Jetzt sterben die Fische

Veröffentlicht: Juni 26, 2013 von fluthelfer in Landkreis Lüchow-Dannenberg

 

Gartower Seeufer nach Hochwasser mit Fisch-Kadavern bedeckt – Heute Aufräumarbeiten

bp Gartow. Ralf Pevestorf stampft mit seinen Gummistiefeln durch Fisch-Kadaver. Hunderte.

Das Ostufer des Gartower Sees liegt voll davon – kleine Fischchen, aber auch Hechte, Schleie, Aale, Zander, Welse. Es riecht faulig-fischig. Während der Vorsitzende des Angelclubs Gartow und Umgebung einen Zander aufhebt und an eine mobile Waage hängt, schüttelt er den Kopf. »Das ist zum Heulen, der Edelfisch geht drauf», presst er durch die Zähne. Seit Sonntag zeigen sich die Ausmaße des Fischsterbens: Mit jedem Zentimeter, den das Wasser nach der Flut zurückweicht, kommen weitere Kadaver zum Vorschein. »Da wird noch einiges kommen», prophezeit Klaus Wiech, der zweite Vorsitzende des Angelclubs. Noch steht das Wasser zwei Meter über dem normalen Stand. Für die Angler sind die vielen toten Fische ein Desaster. Denn schon einmal, nach der Flut im Jahr 2002, gab es ein großes Fischsterben im See. Gleich tonnenweise sammelte man damals die Kadaver auf. »Es hat anschließend Jahre gedauert, um wieder auf das Niveau von vor der Flut zu kommen», erinnert sich Pevestorf. Seit 2011 war der Angelclub wieder sehr zufrieden mit dem Fischbestand im See: »Wir waren stolz darauf, wieder ein Gewässer mit so einem Bestand zu haben.»

Betrübt sind die Mitglieder des Vereins über das Massensterben zwar, wirklich überrascht sind sie hingegen nicht. »Schon als das Hochwasser auf den Landkreis zurollte, wusste ich, dass das so kommt», sagt Wiech. Stehe das Wasser während der sommerlichen Temperaturen tagelang auf den Wiesen, so komme es zu Gärprozessen, der Sauerstoffgehalt des Wassers sinke rapide. Für viele Fische bedeutet das den Tod durch Ersticken. Zuerst sind die Krebse dran, denn die brauchen besonders reines Wasser, dann die Edelfische, schließlich auch die Aale. »Das Wasser ist jetzt 24 Grad warm, normal sind 18», sagt Wiech.

Noch eine Vermutung haben die Vereinsmitglieder: Gülle und Dünger von den Feldern könnten gleich massenweise in den See gelangt sein und die Gärprozesse verstärkt haben. Das Wasser ist dunkel, stellenweise fast schwarz. »Den Bauern kann man das natürlich nicht vorwerfen, aber für den See ist das ein großes Problem», so Wiechs Einschätzung. Und auch der Tourismus-Standort Gartow hat ein Problem: »Die Fischerei ist ein großer Faktor für den Tourismus in der Region – wenn man hier jetzt im Sommer weder angeln noch baden kann, dann werden viele Urlauber wegbleiben», meint Pevestorf. Diese Einschätzung teilt die Gartower Samtgemeindeverwaltung. »Wir gehen von einem großen Verlust, von Stornierungsraten im Bereich zwischen 60 und 70 Prozent aus», sagt Ordnungsamtsleiter Lutz Haas. Auch die Auswirkungen auf den See als Badegewässer sind massiv. Noch gibt es zwar kein Badeverbot – »Bei dem Gestank geht da im Moment sowieso niemand rein» -, doch es steht zu vermuten, dass sich in den kommenden Wochen Algen bilden könnten, was ein Badeverbot als wahrscheinlich erscheinen lässt. Der See ist als EU-Badegewässer klassifiziert, das Gesundheitsamt nimmt regelmäßig Proben. »Vier Sterne werden wir in diesem Jahr wohl nicht bekommen», sagt Haas. Wegen des unerträglichen Gestanks und weil die Fische mit Abwässern konterminiert sein könnten, laufen die Aufräumarbeiten bereits heute an. Ab dem frühen Morgen sammeln freiwillige Helfer, die unter anderem die Samtgemeindeverwaltung zusammengetrommelt hat, die toten Fische ein. Die Kadaver landen in einem Container der Tierkörperbeseitigungsanstalt in Rotenburg-Mulmshorn. Friedrich Rössler von den Gräflich von Bernstorffschen Betrieben, die die Fischereirechte für den Gartower See besitzen, koordiniert die Arbeiten. Er rechnet damit, dass eine Aktion allein nicht reicht, um das Problem zu lösen: »Es wird sicherlich noch neue tote Fische geben.» In der kommenden Woche soll es deshalb wohl weitere Aktionen geben.

Quelle: ejz.de

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