Kräftezehrende Woche im Flutgebiet

Veröffentlicht: Juni 21, 2013 von fluthelfer in Brandenburg


Der Einsatz im Hochwassergebiet verlangte den Neubrandenburger Katastrophenschützern täglich 18-Stunden- Schichten ab. Bei dem Unwetter wären ihnen die eigenen Zelte beinahe selbst um die Ohren geflogen.

Neubrandenburg.Die Neubrandenburger Katastrophenschützer sind zurück von ihrem Hochwassereinsatz im südlichen Mecklenburg. „Als die Fahrzeuge wieder in der Halle standen und nicht mehr gefragt wurde, wann die nächste Lieferung raus muss, hab ich gemerkt, wie ausgelaugt ich bin“, sagt Andreas Hänisch. Hinter ihm liegt eine kräftezehrende Woche. Er und 24 weitere Mitarbeiter des Roten Kreuz Kreisverbandes Neubrandenburg waren sieben Tage lang täglich 18 Stunden auf den Beinen. Sie wurden alarmiert, um die Hochwasserhelfer in Boitzenburg an der Elbe zu verpflegen. Frühstück, Mittag, Abendbrot.
Kreisbereitsschaftsleiter Stefan Lammert spricht vom Chaos der ersten Tage. Der Wasserpegel in Boitzenburg stieg schneller als vorhergesagt. Von Bundeswehr über DRK bis zum Technischen Hilfswerk waren plötzlich alle verfügbaren Einheiten im Einsatz. Alles mit Blaulicht auf dem Dach musste versorgt werden. „Zu Spitzenzeiten haben wir 1200 Essen ausgegeben.“
Lebensmittel wurden aus ganz Norddeutschland angeliefert. Allerdings fehlten zunächst die notwendigen Kühltransporte. Alles musste deshalb sofort gekocht werden. Nach der Zubereitung musste das Essen zu den verschiedenen Einsatzstationen gefahren werden. „Wir sind an unsere Grenzen gestoßen“, sagt Lammert. Deshalb sandte der Kreisbereitschaftsleiter einen Hilferuf zur DRK-Zentrale in Neubrandenburg.
Von da an unterstützen auch hauptamtliche Mitarbeiter die ehrenamtlichen Helfer vor Ort. Als wenn die Dauerbereitschaft noch nicht belastend genug war, setzten den Helfern in Boitzenburg auch Sturm und Regen zu. „Uns wären fast die Zelte weggefolgen“, erinnert sich Stefan Lammert. Plötzlich brauchten sie selbst Hilfe. Die Feuerwehr sicherte das DRK-Lager auf dem örtlichen Sportplatz schließlich mit Sandsäcken, die die Zelte beschwerten.
Wie man einen solchen Einsatz überhaupt durchhält? „Man funktioniert“, sagt Andreas Hänisch knapp. Es sei auch nicht sein erster Einsatz gewesen. Andere Kollegen hielten das Pensum nicht durch. „Drei hat es entschärft“, so Stefan Lammert. Sie hätten bei der großen Anstrengung in der Hitze ihre Leistungsgrenze überschritten. Karin Lammert verweist auf die Dankbarkeit der Leute vor Ort, die die Hilfe zu schätzen wissen. „Da weiß man, wofür man das macht.“ Am Ende der Woche hatten die Neubrandenburger etwa 10200 Portionen Essen gekocht. Nach einer ersten Bestandsaufnahme des Inventars steht fest: Der Einsatz mit zwölf verschiedenen Anlaufstellen zu Spitzenzeiten hat enorm viel Material verschlissen. Es bleibt die Dankbarkeit der Flutopfer.

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d.kleindienst@nordkurier.de

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