„Wussten, dass es eng wird“: Hochwasser hat mindestens 22.000 Euro Schaden hinterlassen bei Petra und Uwe Christoph aus Gera

Veröffentlicht: Juni 20, 2013 von fluthelfer in Thüringen

Als die Lautsprecheransage kam, wussten Uwe und Petra Christoph, „dass es eng wird“. „Es wurde gesagt, man solle sich in die oberen Stockwerke in Sicherheit bringen. Das war am Montagfrüh, halb zwei“, sagt der 55-Jährige.

Zuvor hatten die Eheleute aus ihrem Keller in der Geraer Conradstraße im vom Hochwasser schwer getroffenen Stadtteil Untermhaus vor den Fluten bereits gerettet, was zu retten war. Es war bei weitem nicht alles.

Am darauffolgenden Donnerstag war das Wasser wieder aus dem komplett überfluteten Untergeschoss und dem ebenfalls überschwemmten Garten gewichen. Doch noch heute tropft es im Keller von der Decke, ist Feuchtigkeit in den Wänden und Böden. Und es ist viel Platz. Schließlich mussten sich die Beiden von allerlei Habseligkeiten trennen. Auf etwa 22″000 Euro summiert sich laut Uwe Christoph der Schaden, „ohne Neuanschaffungen“. Größter Posten, so sagt der Schichtleiter des Kristallbades in Bad Klosterlausnitz, sei die im Keller befindliche Heizung gewesen. Das Steuerteil wurde bereits wieder erneuert.

Von der Versicherung ist für die Schäden nichts zu erwarten. Zwar haben die Christophs einen Schutz vor Elementarschäden. Der Hochwasserschutz allerdings ist ihnen bereits 2011 vom Versicherer gekündigt worden. Wegen der gefährdeten Wohnlage so nah an der Weißen Elster, hieß es. „Jetzt sind wir zwar gegen Blitz- und Leitungswasserschäden versichert, aber nicht gegen Hochwasser“, sagt er: „Wir haben der Kündigung widersprochen, es hat nichts geholfen. Wir haben uns um eine neue Versicherung bemüht, aber keine Chance.“

Auch in den Genuss der Soforthilfen für Hochwassergeschädigte kommen die Eheleute, die seit 2005 in der Conradstraße wohnen, nicht. Die Einkommensgrenze wird, wenn auch nicht deutlich, überschritten. Dann schließlich, vorige Woche, haben die Christophs in unserer Zeitung in einem längeren Beitrag von der Aktion „Thüringen hilft“ erfahren – und einen Antrag auf Hilfe gestellt.

Petra Christoph, ist aber nun glücklich und dankbar, mit 750 Euro von den Spenden der Leser bedacht worden zu sein. Die Bewerbung sei dabei deutlich unkomplizierter gewesen, als etwa die Beratung im Geraer Stadtservice zum Soforthilfe-Programm, sagt Uwe Christoph: „Das Antragsformular ist sehr einfach gestaltet.“

Ob das Geld schon auf ihrem Konto eingegangen ist, wissen die Eheleute noch nicht, wohl aber, wofür sie es brauchen können. „Es sind so ganz profane Dinge, kleine Dinge, wie Handtücher, Werkzeug und sowas“, sagt die 53-Jährige.

Doch nicht nur materiell hat das Hochwasser von Anfang Juni Spuren bei der Familie hinterlassen, auch mental. „Schon wenn es regnet, ist da die Angst vor einem neuen Hochwasser“, sagt die Beamtin: „Vorher haben wir mit einem Hochwasser nicht gerechnet, das letzte soll es hier ja 1954 gegeben haben.“

 

Dafür habe die Notsituation aber nicht nur Werte zerstört sondern auch welche gefördert: den Zusammenhalt der Menschen, die gegenseitige Hilfe, die Anteilnahme. „Die Solidarität war einzigartig“, sagt Uwe Christoph und nennt stellvertretend einen selbst betroffenen Bäcker sowie einen Fleischer, die die Menschen vor Ort in den Tagen nach der Flut versorgt hätten. Und auch die große Spendenbereitschaft bei der Aktion „Thüringen hilft“ bestätigt ihn in seiner Feststellung, dass es diese Werte noch gibt.

Quelle: otz.de

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