Archiv für Juni 24, 2013

Bundeskabinett verabschiedet Nachtragshaushalt

Veröffentlicht: Juni 24, 2013 von fluthelfer in Zentrale der Deutschen Fluthilfe

Das Bundeskabinett hat am Montag nach Angaben aus Regierungskreisen einen Nachtragshaushalt für den Bund verabschiedet, der wegen des geplanten staatlichen Fluthilfefonds nötig wurde. Die für den Fonds vorgesehenen Mittel von acht Milliarden Euro werden demnach vom Bund durch Kreditaufnahmen vorfinanziert.

Die Nettokreditaufnahme des Bundes steigt damit in diesem Jahr auf 25,1 Milliarden Euro. Ursprünglich war eine  Neuverschuldung von 17,1 Milliarden Euro im Jahre 2013 vorgesehen.

Bund und Länder hatten sich Ende vergangener Woche darauf geeinigt, dass der Bund rund 1,5 Milliarden Euro an Kosten für Hochwasser-Schäden an der ihm zugeordneten Infrastruktur, wie zum Beispiel Autobahnen und Bundesstraßen, alleine trägt. Die restlichen 6,5 Milliarden Euro werden von Bund und Ländern je zur Hälfte übernommen. Die Länder leisten ihren Beitrag, indem sie jährlich die auf sie entfallenden Tilgungen und Zinsen zahlen.

Mit der Entscheidung im Kabinett rückt die Auszahlung der Hilfen an die Opfer und für den Wiederaufbau nach der Flut näher. Die Zustimmung des Bundestages und des Bundesrates in den nächsten Tagen gilt als gesichert.

Quelle: n-tv.de

Aufräumen, ausbessern und – ja – und einfach mal ausschlafen. So sieht derzeit der Tagesablauf der Magdeburger THW-Helfer aus. Nach drei Wochen Dauerkampf gegen das Hochwasser fordert auch die Nachbereitung wie schon der Einsatz selbst alle Kräfte der insgesamt 110 Köpfe starken Truppe

Freitagabend, 19 Uhr. Ein Hof im Encke-Carré dicht an der Beimsiedlung. Während sich viele Magdeburger aufs Wochenende freuen, werkeln in dem Garagenkomplex der ehemaligen Kaserne eine Handvoll THW-Helfer an Maschinen. „Wir machen gerade mal eine Bestandsaufnahme unserer Technik“, sagt THW-Zugführer Falk Lepie im scharfen Schein der Abendsonne. Hinter ihm und seinen THW-Helfern liegen anstrengende Wochen. Groß Rosenburg, Schönebeck, Magdeburg und auch Fischbeck – hier und an vielen anderen hochwassergefährdeten Stellen haben die Magdeburger THWler mitgeholfen, dass die Fluten nicht noch mehr mit sich rissen als ohnehin schon.

„14.000 Einsatzstunden kamen zusammen“, rechnete Lepie aus und nickt, als der Reporter nachfragt. „Ja, es ist der größte Einsatz seit 2002“. Und er hat geschlaucht.

Der Magdeburger THW-Ortsverband ist aber hart im Nehmen und kennt sich aus mit Katastrophenfällen. Vor allem die Fachgruppen „Führung und Kommunikation“ und „Wassergefahren“ zählen zu den Einheiten, die immer wieder bei Notfällen „rausgeworfen“ werden. Bundesweit kommen dann Magdeburger Helfer zum Einsatz. Meist aber nicht so schlagzeilenträchtig wie in diesem Jahr. „Wenn wir irgendwo in Bayern unterwegs sind, dann interessiert das hier zu Hause in der Regel kaum jemand“, sagt Falk Lepie.

Beim Hochwasser dieser Tage war das anders. Der Dauereinsatz am Deich vor der Haustür hat alle Kräfte gefordert, aber auch alles an Freundlichkeit geboten. Lepie nennt Beispiele: „In Cracau kam einfach so eine 80-Jährige auf uns zu und packte aus ihrem Körbchen Kanne, Tassen, Kaffee, Besteck und Kuchen aus und sagte: Jungs, nun haut mal rein.“ Oder die Sache auf dem Werder. Falk Lepie: „Wir waren da im Einsatz. Plötzlich hielt ein Auto an. Der Fahrer leierte die Scheibe herunter und sagte einfach nur: Danke“. Lepie läuft selbst beim Erzählen noch die Gänsehaut den Rücken runter. Das sind die Momente, in denen die Helfer wissen: Wir haben uns für den richtigen Dienst entschieden, auch wenn die Flut nicht immer zu bändigen ist.

Wie aber geht THW? Das THW ist als Bundesbehörde dem Innenministerium unterstellt und eine weitgehend ehrenamtliche schnelle Eingreiftruppe für Katastrophenfälle. Erdrutsche, Regenfälle, Überschwemmungen, Flussverschmutzungen, schwere Unfälle. Das THW kommt immer dann zum Einsatz, wenn schwere Technik gebraucht wird. Bei uns ist alles etwas größer und für den längeren Einsatz ausgelegt, erklärt Lepie

„Länger“ hat’s diesmal gedauert. Drei Wochen kämpften die Helfer gegen die Fluten. Rund 60 Magdeburger THWler waren draußen im Einsatz. „Wir sind froh, über eine schlagkräftige Einheit zu verfügen“, freut sich Falk Lepie. Rund ein halbes Jahr dauert die Grundausbildung zum „Helfer“. Danach geht’s in eine Spezialisierung. Am Ende stehen Einsätze wie beim Hochwasser. Mal 10-mal, mal 30-mal im Jahr, vorhersehbar ist das nicht. Klar ist aber für Zugführer Lepie: „THW kann Hochwasser“. Die Bändigung von Wassermassen ist eines ihrer Spezialgebiete. Mit ihren Booten wurden die Maßnahmen rund um den Deichbruch bei Groß Rosenburg abgesichert. Mit ihrem Können wurden die Schuten für die Deichbruchstelle in Fischbeck fürs kontrollierte Versenken schon in Rothensee vorbereitet.

Und mit ihrer Anleitung wurden Tausende Meter Sandsackwälle korrekt verbaut. Oder auch das: Die überwältigende Hilfsbereitschaft der Magdeburger und anderer Einsatzkräfte nützt nur etwas, wenn sie koordiniert abläuft. Das THW hat mit seiner Führungsgruppe genau an diesem Punkt angesetzt.

Lepie: „Wir haben dafür ausgebildete Leute, die das Chaos beherrschen.“ Selbst Polizei und Zoll greifen regelmäßig auf die Magdeburger Helfer zurück. Wenn Großkontrollen anstehen, legt das Magdeburger THW mit seiner mobilen Führungsstelle die technischen Grundlagen für den Einsatz.

Doch der Einsatz fordert auch seinen Tribut. Bei den Leuten, die einfach ausgepowert sind, bei den Arbeitgebern, die ihre Mitarbeiter wieder im Betrieb sehen wollen und bei der technischen Ausrüstung. Auf mehrere 10000 Euro beläuft sich der Schaden an Werkzeugen, Pumpen, Motoren und Fahrzeugen.

„Alles haben wir noch gar nicht gesehen“, sagt Falk Lepie. Tragischerweise sorgt also nun ausgerechnet eine Flut für Ebbe in der Ortsverbandskasse. „Wir werden zwar vom Bundesinnenministerium finanziert. Aber wie das mit einem Etat so ist: Steht plötzlich ein so großer Einsatz mit all seinen Folgen an, ist damit schon im Juni der Jahresetat aufgebraucht“, sagt Falk Lepie und fügt hinzu: „Wir müssen nun zusehen, wie wir die restlichen sechs Monate finanziert bekommen.“

In Gefahr ist beispielsweise die Fahrt der Jugendgruppe zum 20-jährigen Bestehen des Ortsverbandes im Herbst. „Da weiß ich im Moment nicht, wie ich’s bezahlen soll. Das geht eigentlich nur noch über Spenden“, sagt Lepie. Und noch ein Problem gibt es: Käme nächste Woche schon wieder ein Hochwasser, wäre die Ortsgruppe nur gut zur Hälfte einsatzbereit.

Auch um das zu ändern, werkelten die THW-Helfer am Freitagabend in ihrem Stützpunkt. „Aber trotz aller Anstrengung macht es uns Spaß“, versichert Falk Lepie und gesellt sich nach dem Volksstimme-Gespräch wieder zurück zu seinen Jungs an der Garage, die sich eben mal eine Pause gönnen. Die Abendsonne wirft unterdessen lange Schatten.

Kontakt zum THW: Offener Treffpunkt jeden Mittwoch 17-19 Uhr, An der Enckekaserne 7, www.ov-magdeburg.thw.de, Telefon 0391 – 734 84 80 (mittwochs 17-19 Uhr)

http://www.volksstimme.de/nachrichten/sachsen_anhalt/1097424_Zwischen-Gaensehaut-und-Motorschaden-THW-Helfer-haben-nun-selber-Hilfe-noetig.html

Aigner sagte schnelle Auszahlung der Hochwasser-Hilfen zu

Veröffentlicht: Juni 24, 2013 von fluthelfer in Passau

Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner ist Befürchtungen entgegengetreten, dass es Verzögerungen bei der Auszahlung der angekündigten Flut-Hilfen geben könne. Nachdem die Finanzierungsfrage zwischen Bund und Ländern geklärt sei, könne es mit Hochdruck an die Umsetzung gehen, sagte die CSU-Politikerin der «Passauer Neuen Presse». Die schwarz-gelbe Koalition will heute den Fluthilfe-Fonds zur Beseitigung der Hochwasserschäden auf den Weg bringen. Er umfasst bis zu acht Milliarden Euro und wird von Bund und Ländern gemeinsam finanziert. (dpa)

Quelle: fr-online.de

Bundesgartenschau-Ort Havelberg hofft auf Besucher

Veröffentlicht: Juni 24, 2013 von fluthelfer in Havelberg

In der tausend Jahre alten Domstadt Havelberg in Sachsen-Anhalt, einer der Veranstaltungsorte der Bundesgartenschau 2015, sorgen sich die Verantwortlichen nach dem Hochwasser um ausbleibende Besucher. «Die Touristen meiden uns, obwohl es dafür keinen Grund mehr gibt», sagte Bürgermeister der Hansestadt, Bernd Poloski (parteilos), auf Anfrage. Nach dem Deichbruch von Fischbeck waren im Süden liegende Dörfer vor der Stadt von Hochwasser betroffen. Aus südlicher Richtung kann Havelberg nicht über die noch immer gesperrte Bundesstraße 107 erreicht werden. (dpa)

Quelle: fr-online.de

Stars singen in Hamburg für Flut-Opfer

Veröffentlicht: Juni 24, 2013 von fluthelfer in Hamburg

 

Ein Benefiz-Konzert mit einem hochkarätig besetzten Star-Ensemble hat in Hamburg mindestens 40 000 Euro für die Hochwasser-Opfer entlang der Elbe eingebracht.

Künstler und Bands wie Sasha, Revolverheld oder Tonbandgerät sammelten am Sonntag unter dem Namen «Elballianz» bei den Zuhörern auf der Reeperbahn mit ihrem Auftritt Spenden für die Hochwasserhilfe des Deutschen Roten Kreuzes. Auch Unternehmen unterstützen die Aktion mit Sach- oder Geldspenden. Die Polizei zählte 3000, die Veranstalter bis zu 10 000 Zuhörer.

Den Auftakt machten der Liedermacher Rolf Zuckowski und sein Chor der Elbkinder. «Wir haben die Flut bei einem Konzert in Prag anschwellen sehen und dachten uns, jetzt kommt’s dicke», sagte Zuckowski zwischen zwei Stücken, «aber dass es so heftig wird, hatten wir nicht gedacht.» Gemeinsam mit Theaterchef Corny Littmann trommelte er innerhalb weniger Tage die prominente Truppe zusammen, organisierte Sponsoren und Unterstützer. Für Zuckowski ging das Konzept auf. «Zufrieden ist kein Begriff, ich bin überwältigt. Aus den Augen der Leute kann ich herauslesen, dass sie wegen der Sache und nicht wegen der Stars gekommen sind», sagte der Musiker.

Dabei hatte die Veranstaltung zeitweise mit heftigem Platzregen zu kämpfen. «Wir Hanseaten sind Schietwetter gewöhnt», sagte Moderator Corny Littmann. «Die Leute an der Elbe sind viel schlimmer dran.» Die Initiative «Elballianz» geht auf Zuckowski und Theaterchef Littmann zurück. Nach Angaben der Veranstalter sind mehr als 3000 Einsatzkräfte des DRK nach wie vor in den Hochwassergebieten in Deutschland im Einsatz.

Die Flutopfer können jeden Euro Hilfe gebrauchen: Schätzungen zufolge soll die Katastrophe in Deutschland Schäden in zweistelliger Milliarden-Höhe angerichtet haben. Allein für die Wirtschaft rechnen Fachleute mit mindestens elf Milliarden Euro. Die Bundesregierung hatte jüngst angekündigt, den betroffenen Gebieten mit acht Milliarden Euro unter die Arme zu greifen. (dpa)

Quelle: fr-online.de

Wunsch nach mehr Schutz

Veröffentlicht: Juni 24, 2013 von fluthelfer in Landkreis Lüchow-Dannenberg

In Damnatz macht man sich Sorgen, ob die Deiche auch bei der nächsten Jahrhundertflut noch halten

Es riecht modrig am Damnatzer Elbedeich. Das zurückgewichene Wasser der Rekordflut hat eine grau-braune Schicht auf den Pflanzen und jede Menge Treibgut zurückgelassen, das nun in den Bäumen und Büschen im Elbvorland hängt oder am Deich liegt.

Und noch ist die Elbe nicht wieder in ihr eigentliches Bett zurückgekehrt, es ist noch immer »ein ordentliches Hochwasser», das da am Deich steht, sagt Damnatz» Bürgermeister Torsten Schulz. Seine Gemeinde ist nur knapp einem Unglück entgangen, weiß Schulz, leicht hätten die prognostizierten Rekordpegelstände die Deiche überspülen oder brechen lassen können. Dass es nicht so kam, ist Glück gewesen, oder besser gesagt: das Pech anderer, denn vor allem der Deichbruch bei Fischbeck war es, der auch die Damnatzer Deich entlastete. Doch auf Glück kann man sich bei Hochwasser nicht verlassen, sagt Schulz. Und daher fordern er und sein Gemeinderat die Verantwortlichen nun zum Handeln auf.

Es gibt nämlich Schwachstellen in dem Deichsystem, das Damnatz und seine Ortsteile schützt, und die müssen nun dringlich beseitigt werden, fordert der Gemeinderat. Denn man rechne damit, dass die nächste Jahrhundertflut nicht lange auf sich warten lassen wird, betont Schulz. Exakt einen halben Meter höher als beim bis dahin amtierenden Rekordhochwasser von 2011 stand die Elbe vor nicht einmal zwei Wochen am Damnatzer Deich, und das seien »keine Zahlen zum Prahlen», so Schulz. Vielmehr würden sie verdeutlichen, dass Handlungsbedarf bestehe. Und zwar dringend.

Ein flexibler und vor allem ganzjähriger Rückschnitt der Bäume und Büsche im Elbvorland sei nötig, heißt es in einem Schreiben des Damnatzer Gemeinderates an Landrat Jürgen Schulz. Auch müsse am Deich zwischen dem Damnatzer Friedhof und Penkefitz der Binnendeichfuß mitsamt des darauf verlaufenden Deichverteidigungsweges erhöht werden, um zu verhindern, dass dort Wasser durchsickert, und die maroden Pflasterstraßen auf dem Deich müssten durch haltbare Betonbahnen ersetzt werden, um sie künftig bei der Deichverteidigung nutzen zu können, fordert der Damnatzer Gemeinderat. Wichtig seien aber auch länderübergreifende Maßnahmen zur Schaffung von Polderflächen, und zwar nicht nur an der Elbe, sondern auch an ihren Zuflüssen.

Ein Schild hat Torsten Schulz anfertigen lassen. Darauf sind die Hochwasserereignisse der vergangenen Jahre aufgezeichnet, beginnend mit dem sogenannten Jahrhunderthochwasser des Jahres 2002. Die Liste endet mit dem Hochwasser dieses Jahres und einem Pegel von 8,20 Meter. Darunter ist noch Platz, denn »wir glauben nicht, dass dieser Rekord lange Bestand haben wird», sagt Torsten Schulz. Und daher müsse man nun »mit allen Beteiligten unbürokratisch Maßnahmen zu unserem Schutz einleiten», betont der Bürgermeister. Sonst komme beim nächsten Hochwasser die Elbe auch in Damnatz über die Deiche, und dann sei mit ähnlichen Schäden zu rechnen wie aktuell in Fischbeck oder großen Teilen Bayerns. »Bei einem Deichbruch hier wäre die gesamte Dannenberger Marsch betroffen», sagt Schulz. Das bedeutet: viele tausend Menschen in vielen tausend Häusern.

Doch nicht nur mahnen, auch danken wolle man als Gemeinderat, sagt Torsten Schulz. Danken für »die rechtzeitig und weitsichtig eingeleiteten Maßnahmen» zur Deichverteidigung, so Schulz. Ausdrücklich sei damit auch das Ausrufen des Katastrophenalarms durch Landrat Schulz gemeint, lobt der Damnatzer Bürgermeister seinen Namensvetter im Kreishaus. »Man wird hier an der Elbe niemanden finden, der das nicht begrüßt und Jürgen Schulz dabei unterstützt. Schon gar nicht so nahe am Deich.»

http://www.ejz.de/index.php?&kat=50&artikel=110346251&red=28&ausgabe=

Die Jahrhundertflut 2002 in Sachsen

Veröffentlicht: Juni 24, 2013 von fluthelfer in Sachsen

Nach schweren Regenfällen und Hochwassern in Italien, Österreich und Tschechien lässt der aufkommende Regen nun auch in Sachsen die Sorgen wachsen. Bange Blicke richten sich auf die Elbe, die aus Tschechien immer mehr Wasser heranführt. Womit jedoch kaum jemand rechnete – Tod und Verwüstung kamen zuerst über sonst kleine Flüsse aus dem Erzgebirge.

9. August, Freitag: Die Elbe-Pegel steigen

Starke Niederschläge in der Tschechischen Republik lassen auch die Pegel der Elbe in Sachsen rasch steigen. Nach einem Stand von 1,68 Meter am Donnerstag klettert die Messmarke in der Landeshauptstadt Dresden bis zum Nachmittag auf 2,97 Meter. Die Behörden rufen Hochwasser-Alarmstufe 2 aus, die Sächsische Dampfschifffahrt sagt alle geplanten Fahrten für das Wochenende ab.

10. August, Sonnabend: „Ilse“ erreicht das Erzgebirge

Das Tief „Ilse“, das sich über dem Mittelmeer mit Wasser vollgesogen hat, zieht an den Alpen vorbei in Richtung Erzgebirge. In Italien und Österreich regnet es seit Tagen heftig, in Österreich gibt es ebenso Hochwasser wie in Tschechien, wo eine Flutwelle der Moldau sich in Richtung der Elbe bewegt. Auch im Süden von Deutschland werden Unwetterwarnungen herausgegeben, unter anderem für den Raum Passau und weitere Teile von Bayern.

Derweil überschreitet der Elbe-Pegel in Dresden die Fünf-Meter-Marke. In Schöna an der tschechischen Grenze wird bei einem Wasserstand von sechs Meteren die Alarmstufe 3 ausgerufen. Dennoch sind nach der Einschätzung des sächsischen Innenministeriums vorerst keine großen Schäden zu befürchten.

11. August, Sonntag: Die Flut bahnt sich an

Der Sturm drückt die Regenwolken an den Kamm des Erzgebirges. Am Abend dieses Tages gibt es Unwetterwarnungen für Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Der Deutsche Wetterdienst geht gegen 23.00 Uhr von Regenmengen bis zu 40 mm pro Quadratmeter aus – zunächst. Der private Wetterdienst von Jörg Kachelmann kündigt sogar bis zu 100 mm/m² in den kommenden 24 Stunden vor allem für den Süden von Sachsen an.

Besonders im Erzgebirge, in der Gegend um Zinnwald, hört man diese Meldungen mit Sorge. In der Umgebung entspringen die Rote Weißeritz und die Wilde Weißeritz, die sich vor Freital vereinigen. Nicht weit entfernt davon hat die Müglitz ihren Ursprung und etwas weiter nördlich die Lockwitz, auch Lockwitzbach genannt. Alle diese Flüsse münden in Dresden schließlich in die ohnehin schon viel Wasser führende Elbe.

Am Nachmittag wird es fast überall in Sachsen recht stürmisch, es beginnt zu regnen, in der Nacht dann immer heftiger. Der Elbe-Pegel in Dresden lag gegen 6.00 Uhr morgens schon bei 5,58 Metern, sinkt aber nun bis 20:00 Uhr noch einmal leicht auf 5,48 Meter – eine trügerische Entspannung.

12. August, Montag: Das Bergwasser kommt

Die Weißeritz wälzt sich nach Dresden

Zu Beginn der neuen Woche nimmt die Jahrhundertflut ihren katastrophalen Lauf. Seit der Nacht regnet es wie aus Eimern. Im Süden von Sachsen fallen 30 Liter Regen pro Stunde und Quadratmeter. Im Quellgebiet der Weißeritz bei Zinnwald-Georgenfeld wird zwischen dem 11. und dem 13. August 2002 die höchste jemals an diesem Ort gemessene Niederschlagsmenge ermittelt – 500 mm pro Quadratmeter.

Im Lauf des Tages steigt die Weißeritz rasant an, Staustufen laufen über. Auch die Müglitz hält es nicht mehr in ihrem Bett. In Ufernähe werden Häuser mitgerissen. In Weesenstein sitzt eine Familie fünf Stunden auf der letzten Mauer ihres Hauses, die wie durch ein Wunder hält. Ein Bundesgrenzschutz-Hubschrauber rettet sie. Ein anderes Ehepaar jedoch kommt ums Leben. Die Weesensteiner waren nicht gewarnt, weder von den Hochwasserzentralen, noch durch Orte vor ihnen. In Glashütte hatte sich kurz zuvor nach dem Dammbruch eines Rückhaltebeckens eine Schlammlawine durch die Stadt gewälzt und große Teile zerstört. Auch andere Orte an der Müglitz wie Schlottwitz wurden schwer getroffen.

Auch an Weißeritz und Priesnitz entkommen viele Menschen nur knapp dem Wasser. Viele Orte an den Erzgebirgsflüssen sind wegen überfluteter Straßen in Ufernähe von der Außenwelt abgeschnitten. Der Strom fällt aus. Für den ganzen Weißeritzkreis, für viele weitere Landkreise im Erzgebirge und Dresden wird der Katastrophenalarm ausgelöst. Die Weißeritz führt jetzt das hundertfache ihrer normalen Wassermenge. Die Talsperre Malter an der Roten Weißeritz läuft über, ebenso die kleineren Talsperren Klingenberg und Lehnmühle.

In Dresden-Klotzsche werden vom 11. August 20.00 Uhr bis zum Abend dieses Tages 127 mm Regen pro Quadratmeter gemessen. Bis zum folgenden Tag 20.00 Uhr sind es sogar 183 mm/m². Der Elbe-Pegel war am Morgen zwar auf 5,25 Meter gesunken. Trotzdem gibt es im tief liegenden Laubegast schon erste Überflutungen. Am Abend werden in Dresden die ersten Straßen gesperrt und erste Buslinien eingestellt.

Gegen 21.30 Uhr beginnt die Evakuierung von Freital, einschließlich des Krankenhauses. Hier verlässt die Weißeritz ihr Bett und fließt in hohem Tempo in Richtung Landeshauptstadt weiter.

Gegen 22.30 Uhr tritt die Weißeritz auch an der Nossener Brücke in Dresden über die Ufer und ergießt sich in die Friedrichstadt. Über die Freiberger Straße sucht das Wasser den Weg zum Hauptbahnhof. Die Umspannwerke fallen aus, viele Dresdner sind ohne Strom. Das Kraftwerk Nossener Brücke ist überflutet.

Alarm an der Freiberger Mulde – Talsperre Lichtenberg in Gefahr

In Freiberg hatte Landrat Volker Uhlig gegen 15.30 Uhr für den Kreis Katastrophenalarm ausgerufen und das Überlaufen der Talsperre Lichtenberg angekündigt. Gefährdet sind alle Anlieger der Freiberger Mulde. THW und örtliche Feuerwehren sind schon seit dem Morgen in vielen Orten im Einsatz, bald auch in Riesa. Einwohner müssen gerettet, Gebäude gesichert werden. In Lichtenberg wird eine wichtige Brücke weggeschwemmt. Innerhalb von zwei Tagen montiert das THW mit der Hilfe einer Metallbaufirma eine Notbrücke.

Im Kreis Stollberg lässt der Dauerregen viele Bäche über die Ufer treten, Keller laufen voll. Am Nachmittag wird der Schulunterricht eingestellt. Die Zwönitz ist von einem sonst kniehohen Bach von nur 40 bis 50 Zentimetern Tiefe zu einem Hochwasser führenden Fluss mit fast zwei Metern angewachsen. Viele Dörfer sind überschwemmt, für Thalheim wird jetzt Katastrophenalarm ausgelöst. Mit Sandsäcken wird versucht, Häuser zu schützen. Die Straßen in das überflutete Dorfchemnitz sind gesperrt. Auch die Würschnitz tritt über die Ufer. In Nieder- und Neuwürschnitz müssen die Leute zusehen, wie ihr Hab und Gut versinkt.

In Teilen von Sachsen sind an diesem Tag in zwölf Stunden 80 Liter Regen pro Quadratmeter gefallen. Auch wenn der Niederschlag am Nachmittag ein wenig nachlässt – es regnet immer weiter. Vielerorts gilt Katastrophenalarm. In der kommenden Nacht werden auch Mulde-Städte wie Döbeln und ganz besonders Grimma von der Flut heimgesucht – mit dramatischen Folgen.

13. August, Dienstag: Die Katastrophe ist da

Um 03.00 Uhr beginnt die Evakuierung der Dresdner Friedrichstadt. Etwa drei Stunden später schießt die Weißeritz durch den Hauptbahnhof, überflutet Semperoper, Zwinger und Landtag. Die östliche Seevorstadt macht ihrem Namen alle Ehre. Der große Garten, aber auch Wiener Platz und Stadtgebiete östlich des Postplatzes stehen nunmehr komplett unter Wasser.

Morgens um 04.00 Uhr steht auch die Elbe in Dresden bei 6,65 Metern. Sie war also in einem Tag um mehr als einen Meter gestiegen. Doch aus Tschechien kündigt sich weitaus mehr an: Die Moldau hatte in Prag einen Durchfluss von mehr als 3.000 Kubikmetern pro Sekunde, mehr als das 20-fache ihres Normalwerts, Tendenz steigend. Im Raum Königstein tritt die Elbe schon über die Ufer. Im Lauf des Tages steigt der Elbe-Pegel in Dresden über sieben Meter. Überall in der Stadt werden Sandsäcke gefüllt, die Schulen bleiben zu, hunderte Patienten werden aus dem Krankenhaus Friedrichstadt geholt.

In Freital ist das Wasser jetzt durch gar nichts mehr aufzuhalten. Weitere Staustufen und Talsperren sind übergelaufen – die Weißeritz fließt, wohin sie will. Das Altenheim wird evakuiert.

Verkehrschaos in Dresden, Richtung Innenstadt geht kaum noch etwas. Doch auch elbnahe Vororte sind immer schwerer zu erreichen. Überschwemmt wird an diesem Morgen auch das Ufer von Laubegast. Hier erreicht das Wasser erste Gebäude, während der Lockwitzbach und der Flutgraben ihre Betten verlassen. Das Wasser strömt durch Leuben in Richtung Elbe. Teile von Dresden und auch Heidenau südlich der Elbe sind zerschnitten. Es gibt Stromausfälle. Die Gemälde werden aus den Kellerdepots des Zwingers geholt und ausgelagert.

Land unter in Grimma und Döbeln

Unterdessen frisst sich die Mulde unaufhaltsam durch Grimma. Viele Menschen müssen hier aus der Luft gerettet werden. Erste Häuser stürzen ein. Die Stadt war in der Nacht von den Fluten der Mulde überspült worden. Ein Schaden von rund 250 Millionen Euro entsteht hier. Die historische Pöppelmannbrücke wird schwer beschädigt, und es wird Jahre dauern, sie wieder aufzubauen.

Auch die Stadt Döbeln wird von der Freiberger Mulde schwer getroffen. Am späten Abend rettet hier der 21 Jahre alte Alexander Stiller den 30 Jahre älteren Hausmeister Hans-Rainer Kostial. Die beiden halten sich sieben Stunden lang an einem Laternenpfahl fest. Das kalte, reißende Wasser steht ihnen bis zum Hals. Immer wieder kommen Baumstämme, Mülltonnen und andere Gegenstände angeschossen. Zwei Bergungsversuche misslingen. Erst am nächsten Morgen gegen 06.00 Uhr werden sie erlöst.

Auch in anderen Teilen Sachsens sind Telefonnetz und Stromversorgung ausgefallen; und vor dem jetzt „Jahrhundertflut“ genannten Hochwasser müssen noch rund 30.000 Menschen in Sicherheit gebracht werden.

14. August, Mittwoch: Warten auf die zweite Welle

Der Regen lässt nach, doch die Pegel der Elbe klettern weiter. Während ihre zweite Flutwelle auf Dresden zurollt, weiß niemand, wie hoch der Fluss nun noch steigen wird. Am Morgen stand der Pegel in Dresden bei 6,92 Metern, abends um 21.00 Uhr werden 7,05 Meter gemeldet. In der Nacht zuvor war die Moldau mit 5.000 Kubikmetern pro Sekunde durch Prag geflossen; die Pegel-Prognose für die Elbe bei Usti in Tschechien ist erschütternd: 12,50 Meter. Die Prognosen zum möglichen Pegel in Dresden liegen zwischen neun und zehn Metern. Der Normalwert liegt knapp unterhalb von zwei Metern.

Weitere Evakuierungsmaßnahmen in Dresden laufen an. Am Abend beginnt die Räumung der Universitätsklinik. Das Rudolf-Harbig-Stadion, das Heinz-Steyer-Stadion und das Eisstadion stehen komplett unter Wasser. Das Laubegaster Ufer ist größtenteils überflutet, überall werden jetzt Sandsäcke abgefüllt und aufgestapelt. Aus allen Teilen Deutschlands kommen Soldaten, Mitarbeiter des Technischen Hilfswerks und freiwillige Helfer.

An diesem Abend ist die Polizei in Elbnähe unterwegs und ruft dazu auf, höhere gelegene Gebiete aufzusuchen. Evakuierungen werden angeordnet, Hubschrauber kreisen über der Stadt, in der nachts nach weiteren Stromabschaltungen eine gespenstische Ruhe herrscht, untermalt nur vom Glucksen des Wassers und gelegentlich gestört vom Knattern der Helikopter. In der Nacht wird auch die Flutgrabenbrücke an der Wehlener Straße gesperrt, der Straßenbahnverkehr eingestellt.

Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hatte an diesem Tag das Katastrophengebiet in Grimma besucht und Soforthilfe versprochen. In Berlin beschloss die Bundesregierung ein Zwölf-Punkte-Programm für die Opfer des Hochwassers mit Direkt-Hilfen von 100 Millionen Euro. Auch Sachsens Regierung beschließt Finanzhilfen. Schröder hat im Bundestagswahlkampf nun sein Thema gefunden. Er verspricht, es werde niemandem schlechter gehen als vorher.

Das Hochwasser hat inzwischen acht Todesopfer gefordert.

15. August, Donnerstag: Land unter in Sachsen

Während am Oberlauf der Weißeritz schon die Aufräumarbeiten beginnen, werden jetzt die Innenstädte von Pirna und Meißen von der Elbe überflutet; die Meißner Porzellan-Manufaktur wird dabei teilweise zerstört. In der Sächsischen Schweiz werden ganze Ortschaften evakuiert. Hier wird mit der nächsten Flutwelle ein Elbe-Pegel von bis zu zwölf Metern erwartet.

In Dresden übersteigt der Pegel des Flusses im Lauf des Tages die seit dem Jahr 1845 nicht mehr überschrittene Acht-Meter-Marke. Am Ende des Tages steht er bei 8,65 Metern.

Lebensmittelgeschäfte werden leer gekauft. Besonders gefragt sind Getränke, denn nach dem Abzug der Wolken wird es wieder sehr heiß. Die Stadtteile Laubegast, Kleinzschachwitz und auch Zschieren werden überschwemmt.

Im Nordwesten der Stadt tritt das Wasser über den Damm in Gohlis, Teile von Cossebaude, Mickten, Kaditz und Niederwartha werden überflutet. Auch das Krankenhaus Neustadt und das Diakonissen-Krankenhaus werden geräumt. Wie zuvor aus dem Krankenhaus Friedrichstadt und der Universitätklinik werden viele Patienten in andere Städte gebracht.

Seit dem Morgen liegt ein unangenehmer Geruch über den Flutgebieten. Laubegast wird nach und nach zu einer Insel. Nur noch die mit Sandsäcken gesicherte Leubener Straße steht zur Verfügung. Nachmittags ruft die Polizei mit Lautsprecherwagen die Bewohner besonders gefährdeter Bereiche auf, die letzte Chance zu nutzen und Laubegast jetzt zu verlassen. Am Abend dringt das Wasser überall in die Keller ein. Versuche, es mit Sperren und Sandsäcken abzuwehren werden aufgegeben. Für die Nacht sind Wachen eingeteilt.

16. August, Freitag: Die Elbe steigt immer weiter

Das St.-Joseph-Stift ist jetzt das einzige nicht evakuierte Krankenhaus in Dresden. Am Abend beginnen jedoch sieben Löschzüge der Feuerwehr ihren Kampf gegen eindringendes Wasser aus der Kanalisation. Gegen 22.00 Uhr wird hier ein Mädchen namens Sophia geboren, mit dem sich Chefarzt Frank Berchtig auf dem Balkon den Rettungskräften zeigt – um ihnen Mut zu machen. Das St.-Joseph-Stift erlebte während es Hochwassers eine regelrechte Baby-Flut. Mehr als 40 Mädchen und Jungen werden in diesen Tagen hier geboren.

Am Morgen stand der Elbe-Pegel bei 8,88 Metern, um 20.00 Uhr bei 9,29 und um 24.00 Uhr sogar bei 9,38 Metern. Das erste Mal seit dem Beginn der regelmäßigen Pegel-Aufzeichnungen vor mehreren hundert Jahren durchbricht die Elbe in Dresden die Neun-Meter-Marke. Doch noch immer scheint die Maximalhöhe nicht erreicht zu sein.

Das öffentliche Leben in der sächsischen Hauptstadt steht nahezu vollständig still. Das Klärwerk Kaditz wird überflutet, weil ein Damm gebrochen ist. Seine Abwässer fließen ungeklärt in die Elbe. Im alten Flughafen-Terminal Klotzsche ist ein provisorisches Krankenhaus eingerichtet.

In Königstein erreicht der Elbe-Pegel jetzt seinen höchsten Stand seit 1845. Es sind 11,85 Meter, normal wären etwa 2,20 Meter. Doch der Scheitel der Welle ist noch nicht angekommen. Bei Riesa stürzen die Eisenbahnbrücken Röderau und Bobersen ein. Der Verkehr auf den Bahnstrecken Leipzig-Dresden und Chemnitz-Berlin wird eingestellt. Am Abend erreicht der Flutscheitel Schöna an der Grenze zu Tschechien mit dem Höchststand von 12,02 Metern.

17. August, Sonnabend: Der Scheitel der Welle

Um 07.00 Uhr erreicht die Elbe in Dresden bei 9,40 Metern ihren Höchststand. THW und Feuerwehren geben den Kampf um die Innenstadt auf, ihre Pumpen bewahren allerdings die Semperoper vor dem Schlimmsten. Viele vom Wasser eingeschlossene Dresdner werden unterdessen von Schwimmpanzern mit Lebensmitteln und Getränken versorgt.

Ein Siebtel des Stadtgebiets ist mittlerweile überschwemmt. Die Polizei versenkt im Lauf des Tages eine führerlos treibende Fähre, die mit der Elbe-Brücke „Blaues Wunder“ zu kollidieren droht. Alle Brücken, bis auf die der Autobahn 14, sind gesperrt. Tausende Helfer sind im Einsatz.

Gegen Mittag verbreitet die Meldung etwas Hoffnung, dass der Elbe-Pegel leicht zurückgeht, bis 23.00 Uhr um 20 Zentimeter. Bundespräsident Johannes Rau erklärt beim Besuch in Döbeln die Hilfe für die Flut-Opfer zur „nationalen Aufgabe“. In Pirna entsteht ein Zeltlager für 10.000 Menschen.

Die CDU-Ministerpräsidenten von Sachsen, Sachsen-Anhalt und von Thüringen, Georg Milbradt, Wolfgang Böhmer und Bernhard Vogel, treffen sich mit dem CSU-Kanzlerkandidaten der Union, Edmund Stoiber, um über die Folgen und die Hilfe in der Hochwasserkatastrophe zu beraten.

18. August, Sonntag: Der Dammbruch bei Torgau

Nach langem Kampf mit Sandsack, Schaufel und Bagger bricht um 9.05 Uhr vor Dautzschen der Deich an der Elbe auf 30 Metern Länge. Die Bewohner des Dorfs bei Torgau in Nordsachsen müssen ihre Häuser verlassen. Während die meisten dem Aufruf folgen und sich in das militärische Schutzgebiet im Wald begeben, bleiben einige auf ihren Höfen, um sich um die Tiere zu kümmern.

Unterdessen sinkt in Dresden der Elbe-Pegel jetzt schneller als erwartet, von 06.00 Uhr morgens bei 8,95 Metern bis 20.00 Uhr abends auf 8,15 Meter. Erste Aufräumarbeiten können beginnen. Sie lassen zunächst aber nur das Ausmaß des Schadens erahnen. Die akute Gefahr für Sachsen ist nach den Worten von Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU) vorbei. Neben Schlamm und Verwüstung aber bleiben Gefahren: Das Grundwasser drückt in die Häuser, die Statik des Herzzentrums und des St.-Benno-Gymnasiums in Dresden ist in Gefahr.

In der Mulde im Chemnitzer Land wird die Leiche eines Mannes gefunden. Es ist das elfte bekannte Todesopfer in Sachsen.

19. August, Montag: Entspannung und erste Kritik

Der Pegel in Dresden steht bei 7,61 am Morgen und am Abend bei 6,93 Metern. Er sinkt weiterhin schnell. Viele Straßen bleiben jedoch unpassierbar sind weiter gesperrt, ebenso die wichtigsten Brücken. In den Kellern sind viele Elektro- und Heizungsanlagen zerstört. Ein Großteil der Bürger darf zurück in die Häuser. Die Stadt beginnt mit der Auszahlung von Soforthilfe.

In ganz Sachsen haben nun die Aufräumarbeiten begonnen. Es ist wieder sehr heiß geworden, der trocknende Schlamm wird hart wie Beton. Dazu kommen der Staub und der Geruch von Moder und Diesel. Alles ist mit graubraunem Schlamm und mit Staub überzogen. Vor allem in Dresden sind die Straßen mit stinkendem Sperrmüll vollgestellt. Es türmen sich Schutthalden, denn überall werden jetzt Keller und Wohnungen geräumt.

Mit der Entspannung in Sachsen wird erste Kritik laut: Wissenschaftler vom „Institut für ökologische Raumentwicklung“ in Dresden mahnen eine Renaturierung der Elbe an, weil ihr durch die menschlichen Eingriffe nach Meinung der Forscher rund 80 Prozent der natürlichen Flutungsfläche fehlten. Auch die Weißeritz hatte sich in Dresden ihr altes Flussbett auf ihrem Weg in die Elbe zurückerobert.

Bis jetzt sind 15 Todesopfer gezählt, noch 26 Menschen werden vermisst.

20. bis 22. August: Das große Aufräumen beginnt

20. August, Dienstag: Die Müllberge wachsen

Der Elbe-Pegel in Dresden sinkt von 6,40 Metern um 06.00 Uhr morgens bis 20.00 Uhr auf 5,67 Meter und danach schnell weiter. Nach wie vor aber drohen durchnässte Dämme zu brechen. Tausende Helfer arbeiten rund um die Uhr, um das zu verhindern. Die Menschen versuchen, zur Normalität zurückzukehren.

Die Krankenhäuser fangen wieder an zu arbeiten, doch auch in Dresden stehen noch immer viele Häuser unter Wasser. Währenddessen wachsen die Halden am Straßenrand, die Straßen werden schmaler, der Verkehr aber stärker. Müll und Schlamm türmen sich, und die Stadtreinigung wird von Kollegen aus Cottbus, Erfurt und Leipzig unterstützt.

In ganz Sachsen sind, ohne das Elbtal, 740 Kilometer Straßen und 180 Brücken zerstört. Die Bahn beklagt mit 538 Kilometern Schienenwegen den Verlust eines Fünftels ihres Netzes in Sachsen.

21. August, Mittwoch: Rückkehr ins Leben

In Dresden gilt weiter Katastrophenalarm. Der Elbe-Pegel zeigt am Morgen um 06.00 Uhr 5,20 Meter, am Abend um 20.00 Uhr sind es nur noch 4,75 Meter. Die Einwohner von Gohlis dürfen in ihre Häuser zurück, der Schulunterricht wird nun wieder aufgenommen. Im gesamten Hochwassergebiet sind noch etwa 30.000 Haushalte ohne Strom, es wird fieberhaft an der Reparatur elektrischer Anlagen gearbeitet. Das Wasser in den Kellern ist meist schon bis auf wenige Zentimeter zurückgegangen, THW und Feuerwehren pumpen vorsichtig weiter aus, um noch weitere Gebäudeschäden zu vermeiden. Noch immer ist das Grundwasser hoch, es steht in Tiefgaragen und Kellern, ein übler Gestank geht davon aus.

22. August, Donnerstag: Die Müllberge wachsen

Für die meisten Gebiete in Sachsen wird der Katastrophenalarm wieder aufgehoben. Der Elbe-Pegel in Dresden fällt bis zum Abend unter 4,30 Meter, die Elbe führt weiter Hochwasser, fließt aber wieder „friedlich“ in ihrem Bett.

Am Ufer jedoch sieht es schlimm aus. Der stärker einsetzende Verkehr in der Stadt macht die Lage schwieriger. An den Straßenrändern wachsen immer neue Halden immer höher – Müll, Schutt und Hausrat. Container, Bagger und Lkw blockieren eben erst wieder freigegebene Straßen. Auch mit der Unterstützung aus anderen Städten schafft es die Müllabfuhr nur langsam, alles zu räumen.

Ein anhaltendes Problem sind neue Einbrüche unterspülter Straßen. Mit dem zurückgehenden Wasser sind die Hohlräume darunter geblieben. Das THW pumpt nach wie vor Gelände-Senken, Keller und Tiefgaragen aus. Sobald die Anlagen wieder hergestellt sind, wird vielen Häusern nach und nach wieder der Strom zugeschaltet. Auch das Telefon funktioniert wieder.

Der Wiederaufbau hat begonnen; und nun zeigt sich, wem die Flut politisch genützt hat: Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD). Seine zuletzt miserablen Umfragewerte gehen nach oben, einen Monat vor der Bundestagswahl, die er dann tatsächlich noch einmal knapp gewinnen kann.

In Sachsen sind bis jetzt 17 Hochwasser-Tote gezählt worden.

Die Nachwehen: 23. August bis Anfang November

23. August, Freitag: 19 Todesopfer

Die Zahl der Flut-Todesopfer in Sachsen wird jetzt mit 19 angegeben. Der Kreuzchor und die Philharmonie in Dresden geben in der Kreuzkirche ein erstes Benefizkonzert. Der Elbe-Pegel ist auf 4,17 Meter gesunken.

24. August, Sonnabend: Das Leben normalisiert sich

Die Dresdner Straßenbahn fährt wieder nach Gorbitz, Radebeul und Leutewitz. Das Klärwerk Kaditz beginnt, Abwässer wieder grob zu reinigen. Der Elbe-Pegel fällt auf 3,60 Meter.

25. August, Sonntag: Gottesdienst für die Opfer

Auf dem Schlossplatz in Dresden wird ein ökumenischer Gottesdienst für die Opfer der Flut gefeiert.

26. August, Montag: Die Katastrophe ist vorbei

Mittags um 12.00 Uhr wird der Katastrophenalarm für Dresden aufgehoben. Der Elbe-Pegel ist etwa 3,50 Meter gesunken und fällt weiter.

27. August, Dienstag:

Die Straßenbahn verkehrt jetzt auch wieder nach Dresden-Laubegast.

21. September, Sonnabend:

Der Landkreis Sächsische Schweiz hebt als letzter den Katastrophenalarm auf.

6. November, Mittwoch: Endgültige Bilanzen

Die Bundesregierung gibt bekannt, dass der gesamte Schaden der Flut in Sachsen bei rund sechs Milliarden Euro liegt. Die Landesregierung beziffert ihn später mit 6,2 Milliarden Euro. Ein Sonderfonds „Aufbauhilfe“ von Bund und Ländern stellt zum Ausgleich der für ganz Deutschland auf 9,2 Milliarden Euro veranschlagten Schäden rund 7,1 Milliarden Euro zur Verfügung. Dazu sollen noch EU-Gelder kommen.

Insgesamt hat die Flut in Sachsen 21 Menschenleben gefordert.

Quelle: mdr.de

von Matthias Matern

Zwischen den Bauern und der Brandenburger Landesregierung gibt es Streit. Das Land will nach der Flut nur die Hälfte der Ertragsausfälle erstatten. Eine „bodenlose Frechheit“ sei dies, sagt der Bauernbund.

Brandenburgs Bauern in den als Überschwemmungsflächen fungierenden Havelpoldern fühlen sich verschaukelt: Erst haben sie während des Hochwassers durch die Flutung ihrer Felder Anwohner an der Elbe vor Schlimmerem bewahrt, jetzt sollen sie auf der Hälfte ihrer Schäden sitzen bleiben. Als „bodenlose Frechheit“ hat der Bauernbund Brandenburg die Ankündigung des brandenburgischen Landwirtschaftsministeriums bezeichnet, in den gefluteten Poldern lediglich 50 Prozent der Ertragsausfälle entschädigen zu wollen. Auch der Präsident des Landesbauernverbandes, Udo Folgart, sagte, 50 Prozent seien nicht angemessen. „Eine volle Entschädigung muss gewährt werden.

Wie berichtet hatte die Landesregierung wegen des Hochwassers an der Elbe vor wenigen Wochen die Havelpolder geflutet, um ein weiteres Ansteigen der Pegel zu verhindern. Insgesamt 50 Millionen Kubikmeter Elbwasser wurden nach Absprache mit den betroffenen Landwirten in den Rückstauflächen geparkt. Nach wie vor steht auf einigen Äckern das Wasser, an eine reguläre Ernte ist in diesem Jahr nicht mehr zu denken. Insgesamt beziffert die Landesregierung die Flutschäden der Landwirte Brandenburgs mit rund 40 Millionen Euro. Eine genau Schadensbilanz der Bauern in den Havelpoldern liegt laut Landesbauernverband noch nicht vor.

Die Flutung hält der Bauernbund, der vornehmlich bäuerliche Familienbetriebe vertritt, zwar für richtig, nur dürften die Kosten nicht einzelnen Landwirten aufgebürdet werden, erklärte Bauernbund-Vorstandsmitglied Lutz Wercham am Montag. Bauernverbandspräsident Folgart forderte zudem eine dauerhafte Entschädigungs-Vereinbarung für die Polder.

Kritik an Rot-Rot übte auch der CDU- Frakionschef im brandenburgischen Landtag, Dieter Dombrowski. „Die Landwirte der Havelregion haben mit der Flutung ihrer Flächen Schlimmeres für andere Elbanlieger verhindert. Es kann nicht sein, dass sie jetzt dafür bestraft werden“, kritisierte der Politiker.

Quelle: http://www.tagesspiegel.de

Stechmücken plagen Menschen nach Hochwasser

Veröffentlicht: Juni 24, 2013 von fluthelfer in Zentrale der Deutschen Fluthilfe

 

Es ist eine Plage – erst das Hochwasser, dann die Stechmücken. Überflutungen führen dazu, dass Mücken aus schon vor Jahren abgelegten Eiern schlüpfen – gegen die Blutsauger helfen nur wenige Mittel. Von Ulf Vogler

Nach der Flutkatastrophe schwirren in den betroffenen Gebieten nun Unmengen an Mücken herum. Das Hochwasser trägt dazu bei, dass Mücken aus möglicherweise schon vor Jahren abgelegten Eiern schlüpfen. „In Wäldern und Feuchtgebieten bilden sich Tümpel, die die idealen Brutstätten für Stechmücken sind“, sagte der Regensburger Mückenforscher Martin Geier. „Die Stechmücken, die jetzt so stark auftreten, sind sogenannte Überschwemmungsmücken.“ Die Eier hätten sich über eine lange Zeit angesammelt in Wiesen und Mulden. „Wenn diese überschwemmt werden, schlüpfen die Mücken aus.“

Die Mückenplage betreffe nicht nur die Hochwassergebiete massiv, sondern auch die Seenlandschaften in Oberbayern und andere Gebiete. Die Mücken, die bereits geschlüpft sind, können laut Geier einige Wochen oder auch Monate alt werden. Das Problem ist, dass die zweite Generation bereits in den Startlöchern stehe. „Wenn die Eier abgelegt werden, kann im Idealfall 10 bis 12 Tage später die nächste Generation ausschlüpfen.“ Im schlimmsten Fall komme nach wenigen Wochen noch einmal eine Überschwemmung und löst eine weitere Mückeninvasion aus. Ob es sich um eine besonders schlimme oder weniger dramatische Flut handelt, sei dabei nicht so wichtig.

Ultraschall hilft nicht gegen Mückenplage

Geier hat viele Jahre an der Regensburger Universität über Mücken geforscht, zudem hat er mit Kollegen ein Unternehmen gegründet, das unter anderem Kommunen bei der Mückenbekämpfung unterstützt. Viele Mittel, die als Hilfsmittel gegen Mückenplagen angeboten werden, sind nach seinen Erkenntnissen eher weniger wirksam.

Bei den Mitteln, die auf die Haut aufgetragen werden, empfiehlt Geier die von der Stiftung Warentest empfohlenen Präparate. „Da kann man sich eigentlich gut drauf verlassen.“ Anders sehe es bei den elektronischen Mitteln aus, die durch Ultraschall Mücken vertreiben sollen. Diese hätten sich in allen wissenschaftlichen Untersuchungen als unwirksam erwiesen. „Das Geld kann man sich garantiert sparen.“

Auch Zitronella-Kerzen hätten nur eine sehr schwache abschreckende Wirkung. „Das ist meistens eher was für die Psyche.“ Lichtfallen seien ebenfalls nicht sinnvoll, da Mücken gar nicht sonderlich auf Licht reagierten. „Mit diesen Lichtfallen fangen sie in erster Linie Falter, nützliche Insekten und nicht die Stechmücken.“

In Räumen können hingegen laut Geier Insektizid-Verdampfungsgeräte schon eine gute Wirkung haben. Ein kurzzeitiger Einsatz von solchen Steckern hält er für vertretbar. „Diese Stoffe sind nicht so, dass sie einen Menschen gleich umbringen.“ Eine längere Zeit würde der Mücken-Experte Geräte auf Basis von Insektiziden aber nicht anwenden.

Quelle: welt.de