Archiv für Juni 21, 2013

 

1997 hatte die Gemeinde Klietz nach der Oderflut der polnischen Stadt Czerwiensk mit Geld und Sachspenden geholfen. Seitdem besteht zwischen beiden eine enge Freundschaft, zu der auch gemeinsame Ferienlager gehören. Der Bürgermeister Piotr Iwanus, einmal im Jahr mit einer Abordnung zum Neujahrsempfang in Klietz zu Gast, lädt nun 15 Klietzer Kinder ein. Folgende E-Mail erreichte dieser Tage das Gemeindebüro:

„Mit großer Beunruhigung empfangen wir die Informationen von der Flut, die die Einwohner der Gemeinde Klietz betroffen hat. Wir sind zutiefst vom Ausmaß der Naturkatastrophe, die so viel Leid so vielen Familien bereitete, berührt. Alles, was wir vor 16 Jahren sahen, erlebten und empfanden, kehrt heute mit den Nachrichten von unseren Freunden aus Deutschland, die 1997 uns die helfende Hand gegeben haben, wie ein Bumerang zurück. Wir kennen das Leid und die Gefühle vom Hochwasser betroffener Menschen, weil wir das alles selber erleben mussten. Als Zeichen unserer Solidarität laden wir 15 Kinder für sieben Tage, Ende Juli/Anfang August, zum Sommerferienlager nach Czerwiensk ein. Die Kinder verbringen nicht nur eine erlebnis- und abenteuervolle Sommerzeit, sondern bekommen auch die notwendige Betreuung von Fachkräften, die ihnen helfen, den erlebten Stress zu überwinden.“

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So will sich Deggendorf künftig gegen Hochwasser schützen

Veröffentlicht: Juni 21, 2013 von fluthelfer in Deggendorf

Nach dem Katastrophenfall geht es nun darum, den Hochwasserschutz auszubauen. Am Dienstag hat im Landratsamt eine Versammlung von Landrat Christian Bernreiter, den Bürgermeistern der Donauanrainer, Michael Kühberger, Leiter des Wasserwirtschaftsamts Deggendorf, und Detlev Aster, Beauftragter des Bundesverkehrsministeriums für den Donauausbau, stattgefunden. Dabei wurde das Hochwasser-Schutzkonzept Straubing-Vilshofen speziell für den Landkreis Deggendorf vorgestellt.

Dabei werden die vorhandenen Deiche allerdings nicht durchwegs einfach auf HW 100 aufgestockt, da dadurch die Wasserstände nur erhöht und die Situation für die Unterlieger verschlechtert würde. Vielmehr soll der Hochwasser-Ausbau laut Kühberger in drei verschiedenen Stufen erfolgen: Wo nicht viel Platz ist, wird der Deich auf HW 100 erhöht. Wo mehr Platz vorhanden ist, wird der Deich rückverlegt. Durch die so gewonnene Retentionsfläche reicht es, wenn die neuen Deiche dieselbe Höhe wie die alten erhalten, sie bieten dennoch Schutz für HW 100.

Dritter Baustein des Konzepts ist die sogenannte zweite Deichlinie: Hier bleibt der alte Deich erhalten, mit etwas Abstand wird ein zweiter, höherer Deich zum Schutz gegen 100-jährliches Hochwasser errichtet.

http://www.pnp.de/region_und_lokal/landkreis_deggendorf/osterhofen/838673_So-will-sich-Deggendorf-kuenftig-gegen-Hochwasser-schuetzen.html?ref=plista#1696607009

 

Blitze und Sturm, Regen und Hagel: Unwetter haben in vielen Regionen Deutschlands gewütet. Die Folge: Vollgelaufene Keller, umgestürzte Bäume, abgedeckte Dächer oder demolierte Autos. Kommt dafür die Versicherung auf?

Nicht immer komme die Versicherung für Unwetterschäden auf, teilt der Bund der Versicherten (BdV) mit. Der klärt auf, wann welche Police greift:

Eine Hausrat- oder Gebäudeversicherung kommt für Schäden durch Grundwasser, Hochwasser oder Regen nicht auf. Daher sind die vollgelaufenen Keller laut BdV in der Regel nicht versichert. Nur wenn der Kunde auch sogenannte Elementarschäden abgesichert hat, besteht Versicherungsschutz.

Sturmschäden sind über die Hausrat- oder Wohngebäudeversicherung abgesichert, wenn nachweislich ein Sturm die Ursache war. Ein Sturm hat dabei mindestens Windstärke acht. Die Gebäudeversicherung zahlt Schäden am Haus wie abgedeckte Dächer. Sie zahlt auch für Folgeschäden, wenn zum Beispiel durch das vom Sturm beschädigte Dach Regen eindringt und Wände oder Fußböden beschädigt werden.

Sturm- und Hagelschäden am Auto sind mitversichert, wenn mindestens eine Teilkaskoversicherung besteht. Haben Autobesitzer nur eine Haftpflichtversicherung, gehen sie leer aus. Auswirkungen auf den Schadensfreiheitsrabatt hat ein solcher Schaden nicht.

Schlägt ein Blitz in das Haus ein, und es bricht ein Feuer aus, ist der entstandene Schaden von der Versicherung gedeckt. Überspannungsschäden an elektrischen Einrichtungen, die auf Blitzschlag beruhen, werden aber in der Regel nicht übernommen. (dpa/tmn)

Quelle: fr-online.de

Fischbeck nach der Flut: Bauern hoffen auf schnelle Finanzhilfen

Veröffentlicht: Juni 21, 2013 von fluthelfer in Fischbeck

 

Das Wasser geht, die Existenzängste bleiben: Die Landwirte in der vom Hochwasser besonders betroffenen Region um Fischbeck im Norden Sachsen-Anhalts hoffen nun auf schnelle Finanzhilfen. «Es muss eine Sonderlösung für die Bauern her», sagte Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), am Freitag bei einem Besuch mehrerer Landwirtschaftsbetriebe in der Region. «500 Euro pro Hektar als Vorabzuschuss sind das mindeste.» Gerade im dünn besiedelten und von der Agrarwirtschaft geprägten Landesnorden seien die Bauern wichtige Arbeitgeber. «Man darf sie jetzt nicht alleinlassen», sagte Rukwied.

Nach Verbandsangaben stehen in Sachsen-Anhalt rund 115 000 Hektar unter Wasser, davon sind etwa 73 000 Hektar Äcker. Drei betroffene Agrarbetriebe erhielten von der Schorlemer Stiftung des DBV insgesamt 40 000 Euro Soforthilfe. (dpa/sa)

Quelle: fr-online.de

Deutschland erlebte erneut eine Hochwasser-Katastrophe – was muss jetzt getan werden? 16 Experten fordern mehr Initiative von Bürgern, die von Fluten bedroht sind. Auch politische und technologische Verbesserungen seien nötig.

16 Professoren für Wasserbau und Hydrologie fordern in einer Resolution einen besseren gesellschaftlichen Dialog zum Hochwasserschutz in Deutschland. Insbesondere gefordert sei die „Eigenverantwortung betroffener Bürger und deren Bereitschaft zur eigenen Risikowahrnehmung und zur Mitwirkung“, heißt es in dem Papier, das SPIEGEL ONLINE vorliegt.

Der Konsens der Bürger bestimme, welche Maßnahmen ergriffen werden könnten. Die Gesellschaft müsse sich entscheiden, wie viel Sicherheit sie möchte. Die aktuelle Katastrophe habe etwa in Grimma gezeigt, dass Bewohner gefordert seien, ihr Risiko abzuwägen. In Grimma und in anderen Orten war die Errichtung einer Flutschutzmauer am Widerstand von Bürgern gescheitert.

Es müssten gleichwohl Prioritäten gesetzt werden, schreiben die 16 Experten um Andreas Schumann von der Ruhr-Universität Bochum: „Ein vollständiger Hochwasserschutz ist ökonomisch nicht sinnvoll und oftmals auch technisch nicht möglich.“ Zu klären sei, was auf jeden Fall verhindert werden sollte, „zum Beispiel der Verlust von Menschenleben und das Versagen kritischer Infrastruktur“.

Allein die Errichtung neuer Flutungsflächen an den Flüssen könnte die Gefahr nicht wirksam mindern, schreiben die Forscher. Der Rückbau von Deichen und die Umsiedlung von Bürgern könne nur greifen, wenn die Maßnahmen politisch und gesellschaftlich akzeptiert würden. „Die vielfältigen Ausnahmeregelungen zur Ausweisung neuer Baugebiete in Überschwemmungsgebieten lassen aber daran zweifeln“, heißt es in der Resolution.

Angesichts der Aussicht, dass wohl weiterhin in Flussauen gesiedelt werde, könne auf technische Maßnahmen zum Hochwasserschutz nicht verzichtet werden. Die Forscher fordern folgende Maßnahmen:

  • Künstlich angelegte Rückhaltebecken und steuerbare Flutpolder sollten Deiche ergänzen.
  • Konzepte müssten länderübergreifend gestaltet, die „föderale Zersplitterung im Hochwasserschutz“ überwunden werden, schließlich seien Gemeinden im Unterlauf abhängig davon, wie viel Wasser im Oberlauf abfließen könne.
  • Gefordert seien neue bautechnische Ansätze für den Schutz von Siedlungen, sowie hochwassersichere Bauten.
  • Neue Systeme zur Deichüberwachung sollten eingesetzt werden. Dazu gehören etwa Hubschrauber-Sonden, deren Wärmebilder durchfeuchtete Schwachstellen in Deichen feststellen können

http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/wissenschaftler-verabschieden-resolution-zum-hochwasserschutz-a-906113.html

Wohin mit dem Hochwasser-Müll?

Veröffentlicht: Juni 21, 2013 von fluthelfer in Zentrale der Deutschen Fluthilfe

Müll, Schlamm, Kot und Öl: Das zurückgehende Hochwasser lässt viel Unrat zurück. Müssen Sandsäcke auf den Sondermüll? Was tun bei Ölrückständen im Garten? Fünf Tipps für die richtige Entsorgung.

Das Wasser läuft ab und hinterlässt Chaos. Alles ist voller Müll, bedeckt mit Dreck und Schlamm. Jetzt kommen das große Aufräumen und damit viele praktische Fragen: Wohin mit den gebrauchten Sandsäcken, den zerstörten Möbeln und kaputten Haushaltsgeräten? Und ist die glitschige Masse im Wohnzimmer einfach nur eklig oder sogar gesundheitsgefährdend?

Wie sollen alte Sandsäcke entsorgt werden?

Auf keinen Fall dürfen alte Sandsäcke sorglos liegengelassen oder gelagert werden. Sie müssen fachgerecht entsorgt werden. Das Umweltbundesamt (UBA) empfiehlt, die Säcke vorsorglich grundsätzlich auf den Hausmülldeponien abzugeben.

Nasse Sandsäcke sollten schnell aus den Wohngebieten entfernt werden, um die Verbreitung von Krankheitserregern zu verhindern. Dabei gilt: direkten Hautkontakt vermeiden, am besten wasserfeste Handschuhe tragen.

Womöglich gehören einige Sandsäcke auf den Sondermüll, weil sie etwa durch ausgelaufenes Öl belastet sind. Da die Zahl solcher Sandsäcke gering sein dürfte, sei aber angesichts der prekären Lage in den Flutgebieten eine ungeprüfte Ablagerung auf den Hausmülldeponien hinnehmbar, sagt das UBA.

In den meisten Städten werden die Säcke entweder von Entsorgungsfirmen kostenfrei eingesammelt oder können zumindest unentgeltlich an den Deponien abgegeben werden. So hat etwa das Umweltministerium in Sachsen die Deponiebetreiber aufgefordert, gebrauchte Säcke kostenlos entgegenzunehmen. Vielerorts gibt es auch zentrale Sammelstellen mit Containern, in die die Säcke entsorgt werden können.

Nicht mit der Flut in Berührung gekommene Sandsäcke können übrigens bedenkenlos für das nächste Hochwasser aufgehoben und wieder verwendet werden, leer oder gefüllt, je nachdem wie viel Platz ist – oder man spendet sie für einen guten Zweck: In Dresden haben Taschenbastler die Sandsäcke für sich entdeckt. Sieben Studenten gestalten aus den Säcken Umhängetaschen. Mit dem Erlös aus dem Verkauf wollen sie nichtstaatliche Kultureinrichtungen in der Region unterstützen, die von der Flut betroffen sind.

Was tun mit dem angeschwemmten Schlamm?

Ähnlich wie die Sandsäcke muss auch der von den Fluten zurückgelassene Schlamm über die Deponien entsorgt werden.

Auch im Schlamm können sich schadhafte Rückstände verstecken – etwa Öle, Schmier- und Kraftstoffe von aufgeschwemmten Fahrzeugen, Fäkalien oder Schwermetalle. Hinweise auf Kontaminationen sind zum Beispiel Ölschlieren auf dem Schlamm oder die räumliche Nähe zu ausgelaufenen Gefahrstoffen. Ob der Schlamm belastet ist, prüfen zum Beispiel die zuständigen Gesundheitsämter. Dort können Bürger anrufen und ihren Schlamm untersuchen lassen. Ist der Schlamm tatsächlich kontaminiert, gehört er auf die Sonderabfalldeponie.

Wie können nicht mehr zu rettende Möbel und anderer Hausrat entsorgt werden?

Zerstörtes Mobiliar ist in der Regel ein Fall für den Sperrmüll. Am besten sollte der grobe Dreck mit Wasser abgespült werden, bevor die Möbel in den Müll wandern.

Den holt entweder die Müllabfuhr ab oder er muss von den Bürgern selbst zu entsprechenden Abfallhöfen gebracht werden. Dort können meistens auch defekte Haushaltsgeräte wie Gefriertruhen, Kühlschränke oder Herde abgegeben werden. Sie sollten aber vorher geleert werden.

Die Entsorgung finanzieren die Kommunen. Weil aber nach der Flut besonders viele Haushalte betroffen sind und deshalb viel Müll anfällt, trägt zum Beispiel das Land Sachsen einen Teil dieser Kosten mit. 30 Millionen Euro hat der Freistaat betroffenen Kommunen, Landkreisen und kreisfreien Städten für die Entsorgung von Müll und Schlamm pauschal zur Verfügung gestellt.

Wie ist mit Verunreinigungen durch Fäkalien umzugehen?

Hat sich Inhalt aus Toilettenrohren in der Wohnung verteilt, ist das zunächst einmal unappetitlich und kann außerdem gesundheitsschädlich sein. Denn Krankheitserreger aus Kot und Urin können leicht unangenehme Beschwerden auslösen.

Deshalb gilt auch hier: schnell weg damit. Befinden sich die Fäkalien im Schlamm, kann dieser wie oben beschrieben über die Mülldeponien entsorgt werden. Sind außerhalb des Hauses Böden, zum Beispiel Felder, mit Fäkalien verunreinigt, regelt sich das Problem unter Umständen von selbst. „In diesem Fall würde ich auf die Selbstheilungskräfte des Bodens setzen“, sagt ein Sprecher des sächsischen Umweltministeriums. Im Prinzip werde der Boden so lediglich gedüngt.

Was tun bei Ölrückständen im Garten?

Nicht organisches Material wie etwa Mineralöle belasten die Böden mehr als Fäkalien. Das bayerische Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit rät, Gartenböden, die mit einem leichten Ölfilm überzogen sind, regelmäßig umzugraben, um für eine ausreichende Luftzufuhr zu sorgen. „Dann dürften die geringen Ölmengen bis zum Herbst abgebaut sein und keine dauerhafte Nutzungseinschränkung verursachen.“

Böden, die stark mit Öl getränkt sind, müssen allerdings fachgerecht entsorgt werden. Dafür sollen betroffene Bürger sich mit den zuständigen Ämtern abstimmen.

Schwimmt Öl auf dem Gartenteich, muss es vom Technischen Hilfswerk oder der Feuerwehr abgepumpt werden. Danach sollte der Teich gereinigt und neu mit Wasser befüllt werden.

http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/muell-nach-der-flut-tipps-zur-richtigen-entsorgung-a-906207.html

Aus Sandsäcken werden Handtaschen

Veröffentlicht: Juni 21, 2013 von fluthelfer in Dresden

Können Sandsäcke modische Accessoires sein? In Dresden geht das: Vor wenigen Tagen schützten sie die Menschen noch vor den Wassermassen, nun werden die Beutel zu Handtaschen umgenäht – und für einen symbolischen Preis verkauft.

Die Spenden-Initiative „Alles Jute“ näht in Dresden Handtaschen aus Sandsäcken. „Schon jetzt haben wir 150 Vorbestellungen“, sagt ein Sprecher der Initiative. Auch aus Duisburg, Hamburg und Bremen seien Anfragen eingegangen

350 Sandsäcke haben die Helfer bereits gesammelt und gewaschen, weitere werden noch gesucht. Verwendet werden können nur solche, die nicht mit dem verschmutzten Hochwasser in Berührung kamen.

Von nächster Woche an soll es die Taschen über einen Online-Shop bei „Alles Jute“ zu kaufen geben. Die Taschen kosten 8,76 Euro – das entspricht dem Höchststand der Elbe in Dresden mit 8,76 Metern in der ersten Juniwoche.

Der Großteil der Einnahmen soll kleinen, privaten Kulturvereinen zugutekommen, die von der Flut geschädigt wurden. Auch wenn die Nachfrage groß ist, bleibt die Zahl der Handtaschen limitiert: „Spätestens bei 876 Stück ist Schluss.“

Die Hochwasserlage entspannt sich unterdessen weiter. Die heftigen Unwetter haben die Pegelstände der Flüsse im besonders vom Hochwasser betroffenen Sachsen-Anhalt nicht wieder steigen lassen. Nach Angaben des Krisenstabs der Landesregierung sinken die Pegelstände von Elbe und Havel.

wit/dpa

Der Fluthelfer, der eine Flut lostrat

Veröffentlicht: Juni 21, 2013 von fluthelfer in Zentrale der Deutschen Fluthilfe

Als Daniel Untermann (34) aus Prenzlauer Berg vor 12 Tagen auf eine Taste seines Handys drückte, hat er DAMIT nun wirklich nicht gerechnet. Plötzlich lebt er im 24-Stunden-Einsatz für die Flutopfer! Und tausenden Menschen gefällt das.

Alles begann am 10. Juni. Daniel Untermann hatte zu diesem Zeitpunkt rund 1600 Facebook-Freunde. Weil er mit zwei Profisportlern ein Dienstleistungsunternehmen führt, und außerdem ehrenamtlicher Handballtrainer beim SV Polizei Berlin ist, sind viele seiner Internetfreunde Sportler.

Die wollte Daniel Untermann auf eine Flut-Hilfsaktion namens „Freundeskreis des deutschen Handballs“ aufmerksam machen. Allerdings drückte der 34-Jährige einen falschen Knopf im Facebook-Profil seines Handys. Und so wurde aus dem privaten Hinweis ein öffentlicher Aufruf.

Nur Stunden später hatten ihn etliche Menschen weitergeleitet. Untermann erhielt tausende Anfragen.

Kurzerhand legte er eine offizielle „Handballer helfen“-Facebookseite an. Das Prinzip ist simpel: Sportler stellen dort ihre Trikots oder andere Erinnerungen zur Verfügung. Ab Mitte kommender Woche werden sie auf der Plattform „United Charity“ im Internet versteigert.

„Eigentlich sollte es über Ebay laufen. Aber dort hat man sich geweigert, mir einen Charity-Account zur Verfügung zu stellen, weil ich eine Privatperson bin“, erzählt Daniel. Aber was ist dieser kleine Rückschlag schon gegen die Erfolgsgeschichte von „Handballer helfen“?

Gleich am ersten Tag der Aktion rief Kicker Mario Gomez (27) bei Daniel Untermann an und stellte eines seiner Champions-League-Trikots zur Verfügung.

Auch Stefan Kretzschmar (40) unterstützt die Aktion, unter anderem mit einem Meet & Greet.

Mehr als 5.000 Facebook-Fans hat die „Handballer helfen“-Seite schon.

Via Webshop verkauft Untermann jetzt Fanshirts (15 Euro das Stück) für den guten Zweck.

Sämtliche Einnahmen, die er mit seinen Aktionen erzielt, will er an den Freundeskreis des deutschen Handballs spenden. Dort soll der Erlös anhand einer Bedürftigenliste an Handballer verteilt werden.

http://www.berliner-kurier.de/kiez-stadt/sportler-helfen–der-fluthelfer–der-eine-flut-lostrat,7169128,23485120.html

Erste Hochwasser-Hilfen kommen an

Veröffentlicht: Juni 21, 2013 von fluthelfer in Sachsen-Anhalt

Nach dem Hochwasser in Sachsen-Anhalt profitieren die ersten Betroffenen von Soforthilfe und Spendengeldern. Wie die Stadt Magdeburg mitteilte, wurden allein in der Landeshauptstadt bislang 900.000 Euro Soforthilfe ausgezahlt. Die Stadt bewilligte nach eigenen Angaben rund 1.260 Anträge auf Unterstützung vom Land.

Das Soforthilfe-Programm Sachsen-Anhalts stellt noch bis Mitte Juli maximal 2.000 Euro für jeden vom Hochwasser betroffenen Haushalt in Aussicht. Bei den Kosten springt zur Hälfte der Bund ein. Auch für Hauseigentümer und Landwirte gibt es Fluthilfen. Unternehmen können bis zu 50.000 Euro betragen, bei Existenzgefährdung auch bis 100.000 Euro.

Bauern im Elb-Havel-Winkel hoffen auf schnelle Hilfe

Unterdessen kommen in Sachsen-Anhalt die ersten Spenden für Hochwasseropfer an. Der Deutsche Bauernverband hat am Donnerstag an Betriebe in Fischbeck und Schönhausen Gelder in Höhe von 40.000 Euro verteilt. Die Bauernfamilien hatten ihre Betriebe evakuieren beziehungsweise im Hochwasser ausharren müssen. Der Präsident des Bauernverbands, Joachim Rukwied, forderte eine Sonderlösung für die Bauern: „500 Euro pro Hektar sind das mindeste.“ Gerade im dünn besiedelten und von der Landwirtschaft geprägten Norden des Landes seien die Bauern wichtige Arbeitgeber. Man dürfe sie nun nicht allein lassen.

Nach Angaben des Bauernverbands sind in Sachsen-Anhalt über zehn Prozent der landwirtschaftlichen Flächen vom Hochwasser betroffen. Demnach stehen rund 115.000 Hektar unter Wasser. Davon seien etwa 73.000 Hektar Äcker. Die genauen Schäden an Betrieben sowie auf den Flächen würden derzeit bilanziert.

Erste Schadensbilanz im Burgenlandkreis

Die Stadt Zeitz hat eine erste Bilanz der Hochwasserschäden vorgelegt. Bürgermeister Volkmar Kunze sprach auf der Stadtratssitzung von knapp elf Millionen Euro. Gleichzeitig betonte er, dass die Stadt mehr in den Hochwasserschutz investieren wolle. Vorgesehen sei unter anderem der Bau einer Mauer, die das Wasser der Weißen Elster aus der Stadt fernhalten solle.

Der Burgenlandkreis selbst hatte bislang nur eine Prognose der Hochwasserkosten abgegeben. Allein die Schäden der Kommunen bewegten sich demnach jenseits der 10 Millionen Euro. Der Kreis im Süden Sachsen-Anhalts war als erster vom Hochwasser betroffen.

Die Öffentlichen Versicherungen Sachsen-Anhalts (ÖSA) rechnen damit, dass das Hochwasser 2013 Kosten in zweistelliger Millionenhöhe verursacht hat. Damit werde die Dimension der Jahrhundertflut von 2002 weit übertroffen. Nach eigenen Angaben betrug die Schadenssumme der ÖSA seinerzeit etwa drei Millionen Euro.

http://www.mdr.de

Felder unter Wasser – kein Futter für die Tiere

Veröffentlicht: Juni 21, 2013 von fluthelfer in Fischbeck

Heute kommt der Präsident des Landesbauernverbandes nach Fischbeck, um sich die Hochwasserschäden anzusehen. Die sind enorm in der Region, viele Felder stehen unter Wasser. Weil deshalb zum Beispiel Futter für Rinder fehlt, müssen manche Bauern Teile ihrer Herde verkaufen. Unsere Sachsen-Anhalt-Korrespondentin hat einen betroffenen Landwirt in Mangelsdorf besucht.

Im Kuhstall ist Aufruhr. Denn bei Sonnenaufgang werden 40 Rinder in einen Laster getrieben. Ihr Futtervorrat hat genau bis zum heutigen Tag gereicht. Damit sie nicht hungern müssen, werden sie verkauft. Am Sonntag war der Deich in Fischbeck gebrochen, einen Tag später kam das Wasser auch auf den Mangelsdorfer Weiden an. Gemeinsam mit Feuerwehrleuten konnten die Busses ihre achtzig Rinder noch rechtzeitig in den Stall bringen, bevor das Wasser die Weiden und die Heuwiesen überschwemmte und damit unbrauchbar machte. Deshalb muss Landwirt Hubertus Busse nun die Hälfte seine Rinderherde verkaufen: „Eigentlich ist der größte Schaden dadurch entstanden, dass wir die nicht mehr ausreichend versorgen können und zum großen Teil jetzt abgeben mussten – und uns dazu entschlossen haben, obwohl jetzt gerade die Herde anfing, sich finanziell selber zu tragen.“

Preisdrückerei beim Verkauf der Rinder

650 Euro pro Rind bekommt Hubertus Busse. 200 Euro mehr pro Rind sind üblich, aber Notlagen drücken die Preise. Immerhin kann er mit den Einnahmen das Futter für die andere Hälfte der Herde bezahlen. Dazu hofft er auf die 5.000 Euro Soforthilfe, die das Land Sachsen-Anhalt an Bauern zahlen will. Dafür muss er sich aber erst mal auf „Fotosafari“ begeben, wie er es nennt. Das Wort passt ganz gut, denn auf den überschwemmten Feldwegen kommt man nur im Jeep voran und aus dem Fenster sehen die Busses „Abenteuerliches“: „Hier die ganzen Zäune runter. Hier steht’s ja auch. Da hängt unser Heu. Das sind die Weiden links und rechts. Da sind Wasserwagen und die Tröge. Beim Wasserwagen waren die Räder nicht zu sehen, die waren weg.“

Mangelsdorf war eine Insel inmitten der Überschwemmungen rund um Fischbeck. Ins Dorf und die Häuser dort ist nur wenig Wasser gekommen. Die Busses hatten Glück im Unglück. Aber rundherum sind fast alle Felder überflutet. Anke und Hubertus Busse steigen aus und machen Fotos, um die Schäden zu belegen. Sie schätzen, dass 90 Prozent ihrer Flächen betroffen sind. Bodenproben müssen auf jeden Fall genommen werden. Aber als Weiden sind sie sowieso unbrauchbar, erklärt Landwirt Hubertus Busse. „Das erstickt ja unter Wasser. Und die Tiere riechen an ihrem Futter zur Beurteilung. Was mal unter Wasser war und modrig riecht, das fressen sie nicht mehr.“

Preistreiberei beim Kauf von Futter

Eine Kuh frisst gut 50 Kilo Heu am Tag. Also mussten die Busses schleunigst Futter organisieren. Mit Mühe haben sie noch einen Händler gefunden, bei dem sie 600 Heuballen bekommen. „Da zahlen wir 25 Euro pro Heuballen. Aber wir hatten auch ein Angebot aus Magdeburg für 50 Euro.“ Selbst ohne solche Preistreiberei kostet der Vorrat 15.000 Euro und reicht bis zum Herbst. Mit dem Verkauf der halben Herde und der Soforthilfe vom Land hoffen die Mangelsdorfer Landwirte, dass sie ihre Rinder ernähren und die Weiden wieder instand setzen können.

http://www.mdr.de

ZONTA übergibt Spenden an weibliche Flutopfer

Veröffentlicht: Juni 21, 2013 von fluthelfer in Landkreis Lüchow-Dannenberg

 

Zwei Vertreterinnen von Zonta-Lüneburg übergaben am Dienstag in Vietze im Landkreis Lüchow Dannenberg Spenden für drei ältere Frauen zwischen 60 und 70 Jahren. Alle drei müssen allein mit den Folgen der Flut fertig werden.

Nur eine von ihnen ist überhaupt versichert. Der Schaden hat ihren gesamten Besitz und ihr Alter ruiniert. In allen Häusern ist der Boden zerstört, manchmal auch noch die Wände, die Dämmung liegt vor dem Haus, Möbel können nicht mehr genutzt werden.

Während bei der einen Betroffenen sämtliche Vorräte im Keller vernichtet und ihrer wunderschöner Garten verschlammt wurden, stand bei einer anderen das Wasser 50 cm hoch im Haus.

Die Frauen wohnen noch immer bei Nachbarinnen oder ihren Kindern. In den Obergeschossen ist noch kein Platz, weil dorthin in letzter Minute alles hoch geräumt wurde. Marion M. fand eine ganze Weile ihre Brille nicht wieder, oder einen Schuh. So schnell wurde alles von den Helfern gepackt und nach oben gebracht. Gekocht wird auf einem Camping-Kocher. Denn natürlich sind die Einbauküchen auch alle hin.

Marion M.s Mann ist vor sieben Jahren gestorben. Sie hat nicht einmal gewusst, dass sie nicht versichert ist. Mit 67 Jahren arbeitet sie immer noch. Gerade hatte sie ihr Bad neu gekachelt, weil sie vor Beginn der Rente alles schön haben wollte. Nun weiß sie nicht, wie sie die Ausgaben bewältigen soll, um irgendwann wieder ein gemütliches Zuhause zu haben.

„ Wir haben uns ganz lange selbst die Sandsäcke gefüllt und gestapelt. Da fühlten wir uns noch stark. Aber irgendwann kam die Bundeswehr“, erzählt die Flutbetroffene, „die jungen Kerle haben Tag und Nacht gearbeitet. Und dann kam der schlimme Moment, als die Bundeswehr ganz plötzlich wieder abzog. Da wussten wir, wir sind verloren.“ Das Wasser brach in ihren Garten ein, überflutete Haus und Hof. „Jetzt hoffen wir darauf, dass wir doch einen Deich bekommen. Irgend etwas müssen die da oben doch machen. Das nächste Hochwasser kommt bestimmt.“

Zonta-Lüneburg will mit der Spende ein Zeichen setzen, mehr auf die Hilflosigkeit von älteren, allein lebenden Frauen nach der Flut zu achten. Der Naturgewalt so ausgeliefert zu sein, der brutale Verlust des privaten Lebensraums – das kann auch zu einer psychologischen Katastrophe führen. Insbesondere im Alter können solche Erfahrungen Depressionen auslösen und auch Zustände der Verwirrung. Natürlich haben die Vietzer Frauen Anträge beim Kreis Lüchow-Dannenberg gestellt. Soforthilfe ist angesagt. Aber die ist noch nicht da. Die Spende von Zonta, die Dr. Sibylle Plogstedt (Künsche ) übergab, kommt da gerade recht. „Mir haben auch Nachbarn schon mal anonym 50 Euro in den Briefkasten gesteckt“, erzählte einer der drei Frauen. Stolz sei nicht mehr angesagt. „Wir müssen lernen, Hilfe zu akzeptieren.“

Wer oder was ist ZONTA?

ZONTA International wurde 1919 in den USA gegründet und ist heute in 69 Ländern mit mehr
als 1200 Clubs und rund 33.000 Mitgliedern aktiv. ZONTA ist ein weltweites, überparteiliches,
überkonfessionelles und weltanschaulich neutrales Netzwerk berufstätiger Frauen, die sich
vorrangig dem Dienst am Menschen verpflichtet fühlen, insbesondere der Verbesserung der
Stellung der Frauen in rechtlicher, politischer und wirtschaftlicher Hinsicht. Diese Ziele werden in
vielfältigen Service-Projekten, Stipendien und speziellen Programmen verfolgt.

Im April gründete sich der Zonta-Club Lüneburg . Unabhängig von ihren beruflichen Orientierungen wollen alle Lüneburger Zontians durch ihr persönliches Engagement Frauen und Mädchen gewidmete Projekte und Institutionen in der Region und darüber hinaus fördern.

http://wendland-net.de

Schutz vor der Dahle im Fokus

Veröffentlicht: Juni 21, 2013 von fluthelfer in Sachsen

Der Termin für die Einwohnerversammlung für das von der Dahleflut heimgesuchte Dorf Seydewitz steht: Wie Belgern-Schildaus Bürgermeisterin Eike Petzold gestern gegenüber der Torgauer Zeitung bekannt gab, sei hierfür der 10. Juli vorgesehen. Die Versammlung werde um 19 Uhr im nahe gelegenen Oelzschauer Dorfgemeinschaftshaus durchgeführt.

Bei dem Treffen soll es unter anderem um Fragen eines zuverlässigen Hochwasserschutzes für die Ortschaft gehen. Es werden verschiedene Möglichkeiten diskutiert, wie der Dahle beizukommen wäre. Nachdem einige Seydewitzer bereits laut über den Leerzug ihres Heimatortes nachgedacht haben, wird sicherlich auch jene Option eine Rolle spielen. Gegenüber TZ hatten beispielsweise Christina Nabrich und Familie Schneider angedeutet, keine Zukunft mehr für Seydewitz zu sehen.

http://www.torgauerzeitung.com

Viel Treibgut und jede Menge Sand

Veröffentlicht: Juni 21, 2013 von fluthelfer in Sachsen

 

Auf diesen Augenblick hatte man schwer drauf hingearbeitet. Gestern Vormittag 10 Uhr konnte die Elbefähre zwischen Dommitzsch und Prettin endlich wieder in Betrieb gehen, nachdem sie wegen der Flut seit dem 30. Mai stillgelegen hatte. Eine gewaltige Aufräumaktion war nötig. „Wir mussten unheimlich viel Treibgut beseitigen, jede Menge Dreck und sogar ganze Bäume“, zählt Pächterin Kerstin Kluge auf. Ein paar Tonnen (Schifffahrtszeichen) wurden abgerissen und man hatte mit wahnsinnig viel Sand zu kämpfen. Von Montag bis Donnerstag wurde unter Hochdruck gearbeitet. „Normalerweise hätten wir  viel eher starten können“, beklagt die Pächterin. Die Einbußen seien nach dem langen Winter ohnehin gewaltig. Weil die Fahrrinne verändert ist und das Anlegen Probleme bereitet, ist die Fähre derzeit noch langsamer unterwegs.

http://www.torgauerzeitung.com

„Erkenntnisse von 2002 waren hilfreich“

Veröffentlicht: Juni 21, 2013 von fluthelfer in Sachsen

Noch erinnern zahlreiche Sandsäcke auf dem Betriebsgelände der Saint Gobain Flachglas GmbH an die Tage des Hochwassers. Die Beräumung wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen. „Das geht nur Schritt für Schritt“, erklärte Flachglas-Geschäftsführer Uwe Naumann. Umfangreiche Sicherungsmaßnahmen realisierten Bundeswehr, Reservisten und Feuerwehr im Flachglaswerk Torgau zu Beginn des Hochwassers. TZ sprach jetzt mit Geschäftsführer Uwe Naumann über diese und die Schlüsse für die Zukunft.


TZ: Herr Naumann, wie haben Sie in Ihrer Funktion als Geschäftsführer der Flachglas GmbH die Hochwassertage erlebt? War Ihr Unternehmen auf eine solche Situation vorbereitet?
Uwe Naumann:
Wer hätte gedacht, dass wir uns schon nach elf Jahren erneut mit einem Jahrhunderthochwasser auseinandersetzen müssen? Prinzipiell ist das Flachglaswerk auf diesen Fall eingerichtet, da die Erkenntnisse aus dem Hochwasser 2002 in den internen Gefahrenabwehrplan und Alarmplan eingearbeitet wurden. Auch wurden technische Anlagen zum Hochwasserschutz angeschafft und bei Neuinvestitionen der Fall eines Hochwassers berücksichtigt. Das und vor allem die Erfahrungen und Erinnerungen aus dem Hochwasser 2002 waren die Grundlage für die interne Organisation der Hochwasserschutzmaßnahmen.

Wie schätzen Sie die Sicherungsmaßnahmen im Nachhinein ein?
Mit dem Abstand von etwas mehr als zwei Wochen kann man schon jetzt behaupten, dass alle Aktivitäten sehr professionell und relativ geordnet abliefen. Der Katastrophenstab hatte für alles entweder sofort eine Lösung oder aber hat zumindest innerhalb weniger Minuten eine gefunden. Das gilt sowohl für die Stadt Torgau als auch das Landratsamt in Delitzsch. Mit Sicherheit gibt es auch Dinge zu verbessern und gab es Aktionen, die nicht optimal waren. Das wird immer so sein, weil sich diese Situationen naturgemäß nicht standardisieren lassen.

Wie umfangreich waren die Sicherungsmaßnahmen?
Es wurde alles abgesichert, was für die Floatanlage wichtig ist, angefangen von dieser selbst bis hin zu den zahlreichen Objekten, die die Versorgung für die Anlage sichern. Knapp zwei Tage haben die Helfer dafür benötigt. Dazu muss ich aber auch sagen, dass wir wesentlich mehr gesichert haben, als das noch 2002 der Fall war.

Sie haben oder vielmehr das Werk hat am Ende also keine nassen Füße bekommen?
Doch. Unsere Gleisanlagen standen großflächig unter Wasser. Von Freitag bis Dienstag haben wir deshalb den Zugverkehr eingestellt.

Warum?
Wir hatten Angst um die Stabilität der Gleise, und eine Reparatur wäre zudem sehr kostenintensiv.

Wie TZ berichtete, ist auch eine Hauptwasserleitung geplatzt. Ist dieser Vorfall auf das Hochwasser zurückzuführen?
Wir denken schon, dass sich das Ablassbecken zum gleichen Zeitpunkt mit Wasser füllte und die Bruchstelle sich genau in der Höhe befindet, in der auch das zurückstauende Grundwasser stand.

Ansonsten ist aber alles gut gegangen?
Ja, und das haben wir einerseits den Maßnahmen zu danken, die seit 2002 hinsichtlich des Hochwasserschutzes in der Stadt und um das Gewerbegebiet Repitzer Weg realisiert wurden. Andererseits der großen Anzahl von Menschen, die die temporären Schutzmaßnahmen in der vorletzten Woche organisiert und installiert haben. Bei all denjenigen möchte ich mich im Namen der Mitarbeiter der Flachglas Torgau GmbH, aber auch der Geschäftsleitung der Saint Gobain Glass Deutschland GmbH sehr herzlich bedanken.

An wen denken Sie da unter anderem?
Zum Beispiel an Umweltminister Frank Kupfer, der schon am 3. Juni im Werk war und mich auf die bevorstehende Gefahr hingewiesen hat und bei Bedarf Hilfe zusagte. Auch an Landrat Michael Czupalla und Oberbürgermeisterin Andrea Staude für die Abstimmungen vor Ort am Tag der Auslösung des Katastrophenalarms sowie im weiteren Verlauf an das Team des Katastrophenstabes, mit dem wir ständig in engem Kontakt standen und das zügig und unkompliziert die notwendige Unterstützung organisierte beziehungsweise an den Problemstellen fachlich unterstützte. Herr Bobbe von der Landestalsperrenverwaltung half uns durch wertvolle beratende Gespräche. Und dann sind da noch all die Leute, die im Werk die Sicherungsmaßnahmen der empfindlichsten Gebäude organisiert und durchgeführt haben, allen voran Feldwebel der Reserve Schönfelder, der die Arbeiten koordiniert hat, die dann durch Reservisten, Bundeswehrsoldaten, Angehörige des THW, der Feuerwehren des Landkreises und der Stadt Torgau, Baufirmen aus der Nachbarschaft sowie durch viele Freiwillige realisiert wurde.

Wurde das Werk denn während der kritischen Tage heruntergefahren?
Nein, wir haben die Produktion komplett fortgesetzt. Möglich war das durch die zahlreichen Helfer. Unsere eigenen Mitarbeiter und die von AVANCIS mussten lediglich einen Vorlauf schaffen und haben  schon vor Ausrufen des Katastrophenalarms unermüdlich Sandsäcke für die Abdichtarbeiten gefüllt. Auch dafür möchte ich mich noch einmal bedanken.

Welche Schlüsse ziehen Sie aus den aktuellen Ereignissen für Ihr Unternehmen? Wird es künftig eventuell einen konkreten Hochwasserschutzbeauftragten geben, der auch an entsprechenden Schulungen teilnimmt?
Wir haben im Unternehmen einen Verantwortlichen für den Arbeitsschutz und die Sicherheit, der diese Aufgabe durchaus mit ausfüllen könnte. Denkbar wäre das auf jeden Fall. Allerdings haben wir hier noch keine Entscheidung getroffen. Dafür wollen wir die Auswertungsrunde mit der Oberbürgermeisterin abwarten.

Was wäre passiert, wäre Wasser in die Anlage gelaufen?
In die Wanne selbst hätte kein Wasser eindringen können, dafür liegt sie zu hoch, wohl aber in die Bestandteile der Anlage, die sich bis zu sieben Meter unter der Geländekante befinden.

Das wären?
Unter anderem wichtige Aggregate für die Verbrennungsluftversorgung und die Kühlung.

Was passiert, wenn diese ausfallen?
Die Glasschmelze hat eine Temperatur von rund 1500 Grad Celsius. Wird sie also nicht dauerhaft gekühlt, kann es zum Glasaustritt kommen. Und ohne Verbrennungsluft kann kein Feuer gemacht werden. Ohne Feuer wiederum erkaltet die Wanne, was enorme Schäden nach sich zieht.

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Elbe bleibt für Schifffahrt gesperrt

Veröffentlicht: Juni 21, 2013 von fluthelfer in Sachsen

Obwohl der Pegel der Elbe nach dem erneuten Extremhochwasser rapide gesunken ist, bleibt der Fluss für die Schifffahrt bis auf Weiteres gesperrt. Erst nach umfangreichen Untersuchungen soll die wichtige Wasserstraße wieder freigegeben werden.Merklich ruhig geht es derzeit auf der Elbe zu. Weit und breit sind keine Schiffe und Lastkähne zu sehen. Der Fluss ist seit der Flut in Sachsen gesperrt. „Im gesamten Verlauf erfolgen derzeit Peilungen, wird die Flusssohle genau untersucht, ob Hindernisse vorhanden sind“, erklärt Roland Siering, Leiter des Außenbezirkes Torgau vom Wasser- und Schifffahrtsamt, die Hintergründe. Er rechnet damit, dass erst im Verlauf der kommenden Woche wieder eine Freigabe erfolgt. Bis dahin sollte sichergestellt sein, dass keine Bäume, abgetriebenen Gastanks, Pontons oder Container in der Fahrrinne liegen.

Derzeit seien mehrere Trupps mit Booten zwischen Dresden, Riesa und weiter unterhalb der Elbe unterwegs, aktuell zum Beispiel auch gerade im Bereich Mühlberg. Der Abschnitt in der Region Torgau kommt in Kürze an die Reihe. „Was lediglich zu sehen ist, sind unsere Mitarbeiter, die die Zeichen für die Schifffahrt säubern und gegebenenfalls richten. Einige stehen durch die Strömung schief“, so Roland Siering. Die Schäden halten sich seiner Einschätzung zu Folge sehr in Grenzen. Ihm sei auch nicht bekannt, dass im Torgauer Hafen Frachtkähne auf eine Weiterfahrt warten. In Riesa, Mühlberg und Dresden hoffen allerdings einige Besatzungen darauf, dass alsbald grünes Licht kommt. Am 2. Juni wurde der generelle „Stopp“ für die Elbe-Kapitäne ausgerufen. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Pegel die kritische Marke von 6.20 Meter in Torgau überschritten.

„Ab diesen 6.20 Meter wird immer die Schifffahrt eingestellt, weil dann der Fluss aus seinem Bett tritt und es Probleme bei der Navigation geben kann. Außerdem hängt es mit den Durchfahrtshöhen der Brücken zusammen“, beschrieb der Leiter des Außenbezirkes. Er konnte in diesem Zusammenhang noch eine andere Sache klären, die in den Tagen während der Flut für Verwirrung in Torgau gesorgt hatte. So war am Pegel an der Ballustrade/Nähe Schloss stets ein anderer Wert abzulesen, als das Landeshochwasserzentrum des Freistaates bekannt gab. „Es handelt sich hier um einen historischen Pegel, der bereits 1991 aufgegeben wurde. Für uns gilt der Pegel am Hafen mit der entsprechenden Elektronik, der seinerzeit einen neuen Nullpunkt bekam. Es müssten rund 20 Zentimeter Differenz sein“, so Roland Siering. Während die Elbe jetzt einen Höchststand von 9.22 Meter in Torgau hatte, zeigte der Pegel an der Ballustrade lediglich einen Wert von knapp über 9.00 Meter an.

 

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Hilfe mit lauter zuckersüßen Verführungen

Veröffentlicht: Juni 21, 2013 von fluthelfer in Brandenburg

 

Die Bilder von überschwemmten Orten und Landschaften haben die Malchiner Lindenschüler aufgerüttelt. Und sie hatten ein Idee.

Klar, den Flutopfern zu helfen, das machen wir! So viele schreckliche Bilder haben Anne, Ramon, Ricardo und ihre Mitschüler von der Malchiner Lindenschule im Fernsehen und in der Zeitung gesehen. Bilder, die betroffen sie machten.
Deshalb stand für die Mädchen und Jungen sowie ihre Lehrer fest: Wie veranstalten am Donnerstag vor den Sommerferien einen Kuchenbasar – gemeinsam mit dem Sozialwerk. Kirsch- und Schokoladenkuchen, kleine Törtchen und Muffins mit zuckersüßer Glasur – all das boten die Schüler auf dem Malchiner Marktplatz an. Und die Leute standen Schlange. Regina Fritsche brachte gleich einige Mitarbeiterinnen aus dem Rathaus mit. „Ich stamme selbst aus dem sächsischen Döbeln“, sagte sie. Der Ort liege an der Freiberger Mulde und war schon im Jahr 2002 bei der Flut überschwemmt. „Ich finde, die Aktion ist eine tolle Idee. Es ist wichtig, dass wir den Menschen dort helfen.“
Genauso sehen es Anke Steinbach und Peggy Scherbarth vom Friseursalon Figaro. Sie reihten sich ein in die lange Schlange und nahmen für ihre Kolleginnen das eine oder andere Stück Torte mit. „Für die Flutopfer wird jede Hilfe gebraucht.“
Anne legt Stück für Stück auf die Teller. Dabei hat sie Auswahl aus 42 Kuchen. Denn so viele Bleche und Torten haben die Eltern für die Aktion gebacken. Anne half ihrer Mutter natürlich beim Einrühren des Kuchens. Für sie ist es schön, den Flutopfern zu helfen. Viele hätten kaum Geld für Renovierungen oder für neue Möbel, meint sie. Ihre Mitschüler zogen indes mit Kuchenblechen durch Geschäfte, Praxen und ins Pflegeheim an der Bleiche.
Für Schulsozialarbeiterin Rica Düde-Grandtke war es schon der zweite Kuchenbasar gemeinsam mit der Lindenschule. Sie hoffte, dass wieder soviel Geld zusammenkommt wie bei der Spendenaktion für krebskranke Elmaida. Damals seien 500 Euro gesammelt worden. Ganz soviel wurde es dann doch nicht. 421 Euro können die Kinder jetzt überweisen. Rica Düde-Grandtke findet es aber schade, dass es bis jetzt kaum Aktionen für die Flutopfer in der Region gegeben hat.
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red-malchin@nordkurier.de

Kräftezehrende Woche im Flutgebiet

Veröffentlicht: Juni 21, 2013 von fluthelfer in Brandenburg


Der Einsatz im Hochwassergebiet verlangte den Neubrandenburger Katastrophenschützern täglich 18-Stunden- Schichten ab. Bei dem Unwetter wären ihnen die eigenen Zelte beinahe selbst um die Ohren geflogen.

Neubrandenburg.Die Neubrandenburger Katastrophenschützer sind zurück von ihrem Hochwassereinsatz im südlichen Mecklenburg. „Als die Fahrzeuge wieder in der Halle standen und nicht mehr gefragt wurde, wann die nächste Lieferung raus muss, hab ich gemerkt, wie ausgelaugt ich bin“, sagt Andreas Hänisch. Hinter ihm liegt eine kräftezehrende Woche. Er und 24 weitere Mitarbeiter des Roten Kreuz Kreisverbandes Neubrandenburg waren sieben Tage lang täglich 18 Stunden auf den Beinen. Sie wurden alarmiert, um die Hochwasserhelfer in Boitzenburg an der Elbe zu verpflegen. Frühstück, Mittag, Abendbrot.
Kreisbereitsschaftsleiter Stefan Lammert spricht vom Chaos der ersten Tage. Der Wasserpegel in Boitzenburg stieg schneller als vorhergesagt. Von Bundeswehr über DRK bis zum Technischen Hilfswerk waren plötzlich alle verfügbaren Einheiten im Einsatz. Alles mit Blaulicht auf dem Dach musste versorgt werden. „Zu Spitzenzeiten haben wir 1200 Essen ausgegeben.“
Lebensmittel wurden aus ganz Norddeutschland angeliefert. Allerdings fehlten zunächst die notwendigen Kühltransporte. Alles musste deshalb sofort gekocht werden. Nach der Zubereitung musste das Essen zu den verschiedenen Einsatzstationen gefahren werden. „Wir sind an unsere Grenzen gestoßen“, sagt Lammert. Deshalb sandte der Kreisbereitschaftsleiter einen Hilferuf zur DRK-Zentrale in Neubrandenburg.
Von da an unterstützen auch hauptamtliche Mitarbeiter die ehrenamtlichen Helfer vor Ort. Als wenn die Dauerbereitschaft noch nicht belastend genug war, setzten den Helfern in Boitzenburg auch Sturm und Regen zu. „Uns wären fast die Zelte weggefolgen“, erinnert sich Stefan Lammert. Plötzlich brauchten sie selbst Hilfe. Die Feuerwehr sicherte das DRK-Lager auf dem örtlichen Sportplatz schließlich mit Sandsäcken, die die Zelte beschwerten.
Wie man einen solchen Einsatz überhaupt durchhält? „Man funktioniert“, sagt Andreas Hänisch knapp. Es sei auch nicht sein erster Einsatz gewesen. Andere Kollegen hielten das Pensum nicht durch. „Drei hat es entschärft“, so Stefan Lammert. Sie hätten bei der großen Anstrengung in der Hitze ihre Leistungsgrenze überschritten. Karin Lammert verweist auf die Dankbarkeit der Leute vor Ort, die die Hilfe zu schätzen wissen. „Da weiß man, wofür man das macht.“ Am Ende der Woche hatten die Neubrandenburger etwa 10200 Portionen Essen gekocht. Nach einer ersten Bestandsaufnahme des Inventars steht fest: Der Einsatz mit zwölf verschiedenen Anlaufstellen zu Spitzenzeiten hat enorm viel Material verschlissen. Es bleibt die Dankbarkeit der Flutopfer.

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d.kleindienst@nordkurier.de

Noch werden viele  der rund vier Millionen Sandsäcke gebraucht, die allein in Niedersachsen entlang der Elbe lagen und noch liegen.. Da der Pegelstand immer noch weit vom Normalniveau entfernt ist, müssen sie weiterhin die Deiche stabilisieren. Von den Deichkronen haben die Helfer aber schon etliche Sandsäcke abtransportiert. Im Landkreis Lüchow-Dannenberg werden sie zu Sammelstellen gebracht. Der Sand kann nach Angaben einer Landkreis-Sprecherin weiterverwendet werden. Mit dem Abtransport seien vor allem die Deichverbände und die Samtgemeinden betraut.

Abtransport im Juli

Bis die Jutesäcke verrotten, vergeht etwa ein halbes Jahr, so die Sprecherin. Aber auch Plastiksäcke kamen zum Einsatz. Der Landkreis Lüneburg überlegt, diese eventuell für künftige Hochwassereinsätze einzulagern, sagte Wolfgang Kallweit, Fachbereichsleiter Ordnung und Umwelt beim Landkreis Lüneburg. Noch sei es aber zu früh, die Säcke von den Deichen herunterzuholen, sagte Kallweit. Er rechnet damit, dass dies Anfang Juli geschehen könnte. Dann solle möglicherweise wieder ein Aufruf an freiwillige Helfer gestartet werden.

Quelle: ndr.de

Eine Flut von Gerüchten

Veröffentlicht: Juni 21, 2013 von fluthelfer in Bayern

Warum hat es gerade uns erwischt? Nach dem Hochwasser fangen die Menschen an, sich Gedanken zu machen. Einige glauben, dass Deiche mutwillig gesprengt und Dörfer zugunsten größerer Innenstädte geopfert wurden.

Von Heiner Effern und Wolfgang Wittl

Die Wassermassen sind fort, die Arbeiten an Kellern, Häusern und Plätzen schreiten zügig voran. Was bleibt, ist der Strudel an Gefühlen, in dem sich nach der Flut viele Betroffene wiederfinden. Zuerst kam der Schock über das unfassbar viele Wasser, dann die Trauer über die Verluste. Sie wurde gelindert durch die Freude über den unermüdlichen Einsatz der Helfer, durch den eigenen Einsatz, der kaum Ruhephasen zuließ.

Als die Helfer dann abgezogen und die dringendsten Arbeiten erledigt waren, begriffen viele erst, was das Hochwasser in ihrem Leben angerichtet hat. Bei so manchem macht sich Wut breit, genährt von diesen bohrenden Fragen: Warum hat es genau meine Wohnung, meine Siedlung getroffen? Und: Wer hat daran Schuld? Der Herrgott ist weit weg und ein wenig abstrakt, um ihn verantwortlich zu machen. Der Klimawandel auch. Bleiben die Menschen, die im Hochwasser die Verantwortung trugen.

Die Rosenheimer Oberbürgermeisterin Gabi Bauer (CSU) hat die Welle der Gerüchte als solche erst gar nicht wahrgenommen. Es kam eine Mail, dann noch eine, deren Schreiber es nun aber wissen wollten: Hat der Krisenstab der Stadt tatsächlich absichtlich den Deich auf der Südseite der Mangfall geöffnet, um die Innenstädte von Rosenheim und Kolbermoor zu retten? Haben die Verantwortlichen die Stadtteile Aising und Oberwöhr bewusst absaufen lassen? Bauer beantwortete die ersten Mails freundlich, aber bestimmt: Man habe keinen Deich geöffnet, niemanden geopfert.

Doch es wurden mehr Mails, als sogar eine aus dem Rathaus kam, sah sich die OB zum Handeln gezwungen: Sie berief eine Stadtteilversammlung ein. Dort kamen die Gerüchte wieder hoch, von denen niemand genau weiß, woher sie stammen. Die Beteuerung der OB, dass kein Damm zerstört worden sei, wurde zweifelnd aufgenommen. Schließlich drohte der Chef des Ordnungsamts mit einer Klage, falls die Behauptungen weiter die Runde machen sollten. Was auch nicht besser ankam.

Auch im Landkreis Deggendorf machten Gerüchte die Runde, manche Gemeinde sei nur verschont geblieben, weil man andere dafür bewusst habe absaufen lassen. Sogar von gesprengten Deichen war die Rede. „Ein völliger Schmarrn“ sei dies, sagt Jürgen Roith (CSU), Bürgermeister von Winzer. „Fahrlässig und dumm“ seien solche Mutmaßungen.

Natürlich hätten Kommunen wie Winzer oder Hengersberg von gebrochenen Dämmen profitiert, doch eine gezielte Sprengung – die es angeblich auch in Deggendorf zu Lasten von Fischerdorf gegeben habe – dürfte in die Kategorie Verschwörungstheorie fallen.

Die Bürgermeister der Donau-Anrainergemeinden bei Deggendorf hatten während des Hochwassers stets erklärt, keinen Nachbarn zugunsten der eigenen Sicherheit zu opfern. Der Damm sei eben an der schwächsten Stelle geborsten. Dass einzelne Anwohner ihrem Frust nun freien Lauf lassen, sei in gewisser Weise aber verständlich.

Auch die Rosenheimer Oberbürgermeisterin Bauer sagt: „Ich mache deswegen niemandem einen Vorwurf. Die Verzweiflung ist groß. Jeder, der gesehen hat, was das Hochwasser angerichtet hat, versteht das.“ Dass Rettungskräfte vorübergehend vom Damm an der Mangfall abgezogen worden seien, sei ausschließlich geschehen, um deren Leben zu schützen.

Von Passau aus ist die Welle der Beschuldigungen und Gerüchte mittlerweile bis nach München geschwappt. Stadt und Umweltministerium liefern sich seit Tagen eine heftige Auseinandersetzung, wer wann welche Pegelstände weitergab – und ob dies rechtzeitig geschah.

Oberbürgermeister Jürgen Dupper (SPD) und die Leitung des Krisenstabs haben inzwischen ein Schreiben unterzeichnet, in dem sie sich gegen Aussagen des Ministeriums verwahren, die Stadt sei 48 Stunden vor dem Höchststand der Donau (12,89 Meter) bereits über einen Pegel von 10,64 Meter informiert gewesen. „Diese Aussage ist falsch“, heißt es in dem Brief.

Am Donnerstag richtete die SPD-Fraktion im Landtag eine Anfrage ans Ministerium, „wann der Hochwassernachrichtendienst welche Informationen an die betroffenen Kommunen, besonders Passau, weitergeleitet hat“, wie der Passauer Abgeordnete Bernhard Roos sagte.

Das zuständige Wasserwirtschaftsamt Deggendorf wollte sich nach einem Termin im Umweltministerium nicht zu Details äußern. Um Fronten abzubauen, wolle man mit der Stadt Passau „auf Arbeitsebene diskutieren und nicht mehr öffentlich“, hieß es. Tags zuvor hatte OB Dupper bereits an Ministerpräsident Horst Seehofer geschrieben mit der Bitte, den Sachverhalt aufzuklären.

Quelle: sueddeutsche.de

Flora und Fauna spüren die Folgen der Flut

Veröffentlicht: Juni 21, 2013 von fluthelfer in Zentrale der Deutschen Fluthilfe

 

Große Teile des Hochwassers in Deutschland haben sich zurückgezogen. Schlamm, Gestank und Abfall bleiben. Die Giftstoffe darin gefährden Gärten und Äcker. Im Tierreich gibt es aber auch Profiteure.

Ein aufgeschwemmtes Reh treibt in den braunen Fluten. Unweit des Flusses breiten sich metergroße Ölfilme wie Teppiche aus. Das gewaltige Hochwasser hat nicht nur zerstörte Häuser und abgeknickte Bäume hinterlassen, sondern auch giftige Böden und gesundheitsgefährliche Keime. Ackerflächen und Weiden sind potenziell gefährdet – aber auch Gärten, sagte der Professor für Bodenkunde und Bodenbiogeochemie von der Universität in Halle, Reinhold Jahn.

Die Ablagerungen der Flüsse seien prinzipiell etwas Positives. „Sie sind sehr fruchtbar“, sagte Jahn. Doch in den Gewässern wie Elbe und Mulde kämen wegen angrenzender Industriewerke auch Schwermetalle vor. „Wenn sich diese in den Auen ablagern, ist das für die Natur problematisch“, erklärte Jahn.

Zudem lagerten in Kellern allerlei Chemikalien. Farbeimer und Öltanks seien in den Fluten nach oben getrieben worden und ausgelaufen. „Wenn es ein dünner Film ist, wird er in einem Dreivierteljahr von selbst abgebaut“, so Jahn. Sonst müssten dringend Behörden zur Reinigung gerufen werden.

Ertrunkene Tiere belasten die Umwelt

Auch die in den Fluten ertrunkenen Tiere belasten die Umwelt. „Viele Rehe und Hasen, einige Füchse, aber auch andere kleine Tiere wie Mäuse und Maulwürfe sind in den überfluteten Gebieten ertrunken“, sagte der Präsident des brandenburgischen Umweltamtes, Matthias Freude. Auch zahlreiche Vogelnester von Wiesenbrütern wurden überspült. „Sogar Biber ertrinken beim Hochwasser, wenn die Strömung zu stark ist oder sie in ihren Bauen eingeschlossen werden und ersticken.“ Die Kadaver würden Verwesungs- und Fäkalkeime ins Wasser leiten, sagt Reinhold Jahn. „Es wird dringend davon abgeraten, in den Hochwassergebieten Gartengemüse zu essen“, riet Jahn. Das Grundwasser sei hingegen nicht gefährdet, da es meist aus tieferen Grundwasserstockwerken käme.

Die bei weitem größten Auswirkungen hat die Flut bei Spinnen und Insekten. „Millionen kleiner Krabbeltiere sind hier betroffen“, sagte Freude. Und sogar Fische hätten unter den Wassermassen zu leiden: „Mit dem Hochwasser selbst kommen ältere Fische zwar meist klar. Schwierig wird es, wenn das Wasser auf überfluteten Flächen länger steht“, erklärte der Umweltexperte. Bei den jetzigen heißen Temperaturen sei der Sauerstoffvorrat rasch aufgebraucht und die Tiere ersticken. „Ein Fischsterben ist hier vorprogrammiert. Und wenn das Wasser zurückgeht, werden weitere Fische auf dem Trockenen zappeln“, ergänzte Freude.

Störche, Kraniche, Graureiher und andere fischfressende Arten können sich freuen – sie gehören zu den Profiteuren der Flut. Auch ans Tageslicht kommende Regenwürmer sowie flüchtende Mäuse und Maulwürfe brauchen sie nur aufzusammeln.

Überleben auch ohne Arche Noah

Aber viele Flüchtlinge überleben die Fluten auch unbeschadet – selbst ohne eine Arche Noah: „Die Tiere sind nicht unvorbereitet. In ihrer Entwicklungsgeschichte haben sie Hochwasser schon oft erlebt“, sagte Freude. Und manche hätten im Laufe der Jahrmillionen erstaunliche Mechanismen entwickelt, um Flutkatastrophen zu entgehen.

So können alle Säugetiere schwimmen. Vögel legen neue Eier und machen sogenannte Nachgelege, wenn ihre Nester überspült wurden. Und sogar am Boden krabbelnde Spinnen können den Wassermassen entfliehen. „Sie geben seidene Fäden in die Luft ab und lassen sich vom Wind wie an kleinen Fallschirmen davontragen“, sagte Freude.

Landwirte kämpfen mit eigenen Problemen: Kühe und Pferde dürften erst weiden, wenn die Ämter die untersuchten Felder wieder freigeben würden, sagte der Sprecher des Landesbauernverbands Sachsen-Anhalt, Christian Apprecht, in Magdeburg. Es sei möglich, dass Weiden noch monatelang gesperrt blieben.

Die Dürrezeit muss mit Futterreserven aus den Lagern überbrückt werden. „Doch das wird irgendwann knapp“, sagte Apprecht. Die Bauern schauen mit bangen Blicken gen Winter. Da noch immer etwa 115.000 Hektar Land unter Wasser stehen und einige Gebiete kontaminiert sein könnten, kann auf den Feldern kein Heu für die kalte Jahreszeit gemacht werden.

Um die Not zu lindern, stellen Bund und Länder für die Beseitigung der Schäden in den Hochwassergebieten bis zu acht Milliarden Euro bereit – im Fluthilfefonds. Landwirtschaftliche Betriebe erhalten nach Angaben der Landesregierung eine Soforthilfe von maximal 5000 Euro.

Quelle: welt.de

Zwei Mal überschwemmt, das reicht jetzt

Veröffentlicht: Juni 21, 2013 von fluthelfer in Sachsen

Die Bewohner von Seydewitz fühlen sich verraten. Zwei Mal hat die Elbe ihr Dorf überschwemmt, spülte ihnen Gülle, Dreck und Öl in die Stuben. Auf einen höheren Deich warten sie bis heute. Nun gibt es für sie nur noch eines: Bloß weg!

Skalli und Maxi, die beiden Mischlingshunde, spürten die nahende Katastrophe zuerst. Als die Tiere nur noch fiepten und Rolf Härtner nicht mehr von der Seite wichen, wusste er, dass es Zeit war zu fliehen. Da schwappte die Elbe bei Torgau gerade über den Deich, und den Härtners blieben noch 20 Minuten, um sich vor den Fluten in Sicherheit zu bringen. Zusammen mit den anderen Einwohnern des kleinen Dorfes Seydewitz, rund zwei Autostunden von Berlin entfernt.

Das Wasser ist weg, doch Seydewitz bleibt verwaist. Die meisten Nachbarn kommen nur noch zum Arbeiten her, zum Aufräumen und Retten, was noch zu retten ist. Wenn Rolf Härtner sein Haus betritt, hebt er erst einmal seinen Unterarm vor Nase und Mund.

Im Wohnzimmer verschlägt es einem den Atem. Ein ätzender Geruch liegt in der Luft, er scheint sich in die Wände, die Tapeten, Paneele, den Fußboden und die ruinierten Einbaumöbel hineingefressen zu haben. Die Fenster und Türen sind weit geöffnet, es hilft nichts. „Das ist die Gülle von den Feldern“, sagt Härtner, 66 Jahre alt. Als wäre das Wasser allein nicht schon schlimm genug gewesen, hat der Fluss alles in die Häuser gespült, was nicht niet- und nagelfest war. Holz, Sand, Abfall – und auch Öl. „Im Nachbarhaus hat das Wasser das Ventil eines Tanks gebrochen. Das Zeug schwamm überall hin.

Bloß raus. Härtner hält sich wieder die Nase zu und flüchtet zurück auf den Hof, wo ihn Skalli und Maxi verhalten begrüßen. Die Hunde scheinen die Verzweiflung der Menschen zu spüren. Sie winseln nicht, wagen sich nicht von ihrer Decke und heben nur leicht den Kopf. Ihr Herrchen seufzt. „Lange hält das hier keiner aus. Hier ist nicht mehr viel zu retten.“

Als vor rund zwei Wochen das Wasser kam, stiegen Härtner und seine Frau Edith ins Auto und fuhren mit anderen Dorfbewohnern im Konvoi in ein früheres Kinderferienlager auf einer Anhöhe über dem Nachbardorf. Dort leben bis heute 17 der insgesamt 55 Einwohner des Dorfes „mehr schlecht als recht“. An eine schnelle Rückkehr nach Seydewitz denkt niemand, denn da funktioniert noch nicht einmal der Strom. Härtner trägt einen Sechstagebart.

Seydewitz droht ein Geisterdorf zu werden. Die Mehrheit der Einwohner will aufgeben, sich weit weg von Deich und Elbe eine neue Existenz aufbauen. „Zwei Jahrhundertwasser in elf Jahren hält niemand aus“, sagt Härtner. „Uns hilft doch sowieso niemand.“ Nur ein paar Landwirte im leicht erhöht liegenden Dorfteil wollten trotzdem bleiben.

 

Sie übernahmen das Haus der Eltern kurz vor dem ersten Hochwasser 2002

Seit 1998 wohnen die Härtners in Seydewitz, Hausnummer 25, hinter dem Ortseingangsschild. Edith Härtner, 64 Jahre alt, lässt sich kaum blicken, sie räumt, kehrt, schrubbt und wirft ihrem Mann nur ab und zu einen ernsten Blick zu. Arbeiten soll er, nicht so viel reden, lautet wohl die Botschaft. Die reinste Therapie, sagt der Ehemann. „Arbeit ist für sie und auch für mich die beste Abwechslung.“ Das böse Erwachen komme erst noch, wenn sie das ganze Ausmaß der Verwüstung realisierten, „auch bei mir“.

Kurz vor dem ersten Hochwasser 2002 hatte Härtner gerade das mehr als 100 Jahre alte Haus der Schwiegereltern nach den eigenen Wünschen hergerichtet und sich selbstständig gemacht. Der gelernte Klempner eröffnete einen Reparaturservice rund um Haus und Hof, alles lief erfreulich an – bis die Elbe im August erstmals über den rund 500 Meter vom Haus entfernten Deich schwappte und Seydewitz komplett unter Wasser setzte. Es kostete die Bewohner viele Entbehrungen, viel Mühe und Kraft, doch das Dorf konnte sich nach einigen Jahren wieder sehen lassen.

Damals und heute – die Bilder gleichen sich bis ins Detail. Zuerst lief der kleine Bach Dahle am Dorfrand über, weil er nicht mehr in die übervolle Elbe münden konnte, bald reichte die Höhe der Deiche am großen Strom nicht aus. Diesmal brach sogar zusätzlich noch der Deich im benachbarten und etwas südlich gelegenen Außig, so dass die Fluten gleich von zwei Seiten das Dorf in die Zange nahmen. Auch damals fanden viele Familien Unterkunft im Kinderferienlager. Genau wie heute ließ sich die Politikprominenz in den Flutgebieten filmen und fotografieren. Rolf Härtner richtete im August 2002 seine Videokamera auf den zwischen Trümmerbergen die Dorfstraße entlanglaufenden sächsischen Ministerpräsidenten Georg Milbradt (CDU), der erst wenige Monate zuvor das Amt von Kurt Biedenkopf übernommen hatte. Mildbradt versprach mit fester Stimme einen neuen Deich für das Dorf, so eine Katastrophe dürfe sich nicht wiederholen.

Härtners Lachen klingt bitter. Er könne sich deshalb so genau erinnern, „weil wir im Jahre 2006 schon wieder abzusaufen drohten“. Als die Bewohner die Behörden zur Eile drängten, habe die Politik immer wieder abgewiegelt. Es fehle das Geld und überhaupt: ein „Jahrhunderthochwasser“, das komme so schnell nicht wieder. In Seydewitz und den anderen Dörfern der Region fühlen sie sich verraten. Das wenige Geld, so wird überall erzählt, habe nur für die neuen Deiche vor dem wirtschaftlich so wichtigen Flachglaswerk in Torgau gereicht.

Fegen, schippen, schöpfen, damit vergehen die Tage der Dorfbewohner. Rolf Härtner macht Pause, legt kurz den Besen aus der Hand und schaut in seinen Gummistiefeln zufrieden über den Hof. „Das sieht ja schon wieder ganz passabel aus.“ Zwei frühere Arbeitskollegen aus Riesa hätten einen halben Vormittag mit angepackt. Die vielen freiwilligen Helfer, die sich Tage oder gar Urlaub für ihren selbstlosen Einsatz am Sandsack nahmen, sucht man in den kleinen Orten meist vergeblich. Hier bleiben Familien, Freunde und Nachbarn auf sich selbst angewiesen. Sohn und Tochter der Härtners sind, wie die meisten jungen Leute aus den ostdeutschen Dörfern, weggezogen, leben in Köln und Saarbrücken. Vergangenes Wochenende sind sie angereist, um den Eltern im Haus zu helfen. Es gibt viel zu tun: Der ganze Putz muss von den Wänden geschlagen werden. Im Keller steht noch das Wasser, das Materiallager für den Reparaturdienst haben sie vor der Flut nach oben in die frühere Scheune geschafft. „Ich will ja meine kleine Firma wieder aufbauen“, sagt Härtner. Die Rente reiche „hinten und vorne nicht“, und noch sei offen, ob das Haus gerettet werden könne. Der Statiker hat in seiner ersten Analyse mehrere Risse in den Wänden festgestellt.

Er hatte oft Besuch von Vertretern der Versicherungen, blieb aber unbeirrt

Plötzlich hält auf der Straße ein Auto, zwei junge Frauen steigen aus. „Kaffee und Kuchen gefällig?“, fragen sie, stehen im nächsten Augenblick schon auf dem Hof, stellen eine Thermoskanne und eine Tüte mit selbstgebackenem Kuchen auf den Tisch. Die Härtners staunen erst stumm, dann lächeln sie breit. Ihren letzten heißen Kaffee haben sie vor Tagen getrunken, Strom, Geschirr oder gar Kaffeepulver hat ihnen die Elbe genommen, und in der Notunterkunft im Kinderferienlager läuft nur ein Notstromaggregat. Rolf Härtner greift zum Stift, er will die Namen und die Telefonnummern der Helfer notieren, damit er ihnen die Kanne zurückbringen kann. „Wir kommen ja wieder“, ruft eine der beiden Frauen zum Abschied. Dann sind sie auch schon nebenan bei den Nachbarn mit neuem Kaffee und Kuchen verschwunden.

Die Flut hat alle Seydewitzer hart getroffen, in jedem Haus stand das Wasser den Bewohnern bis zur Hüfte, in manchen Zimmern sogar bis zum Scheitel. Die Not hat die Menschen zusammengeschweißt. Aber es gibt Zwischentöne, zuweilen klingen sie nach Neid oder Missgunst. „Bist du versichert?“, fragen sich die Nachbarn und wissen: Vor allem die Alteingesessenen können derzeit ruhiger schlafen. „Die alte DDR-Hausratversicherung hat doch die Allianz nach der Wende übernommen. Da steckt die jetzt so wichtige Elementarversicherung schon mit drin.“

Für die Versicherungen wird das zweite Jahrhunderthochwasser eine teure Angelegenheit. Schon nach der ersten Flut, sagt Härtner, hätten ihn unterschiedliche Vertreter dutzende Male besucht, um ihn von der Kündigung der für ihn so günstigen Versicherung überzeugen zu wollen. Doch er widerstand allen Versprechungen mit neuen Angeboten, „zum Glück“. Die Jüngeren sind meist gar nicht versichert, da Seydewitz zur höchsten Risikogruppe für die Versicherten gehört und kein Unternehmen das Risiko tragen will. Sie müssen all ihre Hoffnung nun auf die Spenden und staatlichen Hilfen setzen.

Die Bundeswehr ist schon lange weg, nun bereisen Seelsorger die Elberegion. „Wir hören vor allem zu“, erzählt Anja Wicher von der Diakonie. „Manche Familien haben ihre ganze Existenz verloren, nach 2002 nun schon das zweite Mal.“ Mitunter werde dann dieses Ereignis als persönlicher Schicksalsschlag und sogar Strafe empfunden.

 

http://www.tagesspiegel.de

 

Am Montag kehren die ausquartierten Kinder zurück in die Altstadtschule. Es wird nicht mehr so sein wie vor dem Hochwasser. Nicht nur, weil es keine benutzbare Turnhalle, Werk- oder Handarbeitsräume mehr gibt. Die Kinder bringen in der Katastrophe erlebte Eindrücke mit, die ihnen schwer zu schaffen machen. „Es sind traumatisierte Kinder“, sagt Schulleiterin Petra Seibert.

Die Räume im Erdgeschoss und Keller des prächtigen Schulhauses sind hin, aber die Klassenzimmer in den oberen Stockwerken intakt. Was das Gebäude angeht, hätten die Altstadtschüler schon früher zurückkommen können. Sie blieben aus einem anderen Grund länger in ihrem Ausweichquartier, der Mittelschule Nikola. „Sie mussten unbedingt einmal eine Zeit vom Inn weg in eine Situation absoluter Sicherheit“, erklärt Petra Seibert. Auch als der Inn schon seit Tagen nicht mehr auf Höchststand war, blieb er etwas Bedrohliches. „Diese Angst, dass das Wasser immer noch so nah war − nein, dem hätten wir die Kinder nicht aussetzen können.“

Die verlorene Schule ist nicht das einzige. Viele der Kinder leben auch in der Altstadt und waren daheim von der Katastrophe betroffen. „Wir haben Familien, die alles verloren haben. Die Nerven liegen blank. Auch Eltern haben sich bei uns in der Schule ausgeweint. Mir setzt alles auch persönlich zu“, schildert die Rektorin.

Alle 130 Schüler aus der Altstadtschule wurden in Nikola aufgenommen, die Klassen 1 bis 4 und eine 6. Klasse. „Wir sind zusammengerutscht, es ging irgendwie“, so Petra Seibert. „Aber zur Tagesordnung kann man nicht übergehen.“Die Katastrophe wurde thematisiert. „Das gehört zu unseren pädagogischen Aufgaben.“Unter anderem zeichneten die Kinder das Erlebte. „An diesen Bildern von Kindern der 1. Klasse sieht man, wie sie das bewegt, was ihnen im Kopf umgeht.“Etwa dass ein Erstklässler-Kind das Wasser unter dem Balkon der Oma, der voller Matsch ist, mit Wellen wie Haifischzähnen gezeichnet hat, ist für die Schulleiterin ein Zeichen, dass hier nicht nur der Fluss aufgewühlt ist.

„Jetzt schauen wir, dass wir zur Normalität zurückkehren“, blickt die Schulleiterin der Rückkehr am Montag entgegen. Drei Klassen aus Niedernburg, die während des dortigen Umbaus im Gebäude der Altstadtschule untergebracht sind, sind schon vorausgegangen und wieder im Haus, als die Aufräumungsarbeiten dies zugelassen hatten. Bei den Niedernburger Klassen handelt es sich aber um ältere Schüler.

Die Schulfamilie sei für die Rückkehr gewappnet, ist Petra Seibert überzeugt: „Wir sind durch die Katastrophe zusammengewachsen.“Das Zusammentreffen mit den Eltern im Innenhof oder der gemeinsame Gottesdienst der Schulfamilie am Sonntag seien tief beeindruckend gewesen. „Und wie sich die Großen der Kleinen angenommen haben“wird die Schulleiterin nie vergessen. Auch nicht, wie die Kinder der Altstadtschule am ersten Tag in der Nikolaschule erschienen sind: „Aufgereiht wie am ersten Schultag, alle an der Hand von Mama oder Papa. Man hat die Sorgen gesehen, die alle hatten.“

 

Ihre Turnhalle werden die Kinder in diesem Jahr nicht mehr benutzen können. Deren Doppelflügel-Eingang liegt ebenerdig − als der Inn weg war, hingen Schlingpflanzen in den Basketballkörben. 70 Zentimeter Schlick am Boden war auch in den Fachräumen, die bis zehn Zentimeter unter der Decke vollgelaufen waren. Die schweren Werkbänke, die die Hausmeister noch auf Eisengestellen aufgebockt hatten, waren von den Fluten heruntergerissen worden. Im gefluteten Erdgeschoss und Keller befinden sich auch die Umkleiden, Nasszellen und die nun zerstörte Heizanlage. „Wir brauchen jetzt Geld, viel Geld“, sagt die Rektorin. Auch das gehört dazu, damit die Kinder ihre Schule vom Fluss zurückbekommen.

Quelle: Passauer Neue Presse