wir alles zusammenwerfen“, sagt Landrat Bernreiter. Ein Fachgremium werde darauf achten, die Spenden gerecht zu verteilen. Nicht dass im Zusammenspiel von staatlicher und privater Hilfe jemand zu kurz kommt – oder zu großzügig bedacht wird. Von kommender Woche an sind die Antragsformulare bei den Kommunen abzuholen oder im Internet runterzuladen. Enttäuschungen werden nicht ausbleiben: „Schnell, unbürokratisch und gerecht – das geht nicht“, sagt Bernreiter.

Unter den Antragstellern werden dann vermutlich auch Hochwassergeschädigte zu finden sein, die eine Elementarschadenversicherung abgeschlossen haben. Obwohl sie damit vermeintlich alle Vorkehrungen getroffen haben, könnten sie nun sogar schlimmer betroffen sein als Nichtversicherte. Anwohner in Fischerdorf jedenfalls berichten von nahezu unzumutbaren Bedingungen der Versicherungen. So seien sie angewiesen worden, vom Hochwasser ramponierte Gegenstände wie Fenster, Heizkörper und Duschen auseinanderbauen, reinigen und trocknen zu lassen – und dann wieder zu verwenden. Sollten sich die Utensilien in einem Jahr als unbrauchbar herausstellen, könne man die Sachen immer noch entsorgen, hieß es.

Die Deggendorfer Stadt- und Kreisrätin Renate Franzel (Grüne) rät deshalb zur Gründung einer Interessensgemeinschaft für Hochwassergeschädigte, die bereits in anderen Überschwemmungsgebieten erfolgreich gearbeitet hätten. Eine solche IG könne als eigenständiger Verein neutrale Sachverständige bezahlen, die ein Gegengutachten erstellten.

Quelle: sueddeutsche.de

Mückenplage Nach dem Hochwasser kommen die Mücken

Veröffentlicht: Juni 28, 2013 von fluthelfer in Hochwasserfolgen

 

Nach dem Hochwasser haben Mücken den Auwald bei Plattling erobert. Hier geht niemand freiwillig rein, es sei denn, er hat ein professionelles Interesse – zum Beispiel der Landschafts-Ökologe Hans Schmidt, der solche Plagen verhindern will.

Überschwemmungsmücken werden zur Plage

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Im Auwald von Plattling: Mückenschwärme ohne Ende. Aber das sind keine normalen Mücken, es sind Überschwemmungsmücken. Ihre Eier können bis zu 10 Jahre im Boden überdauern und dann entwickeln sich bei Hochwasser innerhalb kürzester Zeit Millionen Mücken. Wie kann man solche Massen schnell und wirkungsvoll bekämpfen?

Plattling war eine der ersten Kommunen, die nach der Flut reagierten: Bürgermeister Erich Schmid hatte bereits vor zwei Jahren eine Bestandsaufnahme der Mückengebiete durch die Wissenschaftler Martin Geier und Hans Schmidt machen lassen. Sie ist die Grundlage,  um die Mücken überhaupt bekämpfen zu können.

„Sie können bei uns, wenn in einem Mückenjahr sehr, sehr viele Mücken geschlüpft sind, sich abends fast nicht mehr ins Freie begeben. Das ist natürlich auch ein wirtschaftlicher Schaden für unsere Gastronomie. Und zum dritten haben wir in diesem Jahr auch noch zusätzlich die Gefahr, dass die Mücken Krankheiten übertragen könnten, aufgrund der vielen toten Tiere, die in den Auwäldern, in den Wiesen liegen, wollen wir den Bestand so gering wie möglich halten.“

Erich Schmid, Bürgermeister der Stadt Plattling, Lkr. Deggendorf

Umsichtige Planung in Plattling

Den Antrag für eine Bekämpfung hatte Erich Schmid lange vor der Flut gestellt. Ein Jahr lag er bei der Regierung von Niederbayern, vor drei Wochen kam endlich die Zusage. Anschließend musste alles sehr schnell gehen: Binnen weniger Tage war der Wirkstoff aus dem Bacillus thuringiensis israelensis, kurz Bti, vor Ort. Der Bauhof Plattling nutzt zwei Formen des Präparats: Spritzmittel und Granulat. Das Granulat hat den Vorteil, dass es auch durch Blätter und Äste hindurch fällt, direkt auf die Wasseroberfläche.

Ein selektiver Wirkstoff

Der Wirkstoff zerstört den Darm der Mückenlarven und wirkt selektiv, andere Lebewesen sind nicht betroffen. Aber das Mittel schlägt nur in einem kurzen Entwicklungsstadium an. Sobald sich die Larven verpuppen, nehmen sie keine Nahrung mehr auf, und dann ist auch der Wirkstoff machtlos. Zur Bekämpfung bleibt unterm Strich nur ein Zeitfenster von vier bis fünf Tagen.

Verbreitung in Windeseile

Im Auwald ist es dieses Jahr für Hilfsmaßnahmen zu spät: Die Mücken sind bereits geschlüpft und haben nun eine Flugreichweite von 10 bis 15 Kilometern, genug, um benachbarte Städte und Dörfer zu erreichen.

Überschwemmungsmücken sind auch am Tag aktiv. Ihre Eier können bis zu zehn Jahre im Boden überdauern, brauchen aber nur anderthalb Wochen, um sich nach einer Überschwemmung zu entwickeln. Dr. Martin Geier, Biologe: „Dann sind alle auf einen Schlag in der Luft. Diese Überschwemmungsmücken kommen total schnell in extrem großen Massen.“

„Wir sind völlig überrascht worden von diesem Hochwasser. Wir haben riesige Flächen, die zu bekämpfen wären, das werden wir nicht schaffen.“

Erich Schmid

Erfolge am Oberrhein

Woanders ist man bereits weiter: Am Oberrhein wird das Bti-Präparat seit über 30 Jahren zur Mückenbekämpfung eingesetzt, flächendeckend, aus der Luft. Eine kommunale Aktionsgemeinschaft aus 100 Städten und Gemeinden koordiniert den Einsatz, systematisch und effektiv. Genau das fordert Biologe Martin Geier auch für Bayern. Denn hierzulande fehlt bislang ein professionelles Mückenmanagement in einer solchen Größenordnung.

„Hier müssen Konzepte langfristig erarbeitet werden und man braucht für solche großräumigen Bekämpfungskonzepte sehr viel Zeit zum Lernen, man braucht Organisationsstruktur, einen Verein, der sich gründet. Das geschieht nicht von heute auf morgen und in fünf Tagen. Sie müssen die Flächen kartieren – ansonsten wird man immer wieder überrascht von dem Hochwasser.“

Martin Geier

Zwischen Bangen und Hoffen

In den nächsten Tagen werden die Wissenschaftler noch einmal herkommen – um zu schauen, ob hier, in den Isarauen bei Plattling, derzeit eine zweite Mückengeneration heranwächst. Vielleicht haben sie ja Glück im Unglück, die Menschen an Donau und Isar – und ein Sommer mit mehreren Mückenwellen bleibt ihnen erspart.

Grimma hat Hochwasser-Warnsystem modernisiert

Veröffentlicht: Juni 28, 2013 von fluthelfer in Grimma
Nach dem Hochwasser hat die Stadt Grimma (Kreis Leipzig) ihr Warnsystem modernisiert. Statt über eine Telefonanlage werden Warn-SMS jetzt über das Internet versendet.
wie die Stadt am Freitag mitteilte. Damit werde sichergestellt, dass Nachrichten auch während eines Stromausfalls an die betroffenen Hausbesitzer gingen. Zudem könnten mit der Neuauflage mehr Telefonnummern in den Verteiler aufgenommen werden. Bisher gab es nur 500 Plätze. Nach Angaben der Stadt waren allein beim jüngsten Hochwasser 2500 Menschen betroffen. Seit der Jahrhundertflut 2002 können sich die Grimmaer per SMS über Hochwasserwarnungen, Pegelstände und Prognosen informieren lassen.
Quelle: focus.de

Das Land Niedersachsen hat der Kreisverwaltung die Richtlinien zur Gewährung einer Soforthilfe für vom Hochwasser geschädigten Privathaushalte zur Verfügung gestellt. Damit können betroffene Personen zur Überbrückung von akuten Notlagen die angekündigte Soforthilfe beantragen.

Bis zum 30.09.2013 können jetzt vom Hochwasser 2013 Betroffene finanzielle Unterstützung beim Landkreis Lüchow-Dannenberg beantragen. Allen, die sich in den vergangenen Wochen bereits beim Landkreis wegen der Soforthilfe gemeldet hatten, wird der Antragsvordruck sowie ein dazugehöriges Merkblatt automatisch übersandt.

Weitere Antragsteller können die Unterlagen demnächst unter: http://buergerservice.niedersachsen.de/portal/?SOURCE=PstListPSTID=306241882 abrufen. Für darüber hinaus gehende Fragen im Zusammenhang mit der Soforthilfe-gewährung steht die Kreisverwaltung unter Tel: 05841/120-241 (Frau Stannek) oder per E-Mail: finanzen@luechow-dannenberg.de auch weiterhin zur Verfügung.

Quelle: wendland-net.de

»Da kann noch mehr Hochwasser kommen»

Veröffentlicht: Juni 28, 2013 von fluthelfer in Landkreis Lüchow-Dannenberg

Diplom-Ingenieur Ernst-August Schulz prognostizierte die Elbewasserstände genauer als die amtliche Hochwasserzentrale

as Lüchow. Hohe Anerkennung hat sich Diplom-Ingenieur Ernst-August Schulz aus Holtorf nicht nur bei seinen Fachkollegen für seine präzisen Pegel- prognosen beim jüngsten Elbehochwasser erarbeitet. Die Vorhersagen waren weit präziser als die der amtlichen Hochwasserzentrale in Magdeburg.

Und das nicht nur beim jüngsten Hochwasser. Landrat Jürgen Schulz verlässt sich eher auf die Vorhersagen seines Leiters der Unteren Deich- und Wasserbehörde. Der 56-Jährige hatte nach seinem Abitur in Lüchow von 1976 bis 1983 an der TU in Hannover Bauingenieurwesen mit Schwerpunkt Wasserwirtschaft studiert. Seit 1995 leitet er die Tiefbauabteilung. Gegenüber der EJZ beantwortete er im Interview folgende Fragen:

EJZ: Wie ist das Rekordhochwasser für Lüchow-Dannenberg einzuordnen?

E. A. Schulz: Jedes Hochwasser ist anders und hängt von verschiedenen Randbedingungen ab. Beim Elbe-Hochwasser 2013 handelte es sich um ein Extrem-Hochwasser, das – rein rechnerisch gemessen am bisherigen Bemessungshochwasser – nur alle 200 Jahre einmal vorkommt. Da sind mehrere hohe Zufluss-mengen zusammengekommen, sowohl aus Tschechien als auch aus der Mulde und der Saale. Allerdings kam verhältnismäßig wenig Wasser aus der Havel. Und auch aus anderen Teilen Tschechiens kann durchaus noch mehr Wasser in die Elbe fließen. Das bedeutet: Da kann noch mehr Hochwasser kommen.

EJZ: Was ist der Richtwert des bisher geltenden Bemessungshochwassers (BHW) nach der jüngsten Flut noch wert?

E. A. Schulz: Bereits im August 2011 hat die Bundes- anstalt für Gewässerkunde ein neues Bemessungshochwasser, das rechnerisch nur alle 100 Jahre eintritt, berechnet und als offiziellen Richtwert herausgegeben. Bislang hat sich das Land Niedersachsen aber geweigert, das BHW anzuerkennen und rechtlich festzusetzen. Die Landkreise Lüneburg und Lüchow-Dannenberg fordern das schon lange. Wird bisher in Hannover offziell mit einer Durchflussmenge am Pegel Wittenberge von 4000 Kubikmeter pro Sekunde ausgegangen, so hat die Bundesanstalt für Gewässerkunde eine Durch-flussmenge von 4545 Kubikmeter als neues BHW ermittelt. Im November 2008 war das von den Elbanrainerländern fest- gelegt worden.

EJZ: Wie hätten sich die Wasserstände in Lüchow-Dannenberg ohne die Deichbrüche an der Elbe in Aken und Fischbeck voraussichtlich entwickelt?

E. A. Schulz: Wir hätten in Lüchow-Dannenberg keine wesentliche Erhöhung der Pegelwerte, aber eine deutliche Verlängerung der Scheitelwelle erhalten. Grund dafür ist, dass die Scheitelwelle die späteren Deichbruchstellen bereits passiert hatte. Aktuell war die Scheitelwelle rund 160 Kilometer lang von Schnackenburg bis Magdeburg und dauerte zwei Tage. Ohne Deichbrüche wäre sie dann rund 300 Kilometer lang bis etwa Torgau gewesen und hätte vier Tage gedauert.

EJZ: Welchen Einfluss hat der Wasserstand der Saale generell für die Elbe und speziell bei diesem Hochwasser?

E. A. Schulz: Im Jahr 2011 war der Zufluss der Saale für das Elbe-Hochwasser entscheidend, weil der Saale-Höchststand die damalige Scheitelwelle erhöhte und beschleunigte. Dieses Mal war der Saale-Höchststand schon viel früher vor dem Eintreffen der Elbe-Scheitelwelle in die Elbe geströmt, hatte den Basispegelwert schon angehoben, aber nicht zu einer weiteren Erhöhung der Scheitelwelle beigetragen. Saale und Mulde waren schnell angestiegen, aber als die Elbe-Scheitelwelle die Mündungen der Nebenflüsse passierte, hatte die Elbe aufgrund der Fließgeschwindigkeit praktisch Vorfahrt. Das belegen die Abflussmengen der Nebenflüsse, die sich dem Internet entnehmen lassen. Durch die Zunahme der Fließgeschwindigkeit war die Welle letztlich zwei Tage eher in Lüchow-Dannenberg als zuvor berechnet. Innerhalb von nur drei Tagen war die Elbe deswegen in Hitzacker von Freitag von 5,24 Meter am Montag auf 8,05 Meter gestiegen.

EJZ: Welches Geheimnis steckt hinter der hohen Treffergenauigkeit Ihrer Prognosen?

E. A. Schulz: Mit den Pegelwerten, die alle 24 Stunden herausgegeben werden, lässt sich nicht rechnen. Aus dem Internet lassen sich die Pegelwerte aus Tschechien, Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt ablesen, und zwar im Zwei-Stunden-Rhythmus. Neben den Pegelwerten gilt es, auf die Durchflussmengen zu achten, aus denen sich dann die Fließgeschwindigkeiten errechnen lassen. Durch diese differenzierte Datenerhebung lassen sich sehr genaue Vorhersagen über die Wasseranstiege berechnen. Dabei dürfen Randbedingungen wie zusätzliche Niederschläge nicht außer Acht gelassen werden.

Was bei diesem Elbe-Hochwasser bemerkenswert war, ist die Tatsache, dass in Tschechien die dort vorhandenen Speicher voll ausgeschöpft worden sind. Da haben die Tschechen gute Arbeit geleistet. Als aber nach dem Wochenende mit kontinuierlichem Starkregen die Fließgeschwindigkeit der Moldau am 2. Juni innerhalb von nur 30 Stunden von 500 Kubikmeter pro Sekunde auf 3000 Kubickmeter pro Sekunde explodierte, haben wir im Lüchower Kreishaus die Einberufung des Krisenstabs vorbereitet.

EJZ: Weshalb hat die amtliche Hochwasserzentrale in Magdeburg so wechselnde und teil-weise falsche Vorhersagewerte geliefert?

E. A. Schulz: Das kann ich nicht sagen. Ich kenne das Computermodell nicht. Allerdings hat es den Anschein, als seien dort nicht alle nötigen Randbedingungen berücksichtigt worden, die für ein dynamisches Vorhersagemodell erforderlich sind, nämlich Fließverhalten der Gewässer, Geschwindigkeiten und das Zuflussverhalten der Nebenflüsse. Darin könnte die Ursache für die fehlerhaften Prognosen liegen.

EJZ: Wie sind die Hochwasserstände an der Seege speziell an der Landesstraße 256 zu erklären?

E. A. Schulz: Bisher waren alle davon ausgegangen, dass die Landesstraße 256 zwischen Meetschow und Gartow auf einem recht hohen Niveau liegt. Das war ein Fehler. Bei den erreichten Extrem-Wasserständen wäre die Landesstraße – ohne die umfangreichen Schutzmaßnahmen – überströmt worden. Mit Ankunft der Scheitelwelle in der Elbe an der Seegemündung war der Fluss praktisch aus- gespiegelt und eine große Wasserfläche. Da war es positiv, dass das Land Sachsen-Anhalt das Wehr in Bömenzien geschlossen hat und eine umfangreiche Notdeichlinie errichtet hat. Sonst wären dort zwischen 4000 und 6000 Hektar landwirtschaftliche Fläche unter Wasser gesetzt worden. Für Gartow und Laasche hatte das Schließen des Wehres nur eine geringe Bedeutung für die Wasserstände.

EJZ: Was bedeutet die Forderung, dem Fluss mehr Raum zu geben, für den Landkreis Lüchow-Dannenberg?

E. A. Schulz: Die 420 Hektar große Rückdeichung bei Lenzen in Brandenburg hat dazu geführt, dass der Pegel in Schnackenburg um 21 Zentimeter niedriger war als ohne diese Retentionsfläche. Die Seegeniederung ist das größte natürliche Rückstaugebiet mit einer Fläche von rund zehn Quadratkilometern. In Lüchow-Dannenberg sind neben den Flächen der Seege- und Jeetzelmündung keine weiteren Flächen vorhanden, wo wir der Elbe mehr Raum geben können. Deswegen ist es notwendig, dass die Wasserrückhaltung im Oberlauf der Elbe stattfindet. Die Nutzung der sechs Havel-Polder mit einer Gesamtfläche von rund 9900 Hektar ist der richtige Weg. Die Tschechen sind uns mit der Steuerung ihrer Rückhaltebecken da ein Stück voraus.

Quelle:ejz.de

Nach der Flut ist vor der Flut

Veröffentlicht: Juni 28, 2013 von fluthelfer in Kreis Lüneburg, Landkreis Lüchow-Dannenberg

Erfahrungen und Konsequenzen aus dem Hochwasser

Am Dienstag Nachmittag trafen sich in Bleckede Vertreter aus Niedersachsen, Mecklenburg-Holstein, Niedersachsen und Schleswig-Holstein, um sich über die Erfahrungen und Konsequenzen des gerade überstandenen Hochwassers auszutauschen. Staatssekretärin Almut Kottwitz (NMU) drängte dabei auf schnelle Maßnahmen zum Hochwasserschutz, denn „im Herbst könne schon das nächste Hochwasser“ kommen.

Zu dem Treffen waren auch die Landräte von Lüneburg und Lüchow-Dannenberg gekommen, die ministeriellerseits noch einmal ausdrücklich dafür gelobt wurden, dass sie den Katastrophenalarm so früh ausgelöst hatten. „Nun geht es allerdings darum, so schnell wie möglich vorbeugende Maßnahmen im Hochwasserschutz zu beschließen und umzusetzen,“ so Staatssekretärin Kottwitz. Denn nicht nur sie befürchtet, dass man sich bereits im Herbst mit dem nächsten Hochwasser beschäftigen muss.

Im Fokus stehen dabei auch die immer noch unbefriedigenden Prognosen. In der Woche vor dem Eintreffen des Flutscheitels mussten sich die Einsatzleitungen mit der nervenaufreibenden Situation auseinandersetzen, dass an einem Tag die Wasserstände katastrophal hoch prognostiziert wurden, um am nächsten Tag wieder nach unten relativiert zu werden. Erst kurz vor Eintreffen des Hochwasserscheitels näherten die Werte sich an. „Eine Konsequenz muss sein, dass die Prognosesituation sich verbessert,“ so Staatssekretärin Kottwitz. Kritik übte sie dabei konkret an der Arbeit der Hochwasserzentrale in Magdeburg. „Wir dürfen nicht nur die Technik verbessern, sondern die Erfahrung der Menschen muss auch mitgenommen werden,“ betonte die Staatssekretärin.

Lob für die gute Zusammenarbeit

Viel besser als im Jahre 2006 lief allerdings die länderübergreifende Zusammenarbeit in der Katastrophenbewältigung, da waren sich alle Anwesenden einig. Im Hochwasserschutzes müssen allerdings deutlich verbesserte länderübergreifende Konzepte entwickelt und verbindlich umgesetzt werden – auch da waren sich alle einig. damit die Deichverbände und Kommunen nicht alleine mit dem Problem da stehen. „Es kann nicht angehen, dass die Unterlieger den Preis für die Fehler der Oberlieger zahlen,“ war aus der Runde zu hören. „Wir müssen überlegen, wie wir die Oberlieger bei der Umsetzung effektiver Hochwasserschutzmaßnahmen unterstützen können,“ so die elegante Formulierung von Staatssekretärin Kottwitz. Denn nach ihrer Aussage sind zum Beispiel von den im Jahre 2006 verabredeten 20 Flutungspoldern längs der Elbe bisher lediglich die Hälfte umgesetzt worden.

In Sachen Verbuschung setzt bei der (grünen) Landesregierung offenbar ein Umdenken ein. „Wir werden bei der Verbuschung mit dem Naturschutz reden, denn wir dürfen nicht gegen EU-Regeln verstoßen,“ so Kottwitz. „Und von daher werden wir gemeinsam mit dem Naturschutz Konzepte entwickeln, wie durch Abbau der Verbuschung ein möglichst ungestörter Abfluss gewährleistet werden kann.“

Finanzen für die Hochwasserhilfe stehen bereit

 

Almut Kottwitz, aber auch Frank Doods, Staatssekretär im Niedersächsischen Finanzministerium , betonten, dass die Grundlagen für die Auszahlung der Soforthilfen sowie anderer Hochwasserhilfen geschaffen sind. „Bereits nächste Woche könnten die ersten Auszahlungen laufen,“ so Almut Kottwitz. Und: das Land wird bis zur Hälfte der Kosten für die Beseitigung der Sandsäcke übernehmen, damit niemand auf den Kosten sitzen bleiben muss. Unklar bleibt vorerst, ob dieses Angebot nur den Deichverbänden zu Gute kommt oder ob Gemeinden davon auch profitieren können.

Die Gelder für die Soforthilfe (Übersicht gibts hier!) sin d ebenfalls bereit gestellt, so dass bereits in der nächsten Woche mit der Auszahlung begonnen werden könnte, so Doods. Einerseits sollen die Soforthilfen so unbürokratisch wie möglich ausgezahlt werden, andererseits, so Doods, müsste die Organisation aber „so aufgesetzt werden, dass es zu guten Ergebnissen führt“.

In der Struktur wird es wohl ein Nebeneinander von Soforthilfen und dem Hochwasser-Fonds geben. Wie dieser inhaltlich ausgestattet sei bzw. wie sich die beiden Hilfsinstrumente voneinander abgrenzen, dass sei noch nicht geklärt, so Doods.

Grundsätzlich, so Doods weiter, müsse die Landesregierung sich die Frage stellen, welche Gelder mobilisiert werden müssen, um effektiven Hochwasserschutz zu realisieren? Vor dem Hintergrund, dass man sich regelmäßig auf hohe Hochwasser einstellen müsse, gewinne diese Frage zunehmend an Bedeutung. In diesem Zusammenhang verwies Lüchow-Dannenbergs 1. Kreisrat Claudius Teske darauf, dass das Bemessungshochwasser dringend neu festgelegt werden müsse. Dies müsse dann als Grundlage für einen noch zu entwickelnden „Masterplan Elbe“ genommen werden.

Vier neuralgische Punkte in Lüchow-Dannenberg

Nach der Flut von 2002 wurde in Lüchow-Dannenberg einiges in den Hochwasserschutz investiert. Viele Deiche wurden saniert, modernisiert oder völlig neu gebaut. So gab es dieses Jahr an vielen Stellen keine Probleme. Auch der mobile Deich in Hitzacker hielt dem massiven Druck stand – allerdings um den Preis, dass unzählige Helfer Tag und Nacht damit beschäftigt waren, Treibgut von der Spundwand fern zu halten, um Schäden durch Anprall zu verhindern.

Nach ersten Analysen der Ereignisse zeichnen sich für das Ministerium vier neuralgische Punkte ab, an denen der Hochwasserschutz dringend verbessert werden muss:

  • eine Deichstrecke von 14 km bei Hitzacker
  • Neu Darchau
  • Gartower Raum (Minderhöhen/Deichanschluss Am Helk)
  • Vietze („Ganz wichtig“ – Zitat Kottwitz)

Die Vertreterin der Landesregierung die Deichverbände und Kommunen darum, ihre Schäden so schnell wie möglich festzustellen und zu melden, damit möglichst bald ein Überblick über die tatsächliche Schadenshöhe vorliegt.

Quelle: wendland-net.de