Felder unter Wasser – kein Futter für die Tiere

Veröffentlicht: Juni 21, 2013 von fluthelfer in Fischbeck

Heute kommt der Präsident des Landesbauernverbandes nach Fischbeck, um sich die Hochwasserschäden anzusehen. Die sind enorm in der Region, viele Felder stehen unter Wasser. Weil deshalb zum Beispiel Futter für Rinder fehlt, müssen manche Bauern Teile ihrer Herde verkaufen. Unsere Sachsen-Anhalt-Korrespondentin hat einen betroffenen Landwirt in Mangelsdorf besucht.

Im Kuhstall ist Aufruhr. Denn bei Sonnenaufgang werden 40 Rinder in einen Laster getrieben. Ihr Futtervorrat hat genau bis zum heutigen Tag gereicht. Damit sie nicht hungern müssen, werden sie verkauft. Am Sonntag war der Deich in Fischbeck gebrochen, einen Tag später kam das Wasser auch auf den Mangelsdorfer Weiden an. Gemeinsam mit Feuerwehrleuten konnten die Busses ihre achtzig Rinder noch rechtzeitig in den Stall bringen, bevor das Wasser die Weiden und die Heuwiesen überschwemmte und damit unbrauchbar machte. Deshalb muss Landwirt Hubertus Busse nun die Hälfte seine Rinderherde verkaufen: „Eigentlich ist der größte Schaden dadurch entstanden, dass wir die nicht mehr ausreichend versorgen können und zum großen Teil jetzt abgeben mussten – und uns dazu entschlossen haben, obwohl jetzt gerade die Herde anfing, sich finanziell selber zu tragen.“

Preisdrückerei beim Verkauf der Rinder

650 Euro pro Rind bekommt Hubertus Busse. 200 Euro mehr pro Rind sind üblich, aber Notlagen drücken die Preise. Immerhin kann er mit den Einnahmen das Futter für die andere Hälfte der Herde bezahlen. Dazu hofft er auf die 5.000 Euro Soforthilfe, die das Land Sachsen-Anhalt an Bauern zahlen will. Dafür muss er sich aber erst mal auf „Fotosafari“ begeben, wie er es nennt. Das Wort passt ganz gut, denn auf den überschwemmten Feldwegen kommt man nur im Jeep voran und aus dem Fenster sehen die Busses „Abenteuerliches“: „Hier die ganzen Zäune runter. Hier steht’s ja auch. Da hängt unser Heu. Das sind die Weiden links und rechts. Da sind Wasserwagen und die Tröge. Beim Wasserwagen waren die Räder nicht zu sehen, die waren weg.“

Mangelsdorf war eine Insel inmitten der Überschwemmungen rund um Fischbeck. Ins Dorf und die Häuser dort ist nur wenig Wasser gekommen. Die Busses hatten Glück im Unglück. Aber rundherum sind fast alle Felder überflutet. Anke und Hubertus Busse steigen aus und machen Fotos, um die Schäden zu belegen. Sie schätzen, dass 90 Prozent ihrer Flächen betroffen sind. Bodenproben müssen auf jeden Fall genommen werden. Aber als Weiden sind sie sowieso unbrauchbar, erklärt Landwirt Hubertus Busse. „Das erstickt ja unter Wasser. Und die Tiere riechen an ihrem Futter zur Beurteilung. Was mal unter Wasser war und modrig riecht, das fressen sie nicht mehr.“

Preistreiberei beim Kauf von Futter

Eine Kuh frisst gut 50 Kilo Heu am Tag. Also mussten die Busses schleunigst Futter organisieren. Mit Mühe haben sie noch einen Händler gefunden, bei dem sie 600 Heuballen bekommen. „Da zahlen wir 25 Euro pro Heuballen. Aber wir hatten auch ein Angebot aus Magdeburg für 50 Euro.“ Selbst ohne solche Preistreiberei kostet der Vorrat 15.000 Euro und reicht bis zum Herbst. Mit dem Verkauf der halben Herde und der Soforthilfe vom Land hoffen die Mangelsdorfer Landwirte, dass sie ihre Rinder ernähren und die Weiden wieder instand setzen können.

http://www.mdr.de

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s