Resolution zum Hochwasserschutz: Wissenschaftler setzen auf Verantwortung der Anwohner

Veröffentlicht: Juni 21, 2013 von fluthelfer in Zentrale der Deutschen Fluthilfe

Deutschland erlebte erneut eine Hochwasser-Katastrophe – was muss jetzt getan werden? 16 Experten fordern mehr Initiative von Bürgern, die von Fluten bedroht sind. Auch politische und technologische Verbesserungen seien nötig.

16 Professoren für Wasserbau und Hydrologie fordern in einer Resolution einen besseren gesellschaftlichen Dialog zum Hochwasserschutz in Deutschland. Insbesondere gefordert sei die „Eigenverantwortung betroffener Bürger und deren Bereitschaft zur eigenen Risikowahrnehmung und zur Mitwirkung“, heißt es in dem Papier, das SPIEGEL ONLINE vorliegt.

Der Konsens der Bürger bestimme, welche Maßnahmen ergriffen werden könnten. Die Gesellschaft müsse sich entscheiden, wie viel Sicherheit sie möchte. Die aktuelle Katastrophe habe etwa in Grimma gezeigt, dass Bewohner gefordert seien, ihr Risiko abzuwägen. In Grimma und in anderen Orten war die Errichtung einer Flutschutzmauer am Widerstand von Bürgern gescheitert.

Es müssten gleichwohl Prioritäten gesetzt werden, schreiben die 16 Experten um Andreas Schumann von der Ruhr-Universität Bochum: „Ein vollständiger Hochwasserschutz ist ökonomisch nicht sinnvoll und oftmals auch technisch nicht möglich.“ Zu klären sei, was auf jeden Fall verhindert werden sollte, „zum Beispiel der Verlust von Menschenleben und das Versagen kritischer Infrastruktur“.

Allein die Errichtung neuer Flutungsflächen an den Flüssen könnte die Gefahr nicht wirksam mindern, schreiben die Forscher. Der Rückbau von Deichen und die Umsiedlung von Bürgern könne nur greifen, wenn die Maßnahmen politisch und gesellschaftlich akzeptiert würden. „Die vielfältigen Ausnahmeregelungen zur Ausweisung neuer Baugebiete in Überschwemmungsgebieten lassen aber daran zweifeln“, heißt es in der Resolution.

Angesichts der Aussicht, dass wohl weiterhin in Flussauen gesiedelt werde, könne auf technische Maßnahmen zum Hochwasserschutz nicht verzichtet werden. Die Forscher fordern folgende Maßnahmen:

  • Künstlich angelegte Rückhaltebecken und steuerbare Flutpolder sollten Deiche ergänzen.
  • Konzepte müssten länderübergreifend gestaltet, die „föderale Zersplitterung im Hochwasserschutz“ überwunden werden, schließlich seien Gemeinden im Unterlauf abhängig davon, wie viel Wasser im Oberlauf abfließen könne.
  • Gefordert seien neue bautechnische Ansätze für den Schutz von Siedlungen, sowie hochwassersichere Bauten.
  • Neue Systeme zur Deichüberwachung sollten eingesetzt werden. Dazu gehören etwa Hubschrauber-Sonden, deren Wärmebilder durchfeuchtete Schwachstellen in Deichen feststellen können

http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/wissenschaftler-verabschieden-resolution-zum-hochwasserschutz-a-906113.html

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